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28. Januar 2004

Ein spannendes Feld

Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter: "Die deutschen Herrscher des Mittelalters" Kommt die Rede auf das Mittelalter, sind es oft die schillernden Herrscherfiguren, die unsere Sichtweise bestimmen. Indes wird das Bild – das wir von Otto dem Großen, Friedrich Barbarossa oder Rudolf von Habsburg haben – auch von zahlreichen Legenden geprägt, die die historischen Persönlichkeiten im Laufe der Jahrhunderte umrankten.

Ein jüngst im Münchner C.H. Beck-Verlag erschienener Biographienband bemüht sich nun, das Rankengeflecht der Legenden und Halbwahrheiten beiseite zu schieben. Interessanterweise tut dies jedoch der Faszination der beschriebenen Persönlichkeiten von König Heinrich I. bis hin zu Kaiser Maximilian I. keinen Abbruch. Immerhin waren die Herrscher eingebunden in das Machtgeflecht geistlicher und weltlicher Fürstenherrschaft. Jenseits von Reichskrone, Zepter und heiliger Lanze waren sie zudem oft genug auch von den Ränken der engsten Verwandten bedroht, so dass es galt, zugleich Hausmacht und Reichspolitik im Auge zu behalten.

Herausgegeben wurde der Band vom Bamberger Ordinarius für Mittelalterliche Geschichte Bernd Schneidmüller und von Stefan Weinfurter, der in Heidelberg ebenfalls Mittelalterliche Geschichte lehrt. Dabei gelang den beiden Professoren – in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren Autoren – nicht nur ein gekonnter Blick auf die einzelnen Herrscher, die zwischen 919 und 1519 die Geschicke im Reich bestimmten. Vielmehr geben die 28 Beiträge zu den insgesamt 41 Persönlichkeiten auch Einblick in die Strukturen und zentralen Problemfelder weltlicher und geistlicher Herrschaft des Mittelalters. Sie zeichnen die Konfliktlinien zwischen Adelsgeschlechtern nach, erhellen die politischen Kraftfelder außerhalb der Reichsgrenzen, erklären die Brisanz theologischer Vorstellungen, erläutern die ungeschriebenen Gesetze und lassen uns die Macht mittelalterlicher Rituale und Symbole verstehen.

Vor allem der Symbolik einzelner Handlungen und Gesten kam über die 600 Jahre des untersuchten Zeitraums große Bedeutung zu. Ob nun Heinrich IV. vor Canossa erschien oder Friedrich Barbarossa ins Heilige Land aufbrach – stets kam es auch auf die Wirkung an, die die Handlung auf andere hatte. Herrschaftsausübung war zunächst einmal Herrschaftsdarstellung – auch auf Kosten unterworfener Gegner, wie dies im Falle Ottos III. deutlich wird, der von Stefan Weinfurter selbst porträtiert wurde: "In Italien wollte man sich der kaiserlichen Majestät Ottos III. keineswegs beugen. Kaum hatte der Kaiser 996 Italien verlassen, befestigte der Präfekt Crescentius wieder seine Macht in Rom. Papst Gregor V. konnte seine Stadt nicht mehr betreten und irrte im Lande umher."

Die Lage verschärfte sich weiter, bis im Februar 997 der Gegenpapst Johannes XVI. erhoben wurde. Nun musste Otto III. reagieren, der laut den Annalen von Quedlinburg "von göttlichem Zorn erregt" gewesen sei. Noch Ende 997 zog er mit einem großen Heer über die Alpen, nahm bereits im Februar 998 Rom ein und belagerte die Engelsburg, in der sich der Präfekt verschanzt hatte. "Johannes XVI. bot in seiner aussichtslosen Lage den Verzicht auf seine Papstwürde an und floh aus Rom, als Otto III. ihn abwies. Der Kaiser war entschlossen, keine Gnade walten zu lassen. Nunmehr sollten Zeichen seiner imperialen Hoheit gesetzt werden. Auf der Flucht wurde der Gegenpapst aufgegriffen und sogleich an Augen, Nase, Zunge und Ohren grausam verstümmelt. Nach Rom zurückgebracht, verurteilte ihn Anfang April 998 eine Synode unter Vorsitz Papst Gregors V., der die Cathedra Petri wieder in Besitz genommen hatte. Man riss dem Gefangenen die päpstlichen Gewänder vom Leib, setzte ihn rücklings auf einen Esel und trieb ihn zum Gespött der Menschen nackt durch die Straßen Roms."

So grausam dieses Vorgehen auch sein mag, zeigt es doch deutlich, wie sehr es den Regenten auf "öffentlichkeitswirksame" Handlungen ankam – und wie stark gerade die inneritalienischen Verhältnisse die deutschen Herrscher des Mittelalters immer wieder in Anspruch nahmen. Und doch sind die geplanten, oft verschobenen und nicht immer erfolgreichen Italien- und Romzüge nur eine Facette mittelalterlicher Herrschaftspraxis, die in den kenntnisreich geschriebenen Kurzbiographien lebendig wird. Ottonen, Salier, Staufer oder Habsburger – in den Lebensgeschichten der Herrscher schildern die Autoren gleichzeitig die wichtigsten Weg- und Wendemarken der Reichsgeschichte im Mittelalter. Und dies ist auch ohne umrankende Legendenfülle ein spannendes Feld.

Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): "Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I.". Verlag C.H. Beck, München 2003. 624 S., ISBN 3-406-50958-4, 34,90 Euro.

Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
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