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7. Januar 2004

Ein gelehrter Sammler

Manches Fundstück, aber Goethe erscheint nur fragmentarisch: Friedrich Gundolf und seine Bibliothek

Friedrich Gundolf. Foto: Archiv

Friedrich Gundolf. Foto: Archiv

Sage mir, welche Bücher du besitzt und ich sage dir, was für ein Mensch du bist. Besonders eine Gelehrtenbibliothek erlaubt Rückschlüsse auf die Persönlichkeit dessen, der sie zusammengestellt hat. So verhält es sich auch bei Friedrich Gundolf (1880-1931), dem Heidelberger Literaturhistoriker, der ein besessener Büchersammler war und um sich eine Bibliothek aufbaute, mit der er der Zersplitterung des Wissens durch "eigene Sammeltätigkeit im privaten Mikrokosmos einen Entwurf von Ganzheit" entgegenstellte.

So beschreibt Gundolfs Intention jedenfalls Michael Thimann. Der in Berlin lebende Kunsthistoriker, Jahrgang 1970, hat sich bisher als Forscher über die Rezeption der Antike in der Renaissance profiliert, seine nun erschienene Studie "Caesars Schatten. Die Bibliothek von Friedrich Gundolf. Rekonstruktion und Wissenschaftsgeschichte" versteht sich als Beitrag zur Überlieferung antiken Wissens in der abendländischen Geistesgeschichte, bei der die Gelehrtenbibliothek ein besonders hilfreiches Medium war.

Gundolfs Bibliothek umfasste zuletzt ungefähr 7500 Titel, was keineswegs besonders umfangreich war. Andere damals in Heidelberg lebende Gelehrte hatten eine größere Menge an Büchern zusammengetragen, doch schon der Dichter Karl Wolfskehl rühmte an Gundolfs Bibliothek, sie sei "die lebensvollste aller mir bekannten Sammlungen". Dabei war sie unsystematisch, doch voll prächtiger Fundstücke. Aber bei so mancher papierner Pracht erschöpfte sich dessen Bibliothek keineswegs in der Liebe zum schönen Buch, sondern bezeugte als intellektuelles Porträt ihres Besitzers dessen geistige Interessen. Besonders auffällig war in ihr eine wertvolle Sammlung von Büchern und Schriften aus dem Barock sowie die sehr umfangreichen Beständen der Dichtung des 19. Jahrhunderts. Die Literatur von und über Goethe allerdings – bekanntlich gründete Gundolfs Ruhm zu seiner Zeit auf seiner 1916 erschienene Goethe-Monographie – wurde eher fragmentarisch gesammelt. Ganz anders verhält es sich mit Gundolfs Sammlung von Büchern von und über Julius Caesar. Sie bildet unbestritten das Herz der Bibliothek. Schon zu Schulzeiten ein Verehrer des Römers, bestärkt durch den Caesaren-Kult im Dichterkreis um Stefan George, dem Gundolf eine Zeit lang angehörte, sammelte Gundolf alles über ihn und beschränkte sich dabei keineswegs nur auf die Buchform. Eine Büste stand an Gundolfs Schreibtisch. Bisweilen korrigieren die jeweiligen caesarischen Fundstücke die Vorstellung, Gundolf, der 1924 seine ambitionierte Schrift "Caesar. Geschichte seines Ruhms" veröffentlichte, hätte es vor allem an Heldenverehrung gelegen. So findet sich manche Karikatur des Heroen, die Gundolfs Obsession selbstironisiert.

Nach dessen plötzlichem Tod war der geschlossene Erhalt der Bücher ein großes Problem. Zwar katalogisierte Elisabeth Gundolf zusammen mit Raymond Klibansky die Bestände, und die Möglichkeiten, die Bibliothek vollständig in Heidelberg zu erhalten, waren zunächst gegeben. Doch die Machtergreifung der Nationalsozialisten vereitelte alles. Sowohl Klibansky als auch Elisabeth Gundolf mussten früh emigrieren.

Gundolfs Bibliothek sollte zusammen mit der Bibliothek Warburg nach England gebracht werden. Einiges ging dabei verloren, Gundolfs Witwe sah sich ob ihrer prekären finanziellen Situation darüber oft genötigt, wertvolle Einzelstücke zu verkaufen. Die Caesar-Sammlung wurde später zum Glück in den USA wiedergefunden. Da eine vollständiges Verzeichnis aller Titel aus Gundolfs Bibliothek nicht mehr existiert, sah sich Michael Thimann zu einer Rekonstruktion gezwungen. Wer die im Anhang beigefügte Liste studiert, gerät ins Schwärmen.

Franz Schneider

Michael Thimann: Caesars Schatten. Die Bibliothek von Friedrich Gundolf. Rekonstruktion und Wissenschaftsgeschichte. Manutius Verlag, Heidelberg 2003, 297 S., 49 Euro.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
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