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3. Januar 2004

Die Rolle der Universität Heidelberg in der Welt

Gespräch mit dem chilenischen Botschafter Mario Fernández – Das "Heidelberg Center"

Das nachfolgende Interview mit Mario Fernández, dem chilenischen Botschafter in Berlin, wurde im Heidelberger Restaurant "Zum Weißen Bock" geführt. Fernández war zu einem Antrittsbesuch als Botschafter angereist. In der Vergangenheit hat er bei verschiedenen Aufenthalten mehr als acht Jahre in Heidelberg gelebt. Über sein Verhältnis zur Stadt haben wir bereits im RNZ-Lokalteil berichtet.

Was war bei Ihrem Antrittsbesuch als Botschafter in Heidelberg für Sie wichtig?

Dr. Fernández: Es gibt eine intensive Verbindung zwischen der Ruprecht-Karls-Universität und chilenischen Universitäten – insbesondere seit der Gründung des "Heidelberg Center Lateinamerika" in Santiago de Chile. Dies war der erste Bereich, in dem ich als Botschafter mit der Ruperto Carola zu tun hatte. Es gibt Interessen, dass sie in den allgemeinen Beziehungen zwischen Chile und Deutschland bei der wissenschaftlichen Kooperation eine Rolle spielt.

Ging es auch um konkrete Wissenschaftsthemen?

Dr. Fernández:Mir wurde die Entwicklung des Neuenheimer Felds gezeigt. Und es gibt einige wichtige medizinische Projekte mit chilenischen Universitäten.

Die Medizin ist auch im "Heidelberg Center" vertreten.

Dr. Fernández:Ja. Zum Beispiel die Neugeborenenmedizin oder die Psychiatrie. Außerdem existiert eine Zusammenarbeit zwischen chilenischen Universitäten und dem Deutschen Krebsforschungszentrum bei der Krebsbehandlung.

Inwieweit sind Sie als Botschafter in den bilateralen wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Chile und Deutschland tätig?

Dr. Fernández:Diese Aufgabe ist unvermeidlich, denn ich bin Wissenschaftler und Diplomat. Ich nutze meine Erfahrung für wissenschaftliche Kontakte – natürlich auch zu anderen deutschen Universitäten. Mit Heidelberg kommt es im Bereich des Völkerrechts zu einer neuen Kooperation zwischen der juristischen Fakultät und der Universidad de Chile, einer Einrichtung für internationale Beziehungen. Jura und Medizin werden im "Heidelberg Center" neben der anfänglichen Politologie immer wichtiger.

Sie haben bei Prof. Dieter Nohlen in Politischer Wissenschaft promoviert. Später waren Sie in Chile Verteidigungsminister und Minister im Präsidialamt. Hat Ihnen das Heidelberger Studium während Ihrer Laufbahn geholfen?

Dr. Fernández:Ich habe meine Dissertation in Heidelberg über den Begriff der nationalen Sicherheit in Lateinamerika geschrieben. Mein Forschungsgegenstand waren die Militärs dort, und diese Kenntnisse habe ich in meinen späteren Ämtern genutzt. Aber auch unabhängig von der inhaltlichen Ausbildung habe ich durch das Heidelberger Studium in meinem Handeln eine gewisse Prägung erfahren.

Wie haben Sie die ersten zwei Jahre des "Heidelberg Center" erlebt?

Dr. Fernández:Ich war an seiner Gründung beteiligt und habe etwa auch in Stuttgart Gespräche geführt. Mit dem bisherigen Verlauf bin ich zufrieden, obwohl man in der Anfangsphase immer auch strukturelle Probleme lösen muss. Das Center hatte aber schon früh die Reife, um diese Entwicklung zu verkraften. Zu Beginn gab es mit der doppelten Führung des Centers eine Schwierigkeit: Prof. Nohlen hatte die wissenschaftliche und Dr. Walter Eckel die geschäftsführende Leitung übernommen. Die Fakten haben dann gegen diese Struktur gesprochen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Centers?

Dr. Fernández:Am Anfang war die Initiative zu diesem Projekt stark von Prof. Nohlen geprägt – er war bei der Gründung des Centers der wissenschaftliche Kopf. Damals wurde an ein geisteswissenschaftliches Zentrum der Politischen Wissenschaft und angrenzender Fächer gedacht. Weil Chile ein Beispiel der Stabilität in Südamerika ist, hat die Verfassung des Landes auch wissenschaftliche Auswirkungen: In Chile konnte man die neuen Probleme der Demokratie in Lateinamerika exemplarisch untersuchen – und dies war von Prof. Nohlen sehr gut erkannt worden. Vom deutschen Angebot, aber auch von der chilenischen Nachfrage her, zeigte sich dann, dass die Universität eine Vielfalt von Wissensangeboten bereitstellen kann. So besuchten Ministerpräsident Erwin Teufel und Rektor Peter Hommelhoff Anfang 2003 mit einer großen Delegation Chile, und zwischen der Universität Heidelberg sowie den beiden größten Hochschulen des Landes, der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica, wurde ein Abkommen unterzeichnet, das eine Erweiterung der Fachrichtungen des Centers ermöglicht. Deshalb schätze ich sein Potenzial mit großem Optimismus ein.

Heidelberger Wissenschaftler sind auch in den chilenischen Anden aktiv. Dort sind am "Very Large Telescope" das hiesige Max-Planck-Institut für Astronomie und die Heidelberger Landessternwarte beteiligt.

Dr. Fernández:Im vergangenen November hatte ich das große Vergnügen, während eines Staatsbesuchs von Bundespräsident Johannes Rau das Projekt zu besuchen. In der Delegation des Bundespräsidenten reiste der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, mit – auch er ist ein Alumnus der Universität Heidelberg. Und er berichtete mir von diesem Projekt, das einmal das größte Observatorium der Welt sein wird.

Also auch dorthin reichen die Heidelberger Verbindungen.

Dr. Fernández:In Heidelberg bin ich immer zurückhaltend mit dem Lob der Ruperto Carola. Aber sie hat doch einen großen Ruf in der Welt. Und dies nicht wegen ihrer Tradition als älteste deutsche Universität, sondern wegen der Leistungen ihrer heutigen Wissenschaftler. Die Heidelberger Bevölkerung muss erkennen, welche Rolle die Universität in der Welt spielt.

Sind die chilenisch-deutschen Beziehungen im Bereich der Wissenschaft generell besonderer Art?

Dr. Fernández:Ja. Wir haben inzwischen mehr als fünfzig Vereinbarungen zwischen chilenischen und deutschen Universitäten. Zwischen den beiden Ländern gibt es seit dem 19. Jahrhundert eine lange gemeinsame Tradition im Wissenschaftsbereich, die sogar die großen beiderseitigen Schwierigkeiten im 20. Jahrhundert überdauert hat. Die heutige Stabilität Chiles ermöglicht eine wirkliche wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland – sie ist keineswegs eine Einbahnstraße.

Auch amerikanische Universitäten sind in Chile vertreten.

Dr. Fernández:Vor allem durch Vereinbarungen mit chilenischen Hochschulen gewinnen amerikanische Universitäten immer mehr Einfluss: zum Beispiel die Chicago University im Bereich der Wirtschaftswissenschaft, die Georgetown University in der Politikwissenschaft – aber auch etwa die Stanford University und weitere Hochschulen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die USA gegenüber Europa in Lateinamerika lange im Vorteil, bis das europäische Interesse seit den sechziger Jahren zunahm. In den neunziger Jahren ist es dann leider wieder zurückgegangen, weil Lateinamerika keine konfliktreiche Region mehr war. Und ich sehe heute mit Besorgnis, dass die Lehrstühle für Lateinamerikastudien an mehreren deutschen Universitäten reduziert werden.

Heribert Vogt

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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