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13. Januar 2004

Ein Heidelberg-Haus in den USA

Gespräch mit Prorektor Chaniotis über die Ruperto Carola im internationalen Wettbewerb

Prof. Angelos Chaniotis

Prof. Angelos Chaniotis, Prorektor für internationale Angelegenheiten der Universität Heidelberg. Foto : Alex

Die Universität Heidelberg stößt in schwierigen Zeiten auf den internationalen Bildungsmarkt vor. Sind da die finanziellen Probleme vorprogrammiert?

Chaniotis: In diesen Zeiten bedeutet jede neue Initiative – und die Internationalisierung ist eine solche – Schwierigkeiten bei der Einwerbung der entsprechenden Mittel. Deshalb setzen sowohl die Landes- als auch die Bundesregierung Prioritäten. Aus unserer Sicht gehört die Bildung zu den absoluten Prioritäten, und es ist erfreulich, dass die SPD die Bedeutung der forschungsstarken Universitäten anzuerkennen scheint. Wenn gegenwärtig von einem Europa des Wissens die Rede ist und die große Bedeutung der Wissenschaft für die Zukunft der europäischen Wirtschaft betont wird, wäre es sehr kurzsichtig, gerade in diesem Bereich zu sparen. Leider hat das Jahr 2004 mit Hiobsbotschaften auf diesem Gebiet angefangen. Die Landesregierung hat die Mittel für die Partnerschaften ausgerechnet mit chinesischen Universitäten um 50 Prozent gekürzt, und auch die ersatzlose Streichung der Mittel für die Betreuung ausländischer Studierender ist schon angekündigt worden.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der neuen wissenschaftspolitischen Debatte, die von der SPD ausgelöst wurde?

Chaniotis: Ich war enttäuscht darüber, dass in der Debatte über Zukunftsperspektiven in Deutschland Bildung und Wissenschaft bisher keine Rolle spielten. Aber auch nach dem Bildungsvorstoß der SPD wird die Diskussion in einer sehr fragmentierten Weise geführt, ohne auf größere Kontexte zu achten. Geld allein wird die deutschen Universitäten nicht zu Spitzenpositionen verhelfen, wenn die sonstigen Rahmenbedingungen ungünstig bleiben; es besteht dringend Handlungsbedarf in der Erweiterung der Autonomie deutscher Universitäten, im Auswahlverfahren der Studierenden, in den arbeitsrechtlichen Bedingungen, in Studienbeiträgen, im Einwanderungsrecht, in der flexiblen Gestaltung exzellenter Studiengänge, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie beurteilen Sie den Kurs der Politik?

Chaniotis: Viele hochschulpolitische Äußerungen von Politikern verraten meines Erachtens eine Unkenntnis der Realität der Universität. Zum Beispiel hat der neue Wissenschaftsminister in Bayern, Thomas Goppel, gefordert, dass auch die Professoren mehr arbeiten müssen. Wenn die Professoren nur die 42 Stunden arbeiten würden, von denen Goppel ausgeht, würde der ganze Wissenschaftsbetrieb mit seinen Gutachten, Drittmitteleinwerbungen, Konferenzen, Doktorandenbetreuungen und Publikationen von Forschungsergebnissen zusammenbrechen. Auch beim Thema Internationalisierung beschränkt man sich auf den Bologna-Prozess, die Vereinheitlichung der Abschlüsse in Europa, und isoliert dieses Thema von der allgemeinen globalisierten akademischen Welt.

Immerhin stellt sich Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn hinter die Internationalisierung.

Chaniotis: Dies ist sehr zu loben, und in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat sie kürzlich entsprechende Entwicklungen hervorgehoben. Aber auch hier widersprechen die Forderungen häufig der Wirklichkeit. So will die Ministerin den Anteil der ausländischen Studenten von acht auf zehn Prozent erhöhen. Die Universität Heidelberg – mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent – sieht die Dinge doch etwas pragmatischer. So ist eine weitere Erhöhung dieses Anteils nicht möglich, wenn man die Mittel für den Bau von Gasthäusern streicht. Ein weiteres Problem besteht in der Kürzung der Bundesmittel für das Goethe-Institut und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), denn sie sind die besten Institutionen zur Vorbereitung ausländischer Studenten für das Studium in Deutschland. Außerdem wurde ein wichtiges Erbe der DDR nicht angetreten: Die Kenntnis der deutschen Sprache in Ländern, zu denen die DDR gute Beziehungen hatte – wie etwa Bulgarien oder Vietnam -, wird nicht genutzt. Schließlich ist für ein Studium in Deutschland häufig nicht die wissenschaftliche Qualität entscheidend, sondern die Tatsache, dass das Studium nichts kostet. Hingegen könnten Goethe-Institut und DAAD helfen, wirklich die besten Studierenden zu rekrutieren.

Können Sie weitere Hindernisse für die Internationalisierung nennen?

Chaniotis: Eine große Herausforderung liegt im Sprachproblem. So gibt es bei den Professoren einen gewissen Widerstand, englischsprachige Studien anzubieten, der nicht immer nachvollziehbar ist. Zu den Absurditäten des Jahres 2004 gehört auch die Tatsache, dass an Heidelberger Fakultäten zwar Dissertationen in lateinischer, nicht aber in englischer Sprache zulässig sind. Dann ist die Kommunikation auf internationaler Ebene oftmals schwierig; hier wird die Universität Heidelberg in Zukunft verstärkt auf ihre Alumni setzen. Außerdem muss die Qualität der ausländischen Studienbewerber gesichert sein. Schließlich müssen auch in Deutschland Studiengebühren eingeführt werden, in welcher Form auch immer.

Was ist noch von der Universität Heidelberg für die Internationalisierung zu leisten?

Chaniotis: Wir haben eine Reihe von neuen Studiengängen – etwa "American Studies" – eingerichtet, weitere sind in Planung. Hinzu kommen müssen Studiengänge zwischen europäischen Universitäten, die gemeinsam geplant und durchgeführt werden. Die studentische Mobilität, die von der Europäischen Union mit verschiedenen Programmen gefördert wurde, muss sich ändern. Die bisherigen kurzen Aufenthalte von europäischen Studierenden im Ausland reichen nicht aus und müssen verlängert werden. Über gemeinsame Studiengänge sind wir beispielsweise gerade in Gesprächen mit der Universität Oxford. So kann eine bessere Nutzung der Ressourcen erfolgen, denn die Universitäten haben unterschiedliche Profile, die sich sinnvoll ergänzen können.

Welche neuen Vorhaben gibt es?

Chaniotis: Die Universität Heidelberg ist gegenwärtig bemüht, Prioritäten zu setzen. Wir wollen Regionen bevorzugen, die für uns als Universität mit einem bestimmten Profil besonders interessant sind. Vor allem wollen wir in den USA noch sichtbarer werden. Nachgedacht wird über eine permanente Vertretung der Ruperto Carola an einer nordamerikanischen Universität, vielleicht in Gestalt eines Heidelberg-Hauses.

Sind weitere Weltgegenden in der Diskussion?

Chaniotis: Ein sehr wichtiger Kontinent ist Australien/Ozeanien, auch wegen seiner strategischen Position im Hinblick auf Asien. Mit seinen erstklassigen Universitäten kann er aus einer anderen Richtung eine wichtige Brückenfunktion nach Asien übernehmen. Hier können internationale Dreiecke für Kooperationen gebildet werden. Asien ist wegen seiner dynamischen Entwicklung eine besonders interessante Region. Auch dort – etwa in Vietnam oder China – wollen wir die Rekrutierung der ausländischen Studierenden von Heidelberg in die entsprechenden Länder verlagern. Für solche Projekte brauchen wir allerdings die Unterstützung des Bundes.

Welche Bilanz ziehen Sie für das Jahr 2003 in Bezug auf die internationalen Aktivitäten der Universität?

Chaniotis: Es war ein gutes Jahr in schwieriger Zeit. Internationale Projekte wie in Chile konnten stabilisiert werden. Auch neue Initiativen wie das "Centrum für Amerikastudien" in Heidelberg waren erfolgreich. Neue Rekorde gab es bei Zahl und Qualität der ausländischen Studierenden in Heidelberg – hier gehören wir zur Spitze in Deutschland. Gemeinsam mit Konstanz liegen wir auch hinsichtlich der Attraktivität für ausländische Gastwissenschaftler vorn. Und als Mitglied der League of European Research Universities kann Heidelberg maßgeblich die Forschungspolitik der EU beeinflussen.

Heribert Vogt
Rhein-Neckar-Zeitung

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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