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9. Dezember 2003

Wo Wotan mit dem Bunsenbrenner kokelt

Öffentliche Weihnachtsvorlesung: Professor Gerald Linti präsentierte den "Ring des Nibelungen" als chemische Inszenierung

Ohne Feuer kam die Inszenierung nicht aus. Foto: Kresin

Ohne Feuer kam die Inszenierung nicht aus. Foto: Kresin

Er ist kaum zu glauben. Wagner-Oper und Bunsenbrenner, klangvolle Musik und explodierende Chemie, sie passen trefflich zusammen. Unter den versierten Händen von Professor Gerald Linti und seinem Team werden sie sogar zu einer Art Gesamtkunstwerk für die Sinne.

So geschehen bei der ersten öffentlichen Adventsvorlesung der Fakultät für Chemie und Geowissenschaften der Universität Heidelberg. "Wotan, Alberich & Co. – eine chemische Inszenierung des Ring des Nibelungen", hatte der umtriebige Wissenschaftler seine ungewöhnliche Synthese umschrieben. Das Publikum im rappelvollen Hörsaal war hingerissen. Wissenschaft kann anscheinend richtig spannend und sogar zauberhaft sein.

Keine Frage, der 41-jährige Professor Linti hat einen Hang zum Dramatischen. Nicht nur, dass er gerne einmal in die Rolle von Harry Potters Lehrer Professor Snape schlüpft, und dessen alchimistische Experimente nachempfindet, er ist auch ein erklärter Fan der bombastischen Musik des Richard Wagner. Als kein geringer denn Gott Wotan tritt er an diesem bitterkalten Dezembersonntag auf die "Bühne" des riesigen Hörsaals. Im wallenden Gewand mit Augenklappe (beim Werben um seine Gattin Fricka hat er ein Auge eingebüßt) und imposanter Lanze steht er da und lässt es puffen, leuchten und knallen, dass sogar Richard Wagner und seinem Zeitgenossen Robert Wilhelm Bunsen Hören und Sehen vergangen wären. Auf eine runde Stunde dampft er dabei "Rheingold", die "Walküre" und den "Siegfried" ein.

Die "Story" der Opern bietet sich auch wirklich an: Wallende Fluten, zischende Flammen, spuckende Drachen und klingelnde Schmiedewerkstätten in rauen Mengen. Dazu eine ganze Menge ziemlich exzentrischer Götter, Riesen, Zwerge und Drachen.

Ganz zu schweigen vom gewaltigem Schatz, dem Rheingold, über dem nach dessen Raub ein grausiger Fluch liegt. Dazu noch eine kräftige Prise Liebe und Leidenschaft sowie Mord und Totschlag. An "Action" mangelt es wahrlich nicht. Dabei beginnt auch der "Ring des Nibelungen" im Chemie-Hörsaal fast besinnlich. Perlende Klänge werden optisch untermalt durch blubbernde Reagenzgläser in strahlendem Blau. Plötzlich erhebt sich darin ein wallender Nebel, der sich mit dem Trockeneis aus den Nachbarschüsseln zu einer Art Ursuppe vereinigt.

Eine zunächst eher unscheinbare Metallfolie wird von Flammen umspielt und leuchtet dann in strahlendem Gold. Während Wotan alias Linti von den Annäherungsversuchen des Zwerges Alberich an die Rheintöchter und deren Preisgabe des Geheimnisses um das Rheingold erzählt, erglüht ein metallener Reif, sprühen Flammen und der Reif wird zu einem Ring aus Feuer.

Der Zauber der Musik erfordert natürlich auch magische Chemie. Da brennen Teller in Blau, Grün und Rot, dort brodelt es in zylindrischen Gefäßen und weiter drüben schimmert eine Flüssigkeit gleichzeitig türkisfarben und purpurrot. Eisblöcke beginnen wider ihrer Natur zu leuchten. Ein Quecksilbertropfen pocht wie ein schlagendes Herz, wird rund, drei- und sogar sechseckig. Immer pompöser wird Wagners Oper, spätestens zum Ritt der Walküre ist auch noch der letzte Zuhörer abgetaucht in die Tragödie um Wotan und seine Zwillingskinder Siegmund und Sieglinde, die dummerweise auch noch in Liebe zueinander entbrennen. Da fährt die Chemie dann ihre großen Geschütze auf. Es wird gezündelt und gekokelt, was das Zeug hält, sogar "Steine" lassen sich entflammen und trotz Abzug lassen sich nun auch geruchsmäßig die Höllenqualen erahnen.

Als dann auch noch Siegfried, das Kind der inzestuösen Liebe, einen schmählichen Tod erleidet, Brünhilde aus Verzweiflung sich mit in seinen Scheiterhaufen stürzt, ist auch der Rhein nicht mehr zu halten.

Wallend tritt er noch einmal über die Ufer. Lichtblitze und explodierende Luftballons erhellen die Szenerie und das Dutzend der beteiligten Chemiker wird gefeiert wie leibhaftige Opernstars.

Kirsten Baumbusch
Rhein-Neckar-Zeitung

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