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15. Dezember 2003

"Qualität und Integrität in Lehre und Forschung in der Medizin"

Soeben als Buch erschienen: Heidelberger Mediziner wollen einen Beitrag zur kritischen Reflexion über die notwendigen intellektuellen und ethischen Voraussetzungen für eine innovative und zugleich humane Heilkunde leisten

Der soeben erschienene Band verdankt seine Entstehung den seit 1997 regelmäßig abgehaltenen interdisziplinären Kolloquien, die der Arbeitskreis "Wissenschaftlichkeit in der Medizin" an der Medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg jeweils donnerstags im Hörsaal der Ludolf-Krehl-Klinik veranstaltet. Die drei hier vereinigten Themenkreise "Lehrziel Wissenschaftlichkeit" (Wintersemester 1999/2000), "Zukunftsvisionen: Technik in der Medizin im Jahre 2010" (Sommersemester 2000) und "Seriosität und Qualität in der medizinischen Forschung" (Wintersemester 2000/01) hängen eng miteinander zusammen: Seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre sind die strukturellen Bedingungen der Lehre wie der Forschung in der Medizin Gegenstand sowohl der Kritik als auch der Bemühungen um eine gGgrund legende Reform geworden. Neue Lehrformen wie das auf studentische Eigeninitiative abzielende und fFächer übergreifendes Lernen fördernde problemorientierte Lernen (POL) oder früher undenkbare Messinstrumente der Lehrqualität wie die Evaluation von Unterrichtsveranstaltungen durch die Studierenden haben Bewegung in die Planung und Ausgestaltung von Reform-Curricula an den Medizinischen Fakultäten in Deutschland gebracht, wobei die Heidelberger Fakultät mit ihrem klinischen Lehrprogramm HEICUMED eine Vorreiterrolle einnimmt.

Das Unbehagen am Ablauf des Medizinstudiums verstärkte sich in einer Zeit, in der sich die Medizin und das Gesundheitswesen im Umbruch befinden: In einer globalisierten Welt von Anbietern, Kunden und Konsumenten, die jeweils unter dem Primat von Ökonomie und Kosteneffektivität stehen, spielt sich ärztliches Handeln mehr und mehr im Rahmen eines nach erwerbswirtschaftlichen Vorgaben organisierten Gesundheitsmarktes ab, dessen Bedingungen wenig Rücksicht auf das seiner Natur nach personale Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu nehmen scheinen. Zugleich wird dieses Expertenhandeln in zunehmendem Ausmaß von neuen Technologien geprägt, die in Lehre, Praxis- und Krankenhausmanagement und Therapie zur Anwendung kommen. Vom Medizinstudium mithilfe des Internet über die elektronische Patientenakte im Krankenhaus bis hin zu zielgenau arbeitenden Operations-Robotern in den chirurgischen Disziplinen – überall zeigt sich die wachsende Abhängigkeit der Heilkunde, ihrer Anwender und Nutzer von den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien des 21. Jahrhunderts. Werden sich Arzt und Patient eines Tages im virtuellen Raum verflüchtigt haben, wird sich die Medizin von der Ausbildung bis zur Krankenbehandlung nur noch auf Computer-Bildschirmen abspielen – oder kommt es doch immer noch immer auf die einzelnen Personen an?

Diese Frage stellt sich auch bei der Betrachtung der Forschungslandschaft, die sich im Laufe der 1990er Jahre ebenfalls gewandelt hat: Während die Forderung nach höherer Qualität der Forschung und nach evidenzbasierter Medizin erhoben wird, muss man andererseits feststellen, dass wissenschaftliche Leistung zunehmend nach der Höhe eingeworbener Drittmittel, der Quantität der Publikationen sowie nach Impact-Faktoren bewertet wird. Diese Situation führte angesichts unsicherer Karrierechancen an den Universitäten manche Wissenschaftler in einen Konflikt mit ihrer persönlichen Integrität als Forscher, wie einige inzwischen aufgedeckte Wissenschaftsskandale in der medizinischen Forschung gezeigt haben. Die Aussicht auf Stellen, Macht und größere finanzielle Ressourcen war offenbar in der Lage, korrumpierend zu wirken. Hier stellen sich auch Fragen der Ethik in der Medizin, die allerdings ihre eigene disziplinäre Ausgestaltung zwischen legitimer Funktion und gefährlicher Funktionalisierung erst noch finden muss.

Der Heidelberger Arbeitskreis "Wissenschaftlichkeit in der Medizin" möchte mit diesem Band, dessen Druck von der Boehringer Ingelheim Stiftung in Ingelheim am Rhein gefördert wurde, einen Beitrag zur kritischen Reflexion über die notwendigen intellektuellen wie ethischen Voraussetzungen für eine innovative und zugleich humane Heilkunde leisten.

(Wolfgang Eich, Axel W. Bauer, Reinhold Haux, Wolfgang Herzog, Johann Caspar Rüegg (Hrsg.): Qualität und Integrität in Lehre und Forschung der Medizin – Perspektiven bis ins Jahr 2013. (= Wissenschaftlichkeit in der Medizin Teil IV.) VAS Verlag Frankfurt am Main 2003. 206 S., ISBN 3-88864-359-7, Preis: 20,- Euro)

Die einzelnen Beiträge dieses Buches:
Axel W. Bauer: Lehrform oder Leerformel? Wissenschaftlichkeit in der Geschichte der Ärztlichen Ausbildung.

Horst Seller: Umgang mit Wissen – nicht Ansammlung von Wissensstoff.

Silvia Skelin: Lehrziel Wissenschaftlichkeit aus Sicht der Studierenden.

Franz Josef Leven: Globalisierung des Wissens – Chancen und Risiken für die rechnerunterstützte Aus- und Weiterbildung in der Medizin.

Joachim Mühling und Stefan Haßfeld: Informatik und Robotik in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Jan H. van Bemmel: The Promise of Medical Informatics.

Reinhold Haux: Gesundheitsversorgung in der Informationsgesellschaft, eine Prognose für das Jahr 2013 – verbunden mit einer Erinnerung an Karl Jaspers.

Hermann Fröhlich: Auf die Personen kommt es an. Erfahrungen mit der Bewertung biomedizinischer Grundlagenforschung.

Axel W. Bauer: Ethische Argumente im Diskurs über medizinische Forschung – Funktion und Funktionalisierung.

Reinhold Haux: Kriterien für gute medizinische Forschung.

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. med. Wolfgang Eich
Abteilung Innere Medizin I, Medizinische Universiätsklinik und Poliklinik
Bergheimer Straße 58, 69115 Heidelberg
Tel. 06221 568668, Fax 565988
Wolfgang_Eich@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. med. Axel W. Bauer
Institut für Geschichte der Medizin
Im Neuenheimer Feld 327, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 544816, Fax 545457
awb@uni-hd.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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