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13. Dezember 2003

Lob des Kapellmeistertums

Christian Thielemann im Gespräch mit dem Heidelberger Professor Dieter Borchmeyer

Als Wagner-Dirigent hat der Mann natürlich Ausdauer, und so war nach den angesetzten 90 Minuten lange noch nicht Schluss. Das Duo Borchmeyer/Thielemann diskutierte im Rahmen der Ringvorlesung des Germanistischen Seminars ("Ut musica poesis") länger als zwei Stunden über Wort und Ton, Bach und Pfitzner, Pausen und Übergänge.

Thielemann ist einer der gefragtesten jüngeren Dirigenten der Gegenwart, GMD der Deutschen Oper Berlin und ab 2004 auch Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Bayreuth kommt mit jährlichen Verpflichtungen hinzu, ab 2006 macht er dort den neuen "Ring" mit dem Filmemacher Lars von Trier. Nun ist er jedoch keiner von denen, die von Termin zu Termin hetzen. Hat er das Gefühl, die nötige Intensität zum Einstudieren und Dirigieren der Werke nicht mehr aufzubringen, sagt er schon mal Aufführungen ab. So geschehen in Wien, dabei hätte er den "Tristan" noch zwei Mal leiten sollen. Thielemann erklärte, worin die Anstrengung für den Dirigenten besteht: Ähnlich wie bei den Sängern gehe es um die richtige Krafteinteilung, die nötige Abstimmung zwischen Intensität und Kontrolle. Und diese zu finden und einzuhalten, das sei besonders im zweiten Akt des "Tristan" die Schwierigkeit.

Thielemann ist einer, der durch seine Offenheit polarisiert, der ein klares Bekenntnis zur künstlerischen Subjektivität ablegt. Nie geschieht dies aber aus der reinen Lust an der Provokation. Er begründet genau und sehr reflektiert, doch ohne missionarischen Eifer. Er bevorzuge eben ein dunkleres Klangbild, das durch die Hervorhebung der tiefen Instrumente im Orchester entstehe. Dafür verändert er schon mal die Aufstellung, postiert die Bässe hinter den ersten Geigen und widmet sich besonders den Mittelstimmen.

Um Übergänge ging es beim Interpretationsvergleich anhand Schumanns 4. Sinfonie: fünf Aufnahmen, fünf Dirigenten – und zwei klare Sieger. Thielemanns eigene Aufnahme verlor per Akklamation nur knapp, geschlagen von seinem großen Vorbild Wilhelm Furtwängler. Die Kunst des Übergangs bestünde in der Fähigkeit, auch über Pausen weiterzudenken, anzuhalten zwar, aber die Phrase quasi weiterlaufen zu lassen, ja die Intensität trotz oder durch die Pause noch zu erhöhen.

Wer in Sachen "Originalklangbewegung" eine klare Absage erwartet hatte, musste sich getäuscht sehen. Es lasse sich eine Menge davon lernen, was die Phrasierung und bestimmte Spielweisen angeht, doch könne er mit dem Begriff "historisch" nichts anfangen. Und auch hier erläuterte Thielemann, der um die Musik Bachs bisher einen Bogen gemacht hat, warum er gerade das Klangbild der Originalen anzweifelt. Richtig oder falsch, das sei für ihn nicht die Frage. Sein ganz subjektiver Eindruck sei entscheidend, und da habe er mit reduziertem Chor, vibratolosem Spiel und hellem, metallischem Orchesterklang seine Probleme.

Auch mit seinem Pfitzner-Plädoyer macht sich der Dirigent nicht nur Freunde. Während er im Ausland für sein "Palestrina"-Dirigat hymnische Kritiken erhielt, scheint er sich in Deutschland permanent dafür rechtfertigen zu müssen, dass er dessen Werke schätzt. So unsympathisch Pfitzner uns heute auch sein mag, so frei von jeglicher Nähe zum Nationalsozialismus ist der "Palestrina" – oder, um es mit Thielemann zu sagen: "Was hat cis-moll mit Faschismus zu tun?"

Bernd Zegowitz

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