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19. Dezember 2003

Dr. Dierk Thomas und Dr. Markus Munder mit Forschungsstipendien ausgezeichnet

Dr. Thomas erhielt das Hans Dengler-Forschungsstipendium für Klinische Pharmakologie 2003, Dr. Munder das Novartis-Graduierten-Stipendium für therapeutische Forschung 2003

Dr. Dierk Thomas und Dr. Markus Munder mit Forschungsstipendien ausgezeichnet

Von links nach recht: Almut Richter, Geschäftsleiterin der Novartis-Stiftung, Dr. Markus Munder, Preisträger des Novartis-Graduierten-Stipendiums, Prof. Dr. Jochen Tröger, Prorektor der Universität Heidelberg, Dr. Dierk Thomas, Preisträger des Hans Dengler-Forschungsstipendiums und Robert Schilling, Vorstand der Joachim-Siebeneicher-Stiftung. Foto : Welcker

Dr. Dierk Thomas und Dr. Markus Munder, zwei junge Wissenschaftler der Universität Heidelberg, wurden bei einem Festakt in der Alten Universität mit Forschungsstipendien ausgezeichnet, die ihren geplanten Projekten Schub verleihen werden. Dr. Thomas erhielt das mit 8000 Euro dotierte Hans Dengler-Forschungs-stipendium für Klinische Pharmakologie 2003, Dr. Munder das mit 6200 Euro dotierte Novartis-Graduierten-Stipendium für therapeutische Forschung 2003. Die Laudationes hielten Prorektor Prof. Dr. Jochen Tröger und Almut Richter, Geschäftsleiterin der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung.

Seit 1999 verleiht die Universität Heidelberg das Hans Dengler-Forschungsstipendium für Klinische Pharmakologie jährlich an junge Wissenschaftler, die herausragende Projekte planen. Benannt ist die Auszeichnung nach Prof. Dr. Hans Dengler, einem Wegbereiter der Klinischen Pharmakologie in Deutschland. Dengler, 1997 verstorben, war zuletzt Ordinarius für Innere Medizin an der Universität Bonn und forschte als junger Wissenschaftler einige Jahre an der Ruprecht-Karls-Universität.

"Die Universität Heidelberg nimmt in praktisch allen Forschungs-Rankings und Forschungs-Evaluationen einen Spitzenplatz ein", begann Prorektor Prof. Dr. Jochen Tröger seine Laudatio. Nicht umsonst gehöre die Heidelberger Universität zu den 20 Spitzenuniversitäten Europas. "Diese Qualität gilt es in der Zukunft zu verteidigen und zu verbessern. Dies gelingt nur, wenn wir aus der Vielzahl der Studenten die besten für unsere Universität gewinnen können und wenn wir unter den Nachwuchswissenschaftlern unserer Universität die besten über einen längeren Zeitraum an uns binden können und gleichzeitig für qualifizierte junge Forscher aus dem In- und Ausland attraktiv sind."

Tröger: "Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir zurzeit nur beschränkte Anreize – das Gehalt junger Wissenschaftler ist im Vergleich zum freien Markt gering. Und dies bei einer Arbeitszeit, die weit über die Regelarbeitszeit hinausgeht. Was können wir bieten? Ein exzellentes wissenschaftliches Umfeld, und wir können und müssen Anreize für eine Forscherkarriere schaffen. Diese Anreize sind vielfältig und für jeden unterschiedlich."

Ein nicht zu unterschätzender Anreiz seien Preise und Auszeichnungen. "Und wir sind heute zusammengekommen, um zwei solcher Auszeichnungen zu vergeben." Beide, das Novartis-Graduierten-Stipendium und das Hans Dengler-Forschungsstipendium, wurden möglich durch großzügige Unterstützung der Novartis-Stiftung sowie von Aventis-Pharma, Roche-Diagnostics, Merck und der Joachim-Siebeneicher-Stiftung. Prorektor Tröger begrüßte alle anwesenden Vertreter dieser Stiftungen und Unternehmen, die Initiatoren der Preise und die Gäste.

Dr. Dierk Thomas (29) war Stipendiat der Deutschen Studienstiftung und hat – so Tröger – "in wenigen Jahren eine eindrucksvolle wissenschaftliche Leistung hervorgebracht". Seiner Promotion mit "summa cum laude" folgten bald 21 Publikationen. 1999 ging er zu einem Forschungsaufenthalt nach Cleveland, erhielt 2002 den Ludolf-Krehl-Preis der Südwestdeutschen Gesellschaft für Innere Medizin, ebenfalls 2002 das Graduiertenstipendium der Novartis-Stiftung und 2003 das Forßmann-Nachwuchsstipendium der Stiftung Kardiologie der Ruhr-Universität Bochum.

"Identifizierung von individuellen genetischen und molekularen Risikofaktoren für die Entwicklung eines lebensbedrohlichen medikamenteninduzierten Langen QT Syndroms", lautet das Forschungsthema von Dr. Thomas. Herzrhythmusstörungen vom Typ des erworbenen Langen QT Syndroms stellen eine potenziell lebensbedrohliche unerwünschte Medikamentenwirkung dar. Ein entscheidendes Problem der Grundlagenforschung und der klinischen Medizin besteht darin, dass das individuelle proarrhythmische Risiko einer Substanz allgemein und für einen bestimmten Patienten nicht ausreichend abgeschätzt werden kann.

In dem Projekt von Dr. Dierk Thomas soll daher untersucht werden, welche Eigenschaften eines Medikaments und welche individuellen genetischen Faktoren eines Patienten für das Auftreten eines erworbenen Langen QT Syndroms mit dem Risiko des plötzlichen Herztodes verantwortlich sind.

Almut Richter zog Bilanz

Geschäftsleiterin Almut Richter bedankte sich bei der Verleihung an Dr. Markus Munder für die Gelegenheit, "noch einmal" in diesem schönen Rahmen, in der Bel Etage der Alten Universität, das Graduierten-Stipendium der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung übergeben zu dürfen. Richter: "Solche Sätze klingen ein wenig nach Abschied. Und leider ist es auch so." Die Novartis-Stiftung biete die Vergabe ihres Stipendiums ausgewählten medizinischen Fakultäten jeweils befristet für drei Jahre an. Danach werde die Universität gewechselt, "um so jeder dieser Einrichtungen in Deutschland das Stipendium anbieten zu können." Mit der heutigen Übergabe erfülle die Stiftung ihre aktuelle Zusage an die Medizinische Fakultät Heidelberg aus dem Jahr 2001. "Heute endet damit zugleich die zweite Förderperiode der Stiftung in Heidelberg, denn schon in den Jahren 1992 bis 1994 vergaben wir hier Stipendien."

"Am Ende eines Förderabschnitts zieht man gerne Resümee. Die Stiftung hofft, dass das Stipendium für die Fakultät eine willkommene Gelegenheit war, einigen ihrer qualifizierten jungen Wissenschaftler Lob und Anerkennung für besondere Leistungen auszusprechen und diese Anerkennung auch mit einer materiellen Unterstützung untermauern zu können", so Almut Richter. Für die Kandidaten selbst sei es hoffentlich ein besonderes Glanzlicht in ihrer jungen Wissenschaftskarriere, das sie motiviert und anspornt.

"Für die Stiftung sind die Ziele erreicht, wenn der eine oder andere junge Mensch sich durch die Anerkennung in seiner Leistung bestätigt und beflügelt fühlte, den eingeschlagenen Weg in Richtung auf eine wissenschaftliche Karriere weiterzuverfolgen. Und wenn bei dem einen oder anderen darüber hinaus vielleicht sogar der Entschluss erleichtert wurde, nach einem Auslandsaufenthalt wieder an den Forschungsstandort Deutschland zurückzukehren und das erworbene Knowhow hier anzuwenden, sind wir vollends zufrieden. Dabei steht selbstverständlich außer Frage, dass der internationale Erfahrungs- und Wissensaustausch wichtig und befruchtend für alle ist; genauso wichtig ist aber auch, dass qualifizierte junge Wissenschaftler nach einem Auslandsaufenthalt gerne wieder nach Deutschland zurückkommen können, wenn sie es möchten, weil sie auch hier befriedigende Arbeitsbedingungen vorfinden." Im Namen der Novartis-Stiftung gratulierte Geschäftsleiterin Richter dem Stipendiaten Dr. Munder herzlich und wünschte ihm weiterhin viel Erfolg.

Die Stiftung wurde 1969 vom damaligen Pharmaunternehmen Sandoz AG als öffentliche Stiftung des Bürgerlichen Rechts gegründet. Seit der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy zur Novartis im Jahre 1997 trägt sie den Namen Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung.

Dr. Munders Forschungsprojekt

Eine der zentralen Aufgaben des Immunsystems besteht in der Unterscheidung zwischen Selbst und Fremd. Auf der einen Seite müssen Fremdstrukturen wie Infektionserreger erfolgreich bekämpft und eliminiert werden, auf der anderen Seite soll eine Aggression des Immunsystems gegen körpereigene Bestandteile vermieden werden. Macht das Immunsystem im letztgenannten Fall Fehler und attackiert Strukturen des eigenen Körpers, so entwickeln sich Autoimmunkrankheiten.

Für die Erkennung von Fremd und Selbst sind wesentlich die so genannten T-Lymphozyten verantwortlich, die während ihrer Reifung daraufhin überprüft werden, ob sie körpereigene Strukturen erkennen und somit das gefährliche Potenzial zur Auslösung einer Autoimmunkrankheit besitzen. Solche autoaggressiven T-Lymphozyten werden im Thymus vernichtet und gelangen nicht in die Blutbahn. Seit einigen Jahren ist allerdings klar geworden, dass dieser Schutzmechanismus nicht perfekt arbeitet, sondern bei allen Menschen autoreaktive T-Lymphozyten sozusagen durch die Zensur des Thymus hindurchschlüpfen und ins periphere Blut und Immunsystem auswandern. Auch wurde klar, dass alle T-Lymphozyten mit Hilfe ihres Erkennungsrezeptors (T-Zell-Rezeptor) nicht nur eine einzige Struktur erkennen, sondern kreuzreaktiv sind. So birgt prinzipiell eine Aktivierung durch eine Fremd-Struktur das Risiko in sich, dass eine so aktivierte Zelle durch zufällige Kreuzreaktivität mit einer körpereigenen Struktur eine Autoimmunreaktion in Gang setzt.

Von entscheidender Bedeutung zum Verständnis von Autoimmunkrankheiten ist es daher, die Mechanismen zu untersuchen, wie der Organismus solche "Zeitbomben" ruhig stellt. Dr. Munder gelang es während seiner Postdoktorandenzeit am Center for Neurologic Diseases der Harvard Medical School in Boston, einen solchen Mechanismus zu entschlüsseln. So arbeitete der Forscher mit T-Lymphozyten, bei denen die Art der Reaktivität gegen Fremd und Selbst genau bekannt war. Hierzu dienten ruhende T-Lymphozyten, die aus einer transgenen Maus gewonnen wurden.

Diese T-Lymphozyten tragen alle den gleichen T-Zell-Rezeptor an ihrer Oberfläche. Dr. Munder konnte nun zeigen, dass nach Erkennung von Fremd die T-Lymphozyten die Reaktivität gegen Selbst erstaunlicherweise verlieren. Es gelang ferner, die biochemischen Mechanismen dieser so genannten Anergisierung der T-Zellen aufzuschlüsseln. Zum einen wurden so wesentliche Erkenntnisse zum Verständnis der körpereigenen Mechanismen zur Verhinderung von Autoimmunität gewonnen, zum anderen eröffnen diese Erkenntnisse eventuell die Möglichkeit, zum Beispiel durch den gezielten Einsatz bestimmter Fremdstrukturen (Peptide) in Immunisierungsprotokollen, kreuzreaktive autoaggressive T-Zellen gezielt ruhig zu stellen. Das Ziel ist hierbei eine sehr spezifische Immunsuppression, die Autoimmunkrankheiten ohne die großen Nebenwirkungen der heutzutage eingesetzten immunsuppressiven Medikamente behandeln soll.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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