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19. Dezember 2003

Warum Zähneputzen kein Ritual ist

"Helmholtz"-Schüler forschten eine Woche lang bei den Germanisten an der Uni zur Ritualdynamik

Da konnte der Erste Bürgermeister Raban von der Malsburg in der Tat etwas von der Schülergruppe aus dem Helmholtz-Gymnasium lernen, wie er im Nachhinein von der kleinen Lehrstunde im Germanistischen Seminar berichtete. Denn wie facettenreich sich Rituale darstellen, darüber war sich Malsburg zuvor nicht bewusst. Die Schüler interviewten den Kommunalpolitiker im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs (SFB) zur Erforschung der Dynamik von Ritualen, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Mai 2002 der Uni Heidelberg mit einer Summe von über 3,5 Millionen Euro bewilligte.

Das auf zwölf Jahre angelegte Projekt umfasst gegenwärtig 17 Teilprojekte aus 15 überwiegend kulturwissenschaftlichen Fächern in sechs Fakultäten. Dieser einmalige Fächerverbund der Ritualforschung zielt darauf, das bislang kaum beachtete Phänomen der Ritualdynamik in außereuropäischen und europäischen Kulturen sowohl des Altertums als auch der Moderne zu untersuchen.

Bis zum Jahr 2005 läuft die erste Phase. Das Germanistische Seminar befasst sich dabei mit der Kanonbildung durch Ritualisierung, und das vor dem Hintergrund internationaler Literaturpreise, speziell Nobelpreis, Büchnerpreis und Premiostrega in Italien. Um das gesamte Spektrum zusätzlich zu erweitern, kam man auf die Idee, so Privatdozent Dr. Burckhard Dücker und Doktorandin Judith Ulmer, "das Thema mit Kindern und Jugendlichen zu besprechen, weil jeder mit Ritualisierung lebt".

Daraus entwickelte sich schnell ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Helmholtz-Gymnasium, mit dem "Helmholtz" sicherlich deshalb, weil Ulmer vor Jahren dort ihr Abitur machte. "Es ist wichtig schon früh eine Verbindung zur Uni aufzubauen, wissenschaftliche Methoden kennen zu lernen und die schon in der Schule geforderten Grundkompetenzen wie Textarbeit, Diskutieren und Präsentieren hier zu vertiefen", weiß die einstige Scheffelpreisträgerin aus Erfahrung.

Einem Auswahlverfahren unter den Elft- und Zwölftklässlern, verbunden mit diversen Arbeitsaufträgen im Vorfeld, folgte dann für die 16-köpfige-Schülertruppe eine Woche lang konzentriertes wissenschaftliches Arbeiten im Seminar. Der Tausch mit der Schulbank machte den Pennälern riesigen Spaß, zumal jeder Tag neue Akzente setzte. So sprach der Erste Bürgermeister bei seinem Besuch stadtpolitische Rituale an, Jan Weinhold informierte aus medizinisch-psychologischer Sicht über das ritualisierte Einnehmen von Drogen. Im Kurpfälzischen Museum erspürten die Schüler Rituale in der Kunst, an Harry Potter Rituale in der Literatur, bevor zum Abschluss sämtliche Ergebnisse auch im Beisein des Schulleiters Roger Kömpf präsentiert werden mussten.

"Die Jugendlichen besaßen eine hohe Sensibilität für Rituale und man erkannte, dass das Thema sehr interessiert und eine große Bereitschaft besteht, mit diesem auf hoher intellektueller Ebene umzugehen", fasste Privatdozent Dücker seine positiven Eindrücke zusammen. Seine Perspektive daher: eine Ritualdidaktik entwickeln und rituelle Kompetenzen unterrichten. "Allerdings ist nicht alles, was sich wiederholt wie beispielsweise das Zähneputzen, ein Ritual", machte der Wissenschaftler auf die Schwierigkeit einer griffigen Definition aufmerksam.

Bei dem "Ringen um eine Definition" in allen Fakultäten scheint für Judith Ulmer aber eines klar: "Hinter Ritualen steht eine gewisse Symbolik. Es gibt eine starke Regelung des Ablaufs. Hilfsmittel wie Musik, Bilder oder Geruchsstoffe kommen hinzu, ebenfalls ist in der Regel Öffentlichkeit dabei", fasst die Germanistin ihre ersten Erkenntnisse für ihre laufende Doktorarbeit zur Geschichte des Georg-Büchner-Preises zusammen.

Thomas Seiler

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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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