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5. Dezember 2003

Prof. Dr. Hannah Monyer mit dem höchst dotierten deutschen Forschungspreis ausgezeichnet

Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff gratuliert der Neurobiologin zu dem mit 1,55 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis der DFG – "Auch eine große Anerkennung und Ehre für die Ruprecht-Karls-Universität"

Prof. Dr. Hannah Monyer mit dem höchst dotierten deutschen Forschungspreis ausgezeichnet

Die Heidelberger Neurobiologin Prof. Dr. Hannah Monyer wird mit dem höchst dotierten deutschen Forschungspreis ausgezeichnet. Heute bestimmte der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Prof. Monyer als eine der Preisträgerinnen im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm der DFG für das Jahr 2004. In seiner Gratulation kommentierte der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Peter Hommelhoff: "Der Leibniz-Preis an Frau Monyer ist auch eine große Anerkennung und Ehre für die Ruprecht-Karls-Universität".

Prof. Dr. Hannah Monyer (46), geborene Rumänin, kam im Gymnasialalter nach Deutschland, absolvierte in Heidelberg ihr Abitur und studierte als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes Medizin an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Nach ihrer Dissertation und nach Anstellungen als Assistenzärztin in der Kinderpsychiatrie in Mannheim und Pädiatrie in Lübeck verbrachte sie drei Jahre im Labor von Prof. Dennis Choi am Medical Center der Stanford University in Kalifornien, unterstützt durch ein Forschungsstipendium der DFG.

Anschließend arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Prof. Peter Seeburgs Arbeitsgruppe am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg und habilitierte sich 1994 in der Medizinischen Fakultät. Seit 1994 war sie Professorin der Hermann-und-Lilly-Schilling-Stiftung am ZMBH und leitete ab 1996 eine Gastgruppe am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen und ihre Fähigkeit, ihr Arbeitsgebiet öffentlich darzustellen, erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Sie wurde 1999 zur C4-Professorin und Leiterin der Abteilung Klinische Neurobiologie am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften und der Neurologischen Klinik der Universität Heidelberg berufen.

Hommelhoff: "Frau Kollegin Monyers wissenschaftliche Arbeiten hatten immer höchste Qualität und werden international überaus stark beachtet." Ihre Studien zeigten als erste die unterschiedliche molekulare Zusammensetzung der verschiedenen NMDA-Rezeptoren, deren funktionelle Unterschiede und distinkte entwicklungsabhängige Expressionsmuster in unterschiedlichen Zellpopulationen im Gehirn. Diese Rezeptoren sind Schlüsselmoleküle für synaptische Plastizität, ein zellbiologisches Phänomen, das der Fähigkeit des Gehirns für Gedächtnis und Lernen unterliegt. In einer Zusammenarbeit mit Dr. Peter Jonas konnte Prof. Monyer weiterhin zeigen, dass Glutamatrezeptoren in Prinzipal- und Interneuronen sich in Funktion und Aufbau unterscheiden. Sie entwickelte dafür die molekulare Analyse einzelner elektrophysiologisch charakterisierter Neurone im akuten Hirnschnitt, die es Dr. Jonas und ihr erstmals erlaubten, die unterschiedliche Zusammensetzung der Glutamatrezeptoren mit deren unterschiedlichen Funktionsweisen und Ionenpermeabilitäten in den verschiedenen Zelltypen zu korrelieren.

In jüngerer Zeit gilt Frau Prof. Monyers besonderes Interesse dem Verständnis von Gehirnfunktionen, die höhere Leistungen des Gehirns – wie Gedächtnis und Kognition – ermöglichen. Auch untersucht sie Störungen solcher Funktionen, wie sie in neurologischen Krankheiten auftreten. Frau Monyer sucht dieses Verständnis mit einem strategisch neuen und viel versprechenden Ansatz, indem sie mit Hilfe von genetisch veränderten Mauslinien den Einfluss von Schlüsselmolekülen für Zell-Zell-Kommunikation im zentralen Nervensystem auf Systemfunktion untersucht. Dabei gilt ihr Hauptaugenmerk der Modulation von GABAergen Interneuronen, da diese die Aktivität von Ensembles von Prinzipalneuronen orchestrieren und damit eine gleichzeitige, koordinierte Aktivität in Nervenzellen unterschiedlicher Hirnregionen zum Erstehen von Repräsentationen der Außenwelt ermöglichen. Den Erfolg beweist ihre Entdeckung einer bisher unbekannten Population von Interneuronen.

Die Neuartigkeit ihres Ansatzes liegt darin, dass die Auswahl genetisch zu modifizierender Funktionen aus einer Vorhersage wichtiger funktioneller Parameter in computerunterstützten Netzwerkmodellen getroffen wird.

Funktionell wichtige Parameter, die Frau Monyer an eigens hergestellten Mausmodellen untersucht, ergeben sich aus der elektrischen Verschaltung von Interneuronen durch so genannte "gap junctions". Das Interesse zur Untersuchung dieser Verschaltung kommt ebenso von Netzwerkmodellen und theoretischen Überlegungen, die vorhersagen, dass eine elektrische Verschaltung zwischen Interneuronen essenziell für Netzwerkoszillationen ist. Solche Oszillationen, die im Gehirn in verschiedenen Frequenzen vorkommen, werden als Grundlage für synchrone Aktivität von lokalen sowie voneinander entfernten Ensembles von Nervenzellen und damit für die Repräsentation und Interpretation von Sinnesdaten gesehen.

Die Erkenntnis, dass elektrische Kopplung zwischen Nervenzellen im adulten Gehirn funktionell wichtig ist, verdient besondere Beachtung. Seit Anfang dieses Jahrhunderts galt die chemische Signalübertragung als Hauptkommunikationsmodus zwischen Neuronen. Frau Monyer zeigte zum einen, dass elektrische Synapsen zwischen GABAergen Interneuronen eine zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit dieser Zellpopulation ist und zeigte weiter, dass elektrische Kopplung synchrone Netzwerkaktivität stabilisiert und moduliert.

Prof. Monyers experimenteller Ansatz zum Verständnis von funktionellen Parametern für die Verschaltung von neuronalen Netzwerken durch genetisch manipulierte Mausmodelle ist nicht nur originell, er ist auch sehr ambitiös. Obschon unterstützt durch theoretische Erwägungen, wird nicht jede Genmanipulation zu einem messbar unterschiedlichen Phänotyp führen. Das Erstellen der Mausmodelle selbst benötigt viel Zeit und Mittel, das Vermessen der Mäuse und die Analysen der Auswirkung auf Verhaltensparameter lassen sich in ihrem Zeit- und Arbeitsaufwand oft nicht vorhersagen.

(Wir stellen Ihnen sehr gerne auf Nachfrage ein Portraitfoto der Preisträgerin zur Verfügung.)

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Hannah Monyer
Tel. 06221 562400, Fax 561397
monyer@urz.uni-hd.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse


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