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8. Dezember 2003

Heidelberger Schwerionen-Therapieanlage schließt Versorgungslücke bei unheilbaren Tumoren

Bau der europaweit einmaligen Anlage hat begonnen / Strahlenbetrieb läuft 2006 an / Behandlung von mehr als 1.000 Patienten pro Jahr möglich

Modell der Heidelberger Schwerionen-Therapieanlage.

Modell der Heidelberger Schwerionen-Therapieanlage. / Foto: Universitätsbauamt Heidelberg.

Das Universitätsklinikum Heidelberg hat im November 2003 mit der Errichtung eine Therapieanlage zur Krebsbehandlung mit Schwerionenstrahlung begonnen, die 2006 in Betrieb gehen und eine Versorgungslücke bei der Behandlung bislang unheilbarer Tumoren schließen wird. Das Gebäude, das in unmittelbarer Nachbarschaft der Radiologischen Universitätsklinik errichtet wird, hat eine Nutzfläche von ca. 5.000 m2 und umfasst neben dem Beschleuniger drei Behandlungsplätze sowie Räumlichkeiten für ca. 80 Mitarbeiter, die in Krankenversorgung, Logistik und Forschung tätig sind.

Die Kosten des in Deutschland und Europa einmaligen Projektes betragen ca. 72 Millionen Euro und werden zu gleichen Teilen vom Bund und vom Heidelberger Klinikum getragen. Pro Jahr sollen mindestens 1.000 Patienten mit inoperablen Schädelbasis- und Hirntumoren, Weichteilsarkomen und Prostatakarzinomen überwiegend ambulant behandelt werden.

Behandlungsplatz am Beschleuniger der GSI in Darmstadt

Behandlungsplatz am Beschleuniger der GSI in Darmstadt: Dort wurden seit 1997 in Zusammenarbeit mit der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg etwa 200 Patienten mit sehr gutem Erfolg bestrahlt. / Foto: GSI, Darmstadt.

"Mit der Errichtung dieser Anlage in Heidelberg wird ein neuer Meilenstein im Kampf gegen Krebs gesetzt", erklärte der Ärztliche Direktor des Heidelberger Klinikums, Prof. Dr. Eike Martin, bei einer Pressekonferenz am 8. Dezember 2003 in Heidelberg. Erste Studien hätten gezeigt, dass die Schwerionentherapie bei Tumoren, die mit konventioneller Behandlung schwer oder gar nicht zu behandeln seien, erfolgreich eingesetzt werden könne. Anlagen für Schwerionentherapie werden derzeit weltweit nur in Japan betrieben.

"Das Universitätsklinikum Heidelberg hat in eine Technologie mit großer Zukunft investiert", erklärte Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des Klinikums. Auch in schwierigen finanziellen Zeiten müsse man den Mut aufbringen, durch die Errichtung großer Therapieanlagen neue Forschungsergebnisse einer großen Zahl von Patienten zugute kommen zu lassen. Von der intensiven Nutzung der Anlage in den nächsten 15 Jahren sei eine Refinanzierung der Investition zu erwarten. Die einmaligen Kosten für eine Behandlung mit Ionenstrahlung liegen bei etwa 20.000 Euro und damit unter den Kosten der gegenwärtig praktizierten Standardkrebstherapie. Pflegekosten, die als Folge schwerer Behinderung durch die langsam wachsenden, unheilbaren Tumoren anfallen, liegen sogar um ein Vielfaches höher.

Schwerionen schädigen den Tumor irreparabel und schonen die Umgebung

Die Bestrahlung mit Schwerionen ist ein äußerst präzises und biologisch hochwirksames Therapieverfahren. Die Schwerionen werden über eine Beschleunigeranlage auf sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und in den Tumor geschossen. Dort fügen sie dem Tumorgewebe irreparablen Schaden zu. Durch millimetergenaue Steuerung wird der Tumor punktgenau getroffen und das umgebende gesunde Gewebe geschont.

Wissenschaftliche, technische und klinische Vorarbeiten für die Heidelberger Schwerionen-Therapieanlage wurden im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg, der Gesellschaft für Schwerionenforschung Darmstadt (GSI) und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) in Kooperation mit dem Forschungszentrum Rossendorf (FZR) geleistet. Als Pilotprojekt wurde am Schwerionen-Synchrotron der GSI gemeinsam eine medizinische Bestrahlungseinheit aufgebaut, in der seit 1992 jährlich etwa 30 Patienten der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg mit sehr gutem Erfolg, etwa 70 Prozent Heilung, behandelt wurden.

"Seit 1997 haben wir etwa 200 Patienten in der Darmstädter Anlage behandelt", berichtete Professor Dr. Dr. Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Radiologie und Strahlentherapie des Universitätsklinikums Heidelberg. Sie litten überwiegend an lokal begrenzten Tumoren, die anderen Behandlungsverfahren nicht zugänglich waren. Bei keinem Patient sei der Tumor im bestrahlten Areal wieder aufgetreten.

"Wir möchten den Einsatz der Schwerionentherapie auf andere Tumore ausdehnen, zum Beispiel den Prostatakrebs, aber auch Tumorerkrankungen bei Kindern, deren konventionelle Behandlung langfristig schwere Nebenwirkungen haben kann." Die hohe Zahl der künftig in der Heidelberger Anlage behandelten Patienten wird es erlauben, die neue Therapie in großen klinischen Studien wissenschaftlich zu untersuchen. Darüber hinaus sollen die Bestrahlung mit anderen Ionenarten, z.B. Protonen, erprobt und im Vergleich getestet werden.

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Voßstraße 2, Gebäude 4040
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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