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17. Dezember 2003

Auf dem Weg über Mitteleuropa nach Europa

Partnerhochschule Andrássy-Universität Budapest: RNZ-Gespräch mit Rektor Miklós Kengyel, Kanzler Bálint Szekér und dem Heidelberger Juristen Ulrich Hufeld

Zu Besuch am Neckar

Zu Besuch am Neckar: Der Rektor der Andrássy Universität Budapest, Prof. Miklós Kengyel (2.v.l.), Kanzler Bálint Szekér (l.) sowie Prof. Ulrich Hufeld (Mitte) beim Heidelberger Rektor Prof. Peter Hommelhoff (2.v.r.) und Alt-Kanzler Siegfried Kraft (r.). Foto : Welker

Herr Prof. Kengyel, der Lehrbetrieb der Andrássy Universität Budapest (AUB) läuft jetzt seit gut einem Jahr. Welche Erfahrungen haben Sie während dieser Startphase gemacht?

Kengyel: Ich bin erst seit Mitte September 2003 Rektor dieser Universität. Und der September bedeutete gleich einen Wendepunkt für die Andrássy-Universität, denn es begann das zweite Lehrjahr, und – noch wichtiger – wir bezogen ein neues Gebäude. Jetzt haben wir im Herzen Budapests ein wunderschönes Domizil, das Festetics Palais. Damit hat eine neue Zeitrechnung begonnen, denn wir arbeiten nun in würdigen Räumlichkeiten und mit guter Ausstattung für die Studenten; zuvor waren wir in einem Provisorium untergebracht.

Herr Prof. Hufeld, Sie sind seit Beginn des Lehrbetriebs im September 2002 zusammen mit Prof. Schubel in Budapest. Wie haben Sie das erste Lehrjahr erlebt?

Hufeld: Zunächst ist jeder Deutsche dort von den Sprachkenntnissen überwältigt. Der Rang der deutschen Sprache ist in Ungarn bemerkenswert hoch, wenn sie vielleicht auch auf Dauer nicht mit Englisch konkurrieren kann. Aber derzeit spielt Deutsch etwa eine gleich starke Rolle. Dies trifft man nur noch in den mitteleuropäischen Staaten an. Und davon leben wir an der AUB: Amts- wie Unterrichtssprache ist Deutsch. Natürlich lassen wir uns begeistern von der geschichtsbewussten Metropole Budapest.

Das neubezogene Domizil der Andrássy Universität Budapest im Palais Festetics

Das neubezogene Domizil der Andrássy Universität Budapest im Palais Festetics. Die Universität Heidelberg zählt zu den internationalen Partnern dieser einzigen deutschsprachigen Hochschule außerhalb des deutschen Sprachraums. Foto : Andrássy Universität

Herr Szekér, wie wurde die Hochschule in der Budapester Öffentlichkeit aufgenommen?

Szekér: Es war in Ungarn unüblich, dass eine private Universität durch den Staat gegründet wurde. Deshalb entschied man sich für eine öffentliche, vom Unterrichtsministerium getragene Stiftung, welche die Gründungsfunktionen übernahm. In ihrem Kuratorium sind auch die Partnerländer der AUB vertreten, die unser Projekt unterstützt haben – was zu einem starken Medienecho führte. In der ungarischen Hochschullandschaft war hinsichtlich der staatlichen Investitionen aus Steuergeldern ein gewisser Neid zu spüren, denn die Universitäten haben finanzielle Probleme. Aber jetzt ist die AUB allgemein akzeptiert.

Haben Sie auch eine Resonanz aus der Bevölkerung?

Szekér: Der Bekanntheitsgrad der Universität ist durch die vielen Medienberichte recht hoch – aber auch weil die AUB ein Kulturzentrum für die deutsche Sprache werden will: Neben den wissenschaftlichen sollen viele gesellschaftliche Veranstaltungen stehen, die wir etwa gemeinsam mit dem Goethe-Institut in Budapest organisieren wollen.

Wird die Universität auch von den wechselnden ungarischen Regierungen gestützt?

Szekér: Nach den Wahlen 2002 spürten wir bei Beginn des Lehrbetriebes Unsicherheiten, aber dann hat sich die Regierung dazu entschlossen, die AUB weiterzuführen.

Welche Studiengänge werden angeboten?

Kengyel: Die Andrássy-Universität hat jetzt drei Fachrichtungen: Vergleichende Staats- und Rechtswissenschaft, dann Internationale Beziehungen mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Diplomatie, schließlich – erstmals in ganz Mitteleuropa – auch Mitteleuropäische Studien. Wir sind eine postgraduale Universität und haben daher keine Grundausbildung. Entsprechend kurz sind die Ausbildungszeiten: zwei Jahre, teilweise auch nur ein Jahr. Der juristische Zweig wird von der Universität Heidelberg unterstützt, an den Internationalen Beziehungen sind die bayerischen Universitäten Bayreuth und Passau beteiligt, und mit österreichischen Universitäten arbeiten wir sowohl bei den Mitteleuropäischen Studien als auch bei den Internationalen Beziehungen zusammen. Aus Heidelberg nehmen zwei Professoren an der rechtswissenschaftlichen Fakultät teil.

Die Universität Heidelberg vertritt also in Budapest die baden-württembergischen Universitäten.

Hufeld: Die Andrássy-Universität ist allerdings eine autonome ungarische Hochschule. Die Partnerländer sind lediglich an der Trägerstiftung beteiligt. Seit der Ulmer Erklärung des Donau-Gipfels 2001 sind sie lebhaft an der AUB interessiert und unterstützen diese materiell – für Baden-Württemberg aber nicht das Land, sondern die Landesstiftung. In der Verantwortung für die akademische Partnerschaft stehen die Universität Heidelberg mit Rektor Prof. Hommelhoff an der Spitze und insbesondere die Juristische Fakultät. Mit Dekan Prof. Müller-Graff haben wir gerade eine Kooperationsvereinbarung der Fakultäten vorbereitet.

Die AUB ist die einzige deutschsprachige Universität außerhalb des deutschen Sprachraums?

Kengyel: Das stimmt. Denn die deutsche Sprache spielt eine große Rolle in Mitteleuropa. Von Polen bis Serbien sprechen hier viele Menschen deutsch. Deshalb bedeutet die Deutschsprachigkeit für unsere Universität einen hohen Anspruch und zugleich eine kulturelle Mission. Mit Hilfe des Deutschen als einer gemeinsamen Sprache in diesem Raum können wir die junge Intelligenz in Kontakt bringen.

Wird die AUB noch erweitert?

Kengyel: Wir möchten im nächsten Jahr den Studiengang Diplomatie neu profilieren. Außerdem streben wir mit den Partneruniversitäten eine gemeinsame Doktorschule an. Aber die Studentenzahl soll begrenzt bleiben. Jetzt haben wir 130 Studierende, und die Obergrenze sollte zunächst bei 200 liegen.

Szekér: Unser Ziel ist es, dass jeweils ein Drittel der Studenten aus Ungarn, aus dem deutschsprachigen Raum und aus der mitteleuropäischen Region kommt. Im zweiten Lehrjahr stammt nun ein Drittel aus dem deutschsprachigen Raum, aber den entsprechenden Anteil aus Mitteleuropa konnten wir noch nicht realisieren. Ab dem 1. Januar bis Ende April 2004 können sich Studenten wieder bewerben und dann die Zulassungsprüfungen durchlaufen. So hoffen wir, dass wir auch das mitteleuropäische Drittel im nächsten Jahr erreichen. Die Studiengebühren betragen 500 Euro pro Semester.

Zwischen der Budapester Eötvös-Loránd-Universität und der Universität Heidelberg besteht eine mehr als 20-jährige Partnerschaft. Hat sie eine Rolle für die AUB gespielt?

Szekér: Der Rektor der Eötvös-Loránd-Universität, Prof. Klinghammer, lehrt auch an der Andrássy-Universität. Er hat vor allem im ersten Aufbaujahr sehr geholfen, etwa mit Räumlichkeiten während unseres Provisoriums.

Kengyel: Die Eötvös-Loránd-Universität bietet Grundstudien an. Deswegen können wir keine Konkurrenz sein. Dann gibt es eine in Amerika gegründete, aber in Budapest tätige englischsprachige postgraduale Universität. Auch sie ist keine Konkurrenz für uns: Neben der englischsprachigen bieten wir nun eine deutschsprachige Ausbildung an.

Bedeutet die Heidelberger Beteiligung im zusammenwachsenden Europa auch eine Entscheidung für die deutsche Rechtskultur?

Kengyel: Die deutsche Rechtskultur ist traditionell nicht weit von derjenigen in Ungarn und Mitteleuropa entfernt; in dieser Hinsicht ist eine vergleichende Staats- und Rechtswissenschaft ein fruchtbares Arbeitsfeld. Denn die deutsche Rechtskultur steht der mitteleuropäischen Denkweise näher als etwa die angloamerikanische. Im Rahmen der Pluralität sollen natürlich beide Ausprägungen bekannt werden.

Hufeld: Wir pflegen in Budapest die kontinentaleuropäische Rechtskultur. Wir suchen Gemeinsamkeiten der Rechtsordnungen und beschäftigen uns mit Europarecht. Rechtsvergleichung im Zeichen des Europarechts und interdisziplinäre Offenheit – das zeichnet die Fakultät aus. Für das Doktorandenkolleg der Universität haben wir den Namen "Die Zukunft Mitteleuropas in der Europäischen Union" vorgesehen.

Mitteleuropa scheint ein wichtiger Begriff zu sein. Welche Rolle spielt diese Region im zusammenwachsenden Europa?

Kengyel: Ungarn wie seine Nachbarländer stehen nun vor dem Beitritt in die Europäische Union. Ich glaube allerdings, dass die Regionen auch in Zukunft eine wichtige – und vielleicht eine noch wichtigere – Rolle spielen werden. Die mitteleuropäischen Staaten bilden eine solche Region, die eine starke Tradition deutscher Kultur – etwa der deutschen Sprache und der deutschen Wissenschaft – aufweist. Dieser Aspekt ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt auf unserem Weg über Mitteleuropa nach Europa.

Heribert Vogt

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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