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21. November 2003

"Welch ein Glück, diesen Mann erlebt zu haben"

Ausstellung " Geist und Politik" über Alfred Weber im Museum der Universität – Viele Original-Leihgaben geben Einblick in Leben und Werk

"Es strömten so viele Menschen in seine Vorlesungen, dass das größte Auditorium nicht mehr ausreichte", schrieb der Schriftsteller Max Brod über seinen Professor Alfred Weber. Auch Franz Kafka gehörte zu Webers Schülern. In seiner Erzählung "In der Strafkolonie" verarbeitete Kafka einen Aufsatz seines Lehrers über die gefährliche Macht der Bürokratie. Später gehörten so berühmte Männer wie Erich Fromm und Norbert Elias zu den Studenten des Heidelberger Gelehrten Weber. Kann sich ein Professor noch berühmtere Schüler wünschen?

Unter dem Titel "Geist und Politik" zeigt das Museum der Universität jetzt eine Ausstellung über Alfred Weber. Zu sehen sind Original-Leihgaben unter anderem des Universitätsarchivs und des Alfred-Weber-Instituts in Heidelberg. Prof. Eberhard Demm (emeritiert, Universität Lyon) hat nicht nur seine Habilitation über Alfred Weber geschrieben, sondern ist auch Mitherausgeber der zehnbändigen Gesamtausgabe des Wissenschaftlers. Er hat die Heidelberger Präsentation zusammengestellt: "Alfred Weber gehört zu den wenigen Hochschullehrern, die die Gewerkschaften unterstützten."

Alfred Weber wurde 1868 in Erfurt geboren. Kurz darauf zog die Familie nach Charlottenburg bei Berlin. Der junge Alfred ist ein schlechter Schüler, er bleibt sogar zwei Mal sitzen. Nach dem Abitur studiert er zunächst Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie, später wechselt er zur Jurisprudenz und Nationalökonomie. Nach Promotion und Habilitation bleibt er drei Jahre als Privatdozent in Berlin, dann wird er an die deutsche Universität in Prag berufen.

1907 erhält Alfred Weber einen Ruf an die Heidelberger Universität. Dort trifft er auf seinen (berühmteren) Bruder Max Weber. Nicht nur wissenschaftliche Gegensätze trennen die beiden Männer. Sie lieben auch noch dieselbe Frau: Else Jaffé hatte bei Max Weber promoviert und heiratete den Geschäftsmann Edgar Jaffé. "Von der erotischen Befreiungsbewegung der Jahrhundertwende erfasst", so schreibt der Katalog, "hat sie mehrere außereheliche Beziehungen." Dazu zählen die Brüder Max und Alfred Weber, aber auch der Psychiater Otto Gross. Alfred Weber schreibt rund 13000 Briefseiten an sie. Nach dem Tod ihres Mannes zieht Else Jaffé 1925 nach Heidelberg in eine prachtvolle Wohnung in der Bismarckstraße (heute Hotel Europa), 1931 mieten Weber und seine Lebensgefährtin zwei nebeneinander liegende Wohnungen in der Bachstraße 24. In der obersten Etage, denn Weber konnte es nicht haben, "dass über seinem Schlafzimmer ein anderer Raum lag".

Zu Politik und Wissenschaft. 1923 übernahm Alfred Weber die Leitung des nationalökonomischen Instituts, das er in "Institut für Sozial- und Staatswissenschaften" umbenannte. Als 1933 auf dem Dach des Instituts die Fahne der Nationalsozialisten gehisst wurde, sagte er: "Holen Se' den roten Lappen da runter." Er ließ sich vorzeitig emeritieren und ging "in die innere Emigration", so der Katalog. Erst 1945 meldete sich der 77-Jährige ins öffentliche Leben zurück. Als "Engel der Rache" bereitete er im "Dreizehner-Ausschuss" die Neueröffnung und Entnazifizierung der Universität vor.

1948 wurde Weber zum Ehrensenator der Universität ernannt, 1954 wurde er Mitglied des Ordens "Pour le mérite". Damals kam es zu einem Kuriosum: Die KPD schlug Weber als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vor, ohne Weber zu fragen. Der überraschte Weber: "Ich halte das für einen schlechten Scherz." 1958 starb Alfred Weber in Heidelberg. Sein Schüler und Assistent Prof. Heinz Markmann sagt: "Welch ein Glück, einen solchen Mann aus der Nähe erlebt zu haben."

INFO: Die Ausstellung ist bis 31. März 2004 im Universitätsmuseum, Grabengasse 1, zu sehen, Dienstag bis Samstag jeweils 10 bis 16 Uhr. Der Katalog kostet acht Euro.

Marion Gottlob

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
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