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15. November 2003

"Er entzieht sich jeder Schablone"

Heidelberger Historiker Prof. Hartmut Soell stellt seine Schmidt-Biographie vor und Weggefährte Hans Matthöfer erinnert sich

Ulrich Graf, Leiter der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, brachte es auf den Punkt: "Das will erst einmal gelesen sein", meinte er am Donnerstag Abend vor voll besetztem Haus mit Blick auf die Helmut-Schmidt-Biographie des Heidelberger Historikers Professor Hartmut Soell. Auf 859 eng bedruckten Seiten (ohne Fußnoten!) hat Soell die ersten 51 Lebensjahre des ehemaligen Bundeskanzlers aufgeschrieben und pünktlich zu dessen 85. Geburtstag am 23. Dezember dieses Jahres vorgelegt. Ein zweiter Band soll folgen, und wird mit Ungeduld erwartet, jedenfalls bekannte das Schmidts langjähriger Weggefährte, der ehemalige Bundesminister Hans Matthöfer. Der war gekommen, eigene Erinnerungen an Helmut Schmidt beizusteuern, so dass ein rundes Bild von Schmidt als Politiker, aber auch als Mensch entstand.

"Vernunft und Leidenschaft" hat Soell seine Biographie untertitelt, zwei Eigenschaften, die Schmidt ebenso auszeichnen wie sein intensiver Arbeitseinsatz, seine präzisen Formulierungen und seine unbedingte Loyalität zu Freunden. Ein Beispiel dafür berichtete Hans Matthöfer: "Als ich einmal die chilenische Militärjunta als ,Mörderbande' bezeichnet hatte und ein Schrei der Entrüstung durch den Bundestag ging, rief Schmidt mich an und sagte: ,Nimm das auf keinen Fall zurück'." Er habe ihn wie eine Schäferhund umkreist und jeden verbissen, der ihm ans Leder gewollt habe.

Dennoch habe Schmidt stets eine freundliche Distanz auch zu Nahestehenden gewahrt, in seiner Freizeit sei er auch ein begabter Orgelspieler, ein fachkundiger Kunstliebhaber und ein begabter Schriftsteller gewesen, wusste sein Parteifreund zu berichten. "Er entzieht sich jeder Schablone", so Matthöfer. Soell beschreibt den jungen Offizier im zweiten Weltkrieg ebenso eindrucksvoll wie den Hamburger Innensenator, der im Februar 1962 die Flutkatastrophe in der Hansestadt souverän meisterte und so als "Herr der Flut", so der "Spiegel", in die Geschichte einging. "Hamburg hat Schmidt geprägt", unterstrich Soell, der in seine Biographie deshalb auch eine Geschichte der Stadt Hamburg einfügt.

Neben dem Politiker Schmidt, der 1953 in den Bundestag gewählt wurde, wird auch der Privatmann sichtbar. 1942 heiratete Schmidt seine Frau Loki; er musste einen Ariernachweis bringen, was angesichts eines jüdischen Großvaters einige Probleme aufwarf. Das junge Ehepaar erlebte privates Leid, als ihr kleiner Sohn an einer Hirnhautentzündung starb und mehrere Fehlgeburten folgten, bevor eine gesunde Tochter auf die Welt kam. 1966 fuhr die ganze Familie im Auto nach Moskau, weil Schmidt sich einen persönlichen Eindruck von diesem Land verschaffen wollte.

Vor allem zwei Eigenschaften schätzt Matthöfer an seinem Parteifreund: "Er ist ein unbedingter Demokrat. Wenn die Fraktion eine Entscheidung gegen seine persönliche Überzeugung fasste, vertrat Schmidt sie als Fraktionsvorsitzender vehement nach außen". Nicht selbstverständlich, denn "Herbert Wehner hätte da alles mögliche versucht", so Matthöfer schmunzelnd. Außerdem habe Schmidt das Talent, nach stundenlanger Diskussion, Sachverhalte präzise und allen Gesichtspunkten gerecht werdend, darzustellen. Auch im Landtagswahlkampf 1968 in der völlig überfüllten Heidelberger Stadthalle ließ sich Schmidt nicht provozieren und konterte SDS und Kommunisten-Vertretern sachlich und gekonnt.

Eine schnelle Lektüre zur Unterhaltung ist die dickleibige Biographie nicht, eine lohnende und informative aber allemal.

Ingeborg Salomon
Rhein-Neckar-Zeitung

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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