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28. November 2003

"Singen ist eine einzige Krise"

Der Wagner-Tenor begann als Schlägersänger – René Kollo im Gespräch mit Jens Malte Fischer

Früher war alles besser. Dieser Eindruck hätte sich leicht festsetzen können, denn immer dann, wenn der hochverdiente Heldentenor René Kollo junge Dirigenten, den Sängernachwuchs oder auch einen einzelnen Intendanten kritisierte, war ihm der Szenenapplaus der vorwiegend älteren Vorlesungsbesucher gewiss. Der Hörsaal 14 der Neuen Universität (das Gespräch fand in Rahmen der Ringvorlesung "Ut musica poesis" statt) bot denn auch eine Art Spiegelbild der Publikumsstruktur in vielen deutschen Opernhäusern. Auf der Galerie saßen einige wenige junge Besucher, im Parkett überwogen die Senior-Studenten.

Nun ist Kollo allerdings keiner, der Urteile leichtfertig fällt, sondern – um es mit den Worten des Gesprächsleiters Jens Malte Fischer zu sagen – ein "scharf reflektierender Sänger und kritischer Geist." Und so begründete Kollo sehr genau, worin etwa die Vorteile des Ensembletheaters im Vergleich mit dem Stagione-Prinzip liegen und zeigte auf, dass die jungen Sänger keine Zeit mehr hätten, sich in kleinen Rollen zu üben, Erfahrung zu sammeln, schwere Partien liegen zu lassen. Er erklärte seinen Erfolg eben auch damit, die nötige Zeit gehabt zu haben. Der Sängernachwuchs – und dafür gibt es zahllose Beispiele – werde heute zu früh in zu große Rollen gedrängt und nutze sich zu schnell ab.

Kollo selbst fing in der Schlagerbranche an und kam über Braunschweig und Düsseldorf an die großen Häuser. Die Wagner-Partien sang er anfangs ausschließlich in Bayreuth, ein Luxus, den sich heutige Sänger nicht mehr leisten, die darüber hinaus stimmlich, physisch und emotional nicht ordentlich auf diese vorbereitet seien. Viel wurde über Wagner gesprochen, seine Behandlung der Sprache, die Dramaturgie der Stücke. Es ging um den Gesang ganz allgemein ("Singen ist eine einzige Krise"), um Sänger ("Ein Heldentenor ist jemand, der fünf Stunden zu hören ist und am Ende besser singt als am Anfang") und um Dirigenten ("Keiner versteht etwas von Sängern").

Fischer versuchte, ein möglichst farbiges Bild des Sängers und des Regisseurs Kollo zu entwickeln. Immerhin inszenierte er einen "Parsifal" in Darmstadt und d'Alberts "Tiefland" in Ulm. Die Arbeit mit anderen Regisseuren fand da keinen Raum. Aber René Kollo war eben der führende Heldentenor der 70er, 80er und der ersten Hälfte der 90er Jahre, der nicht nur im Wagner-Fach Maßstäbe setzte. Bis heute hat sich eigentlich kein adäquater Nachfolger gefunden. Die Aufnahmen, die auszugsweise vorgespielt wurden, machten das wieder schmerzlich hörbar. Der anfangs kritisierte Intendant Gerard Mortier hat es innerhalb von zehn Jahren übrigens geschafft, die Salzburger Festspiele zu einem Ort für aufregendes Musiktheater zu machen und ein junges Publikum wieder für die Oper zu begeistern.

Bernd Zegowitz

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