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„Der Kontakt zwischen den Generationen wird als große Bereicherung empfunden“

17. März 2016

Altersforscher der Universität Heidelberg wollen kontinuierliche Kontakte und Beziehungen zwischen Jung und Alt fördern

Menschen im vierten Lebensalter erleben den kontinuierlichen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen vielfach als einen Höhepunkt ihrer aktuellen Lebenssituation. Vor allem entsteht in ihnen die Überzeugung, von den jungen Menschen gebraucht zu werden und deren Entwicklung fördern zu können. Das ist ein Ergebnis aus dem aktuell laufenden Projekt „Echo der Generationen“. Darin untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Kruse, Dr. Sonja Ehret und Prof. Dr. Eric Schmitt, wie sich Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen Generationen auf die jeweilige Lebensqualität auswirken und wie sich diese Kontakte fördern lassen.

Im Mittelpunkt des zweijährigen Mehrgenerationenprojekts stehen Menschen, die 85 Jahre oder älter sind, sowie Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren. Durchgeführt wird das von der Dietmar Hopp Stiftung geförderte Vorhaben in fünf Modellkommunen. Dieses hat das Ziel, Angehörige der beiden Generationen dazu anzuregen, sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen sowie Teile des Alltags gemeinsam zu gestalten. Die Heidelberger Wissenschaftler sind für die Projektkonzeptionierung und Evaluation zuständig. Ausgangspunkt bilden Erkenntnisse, die aus früheren Studien des Instituts für Gerontologie gewonnen wurden. Danach erleben alte und sehr alte Menschen gerade im Kontakt mit Jüngeren ein hohes Maß an Anregung und Motivation.

In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden bislang Kontakte von 55 Menschen im vierten Lebensalter zu 90 Kindern und Jugendlichen hergestellt. Diese Beziehungen zwischen ihnen zeichnen sich durch eine Vielzahl und Vielfältigkeit von Begegnungen und eine große Kontinuität aus. Jung und Alt berichten sich gegenseitig von ihrer Biographie, von Hoffnungen, Wünschen und Sorgen oder sprechen über historische und politische Entwicklungen. Sie teilen sich Zeit im gemeinsamen Spiel oder in der gemeinsamen Bearbeitung von Themen, die den Kindern und Jugendlichen in der Schule gestellt werden. Die gemeinsamen Aktivitäten sowie deren subjektive Bewertung werden sowohl durch Interviews als auch durch teilnehmende Beobachtung und die Analyse von Tagebüchern erfasst.

Nach den Worten von Prof. Kruse blickt die Generation der Alten und sehr Alten dankbar auf diesen Kontakt und die persönliche Beziehung, die sich darin entfalten kann. „Angesichts der kognitiven, sozialen und emotionalen Anregungen können wir bei ihnen eine Zunahme an Wohlbefinden und Zugewandtheit beobachten.“ Im Gegenzug erleben die Sechs- bis 18-Jährigen die Begegnung mit den alten und sehr alten Menschen „durchweg als eine große Bereicherung“, die wechselseitiges Interesse und Erkenntnis hervorruft, wie die Altersforscher betonen. „Die Art und Weise, wie ihre betagten Gesprächspartner das Leben meistern und mit welcher Neugier sie jungen Menschen begegnen, berührt die Kinder und Jugendlichen.“ Auf beiden Seiten gewinne das Gefühl der Mitverantwortung für den jeweils Anderen zunehmend an Bedeutung.

Das Projekt „Echo der Generationen“ wird derzeit auf zwei weitere Kommunen übertragen. In enger Abstimmung mit zentralen Akteuren der Kommunalpolitik in ganz Deutschland erstellen die Heidelberger Wissenschaftler außerdem ein Kompendium, das Anregungen für die Implementierung von Mehrgenerationenprojekten geben soll. „Wir wollen damit auch einen Beitrag leisten, die Bedeutung des gesellschaftlichen Engagements alter und sehr alter Menschen in das öffentliche Bewusstsein zu rücken“, betont Prof. Kruse. „Gerade in der aktuellen, durch Migrationen bestimmten Situation können Patenschaften für junge durch alte Menschen einen großen Zugewinn an Menschlichkeit bedeuten.“

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 17.03.2016
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