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Berliner Kolloquium: Wozu braucht es Rituale?

Veranstaltung der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung und des Heidelberger SFB „Ritualdynamik“

Mit der Frage „Wozu braucht es Rituale?“ beschäftigt sich das 14. Berliner Kolloquium der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung. Wissenschaft­licher Leiter der Veranstaltung, die am Donnerstag, 20. Mai 2010, in Berlin stattfindet, ist Prof. Dr. Axel Michaels, Sprecher des Sonderforschungs­bereichs „Ritualdynamik“der Universität Heidelberg. Wissenschaftler des SFB werden zusammen mit Experten anderer Forschungseinrichtungen das Spannungsverhältnis von Ritual und Gewohnheit aus wirtschafts­wissen­schaftlicher, psycholo­gischer, neuro- und kognitions­wissenschaft­licher sowie kultur­wissenschaftlicher Sicht beleuchten.

Noch immer ist weitgehend ungeklärt, welchen psychischen Nutzen Rituale haben. Kontrovers ist, ob der Mensch überhaupt Rituale braucht. Vielen erscheinen sie als ein überflüssiger, gar hinderlicher Wurmfortsatz der Evolution; andere halten die Wiederholungen von Ritualen für das Lernen oder andere – auch kulturelle – Gedächtnisleistungen für unver­zicht­bar. Rituale können helfen, Emotionen zu beherrschen. Sie stehen aber auch im Ruf, Kreativität und Erneuerung zu behindern. Gibt es einen ritualisierten Zwang zum Ritual? Oder welche Freiheiten lässt das Ritual? Diesen Fragen werden die Teilnehmer des Kolloquium nachgehen.

Wie Prof. Michaels betont, findet das Thema „Rituale“ auch in den Wissenschaften wieder starke Beachtung. Der Heidelberger Forscher spricht von einem „Boom der Ritualforschung“ und vermutet, „dass es in unserer industrialisierten Welt mehr Rituale gibt als in traditionellen Gesellschaften.“ Waren es bislang vor allem Kultur- und Sozial­wissen­schaften, die Rituale erforscht haben, so sind heute auch medizinische, psycholo­gische und biologische Diszi­plinen hinzugekommen. Im Rahmen des Berliner Kolloquiums der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung werden Vertreter aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen zusammenkommen, um ihre Erkenntnisse austauschen. Den öffentlichen Abendvortrag zum Thema "Ritual und Freiheit" hält Prof. Dr. Wolf Singer vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung (Frankfurt).

Seit 1997 wird das "Berliner Kolloquium der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung" veranstaltet. Einmal jährlich werden hier in fachüber­greifenden Diskussionen Themen zu den "Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Umwelt und Technik" aufgegriffen.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 11.07.2014