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„Ruperto Carola 2/09“:
Das Recht von Spiel und Wette

Spannendes aus Jurisprudenz, Biologie, Astrophysik, Medizin, Alternsforschung und Wirtschaftswissenschaft im Forschungsmagazin der Universität Heidelberg

 

 

Cover Ruperto Carola

Schon seit der Antike gibt es Gesetze für Glücksspiele, zeigt Götz Schulze in der Titelgeschichte des Heidelberger Forschungsmagazins „Ruperto Carola 2/09“. Die soziale Praxis des Spielens und Wettens ist uralt – fast ebenso alt sind die Gesetze, um die Vergnügungen zu regeln. Weit zurück reicht auch die Erkenntnis, dass von der menschlichen Spiel- und Wettlust nicht nur Freuden, sondern auch Gefahren ausgehen. Schulze wirft einen Blick auf den Schutz der Spieler vor ihrer Leidenschaft, der in Deutschland durch einen Staatsvertrag der Bundesländer geregelt ist. „Diese Aufgabe hat der deutsche Staat in der Vergangenheit nicht in ausreichendem Maße erfüllt“, schreibt der Rechtswissenschaftler und blickt auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum staatlichen Glücksspielmonopol 2006. Steht die daraufhin geschaffene Neuregelung auch mit dem europäischen Gemeinschaftsrecht in Einklang? – Die weiteren Themen des Magazins präsentieren Spannendes aus Biologie, Astrophysik, Medizin, Alternsforschung und Wirtschaftswissenschaft.

Wie die Gene in die Vergangenheit der Pflanzen blicken lassen und ihre künftigen Entwicklungswege verraten, ist Thema von Marcus Koch in „Ruperto Carola 2/09“. Nicht nur in Zeiten des Wandels ist es interessant zu erfahren, was die Zukunft bringen mag. Ob und wie der derzeitige Klimawandel die Vielfalt des Lebens auf Erden bedroht und ob sich Pflanzen auf die veränderten Umweltbedingungen einstellen und überleben können, ist eine Frage, die eine neue Forschungsrichtung der Biologie – die Phylogeographie – beantworten will. Koch zeigt auf, wie moderne molekulare Methoden es den Wissenschaftlern erlauben, die Evolutionsgeschichte von Arten und Artengruppen zu rekonstruieren – und aus der Betrachtung der Vergangenheit zu schlussfolgern, ob Pflanzen eine Zukunft haben oder nicht.

Seit alters her beschäftigten sich die Menschen mit den Gestirnen über ihnen, ruft Ralf Klessen in seinem Beitrag in Erinnerung. Während man früher die „Fixsterne“ für unverrückbare, ewig existierende Objekte hielt, zeigt sich heute dank moderner Forschungsmethoden ein weitaus dynamischeres Bild. Sterne sind Teile eines kosmischen Kreislaufs, sie werden geboren und vergehen. Ihre Wiege in der Milchstraße sind dunkle Wolken aus Gas und Staub, die unter ihrem eigenen Gewicht in sich zusammenstürzen. Die Geburt der Sterne ist ein dramatischer Vorgang, der viele ungelöste Fragen aufwirft. Mit Computersimulationen untersuchen Wissenschaftler am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg die physikalischen Prozesse, die Sterne so wie unsere Sonne entstehen lassen.

Eine verhängnisvolle Affäre beschreiben Andreas Fischer und Hellmut Augustin im folgenden Text. Krebszellen gehen mit Blutgefäßen eine unglückselige Liaison ein – eine Beziehung, die sich therapeutisch nutzen lässt. Das über Jahrzehnte angezweifelte Konzept der Tumor-Anti-Angiogenese – dem Bekämpfen von Tumoren mit Medikamenten, die das überschießende Wachstum von Blutgefäßen in bösartigen Geschwülste unterbinden – hat sich mittlerweile als zusätzlicher Baustein der Krebsbehandlung etabliert. Ein noch besseres Verständnis der Neubildung von Gefäßen lässt auf weitere neue Therapieansätze hoffen – nicht nur, um Krebs zu behandeln, sondern auch um Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu verhindern.

Sobald wir laufen können, bestimmt Bewegung unser Leben. Innere und äußere Wegzeiger halten uns dabei „in der Spur“ und lassen uns Ziele oder den Weg zurück nach Hause finden. Im Alter aber verliert sich die für Jahrzehnte als selbstverständlich erlebte Fähigkeit, besonders dann, wenn kognitive Funktionseinbußen hinzutreten. Hans-Werner Wahl und Noam Shoval beschreiben moderne Navigationstechniken, die außerhäusliche Spuren älterer Menschen nachvollziehbar machen. Dies kann die Sicherheit der Senioren erhöhen und Angehörige entlasten. Charakteristische Veränderungen des Mobilitätsmusters können auf bedenklichere kognitive Einbußen hinweisen und eröffnen die Chance, Demenzerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

„Eine Spekulationsblase liegt immer dann vor, wenn sich die Preise nicht mehr durch die Fundamentaldaten erklären lassen.“ So erklären Wirtschaftswissenschaftler ein Phänomen, das schon viel älter ist als die Globalisierung, moderne Finanzmärkte und Hedgefonds. Doch die Erklärung reicht nicht aus, um extreme und irrational anmutende Preisbewegungen zu verstehen, stellt Jörg Oechssler in seinem Beitrag fest. Wissenschaftler und Studierende der Universität Heidelberg haben im Labor nachvollzogen, welche „Zutaten“ vonnöten sind, um selbst auf einfachen und transparenten Märkten mit großer Wahrscheinlichkeit Spekulationsblasen entstehen zu lassen – ein aufschlussreiches Experiment mit allzu menschlichen Zügen.

„Kalt, kälter, am kältesten“ ist das Thema von Sandro Wimberger und Tobias Paul in ihrem Kurzbericht. Hier geht es um fundamentale Quanteneigenschaften für neue technische Anwendungen.

Verlag des Forschungsmagazins ist der Universitätsverlag Winter Heidelberg. Ein Einzelheft kostet 5 Euro plus Versand. Es kann, ebenso wie das Förderabo für 30 Euro (vier Ausgaben), bestellt werden bei: Universität Heidelberg, Kommunikation und Marketing, Pressestelle, Postfach 10 57 60, 69047 Heidelberg. Kostenlose Ansichtsexemplare früherer Hefte liegen im Foyer der Alten Universität aus. Weitere Informationen und Volltexte früherer Ausgaben: http://www.uni-heidelberg.de/presse/publikat.html

 

Rückfragen bitte an:
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Tel. 06221 54-2311, Fax 54-2317
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Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 11.07.2014