Siegel der Universität Heidelberg
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Der Sachsenspiegel

In der Nacht der Wissenschaft präsentiert die Universitätsbibliothek Heidelberg mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Bank AG einige Handschriften der weltberühmten Heidelberger "Bibliotheca Palatina" in der Neuen Universität. Besucher haben die seltene Gelegenheit, Handschriften und alte Drucke im Original zu bewundern sowie mehr über das einzigartige Digitalisierungsprojekt, das die Universitätsbibliothek Heidelberg mit finanzieller Unterstützung der Manfred-Lautenschläger-Stiftung betreibt, zu erfahren. Ein interessanter Vortrag zur Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels findet um 22.15 Uhr im Institut für geschichtliche Rechtswissenschaften statt.  

Die Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels

Die "Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels” (Cod. Pal. germ. 164) ist neben dem "Codex Manesse - Der Großen Heidelberger Liederhandschrift” (Cod. Pal. germ. 848) die berühmteste und wertvollste Handschrift der Universitätsbibliothek Heidelberg. Sie ist das älteste von insgesamt vier erhaltenen Manuskripten des Textes, in denen die Rechtssätze durch Bilder illustriert sind.

Die Anfang des 14. Jahrhunderts in Ostmitteldeutschland entstandene Pergamenthandschrift im Format 30 × 23,5 cm umfasst heute noch 30 der ursprünglich etwa 92 Blätter. Jede Seite ist in eine Text- (rechts) und eine Bildkolumne (links) unterteilt. Der Zusammenhang zwischen Text und Bild wird fast immer durch farbige Initialen hergestellt, die sich sowohl am Beginn der einzelnen Rechtssätze als auch bei den dazugehörigen Illustrationen finden. Der Text ist von einem Schreiber in einer gotischen Minuskel geschrieben, bei den Illustrationen auf 310 Bildstreifen handelt es sich um kolorierte Federzeichnungen. Im "Sachsenspiege" hat der zwischen 1209 und 1233 urkundlich belegte Edelfreie Eike von Repgow die Erfahrungen festgehalten, die er während seiner langjährigen Tätigkeit als Schöffe bei dörflichen Gerichtsverhandlungen in Ostfalen gesammelt hatte. Inhaltlich umfasst das Buch zum einen Teil das Lehnrecht, in dem es hauptsächlich um die Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der Vergabe von Gütern geht. Im zweiten Teil, dem Landrecht, werden überwiegend privat- und strafrechtliche Fragen sowie solche des Verfahrensrechts behandelt.

Der Sachsenspiegel

Der "Sachsenspiegel" war kein Gesetzbuch im eigentlichen Sinne. Als früheste Aufzeichnung deutscher Rechtsgewohnheiten erlangte er aber schnell seine außergewöhnliche Bedeutung, die sich nicht zuletzt in über 200 überlieferten Handschriften des Textes ausdrückt.

Cod. Pal. germ. 164 gelangte über Ulrich Fugger, zusammen mit dessen äußerst umfangreicher Bibliothek, in den Besitz der Heidelberger Kurfürsten. 1567 war Fugger nach Heidelberg übergesiedelt, da er seine Heimatstadt Augsburg hatte verlassen müssen. In der Folge wurde das Manuskript des "Sachsenspiegels" Bestandteil der weltberühmten "Bibliotheca Palatina", die zu ihrer Blütezeit, Anfang des 17. Jahrhunderts, als optimus Germaniae literatae thesaurus, als der größte Schatz aller Gebildeten in Deutschland galt. Im Dreißigjährigen Krieg als Beute in die Bibliothek des Vatikan entführt, kamen die deutschsprachigen Handschriften der "Bibliotheca Palatina" erst 1817 wieder nach Heidelberg zurück, wo sie heute zu den wertvollen Altbeständen der Universitätsbibliothek zählen.


Progamm der Universitätsbibliothek Heidelberg

Programm des Instituts für geschichtliche Rechtswissenschaften

 

Weitere Informationen zur Digitalisierung der Bibliotheca Palatina

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