Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland:
Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung II: Mainz:

 

 

7/8. Abschriften von Grabsteinen des alten jüdischen Friedhofs an der Mombacher Straße in Mainz, 19. Jahrhundert

 

In der Sammlung sind zwei Bücher mit Abschriften von Grabsteinen enthalten. Sie tragen die Vorsignaturen 7 und 8. Ihre Zuordnung zu einem jüdischen Friedhof in Mainz kann nur aus verschiedenen Indizien erschlossen werden. Dem Buch Nr. 8 liegt ein von Paul Arnsberg im April 1968 geschriebener Zettel mit folgendem Vermerk bei: Memorbuch (Grabstein-Inschriften) Mainz. Kurz davor waren die Frankfurter Archivalien vom Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden verfilmt worden. In dem damals angelegten Verzeichnis ist die Ortsbestimmung "Mainz" allerdings mit einem Fragezeichen versehen. Eine nähere Betrachtung der Bücher bestätigt jedoch den Bezug zu Mainz. Die Abschriften sind durchgehend numeriert, in Buch Nr. 7 von 1 bis 500 und in Buch Nr. 8 von 1001 bis 1496. Auf zahlreichen Blättern (1) finden sich am rechten unteren Rand Vermerke der Art gesehen 18. VII 27, Dr. S. Levi (Bl. 280). Daraus ergibt sich der Schluß, daß die Abschriften in den Jahren 1927-1929 unter der Aufsicht von Dr. Sali Levi angefertigt worden sind. Dr. Sali Levi war ab 1919 Rabbiner in Mainz und verließ diese Stadt erst im Jahre 1941. Er war außerdem Vorsitzender des Vereins zur Pflege Jüdischer Altertümer in Mainz und hatte 1926, also kurz vor Beginn der vorliegenden Dokumentationsarbeit, Beiträge zur Geschichte der ältesten jüdischen Grabsteine in Mainz herausgegeben. (2)

 

In Mainz gibt es nun mehrere jüdische Friedhöfe. (3) Der Friedhof in der Unteren Zahlbachstraße kommt nicht in Betracht, da er erst 1864 eröffnet wurde. Die in den Büchern 7 und 8 enthaltenen Abschriften beziehen sich aber auf Grabsteine aus dem ganzen 19. Jahrhundert (etwa 1823-1874). Am wahrscheinlichsten scheint deshalb die Zuordnung zum neueren Teil des alten jüdischen Friedhofs in der Mombacher Straße, der schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts belegt wurde.

 

Es läßt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren, wie die Abschriften in den Besitz der Jüdischen Gemeinde Frankfurt gelangt sind. Beide Bücher tragen auf dem Vorsatzblatt den Stempel: Bezirksstelle Hessen - Hessen Nassau der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Verwaltungsstelle Hessen. Diese Behörde hatte ihren Sitz in Darmstadt. Da Mainz damals zum Volksstaat Hessen gehörte, kann man sich vorstellen, daß die Mainzer Grabinschriften zusammen mit anderen personenkundlichen Unterlagen aus hessischen Gemeinden auf höhere Weisung hin im Büro der Reichsvereinigung in Darmstadt abgeliefert werden mußten. Später scheinen diese Unterlagen dann an das Gausippenamt in Frankfurt weitergegeben worden zu sein. Dafür spricht auch das Schicksal des dritten, in der Frankfurter Sammlung nicht enthaltenen Bandes mit Mainzer Grabinschriften. Wie bereits erwähnt tragen die beiden vorliegenden Bände die Blattzählung 1-500 bzw. 1001-1496. Der mittlere Band (Bl. 501-1000) konnte in Jerusalem lokalisiert werden. (4) Über die Jewish Cultural Reconstruction (J.C.R.) gelangte er 1953 zusammen mit anderen hessischen Matrikeln, die vom Gausippenamt Hessen zurückerstattet wurden, in die Central Archives for the History of the Jewish People. (5) Offensichtlich ist damals ein Teil der Sammlung des Gausippenamtes in Frankfurt geblieben und in den Besitz der Jüdischen Gemeinde übergegangen.

Von den beiden Büchern mit Mainzer Grabinschriften sind 1965 im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Filmkopien (Filme 56 und 56, Abt. 3010) und 1992 im Heidelberger Zentralarchiv Xerokopien gefertigt worden, die wiederum zu Büchern gebunden wurden.

 

Anmerkungen

1) Siehe insbesondere die Blätter 280, 309, 340, 500, 1040, 1082, 1362, 1442.1496.

2) Juden in Mainz. Katalog zur Ausstellung der Stadt Mainz im Rathaus-Foyer November 1978. Bearbeitet von Friedrich Schütz. Mainz 1978, S. 125 (Nr. 160), S. 191 f (Nr. 255-257).

Magenza. Ein Sammelheft über das jüdische Mainz im 500. Todesjahr des Mainzer Gelehrten MAHARIL. Herausgegeben vom Verein zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz unter Leitung seines ersten Vorsitzenden Dr. Sali Levi, Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde. 1927.

3) Diamant, Adolf: Jüdische Friedhöfe in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main 1982, S. 121.

4) Cohen, Daniel J.: Vorläufige Liste von Archivalien Mainzer Provenienz im Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem. In: Juden in Mainz, a.a.O., S. 116 (Nr. 26, Signatur G 3/240)

5) Briefliche Mitteilung von Direktor Aryeh Segall, Jerusalem, 28. April 1992.


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