Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland:
Bestände: Personen:

Bestand B. 2/1 (Nachlaß Joseph Wulf)

Serie c: Berichte von Überlebenden der Shoa, die in den ersten Nachkriegsjahren in Polen aufgezeichnet wurden.

Einleitung: Zugänge und Serien

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Der Nachlaß von Joseph Wulf ist in mehreren Zugängen ins Zentralarchiv gelangt:

 

Gruppe A  (Zugänge 87/01 und 88/08)

Materialsammlungen und Manuskripte, etwa 12 lfm

 

Diese Unterlagen waren nach dem Tod von Joseph Wulf im Oktober 1974 zunächst von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin übernommen worden, sind dann in den Besitz des Zentralrats der Juden in Deutschland gelangt, was eine Verlagerung von Berlin nach Karlsruhe mit sich brachte, wo der damalige Vorsitzende des Zentralrats seinen Wohnsitz hatte. Aufbewahrt wurden die Materialien in den Räumen des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Nach Gründung der Hochschule für Jüdische Studien 1979 in Heidelberg, ist ein Teil der Materialien der Bibliothek dieser Einrichtung zur Verfügung gestellt worden. Mit Gründung des Zentralarchivs 1987 wurden sowohl die bereits nach Heidelberg an die Hochschule abgegebenen als auch die noch in Karlsruhe beim Oberrat verbliebenen Unterlagen in die Obhut des Zentralarchiv überführt und bildeten dort den ersten personenbezogenen Bestand, zu dem sogleich von Monika Preuß ein Findbuch erarbeitet wurde, das im Herbst 1989 fertig war.

 

Gruppe B  (Zugänge 92/21, 94/03 und 02/06)

Korrespondenz, Manuskripte und Materialsammlungen, etwa 14 lfm

 

Diese Unterlagen waren nach Wulfs Tod bei seiner Schreibkraft und Mitarbeiterin Ursula Böhme in Berlin verblieben. Sie wurden nach und nach dem Zentralarchiv übergeben.

 

Gruppe C  (Zugang 00/03)

Materialsammlung, etwa 7 lfm

 

Als es im Jahr 2000 zur Übernahme der Altakten des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden kam, stellte sich heraus, daß in Karlsruhe noch recht umfangreiches Material aus der Hinterlassenschaft von Joseph Wulf liegen geblieben war. Auch diese Materialien wurden dann dem bereits vorhandenen Bestand B. 2/1 hinzugefügt.

 

 

Nachdem im Mai 2002 die Archivierung des Nachlasses von Joseph Wulf mit der in Paris lebenden Erbin vertraglich geregelt worden war, ist die weitere Verzeichnung in Angriff genommen worden. Die Arbeitsorganisation führte zur Bildung verschiedener Serien.

 

Serie a

Die Ende der 80er Jahre übernommenen und sofort verzeichneten Materialsammlungen und Manuskripte werden fortan als Serie a bezeichnet (die Zugänge der Gruppe A).

 

Serie b

Für die Fortführung der Verzeichnung ist von Dr. Christiane Pfanz-Sponagel zunächst die in 15 Ordnern alphabetisch abgelegte Korrespondenz ausgewählt worden (aus dem Zugang 92/21 der Gruppe B). Bis zu ihren Weggang vom Zentralarchiv Ende 2003 konnte sie noch die Titelaufnahme für diese Korrespondenzakten abschließen. Möglicherweise werden in diese Serie noch andere, von Wulf separat abgelegte Korrespondenzen aufgenommen.

 

Serie c

Als Teil der Materialsammlung sind auch 15 Aktenbündel ins Zentralarchiv gelangt, die vor allem Berichte von Überlebenden der Shoa enthielten, die in den ersten Nachkriegsjahren in Polen aufgenommen worden sind. Im Herbst 2004 ist mit ihrer detaillierten Verzeichnung begonnen worden. Es sollte insbesondere geklärt werden, in welchem Verhältnis die in Heidelberg vorliegenden Berichte zu der wesentlich umfangreicheren Sammlung derartiger Berichte im Jüdischen Historischen Institut Warschau stehen, deren Verzeichnung bereits recht weit fortgeschritten war.

 

Die Serie c (d.h. der Inhalt der 15 Aktenbündel) besteht zum größten Teil aus Dokumenten in polnischer Sprache. Mit der detaillierten Verzeichnung wurde Filip Zielinski beauftragt, der sowohl in der Lage war, die Dokumente zu lesen als auch die Titelaufnahmen zweisprachig (Polnisch-Deutsch) zu schreiben. Neben seinem Geschichtsstudium an der Universität Heidelberg erledigte er diese Aufgabe im Rahmen eines Zeitvertrags (monatlich 30 Stunden) in drei Arbeitsphasen, von Oktober 2004 bis Juli 2005, von Januar bis April 2006 und von März bis Juli 2007. Für einige wenige Unterlagen in anderen Sprachen (Jiddisch, Französisch, Ungarisch, Dänisch, Schwedisch) musste fremde Hilfe in Anspruch genommen werden.

 

Erst im Laufe der Bearbeitung ergaben sich zwei wichtige Präzisierungen zu Umfang und Inhalt der Serie c. Zunächst schien es so, als ob nunmehr lediglich diejenigen Unterlagen detaillierter zu verzeichnen waren, die bereits in dem Findbuch von 1989 (für die Zugänge der Gruppe A) summarisch als „Berichte von Überlebenden“ beschrieben worden sind (Kapitel IV.2 , S. 18-19). Bei genauerer Betrachtung dieser Unterlagen, insbesondere der zum Teil erhalten gebliebenen Verpackungsreste wurde jedoch klar, daß dies nur der Inhalt von zehn Paketen sein konnte. Aus Wulfs Korrespondenz war jedoch bekannt, daß er insgesamt 15 Pakete erhalten hatte. Die den restlichen fünf Paketen entsprechenden Aktenbündel konnten dann tatsächlich unter den in Karlsruhe liegengebliebenen Materialien (Gruppe C) ermittelt werden, die erst im Jahr 2000 vom Zentralarchiv übernommen worden sind. Wenn nun der Umfang der Serie c sich durch diese Umstände um etwa ein Drittel vergößert hat, so führte die genauere inhaltliche Erschließung des Materials andererseits zu einer Verringerung des Umfangs der Zeugenberichte im engeren Sinne. Es sollte sich herausstellen, daß zusammen mit den Zeugenberichten, die immer noch die Mehrheit der Unterlagen bilden, auch zahlreiche Dokumente ganz anderer Art in den Aktenbündeln enthalten waren, etwa Gedichte, Briefe oder Zeitungsausschnitte.

 

Mit dem Fortgang der Verzeichnungsarbeiten am Gesamtbestand wird sich möglicherweise die Bildung weiterer Serien als zweckmäßig erweisen.

 

Heidelberg, im Juli 2007

Peter Honigmann

 

 

Nachtrag

Nach dem Weggang von Filip Zielinski im Sommer 2007 konnte die Endredaktion erst nach einer längeren Unterbrechung zum Jahresende 2010 in Angriff genommen werden. Inzwischen war Christine Kilian als studentische Hilfskraft am Zentralarchiv tätig. Eine ganze Reihe von abschließenden redaktionellen Tätigkeiten wurden von ihr mit großer Sorgfalt erledigt. Auch an den aufwendigen Formatierungsarbeiten im Zusammenhang mit der Herstellung eines Ausdrucks war sie beteiligt, ebenso wie die Bürokraft des Zentralarchivs, Frau Eva Blattner. Im September 2011 konnte die Datenbank dann als online-Findbuch auf die Webseiten des Zentralarchivs geschaltet werden. Ein gleichzeitig angefertigter Ausdruck auf Papier hat einen Umfang von 725 Seiten. 

 

Ausführlicher Bericht über die Bearbeitung der Serie c