Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: 
Bestände: Personen: Ballin:

Vorwort

Übernahme ins Archiv
Ein Teil des Nachlasses des Genealogen Gerhard Ballin (1922-1989), der aus Büchern und einer Materialsammlung mit Korrespondenzen besteht, wurde 1991 von seiner Tochter, Frau Renate Müller, der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg übergeben. Die im Nachlaß enthaltenen Bücher verblieben in der Bibliothek der Hochschule, die Materialsammlung, größtenteils handschriftlich, wurde an das Zentralarchiv abgegeben. Herr Jochen Ballin, der jüngere Bruder Gerhard Ballins, lebt seit 1949 als Schauspieler in Heidelberg und übergab dem Zentralarchiv ergänzend zum Nachlaß ein Buch sowie einzelne Unterlagen zur Familie Ballin in Seesen (siehe Nr. 108) und stand sehr hilfreich für eine Reihe von Fragen zur Verfügung.

Zusammensetzung der Materialsammlung und Verzeichnungsarbeit
Der Bestand umfaßt ca. 2 lfm Material, das in Mappen, Heften, Korrespondenzordnern und einem Karteikasten mit Fotos und Negativen untergebracht war. Diese Materialsammlung Gerhard Ballins besteht inhaltlich aus verschiedensten Unterlagen, so z.B. Zeitungsausschnitten, Abschriften von Archivdokumenten, Spezialinventaren, Stammtafeln, Sonderdrucken, Manuskripten, Korrespondenzen und einer ganzen Reihe Fotos, die unter anderem die Friedhofsdokumentation Ballins illustrieren. Der Forschungsschwerpunkt fast aller Unterlagen liegt dabei auf Norddeutschland.

Die Gliederung der Materialsammlung durch das Zentralarchiv wurde nicht nach thematischen Aspekten vorgenommen, da eine über Ballins Vorsortierung hinausgehende Systematik nicht ersichtlich war. So orientiert sich die Verzeichnung an rein formalen Kriterien (Mappen, Ordner, Hefte etc.) und folgt daher im wesentlichen der Reihenfolge, die der Nachlasser selbst festgelegt hat. Gerhard Ballin ordnete die Mappen z.B. durch Buchstaben oder römische Ziffern; bei der Verzeichnung im Zentralarchiv wurde eine Einheit jeweils mit einer Nummer versehen (durchgehende Numerierung, gesamter Bestand: Nummern 1-145). Um den Zugang nach thematischen Gesichtspunkten zu erleichtern, sind am Ende des Verzeichnisses Register angefügt.

Die Gliederung beginnt mit den sogenannten B-Mappen (Nr. 1-40), die Materialsammlungen zu den verschiedensten Themen enthalten, meist nach Orten, nicht chronologisch sortiert. Darauf folgen die M-Mappen (Nr. 41-58), die sehr wahrscheinlich aus dem Nachlaß Dr. Walther Meyers stammen. Da Dr. Meyer nur wenige seiner Unterlagen testamentarisch festgelegten Personen vermacht hatte, bot seine Witwe Frau Anni Meyer seinem ehemaligen Briefpartner Gerhard Ballin an, sich aus den restlichen Unterlagen alles für ihn Wichtige herauszusuchen. Dieser in die Ballinsche Sammlung integrierte Teil des Nachlasses Dr. Meyers sind die M-Mappen, deutlich zu erkennen auch an dem Unterschied in den Handschriften, die in den B- bzw. den M-Mappen dominieren. Einen Teil des Meyer-Nachlasses hat Gerhard Ballin 1977/78 dem Leo Baeck Institut in New York übergeben (siehe Nr. 127 oder auch S. 99 des "Catalog of the Archival Collections" des Leo Baeck Instituts, hg. 1990 v. Fred Grubel). Der Inhalt der M-Mappen datiert meist aus den 30er und 40er Jahren unseres Jahrhunderts. Sie dienten vermutlich für die Beschriftung der B-Mappen als Muster.

Bei den mit römischen Ziffern beschrifteten Mappen (Nr. 59-74) sowie bei den C-Mappen (Nr. 75-82 und Nr. 85, 86) und den H-Mappen (Nr. 83, 84) handelt es sich wieder um Ballin-Material, allerdings nicht mehr um Materialsammlungen, sondern meist um Stammtafeln verschiedener Familien oder allgemein um genealogische Notizen. Die folgenden Mappen ohne Titel (Nr. 87-108) sind den B-Mappen ähnlich, auch sie sind Materialsammlungen, die nicht chronologisch geordnet sind, ihre Titel haben sie nach Durchsicht des Inhalts im Zentralarchiv bekommen. Nach diesen sind kleinere Notizensammlungen und Abschriften in Notizheften u.ä. aufgeführt (Nr. 109-120), anschließend die Ordner. Die Papiere der ersten beiden Ordner (Nr. 121, 122) sind herausgenommen und umgepackt worden, eine Nummer entspricht weiterhin einem Ordner. Die nachfolgenden Korrespondenzordner dagegen wurden in ihre einzelnen Abschnitte zerlegt und mit mehreren Nummern (Nr. 123-144) je Ordner versehen. Den Schluß im Verzeichnis bildet der Fotokasten (Nr. 145), der mit Maßen und Inhalt angegeben ist. Verfolgt man die vorgefundene Numerierung der Mappen (soweit vorhanden) im gesamten Nachlaß, so fällt auf, daß es Lücken gibt, d.h. einige Mappen scheinen zu fehlen. Zum Verbleib dieser Mappen ist leider nichts bekannt.

Zur Bildung eines Kurztitels für die Mappen noch folgende Erklärungen: Orts- und Familiennamen geben an, daß sich in der Mappe Materialien zur Geschichte bzw. zur Genealogie von Juden an diesen Orten bzw. aus diesen Familien befinden. Die Zeitangaben im Titel sind dabei nicht als Laufzeit einer Akte zu verstehen, sondern als Zeitraum, über den die Materialien in der Mappe Aussagen enthalten. Die Art der Verpackung sowie Titel und Vorsignatur, die den Ordnern bzw. Mappen von Gerhard Ballin selbst gegeben wurden, stehen in unverändertem Wortlaut im Untertitel, d. h. in Klammern unter dem Haupttitel. Ist keine Klammer angegeben, so wurde auch von Ballin kein Titel notiert. Konnte kein gravierender Korrekturgrund für den ursprünglichen Titel nach Ballin festgestellt werden, wurde dieser in der Regel in den Haupttitel übernommen.

Bei der weiteren Beschreibung des Inhalts der Mappen werden bibliographische Angaben an vorletzter Stelle aufgeführt, Fotos und anderes Bildmaterial (soweit vorhanden) an letzter Stelle genannt und durch kursiven Fettdruck besonders hervorgehoben. Briefwechsel ohne eine weitere Spezifierung geht stets von G. Ballin selbst aus, andernfalls wird dies kenntlich gemacht (Briefwechsel Dritter miteinander). Die Titel zu den Inhalten der Korrespondenzordner ergeben sich aus den Namen der Korrespondenzpartner Ballins.

An das Verzeichnis schließt sich eine Bibliographie der Veröffentlichungen und der Manuskripte Gerhard Ballins an. Die verfügbaren Daten für die Bibliographie wurden der Materialsammlung entnommen, daher handelt es sich eher um Vorarbeiten zu einer Bibliographie. Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge ist dem Verzeichnis auch eine kurze Lebensbeschreibung Gerhard Ballins beigegeben worden. Auch hierfür wurde im wesentlichen auf das vorliegende Material zurückgegriffen.

Heidelberg, im September 1999
Jessica Becker

(Der Bestand wurde 1999 von Frau Jessica Becker, die neben ihrem Geschichtsstudium an der Universität Heidelberg einen Tag pro Woche als wissenschaftliche Hilfskraft im Zentralarchiv tätig war, verzeichnet.)


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