BESCHREIBUNG DER DOKUMENTATIONSPROJEKTE

- NIEDERSACHSEN -

 


Bad Pyrmont

Ein Arbeitskreis unter Leitung von Heinrich Rostmann hat sich die Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Bad Pyrmont (Bombergallee) zur Aufgabe gemacht. In den Jahren 1996/97 wurden 57 Grabsteine ausgegraben, so daß heute auf dem Friedhof wieder 79 Grabsteine von ehemals 200 (im Jahre 1938) stehen. Der Arbeitskreis plant, die Inschriften zu fotografieren, abzuschreiben und zu übersetzen.

Im Jahr 2004 ist Herr Rostmann verstorben. Der Arbeitskreis hat sich aufgelöst.

 


Ballin

Gerhard Ballin (1922-1989) stammte väterlicherseits aus einer vor allem in Norddeutschland weitverzweigten jüdischen Familie. Neben seinem Beruf als Bankkaufmann in Seesen widmete er sich ausgedehnten genealogischen und ortsgeschichtlichen Untersuchungen. Über die Auswertung des in den Archiven verwahrten Quellenmaterials hinaus hat er sich auch immer wieder um zusätzliche Informationen aus den Grabinschriften auf jüdischen Friedhöfen bemüht. 1991 gelangte ein Teil seiner Materialsammlungen und seiner Korrespondenz in das Heidelberger Zentralarchiv (Bestand B.7/5). Unter Verwendung dieser Unterlagen ließ sich über seine Dokumentationstätigkeit in Niedersachsen bisher folgendes ermitteln:

Bovenden
1940/41 schrieb Ballin auf dem jüdischen Friedhof Bovenden von ausgewählten 38 Grabsteinen die Namen und Daten ab. Eine Kopie dieser Liste übergab er etwa 1971/72 zusammen mit sechs Fotos von verschienen Grabsteingruppen dem Plesse-Archiv (Auskunft des Plesse-Archivs vom 28.5.98, s.a. Dietert 1992, S. 421). Diese Materialien wurden später von Brigitte Kern für die Erarbeitung einer Dokumentation herangezogen (Kern 1982, S. 163, Anm. 57).

Imbshausen
1941 begab sich Ballin auf den jüdischen Friedhof Imbshausen, um die Inschriften von den Grabsteinen abzuschreiben. Es gelang ihm bei 23 von 28 Steinen, wobei der Umfangder Datenaufnahme sehr unterschiedlich ist. Manchmal konnte er nur den Namen, in anderen Fällen aber fast den gesamten Text festhalten. Wie er später (am 9.6.59) an Rabbiner Brilling schrieb, stammen die Abschriften aus einer Zeit da er noch nicht die hebräischen Buchstaben kannte. Die Steine des Friedhofs wurden 1951 zerschlagen und für den Bau eines Hauses verwendet. Später zog er Rabbiner Brilling für die Deutung und Übersetzung seiner Abschriften zu Rate und veröffentlichte sie in Ballin 1988b, S. 176f.

Seesen
1976 begann Gerhard Ballin, ausgewählte Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Seesen zu fotografieren (Ballin 1979, S. 147). Im März 1977 schickte er Fotos von 7 älteren Steinen mit hebräischer Inschrift an Rabbiner Dr. Bernhard Brilling in Münster. Die aus der Lektüre der Inschriften gewonnenen genealogischen Daten teilte ihm Brilling dann am 20.5.1977 mit. Der Briefwechsel mit Brilling gehört zu den nachgelassenen Unterlagen Gerhard Ballins, die 1991 vom Heidelberger Zentralarchiv übernommen worden. Fotos vom Friedhof in Seesen konnten in dieser Ablieferung jedoch nicht ermittelt werden. Die umfangreichen Sammlungen von Rabbiner Brilling (170 lfm) sind 1984 und 1991 in das Jüdische Museum Frankfurt gelangt. 1989 vermerkte Ballin in einem Fragebogen, daß "53 Fotos von Grabsteinen vor 1876" vorhanden seien (Zentralarchiv; B.7/5, Mappe B6c: Friedhof Seesen III).

Adressen

Plesse-Archiv
Rathausplatz 1
37120 Bovenden
Tel.: 0551-8201-47
Fax: 0551-83691

Jüdisches Museum Frankfurt
Untermainkai 14/15
60311 Frankfurt/Main
Tel.: 069 / 212 38546 (Herr Lenarz)

Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
Bienenstraße 5
69117 Heidelberg
Fax: 06221-18 10 49
E-Mail: Zentralarchiv@urz.uni-heidelberg.de

 


Bamberger

Herr Naftali Bar-Giora Bamberger (1919-2000) dokumentierte seit 1984 zahlreiche Friedhöfe in der Bundesrepublik. Im Bundesland Niedersachsen beschäftigte er sich mit dem jüdischen Friedhof in Celle. Die von ihm erarbeitete Volldokumentation wurde 1992 veröffentlicht (Bamberger 1992). Eine ausführliche Projektbeschreibung befindet sich unter Bamberger in der Liste der länderübergreifenden Dokumentationsprojekte.

 


Bentheim

Im Auftrag des Landkreises Grafschaft Bentheim begann Arno Piechorowski 1976 eine Darstellung der Geschichte der jüdischen Gemeinden in der Grafschaft Bentheim zu erarbeiten. Die Ergebnisse dieses Projekts, an dem schließlich noch fünf weitere Autoren beteiligt waren, erschienen 1982 in einem Sammelband (Piechorowski 1982). In diesem Zusammenhang sind auch die jüdischen Friedhöfe dokumentiert worden. Friedrich-Wilhelm Busch erarbeitete die Dokumentation für Bentheim (Alter Friedhof), Bentheim (Neuer Friedhof), Gildehaus und Schüttorf. Arno Piechorowski übernahm Nordhorn (Alter Friedhof) und Nordhorn (Neuer Friedhof). In der erwähnten Veröffentlichung finden sich neben historisch-topographischen Beschreibungen der Friedhöfe genaue Belegungspläne und Fotos sämtlicher Grabsteine. Lediglich für den Friedhof in Hilten hat sich Karl-Heinz Meyer auf die Wiedergabe einiger Beispielfotos beschränkt. In der Regel sind die Namen und Daten von den Steinen abgelesen worden, teilweise wurde auch der vollständige Text der Grabinschrift veröffentlicht. Beim Lesen der hebräischen Inschriften wurden die Bearbeiter von Prof.Dr.Bernhard Brilling (Universität Münster) unterstützt. Das Fotomaterial liegt heute bei den Autoren der einzelnen Beiträge.

Adresse
Heimatverein der Grafschaft Bentheim e.V
Am Westhang 3
48455 Bad Bentheim

http://www.heimatverein-grafschaft.de/


Bodenteich

An der Kreisrealschule Bodenteich fand vom 19.9.1983 - 24.9.1983 die Projektwoche "Jüdischer Friedhof" statt. Ziel der Schüler war es, etwas über die Geschichte und Anlage des Friedhofes in Bodenteich herauszufinden. Der Friedhof wurde von der Schülergruppe gesäubert, ein Lageplan erarbeitet, die Grabsteine fotografiert und die deutschen Inschriften abgeschrieben. Die hebräischen Inschriften wurden von Frau Weiland übersetzt. Die Arbeitsergebnisse sind schriftlich niedergelegt worden: Bodenteich 1983. Die Lehrer, Harro Blunk und Jürgen Linker, haben die Nachforschungen weitergeführt und die Ergebnisse schließlich in Form einer Volldokumentation veröffentlicht: Bodenteich 1996 (dort wurden hebräische Übersetzungen von Dr. H.U.Boesche und Ehepaar Brocke verwendet), von der 2006 nochmal eine zweite, erweiterte Auflage erschienen ist.

 


Burgdorf

Im Jahr 1979 übernahm das Gymnasium Burgdorf die Patenschaft über den jüdischen Friedhof in Burgdorf. Neben der materiellen Pflege wurde auch eine Dokumentation in Angriff genommen. Unter Anleitung von Johann Georg Krogel haben Schüler der 10.Klasse die Inschriften abgeschrieben, Symbole und Formen wurden als Zeichnungen festgehalten. Zur Verdeutlichung sind auch einige fotografische Aufnahmen gemacht worden. Die Übersetzung der hebräischen Inschriften besorgte Studienrätin Gloria Kraft-Sullivan. In der 1981 vorgelegten Dokumentation (Burgdorf 1981) werden sämtliche Inschriften auf deutsch wiedergegeben. Der Band enthält auch eine Studie des damaligen stellvertretenden Bürgermeisters von Burgdorf Dr. Reinhard Scheelje über das Alter des Friedhofs.

 


Cassuto

Alfonso Cassuto (1910-1990) hat sich vor seiner Auswanderung nach Portugal im Jahr 1933 intensiv mit der Geschichte der portugisieschen Juden in Norddeutschland beschäftigt. In diesem Zusammenhang galt sein Interesse auch den jüdischen Friedhöfen in Emden (Neuer Friedhof), Glückstadt (in Schleswig-Holstein) und vor allem in Altona (Königstraße). Eine ausführliche Projektbeschreibung befindet sich unter Cassuto in der Liste der länderübergreifenden Dokumentationsprojekte.

 


Eissing

Für eine Buchveröffentlichung zur Geschichte der Papenburger Juden hat Dr. Uwe Eissing im Auftrag der Stadt Papenburg auch eine Dokumentation des jüdischen Friedhofs Aschendorf erarbeitet. Vom Friedhof wurde 1985 ein Belegungsplan angefertigt, die Grabsteine sind sowohl abgeschrieben als auch fotografiert worden. Die Übersetzung der hebräischen Inschriften besorgte J.-F. Töllner. Für die Publikation (Eissing 1987) sind noch weitere genealogische Informationen aus anderen Quellen hinzugefügt worden. Die Negative der Aufnahmen von den Grabsteinen befinden sich bei Dr. Eissing.

Adresse
Dr. Uwe Eissing
Decksteiner Straße 4
50935 Köln
Tel.: 02221 – 43 13 33

 


Emden

Das Planungsamt der Stadt Emden führte am 16.5.1994 eine ergänzende Dokumentation auf dem Neuen Friedhof in Emden durch. Ausgehend von den Ergebnissen der Dokumentation 1977 durch das niederländische Rijksarchief Groningen wurden 1994 nochmals Grabsteine fotografiert. Die Fotos befinden sich beim Stadtarchiv Emden.

Adresse
Stadtarchiv Emden
Rathaus am Delft
Postfach 2254
26721 Emden

 


Engelhardt

Als P. Martin Engelhardt nach dem Studium der ev. Theologie 1981 nach Moringen kam, begann er sich für die Geschichte der Jüdischen Gemeinde dieses Ortes zu interessieren. Zehn Jahre später hatte er ein 500 Blatt umfassendes Manuskript zusammengestellt, das zum größten Teil aus einer Dokumentation des Jüdischen Friedhofs bestand (Engelhardt 1990). Von den Grabsteinen sind keine Fotos angefertigt worden, sondern sie wurden mit großer Präzision abgezeichnet, auch die Inschriften. Bei der Transkription und Übersetzung der hebräischen Inschriften sowie bei den historischen Nachforschungen erfuhr Herr Engelhardt Unterstützung von Professor Schaller aus Göttingen, dem damaligen Landesrabbiner Dr. H.G. Brandt in Hannover, dem Vorbeter der Jüdischen Gemeinde Hannover Herrn S. Benzev und von K.H. Kiens, Denkmalpfleger in Hannover. Die Arbeit ist nicht veröffentlicht, Exemplare liegen jedoch beim Ev.-luth. Pfarramt Moringen, beim Stadtarchiv Moringen und (seit 2006) auch beim Heidelberg Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland.
Nach dem Vikariat in Moringen und Ordination (1983) in Bodenwerder/Weser war P. Martin M. Engelhardt in den Kirchenkreisen Diepholz, Bramsche und Bremervörde-Zeven tätig, später auch als Militärpfarrer in Schwanewede. 2005 hat ihn die Ev.luth. Landeskirche Hannover mit Forschungen zum Schicksal von Zwangsarbeitern beauftragt.

Adressen

Stadtarchiv Moringen
Amtsfreiheit 8
37186 Moringen

Ev.-luth. Pfarramt Moringen
Kirchstraße 7
37186 Moringen

 


Gelderblom

Bernhard Gelderblom, Geschäftsführer der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hameln, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der jüdischen Gemeinden im Landkreis Hameln-Pyrmont sowie im Norden des Landkreises Holzminden. In diesem Zusammenhang widmet er sich auch den Friedhöfen. Zur Dokumentation der jeweiligen Friedhofgeschichte hat er archivische Quellen ausgewertet und Zeitzeugen befragt. Zur Sicherung des Inschriftenbestandes hat er alle Grabsteine fotografiert, die deutschsprachigen Inschriften außerdem noch abgeschrieben. Die Dokumentationsergebnisse bewahrt Herr Gelderblom bei sich zu Hause auf. Um auch die hebräischen Inschriften aufzunehmen, ist in Absprach mit Herrn Gelderblom auf den meisten Friedhöfen seit 1987 nochmal die Arbeitsgruppe von Professor Schaller tätig geworden. Erste Ergebnisse seiner Dokumentationstätigkeit hat Herr Gelderblom in einer Schrift über den jüdischen Friedhof in Hameln publiziert (Gelderblom 1988). Auch an der Publikation über jüdische Friedhöfe im Landkreis Holzminden hat er mitgewirkt (Holzminden 1996). 2003 veröffentlichte er einen Aufsatz über „Das Schicksal der jüdischen Friedhöfe des Weserberglandes seit ihrer Zerstörung bis heute“ (Weserbergland 2003). Diesen Text hat Gelderblom auch im Internet veröffentlicht: http://www.gelderblom-hameln.de/juden/friedhoefe/friedhoefe.html. Dort finden sich detaillierte Angaben zu den insgesamt 30 Friedhöfen des beschriebenen Gebietes, häufig auch recht ausführliche Darstellungen der jeweiligen Friedhofsgeschichte. 2007 entwickelte Gelderblom eine Website unter der Überschrift „Die Stadt Hameln und ihre Juden“ ( http://www.juedische-geschichte-hameln.de/ ), auf der sich auch Informationen zur Geschichte des Friedhofs in Hameln sowie ein Belegungsplan finden.

Dokumentierte Friedhöfe:
Aerzen, Bad Münder, Bad Pyrmont (Am Helsen), Bad Pyrmont (Bombergallee), Banteln, Bisperode, Bodenwerder, Börry, Duingen, Hameln, Hämelschenburg, Hehlen, Hemeringen, Hessisch-Oldendorf, Lauenstein, Ottenstein, Salzhemmendorf, Tündern, Wallensen

Informationen zu nicht mehr existierenden Friedhöfen:
Coppenbrügge, Dielmissen, Eimbeckhausen, Eime, Esperde, Grohnde, Halle, Hemmendorf (Alter Friedhof), Hemmendorf (Neuer Friedhof), Kemnade, Kirchbrak, Kirchohsen, Polle

Adresse
Bernhard Gelderblom
Entengang 39
31787 Hameln

Gelderblom-Hameln@t-online.de

 


Göttingen

In den Jahren 1988 bis 1990 wurde der jüdische Friedhof in Göttingen auf Initiative der Stadt Göttingen im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dokumentiert. Es wurde ein maßstabsgerechter Belegungsplan angefertigt, alle Inschriften abgeschrieben und übersetzt sowie alle Grabsteine fotografiert. Die Dokumentation liegt als Kartei im Städtischen Museum vor. Eine Publikation konnte aus finanziellem Gründen bisher noch nicht verwirklicht werden.

Adresse
Städtisches Museum Göttingen
Ritterplan 7/8
37073 Göttingen
Tel.: 0551 – 400 28 43
Fax: 0551 – 400 20 56

 


Gronemann/Wahl

Dr. Selig Gronemann (1843-1918), seit 1883 Landrabbiner zu Hannover, verfaßte im Auftrag der Chewra Kadischa gestützt auf die Inschriften des Alten Friedhofs in Hannover eine genealogische Studie (Gronemann 1913), in der 459 hebräische Grabinschriften vollständig (ohne deutsche Übersetzung) zum Abdruck kamen, und von weiteren 267 Inschriften Name und Todestag aufgelistet wurden (ebenfalls in Hebräisch). Aus einer Bemerkung im Vorwort geht hervor, daß Gronemann damals Arbeitskopien der Inschriften im Archiv der Chewra Kadischa abgelegt hat. Ob diese Abschriften heute noch existieren und wo sie sich gegebenenfalls befinden, konnte noch nicht geklärt werden.

Fünfzig Jahre später ist von Margret Wahl ein topographisches Grabregister erarbeitet worden (Wahl 1961), das sowohl stofflich als auch methodisch an Gronemanns Arbeit anknüpft, durch Hinzufügung eines genauen Lageplans nun aber auch die Identifizierung der Steine auf dem Friedhof ermöglicht.

 


Groningen

Bald nachdem der niederländische Reichsarchivar Jan H. de Vey Mestdagh 1969 seine Tätigkeit am Rijksarchief in de provincie Groningen (Niederlande) aufgenommen hatte, begann er, sich mit der Geschichte der Juden in der Provinz Groningen zu beschäftigen. Unter Einbeziehung von Gelehrten der Universität Groningen und einigen Fachleuten aus dem norddeutschen Raum kam es dann 1974 zur Bildung einer Arbeitsgruppe, die sich die Dokumentation jüdischer Grabinschriften zur Aufgabe machte. Zunächst wurden die Friedhöfe auf niederländischer Seite, in der Provinz Groningen bearbeitet. Dabei wurden Belegungspläne der Friedhöfe gezeichnet, sämtliche Steine fotografiert, die Inschriften abgeschrieben und (ins Niederländische) übersetzt. Bereits 1977 konnten die Ergebnisse in einer Buchpublikation vorgelegt werden (Groningen 1977). Im Anschluß daran kam es zu einer Vereinbarung mit der Ostfriesischen Landschaft, die sich bereit erklärte, die Kosten für eine ebensolche Dokumentation in Ostfriesland zu übernehmen. Die Außenarbeiten waren nach 2 Jahren beendet (s. Ostfriesland 1982). Die Fotos sowie Transkriptionen der Inschriften werden in der Landschaftsbibliothek in Aurich verwahrt. Eine Veröffentlichung ist geplant (s. Tielke 1986). Gleichzeitig sind die Friedhöfe im Emsland und im Landkreis Osnabrück dokumentiert worden. Die dabei entstandenen Fotos sind später dem Emsländischen Heimatbund übergeben worden. 1979 wurde die Arbeit auf die jüdischen Friedhöfe im Land Oldenburg ausgedehnt. Die Ergebnisse sind mit Unterstützung der Oldenburgischen Landschaft 1983 veröffentlicht worden (Töllner 1983). Auf diese Weise konnten insgesamt 41 Friedhöfe im Westen Niedersachsens bearbeitet werden. Die Negative sämtlicher im Rahmen dieses Projekts angefertigten Grabsteinfotos liegen im Reichsarchiv in Groningen. Abzüge dieser Fotos und Übersetzungen der Inschriften (ins Niederländische) befinden sich im Besitz der 1990 gegründeten Jan H. de Vey Mestdagh Stichting, die sich der Erforschung der Geschichte der Juden in der Provinz Groningen widmet.

 

Dokumentierte Friedhöfe (in Niedersachsen):

Oldenburger Land
Cloppenburg, Delmenhorst, Harpstedt, Hohenberge, Jever, Oldenburg, Ovelgönne, Ranzenbüttel, Schortens, Vechta, Westerstede, Wildeshausen,

Ostfriesland
Aurich, Bunde, Dornum, Emden (Bollwerkstraße), Emden (Treckfahrers Tief), Esens, Jemgum, Leer, Loga, Neustadtgödens, Norden, Smarlingen, Smarlingen, Weener (Graf-Edzard-Straße), Weener (Graf-Ulrich-Straße), Wittmund (Auricher Straße), Wittmund (Finkenburgstraße)

Emsland
Aschendorf, Freren, Haren, Haselünne, Bakerde, Lathen, Lingen, Meppen, Sögel

Landkreis Osnabrück
Fürstenau, Grothe, Quakenbrück

 

Negative, Abzüge und Abschriften:

Das Rijksarchief in de provincie Groningen besitzt sämtliche Negative aller dokumentierten Friedhöfe.

Die J. H. de Vey Mestdagh Stichting in Stadskanaal besitzt Abzüge und Übersetzungen
(ins Niederländische) der Grabinschriften aller dokumentierten Friedhöfe.

Die Ostfriesische Landschaft besitzt Abzüge, Abschriften und Übersetzungen ins Niederländische für Ostfriesland. Diese Materialien befinden sich im Bildarchiv der Landschaftsbibliothek in Aurich

Die Oldenburgische Landschaft besitzt Abzüge aller Fotos der insgesamt 962 Grabsteine auf den zwölf jüdischen Friedhöfen im Oldenburger Land

Der Emsländischer Heimatbund besitzt Abzüge, Übersetzungen ins Niederländische und Deutsche der Grabinschriften für den Landkreis Emsland. Diese Materialien befinden sich in der Bibliothek des Emsländischen Heimatbundes in Meppen.

 

Adressen

Rijksarchief in de provincie Groningen
Cascadeplein 4
9726 AD Groningen
Niederlande
Tel.: 050 – 59 92 000
Fax: 050 – 59 92 050

J. H. de Vey Mestdagh Stichting
Oosterstraat 45
9502 ED Stadskanaal
Niederlande
Tel.: 0599 – 61 52 83

Ostfriesische Landschaft
Landschaftsbibliothek
Fischteichweg 16
26603 Aurich
Tel.: 04941 - 17 99 38
Fax: 04941 - 17 99 80

Oldenburgische Landschaft
Gartenstraße 7
26122 Oldenburg
Tel.: 0441 – 7 50 31
Fax: 0441 – 7 75 60

Emsländischer Heimatbund e.V.
Bücherei
Ludmillenstraße 8
49716 Meppen
Tel.: 05931 – 1 40 31
Fax: 05931 – 1 83 78

Kreisarchiv Emsland
Herzog-Ahrenberg-Str. 9
49716 Meppen
Tel.: 05931 - 44 460/461
Fax: 05931 - 44 463

 


Hamburg

1966 wurde in Hamburg das Institut für die Geschichte der deutschen Juden gegründet (siehe Freimark 1991). Neben der Auswertung der zum großen Teil im Hamburger Staatsarchiv verbliebenen Vorkriegsakten der jüdischen Gemeinden Hamburg, Altona und Wandsbek, stellt seit 1973 die Beschäftigung mit den ungefähr 25 000 Fotos von jüdischen Grabsteinen in Hamburg, die zwischen 1936 und 1960 entstanden sind einen Schwerpunkt in der Tätigkeit des Instituts dar. Desweiteren verwahrt das Institut Grabsteinfotos von mehreren Friedhöfen in der Bundesrepublik. Eine ausführliche Projektbeschreibung befindet sich unter Hamburg in der Liste der länderübergreifenden Dokumentationsprojekte.

 


Heinritz

Herr Hansjürgen Heinritz arbeitet seit Jahren am Aufbau einer Privatsammlung zur jüdischen Lokalgeschichte in Deutschland. Vor allem bemüht er sich um die Dokumentation von Synagogen und jüdischen Friedhöfen. Seine Sammlung enthält Fotos, Dia-Serien, Drucksachen u.a. schriftliche Unterlagen. Eine ausführliche Projektbeschreibung befindet sich unter Heinritz in der Liste der länderübergreifenden Dokumentationsprojekte.

 


 

Hildesheim

 

An der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim besteht seit 1981eine Arbeitgemeinschaft, die sich um die Erhaltung des jüdischen Friedhofs Hildesheim (Zentralfriedhof) bemüht und an einer Dokumentation des jüdischen Lebens in Hildesheim arbeitet. Diese Arbeitsgemeinschaft wird von dem Geschichtslehrer Christian Augustin geleitet. (Bis zu seiner Eheschließung 2002 trug er den Namen Wölfel).
Zu Beginn der Inschriftendokumentation hat die Arbeitsgemeinschaft Abzüge der insgesamt 367 Fotos sowie Kopien der Rohübersetzungen und des Belegungsplans erhalten, die 1989/90 im Rahmen des Projekts Landesverband/Zentralarchiv entstanden sind. Herr Augustin, der während seines Studiums auch das kirchliche Hebraicum erreichte, ist dabei, diese Übersetzungen für eine Veröffentlichung zu überarbeiten. In den Jahren 2001-2003 wurden in Hildesheim von sämtlichen Grabsteinen noch einmal farbige Aufnahme mit Hilfe einer Digitalkamera angefertigt. Bei den Arbeiten vor Ort sind auch noch zwei Grabsteine gefunden worden, die bislang im Erdreich verborgen waren. Die Arbeitsgemeinschaft plant, die Digitalfotos zusammen mit den Übersetzungen auf CD-ROM zu veröffentlichen, die gegen eine Spende zur Erhaltung des Friedhofs dann erworben werden kann (voraussichtliches Erscheinungsdatum: Herbst 2003; Vorabversionen nach Absprache).

 

Adresse

 

Robert-Bosch-Gesamtschule
z.Hd. Christian Augustin (e-mail: chr_augustin@web.de )
Richthofenstr. 37
31134 Hildesheim

www.Robert-Bosch-Gesamtschule.de


Homeyer

Friedel Homeyer (geb. 1931) begann 1975 im Auftrag des Landkreises Hannover, dessen Mitarbeiter er bis zu seiner Pensionierung 1996 war, Material für eine Dokumentation zur Geschichte der Juden in diesem Landkreis zu sammeln. Im Sommer 1982 wurden von ihm insgesamt 20 jüdische Friedhöfe auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Hannover ermittelt. (Ein Teil gehörte früher zum Landkreis Springe). Für alle Friedhöfe wurden genaue Belegungspläne gezeichnet und die Grabsteine fotografiert. Die Übersetzung der hebräischen Inschriften ins Deutsche besorgte Gerd Blumenthal aus Haifa. Belegungslisten, Belegungspläne und eine Auswahl der Fotos und Inschriften wurden 1984 als Bestandteil einer umfassenderen Dokumentation zur Geschichte der Juden im Landkreis Hannover veröffentlicht (Homeyer 1984, S. 193-279). Eine vollständige Dokumentation aller Grabsteine existiert nur als Manuskript, von dem sich ein Exemplar sich beim Landkreisamt und ein zweites beim Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen befindet.

Einige Jahre später wurde vom Landkreis Hannover auch eine Karte für ganz Niedersachsen erarbeitet, auf der alle Synagogengemeinden (um 1850) und alle jüdischen Friedhöfe (1988) eingetragen sind.

Sämtliche Unterlagen der Friedhofsdokumentation (Belegungspläne Negative und Abzüge der Fotos) werden im Bildarchiv des Landkreises Hannover aufbewahrt.

 

Dokumentierte Friedhöfe
Barsinghausen (Alter Friedhof), Barsinghausen (Neuer Friedhof), Bolzum, Burgdorf, Eldagsen, Gehrden, Gestorf, Gleidingen, Groß Munzel, Mandelsloh, Neustadt am Rübenberge., Pattensen (Alter Friedhof), Pattensen (Neuer Friedhof), Ronnenberg, Schulenburg, Springe (Alter Friedhof), Springe (Neuer Friedhof), Steinhude, Völksen, Wunstorf (Neuer Friedhof)

Nach 1982 hat Herr Homeyer noch zwei weitere Friedhöfe ermittelt, auf denen jedoch keine Grabsteine mehr stehen, und die auch nicht mehr als Friedhöfe erkennbar sind:
Holtensen, Wunstorf (Alter Friedhof)

 

Adressen:

Landkreis Hannover
Postfach 147
30001 Hannover
Dienstgebäude: Hildesheimer Straße 20, Hannover

Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen
Hindenburgstr.2 - 4
30175 Hannover
Tel.: 0511 - 81 27 62
Fax: 0511 - 85 45 90

 


Kern

Im Rahmen ihres Studiums der Judaistik an der Universität Frankfurt a.M. hat Brigitte Kern den jüdischen Friedhof in Bovenden (bei Göttingen) dokumentiert. Sie hat vor allem vor Ort gearbeitet, konnte sich sich jedoch auch auf Fotos von Rösle E.Tigges und auf Abschriften stützen, die Gerhard Ballin bereits 1940 angefertigt hatte. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden 1982 veröffentlicht (Kern 1982). Neben den hebräischen Inschriften, Übersetzungen und Erläuterungen zu den Grabsteinen in Bovenden bringt dieser Aufsatz eine längere Einleitung zur Geschichte und Halacha des jüdischen Beerdigungswesens.

Bei den Fotos, die Frau Tigges 1982 oder etwas früher gemacht hat, handelt es sich um 69 Aufnahmen. Die Negative werden von Frau Tigges verwahrt, die als Fotografin am Kunsthistorischen Seminar der Universität Göttingen tätig ist. Abzüge befinden sich im Plesse-Archiv Bovenden.

Die Arbeitsgruppe von Professor Schaller ist gegenwärtig dabei, eine neue Dokumentation für den jüdischen Friedhof in Bovenden zu erarbeiten.

Adressen

Plesse-Archiv
Rathausplatz 1
37120 Bovenden
Tel.: 0551-8201-47
Fax: 0551-83691

Kunsthistorisches Seminar der Universität Göttingen
Nikolausberger Weg 15
37073 Göttingen
Tel.: 0551-39 50 96

 


Landesverband/Zentralarchiv

Seit 1987 beschäftigt sich das das Heidelberger Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland mit der Dokumentation jüdischer Grabinschriften in der Bundesrepublik. Von 1987 bis 1992 wurden im Bundesland Baden-Württemberg so gut wie alle Grabsteine fotografisch erfaßt. Eine ausführliche Projektbeschreibung befindet sich unter Zentralarchiv in der Liste der länderübergreifenden Dokumentationsprojekte.
In den Jahren 1989/90 konnte der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen Herrn Tuvia Aram im Rahmen einer AB-Maßnahme mit der Dokumentation jüdischer Friedhöfe in Niedersachsen beschäftigen. Die wissenschaftliche Anleitung und die Sachkosten übernahm das Heidelberger Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland. Erste Informationen wurden durch Korrespondenz mit den Städten und Kommunalverwaltungen gewonnen. Bei der Bearbeitung der einzelnen Friedhöfe sind dann genaue Belegungspläne gezeichnet und die Grabsteine vermessen worden. Jeder Grabstein wurde von vorne und von hinten fotografiert. Zusätzlich ist der Text der Inschrift vor Ort nochmal abgeschrieben bzw. übersetzt worden. Insgesamt sind auf diese Weise 5437 Grabinschriften auf 62 jüdischen Friedhöfen in Niedersachsen dokumentiert worden.

Die Arbeitsergebnisse (Korrespondenz, Belegungspläne, Maße der Steine, Negative und Positive der Grabsteinfotos, Übersetzung der Inschriften) werden im Zentralarchiv in Heidelberg verwahrt. Lediglich von den Belegungsplänen befinden sich Kopien beim Landesverband. Einzelne, heute noch existierende Jüdische Gemeinden (Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück) haben von Herrn Aram auch Xerokopien der auf ihren Friedhöfen angefertigten Fotos erhalten.

 

Dokumentierte Friedhöfe
Aerzen, Bad Gandersheim, Bad Münder, Bad Pyrmont (Am Helsen), Bad Pyrmont (Bombergalle), Banteln, Bassum, Börry, Braunschweig (Hamburger Straße), Braunschweig (Helmstedter Straße), Bremervörde, Buer, Bückeburg, Duingen, Einbeck (Rabbethgenstraße), Einbeck (Zentralfriedhof), Elze, Everode, Gifhorn, Goslar, Gronau, Hämelschenburg, Hannover (Bothfeld), Hehlen, Helmstedt, Hessisch-Oldendorf, Hildesheim (Teichstraße), Hildesheim (Zentralfriedhof), Klein Freden, Lamspringe, Lauenau, Leese, Lüneburg, Nordstemmen, Moritzberg, Obernkirchen, Oldenburg, Osnabrück, Osterholz-Scharmbeck, Osterode (Schwimmbadstraße), Peine, Rehburg, Rinteln, Ritterhude, Rodenberg, Rössing, Rotenburg, Sachsenhagen, Salzgitter, Sarstedt, Seesen, Soltau, Stadthagen, Stadtoldendorf, Syke, Twistringen, Uchte, Uelzen, Walsrode, Wenzen, Wettensen, Wolfenbüttel

 

Adressen

Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen
Hindenburgstr.2 - 4
30175 Hannover
Tel.: 0511 - 81 27 62
Fax: 0511 - 85 45 90

Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
Bienenstraße 5
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 - 16 41 41
Fax: 06221 - 10 18 49
e-mail: Zentralarchiv@urz.uni-heidelberg.de

 


Nußbaum

Der 1896 in Seesen geborene Geschäftsmann Siegfried Nußbaum hat im Sommer 1937 ein topographisches Grabregister für den jüdischen Friedhof in Seesen erarbeitet. Die Namen und Daten hat er von den Grabsteinen abgelesen. Eine Kopie von diesem Verzeichnis wird im Städtischen Museum Seesen aufbewahrt, eine weitere Kopie befindet sich als Bestandteil der nachgelassenen Materialsammlungen von Gerhard Ballin im Heidelberger Zentralarchiv (B.7/5, Mappe B6c: Friedhof Seesen III). Über den Verbleib der Originalunterlagen ist nichts bekannt. Siegfried Nußbaum kam 1938 im Zusammenhang mit der Kristallnacht ums Leben. Gerhard Ballin, ebenfalls aus Seesen, hat nach dem Krieg an einer Vervollständigung der Angaben gearbeitet und 1976 auch zahlreiche Steine fotografiert. (Die Mitteilungen über Nußbaum stammen im wesentlichen aus Ballin 1979, S.84, 147, 222f.)

Adressen

Städtisches Museum Seesen
Wilhelmsplatz 4
38714 Seesen
Tel.: 05381 - 48891

Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
Bienenstraße 5
69117 Heidelberg
Fax: 06221-18 10 49
E-Mail: Zentralarchiv@urz.uni-heidelberg.de

 


Osterholz

Der Leiter des Kreisheimatmuseums, Klaus-Peter Schulz (1942-2013), sammelte seit Ende der 1960er Jahre Materialien zur jüdischen Regionalgeschichte. Seine Aufmerksamkeit galt insbesondere den jüdischen Friedhöfen im ehemaligen Regierungsbezirk Stade (entspricht heute ungefähr den niedersächsischen Landkreisen Verden, Stade, Osterholz, Cuxhaven, Rotenburg, sowie der zum Bundesland Bremen gehörigen kreisfreien Stadt Bremerhaven):

Achim, Bederkesa, Beverstedt, Bremervörde, Cuxhaven, Hagen, Lehe (heute im Bundesland Bremen), Midlum, Neukloster, Osterholz-Scharmbeck, Otterstedt, Ritterhude, Rotenburg, Schwanewede, Stotel, Verden, Wingst, Zeven

Im Rahmen seiner Dokumentationstätigkeit hat Herr Schulz Belegungspläne gezeichnet, die deutschsprachigen Inschriften abgeschrieben, Steine mit hebräischen Inschriften fotografiert, sowie zusätzliche Informationen durch Auswertung archivischer Quellen zusammengetragen. Die Fotos wurden fast alle im Sommer 1985 aufgenommen. Nur in Beverstedt und in Cuxhaven wurden keine Fotos gemacht. Auch zu den heute nicht mehr existierenden Friedhöfen in Dedesdorf und Stade hat er Nachforschungen angestellt. Sämtliche Materialien bewahrte er bei sich zu Hause auf. Nach seinem Tod gelangten 14 Ordner in das Zentralarchiv Heidelberg.

 


Reichsinstitut

Das nationalsozialistische Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland besaß seit 1936 eine Forschungsabteilung Judenfrage. Da man dort davon ausging, daß die jüdischen Friedhöfe unmittelbar vor ihrer Auflösung stehen, fing man im Sommer 1942 mit der Dokumentation von Grabinschriften an. Für genealogische und demographische Untersuchungen war man an einer fotografischen Sicherung der Inschriften in Ergänzung zu den (durch das Reichssippenamt eingezogenen) jüdischen Personenstandsregistern interessiert. Eine ausführliche Projektbeschreibung befindet sich unter Reichsinstitut in der Liste der länderübergreifenden Dokumentationsprojekte.

 


Salzgitter

Die 1992 vom Arbeitskreis Stadtgeschichte in Salzgitter eingerichtete Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte beschäftigt sich auch mit dem Schicksal der jüdischen Häftlinge in den Konzentrationslagern der Region. Hierbei handelt es sich um die folgenden KZ-Außenlager: Drütte, Watenstedt/Leinde, Salzgitter-Bad, SS-Reitschule (Braunschweig), Schillerstraße (Büssinglager/Braunschweig). Die meisten der in diesen Lagern verstorbenen Häftlinge wurden seit 1943 auf dem Friedhof Jammertal in Salzgitter-Lebenstedt beigesetzt. Eine Veröffentlichung über die Geschichte dieses Friedhofs, die auch eien Namensliste aller etwa 4000 dort Beerdigten ist 2007 von der Leiterin der Gedenkstätte, Elke Zacharias veröffentlicht worden (Zacharias 2007)

Adresse
Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V.
Gedenk- und Dokumentationstätte KZ Drütte
Wehrstraße 27
38226 Salzgitter
Tel.: 05341 – 4 45 81
Leiterin der Gedenkstätte: Elke Zacharias

 


Schaller

Prof. Dr. Berndt Schaller vom Fachbereich Theologie, Abteilung Antikes Judentum an der Georg-August-Universität Göttingen fing 1983 an, sich mit den Grabinschriften auf jüdischen Friedhöfen im Göttinger Umland zu beschäftigen. Insgesamt sind von diesem Projekt bis jetzt auf 33 Friedhöfen jüdische Grabinschriften dokumentiert worden. Der größte Teil dieser Friedhöfe liegt in Niedersachsen, vereinzelt wurden jedoch auch Friedhöfe in anderen Bundesländern (Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen) in die Arbeit einbezogen. Eine ausführliche Projektbeschreibung befindet sich unter Schaller in der Liste der länderübergreifenden Dokumentationsprojekte.

 


Schmidt-Bollmann

1986 begann der zunächst in Syke und später in Bremen lebende Hebräisch-Lehrer Günter Schmidt-Bollmann auf eigene Initiative mit der Dokumentation jüdischer Friedhöfe in seiner Umgebung. Für die Fertigstellung von Volldokumentationen erhielt er in der Regel einen Auftrag von den jeweiligen Kommunalarchiven. Die Grabsteine werden zunächst fotografiert, die Inschriften anschließend vom Foto transkribiert, wobei Unklarheiten durch erneute Ortsbesichtigung geklärt werden. Sämtliche hebräischen Inschriften werden von Herrn Schmidt-Bollmann für die Dokumentation übersetzt. Diese Unterlagen werden durch Belegungslisten, Belegungspläne und oft auch durch die Ausarbeitung von Genealogien zu einzelnen Familien unter Verwendung von Archivmaterial ergänzt. Die Dokumentationsergebnisse hält Herr Schmidt-Bollmann zunächst auf Karteikarten fest, die sich ebenso wie die Negative und Abzüge der Fotos bei ihm zu Hause befinden. Auf die beschriebene Weise hat er bisher folgende Friedhöfe bearbeitet.

Hessen
Adorf

Niedersachsen
Achim, Bassum, Harpstedt, Hoyerhagen, Otterstedt, Sulingen, Syke, Twistringen,
Für Barenburg und Verden sind Dokumentationen gegenwärtig in Arbeit.

Auf dieser Grundlage verfertigt Herr Schmidt-Bollmann dann im Auftrag der kommunalen Archive Volldokumentationen in Form von Loseblattsammlungen (bisher für die Friedhöfe in Achim, Adorf, Otterstedt, Sulingen, Syke, Twistringen). Mitunter gestaltet sich die Zusammenarbeit auch etwas enger. So wurden ihm vom Kreisarchiv Verden Fotos für Achim und Otterstedt zur Verfügung gestellt. In Syke erhielt er ebenfalls Unterstützung, und es entstand außerdem eine Ton-Dia-Reihe "Der jüdische Friedhof in Syke" (Kreisbildstelle, 1995).

Im Rahmen des Schülerwettbewerbs Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten schrieb Melanie Kraatz aus Bremen 1993 eine historische Studie über den jüdischen Friedhof Hoyerhagen, in der sie reichen Gebrauch von Schmidt-Bollmanns Dokumentation machte (s. Kraatz 1994).

Adressen

Günter Schmidt-Bollmann
Langsdamm 5
28279 Bremen
Tel.: 0421 – 82 94 19

Landkreis Verden
Kreisarchiv
Bremer Straße 4
27283 Verden
Tel.: 04231 - 15 200
Fax: 04231 – 15 603

Stadtarchiv Sulingen
Lange Str. 67
27232 Sulingen
Tel.: 04271 - 880

Stadtarchiv Syke
Nienburger Str. 5
28857 Syke
Tel.: 04242 – 42 04 und 04203 – 23 38

Stadtarchiv Twistringen
Lindenstr. 14
27239 Twistringen
Tel.: 04243 – 41 31 80
Fax: 04243 – 41 32 00

 


Schulze

Seit 1983 beschäftigt sich Dr. Peter Schulze mit der Geschichte der drei jüdischen Friedhöfe in Hannover. In diesem Zusammenhang bemüht er sich auch um die Dokumentation der Grabinschriften. Der Stand seiner Arbeiten zu den einzelnen Friedhöfen läßt sich entsprechend einer Auskunft vom Okt. 1997 folgendermaßen wiedergeben:

Hannover (Alter Friedhof)
Archivalische Forschungen zur Friedhofsgeschichte, Belegungsliste mit Belegungsplan (anknüpfend an die Arbeiten von
Gronemann/Wahl, mit Erweiterungen), Veröffentlichung der hebräischen Grabinschriften mit deutschen Übersetzungen in Vorbereitung, fotografische Dokumentation der Grabsteine geplant.

Hannover (An der Strangriede)
Archivalische Forschungen zur Friedhofsgeschichte, Belegungsliste mit Belegungsplan, vollständige Abschrift der deutschen Inschriften, Erfassung der Namen aus den hebräischen Inschriften. Die Veröffentlichung dieser Arbeitsergebnisse steht kurz bevor. Ein erster Überblick ist bereits publiziert worden
(Schulze 1989).

Hannover (Bothfeld)
Belegungsliste mit Belegungsplan, vollständige Abschrift der deutschen Inschriften, Erfassung der Namen aus den hebräischen Inschriften. Die Veröffentlichung dieser Arbeitsergebnisse steht kurz bevor.

Alle Unterlagen befinden sich bei Dr. Schulze. Ausgehend von den drei jüdischen Friedhöfen Hannovers hat Dr. Schulze auch eine Wanderausstellung „Bilder jüdischer Grabstätten“, erarbeitet. Die Ausstellung war zuerst 1995 in Hannover zu sehen. Unter Einbeziehung der jeweils lokalen Gegebenheiten folgten dann Celle und Peine (1997), Braunschweig (1998) und für längere Zeit das Jüdische Museum Gröbzig (1999/2000). Weitere Stationen waren Hornburg (2000), erneut Hannover (2001), Uelzen, Osnabrück und Schöningen (2002). Die 2003 herausgegebene Publikation Schulze 2003 dokumentiert Texte und Bilder zahlreicher lokaler Ausstellungbeiträge.

Adresse

Dr. Peter Schulze
p.A. Stadtarchiv Hannover
Postfach 125
30001 Hannover

e-mail: peter-schulze-hannover@t-online.de


Sonneborn

Der amerikanische Familienforscher Charles Behrend Sonneborn, der an einem Buch über The Behrends of Rodenberg arbeitet, hat im Sommer 2000 Abzüge der im Heidelberger Zentralarchiv vorhandenen 162 Fotos von den 99 Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof Rodenberg erhalten. Unter Verwendung der bereits 1989/90 von Tuvia Aram (der damals die Fotos im Auftrag des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen aufgenommen hat) angefertigten Rohübersetzungen und mit Unterstützung von Freunden, die Kenntnisse der deutschen und hebräischen Sprache besitzen, hat Sonneborn eine ausführliche Belegungsliste erarbeitet. Im Verlaufe dieser Arbeit sind auch die vom Zentralarchiv erhaltenen Fotos eingescannt und auf CD gebrannt worden. Außerdem hat Sonneborn bei einem Besuch vor Ort noch zusätzliche Aufnahmen von einigen Grabsteinen gemacht.

Adresse
Charles Behrend Sonneborn
e-mail: RCSonne@aol.com


Storz

Während seiner Dienstzeit in Cuxhaven dokumentierte Pastor Harald Storz den dort gelegenen jüdischen Friedhof. 1992 zog er nach Diepholz, und fing bald darauf an, sich mit dem jüdischen Friedhof in Quernheim zu beschäftigen. Er schrieb jeweils die Grabsteininschriften vor Ort ab und übersetzte die hebräischen Texte. In Quernheim wurden die Grabsteine zusätzlich fotografiert und die Dokumentation um genealogische Ausarbeitungen erweitert.

Die Orginalunterlagen bewahrt er bei sich auf. Exemplare der Dokumentation des Cuxhavener Friedhofs befinden sich in der Stadtbücherei und im Stadtarchiv Cuxhaven, sowie bei den Vereinigten Theologischen Seminaren Göttingen. Von der Dokumentation in Quernheim gibt es ein Exemplar im Samtgemeindearchiv Lemförde. Eine Abriß zur Geschichte des Quernheimer Friedhofes sowie Fotos und Übersetzungen von ausgewählten Grabsteinen sind in Storz 1998 veröffentlicht. In den folgenden Jahren kamen weitere Dokumentationen zu jüdischen Friedhöfen hinzu, im Landkreis Diepholz Wagenfeld (1998) und Barnstorf (1999), im Landkreis Soltau-Fallingbostel Ahlden (2000) und Rethem (2003), im Landkreis Harburg Winsen (2003). Pastor Storz, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises "Jüdische Heimatforschung im Landkreis Diepholz" ist, hat das Zentralarchiv durch Mitteilung von Korrekturen und Ergänzungen immer wieder beim Aufbau der vorliegenden Internet-Übersicht unterstützt. So etwa nach Besuchen von Moringen (2003) im Landkreis Northeim und von Lauenförde (2003) im Landkreis Holzminden.

 

Adressen

Pastor Harald Storz……haraldstorz@t-online.de
Vossenreitweg 1
49356 Diepholz

Stadtarchiv Cuxhaven
Altenwalder Chaussee 2
27474 Cuxhaven

Samtgemeindearchiv Lemförde
Bahnhofstr. 10A
49488 Lemförde

Vereinigte Theologische Seminare
Platz der Göttinger Sieben 2
37073 Göttingen

 


Uelzen

In den 80er Jahren fingen mehrere Personen an, sich mit unterschiedlichen Aspekten der Geschichte der Juden in Uelzen und Umgebung zu beschäftigen. Frau Linde Weiland, die in Köln Judaistik studiert hatte, und heute Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Fulda ist, wurde in diesem Zusammenhang 1981 von der Stadt Uelzen mit der Erarbeitung einer Friedhofsdokumentation beauftragt. Fotografische Aufnahmen der damals noch erhaltenen Grabsteine auf insgesamt sieben jüdischen Friedhöfen (Bleckede, Bodenteich, Dannenberg, Hitzacker, Uelzen, Schnackenburg, Wittingen) wurden 1981-82 von Frau Weiland (in Farbe), 1982-83 von der Kreisbildstelle Uelzen (in schwarz/weiß) angefertigt. Abzüge beider Fotoserien (sowie die Negative der Farbfotos) befinden sich heute bei Frau Weiland in Fulda. Die Negative der schwarz/weiß Aufnahmen verwahrt hingegen die Kreisbildstelle Uelzen. 1982 hatte Frau Weiland dann die Inschriften übersetzt und eine ausführliche Dokumentation unter Verwendung archivischer Quellen erarbeitet. Diese Arbeit (im Umfang von 160 Druckseiten) wurde 1996 zusammen mit Studien anderer Autoren in dem von Professor Ralf Busch herausgegebenen Band zur Geschichte der Juden in Uelzen und Nordostniedersachsen veröffentlicht (s. Busch 1996). Dort finden sich (auf S. 265) auch Angaben zu den heute nicht mehr bestehenden ehemaligen jüdischen Friedhöfen in Bergen, Bevensen, Ebstorf und Suderburg.

Adressen

Kreisbildstelle des Landkreises Uelzen
Veerßer Str. 92
29525 Uelzen
Tel. 0581 – 8 24 23

Linde Weiland
Jüdische Gemeinde Fulda
von-Schildeck-Str. 13
36043 Fulda

 


Verden

Das Kreisarchiv Verden verwahrt heute Fotodokumentationen der jüdischen Friedhöfe in Achim, Otterstedt und Verden. Diese Dokumentationen entstanden in den Jahren 1993 – 1995. Zunächst fotografierte Herr Erich Hatje im Auftrag der Stadt Verden sämtliche Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof Verden. Vom Kreisarchiv Verden wurde er dann gebeten, auch die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof Otterstedt zu fotografieren. Das Kreisarchiv erhielt Abzüge und später auch die Negative all dieser Aufnahmen.

Die fotografische Dokumentation der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof Achim war vom damaligen Gymnasiasten Andreas Voß im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Regionalgeschichte an dem Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium Achim begonnen worden. Auf Bitten des Kreisarchivs Verden machte er dann noch weitere Aufnahmen. Herr Voß besitzt die Negative, für das Kreisarchiv wurden Abzüge angefertigt. Die Fertigstellung der Dokumentation für Achim lag dann in den Händen von Günter Schmidt-Bollmann. Er erhielt vom Kreisarchiv einen Satz Abüge, machte selbst noch ein paar Ergänzungsaufnahmen, transkribierte sämtliche Inschriften, übersetzte die hebräischen Inschriften ins Deutsche und fügte den von Gerrit Beermann angefertigten Belegungsplan sowie die von der Arbeitsgemeinschaft Regionalgeschichte erarbeiteten 11 Genealogien, mit einigen Zusätzen versehen, seiner Dokumentation bei. Das Ergebnis übergab er in Form einer Loseblattsammlung (in einem Leitzordner) 1995 dem Kreisarchiv Verden. Auf ähnliche Weise vollendete Günter Schmidt-Bollmann die Dokumentation für Otterstedt, wobei er den von E. Hatje gefertigten Belegungsplan und die von demselben aufgenommenen deutschen Texte integrierte. Eine entsprechende Bearbeitung von Verden ist geplant. Zu einer Veröffentlichung der bereits vorliegenden Ergebnisse ist es bisher noch nicht gekommen.

Übersicht zur Aufbewahrung der Negative und Abzüge

Achim
Andreas Voß (Negative), Kreisarchiv Verden (Abzüge), Günter Schmidt-Bollmann (Abzüge und Negative von Ergänzungsaufnahmen)

Otterstedt
Kreisarchiv Verden (Negative und Abzüge), Günter Schmidt-Bollmann (Abzüge), Flecken Ottersberg (Abzüge)

Verden
Kreisarchiv Verden (Negative und Abzüge), Stadt Verden (Abzüge)

Adressen

Landkreis Verden
Kreisarchiv
Bremer Straße 4
27283 Verden
Tel.: 04231 - 15 200
Fax: 04231 - 15 603

Andreas Voß
Feldstr. 16
28832 Achim
Tel.: 04202 – 20 43

Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium
AG Regionalgeschichte
Bergstrasse 26
28832 Achim

Günter Schmidt-Bollmann
Langsdamm 5
28279 Bremen
Tel.: 0421 - 82 94 19

 


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