Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2011/2012



Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und er Neuzeit mit Ausnahme des Proseminars finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5) statt.


Hauptseminar


Mirabilia mundi. Asien in lateinischen Reiseberichten
2st., Di 17.00-18.30    Beginn: 11.X.            Prof. Wiegand

Jesuiten_Japan

Hatten wir uns im letzten Semester mit lateinischen Berichten über die Entdeckung Amerikas beschäftigt, soll es in diesem Semester um den Nahen und Fernen Osten gehen. Das zeitliche Spektrum ist dabei weiter gefasst. Spätmittelalterliche Texte wie Johannes de Plano Carpinis Schilderung des Mongolenreiches, Wilhelm von Rubruks Itinerarium über seine China-Reisen und nicht zuletzt Odorich von Pordenones Reise zum Großkhan stehen neben der lateinischen Fassung von Marco Polos Reisebericht und Pilgerberichten (etwa dem des Felix Fabri) ins Heilige Land, aber auch frühneuzeitlichen Berichten über die Thomas-Christen in Indien oder jesuitischen Berichten über die Missionen in Japan und Indien. Interessieren soll uns besonders das Verhältnis von Selbst- und Fremdenbildern im Horizont der antiken Völkerstereotypen.

Zur Einführung: H.Niedermayr/F.Schaffenrath (Hgg.), Reisen in den Fernen Osten. Spätmittelalterliche Fernreiseberi
chte in lateinischer Sprache, Innsbruck 2005.






Seminar (auch hilfswissenschaftlich)


Editionstechnik: Bischofsleben zwischen Antike und Mittelalter. Die Vita des Aredius von Gap
2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 11.X.             Dr. Licht

Zu den unbeachteten Werken der frühmittelalterlichen Literatur gehört die Vita des Bischofs Aredius (†ca.608) von Gap in der Provence. Ihre Überlieferung hing am seidenen Faden: Von dem Jesuiten Jacques Sirmond wurde der Text im Jahr 1608 transkribiert und im Jahr 1657 von Phillipe Labbe gedruckt. Das einzige bekannte Manuskript aus der Bibliothek des Klosters Souvigny ging früh verloren. Die Editoren der Acta Sanctorum haben es bei ihrer Ausgabe von 1680 nicht konsultieren können, sondern den Text Sirmonds überarbeitet, zahlreiche Lesarten verworfen und eine 'emendierte' Fassung hergestellt, die noch immer Grundlage für die Beschäftigung mit der Vita ist. Das Seminar widmet sich der Rekonstruktion des Textes mit den verbesserten Mitteln der modernen Editionstechnik und führt in diese ein.

Zur Vorbereitung: P.Maas, Textkritik, Leipzig 41960.






Proseminar

Lateinisches Mittelalter im Roman des XIX.Jahrhunderts. Victor von Scheffels Ekkehard und die Casus S.Galli
2st., Di 9.15-10.45        Beginn: 11.X.      Dr. Eickmeyer/Dr. Licht

Victor von Scheffels (1826-1886) Ekkehard (1855) war bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts der auflagenstärkste deutsche Roman. Das Werk ist ein charakteristisches Produkt des nachromantischen Historismus. Die literarische Fiktion eines idealisierten Mittelalters wird durch die gelehrte Auseinandersetzung mit den historischen Quellen (vor allem den St.Galler Klostergeschichten Casus Sancti Galli) gedämpft: Der junge Mönch Ekkehard ist Lateinlehrer der schönen Herzogin Hadwig, gibt ihrem Werben und seinen Gefühlen zu spät nach und dichtet aus Schmerz über die verlorene Liebe das Walthariuslied, das einzige germanische Heldenlied in lateinischer Sprache. Scheffels Ekkehard ist neben Felix Dahns (1834-1912) Ein Kampf um Rom (1876) das vielleicht wichtigste Referenzwerk des deutschen historischen Romans. Das Buch gibt Zeugnis von einer fortgeschrittenen, 'wissenschaftlicheren' Beschäftigung mit dem Mittelalter, die von der Romantisierung der Nationalliteraturen weg zu einem Bewußtsein für die Vorherrschaft der mittellateinischen Literatur geführt hat. Das Proseminar bewegt sich zwischen der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem deutschen historischen Roman des XIX.Jahrhunderts und der Erschließung seiner lateinischen Vorlagen. Es wendet sich gleichermaßen an Studierende der Germanistik und der Lateinischen Philologie des Mittelalters.

Zur Einführung: W.Berschin / W.Wunderlich (Hgg.), Joseph Victor von Scheffel (1826-1886). Ein deutscher Poet - gefeiert und geschmäht, Ostfildern 2003.


Die Veranstaltung findet im Germanistischen Seminar (Palais Boisseree) Raum 123 statt.






Lektürekurse


Die Geschichten Jacobs und ihre Auslegung durch Ambrosius
2st., Mo 11.15-12.45     Beginn: 10.X.        Dr. Köhler

Gelesen werden die Geschichten um Jacob, den letzten der drei Erzväter, die eine Glaubens- und Segensformel des Alten Testamentes anführen: Abraham, Isaac und Jacob. Während dem unbefangenen Leser des Bibeltextes zunächst ein schillernder Charakter gegenübertritt, ein Betrüger und Visionär, nicht gerade ein Glaubensheld, wird Jacob im Laufe seines Lebens zum Träger von Segen und Verheißung und in seinen 12 Söhnen zum Stammvater des ganzen Volkes Israel. Es ist aber nicht dieser 'Erfolg', der Jacob für den Kirchenvater Ambrosius (†397) zum Exempel eines gelungenen Lebens werden läßt, sondern seine Meisterschaft in der Tugend der temperantia, mit deren Hilfe er den Verstand über die Leidenschaften herrschen läßt.

Textgrundlage ist die Biblia Sacra iuxta vulgatam versionem, Stuttgart 41994. Auszüge aus dem Kommentar werden in Kopien zur Verfügung gestellt.



Erstlektüre für Historiker: Thegan, Gesta Hludowici imperatoris
2st., Mo 16.15-17.45        Beginn: 10.X.      Dr. Otero Pereira

Von Thegan ist wenig bekannt. Wir wissen, dass er vor 800 geboren wurde, Chorbischof in Trier war und an einem 20. März vermutlich zwischen 849 und 853 gestorben ist. Thegans Biographie über Ludwig den Frommen setzt mit dessen Erhebung zum Mitkaiser im Jahr 813 ein. Der Bericht folgt dem Annalenschema und wird von Exkursen unterbrochen, in denen die Persönlichkeit Ludwigs charakterisiert und die äußere Erscheinung nach Einharts Vorbild beschrieben wird. Der Kurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt.

Textgrundlage: Theganus, Gesta Hludowici imperatoris, ed. E. Tremp, Hannover 1995 (=MGH Script. rer. Germ. 64), S. 167- 278.






Übungen


Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel
(für Anfänger)


2st., Mi 9.15-10.45        Beginn: 12.X.                Dr. Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.

Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten

2st., Mi 11.15-12.45    Beginn: 12.X.                Dr. Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV.Jahrhundert. Mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse mögen sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.








Exkursion/Blockseminar


Handschriftenexkursion
Blockveranst.        Vorbespr.: Do 13.X. 11.15       Dr. Licht

Für Teilnehmer an den paläographischen Übungen und alle Interessenten mit Vorwissen wird diese mehrtägige Exkursion an einen Ort mit bedeutender Handschriftensammlung angeboten. Ziel ist es, an den Originalen die paläographischen und kodikologischen Kenntnisse anzuwenden und zu vertiefen. Termine und Exkursionsort werden in der Vorbesprechung bekanntgegeben.




„Einführung in das Bestimmen und Interpretieren stenographischer Randnotizen in Handschriften der Karolingerzeit“
Blockveranst.        Do-Fr 3.-4.XI.    9.15 (Umfang: je 3 Doppelstunden)          Dr. Hellmann

Tironische Noten sind als untergeordnetes Schriftsystem in vielen lateinischen Handschriften des 9. Jahrhunderts präsent. Das Spektrum ihrer Anwendung reicht von gelehrten Kommentaren über textkritische Anmerkungen bis zu kodikologischen Notizen. Insbesondere die letzteren sind nicht für eigentliche Leser einer Handschrift bestimmt und häufig an der Grenze der Lesbarkeit. Die Formvielfalt der tironischen Noten tut ihr Übriges dazu, dass Bemerkungen dieser Art leicht mit anderen Zeichensystemen oder Pigmentierungen verwechselt werden können, die auf den Seitenrändern ihren Niederschlag finden. Anhand von Handschriften nieder- und oberrheinischer Provenienz werden Methoden erarbeitet, tironische Noten zuverlässig zu erkennen und sprachlich einzuordnen; ihre Aussagekraft im Methodenspektrum der Handschriftenforschung wird kritisch beleuchtet.











Colloquium Neolatinum


Thomas Campanella O.P., Civitas solis
2st., Mi 16.15-17.45        Beginn: 12.X.          Dr.Schouwink

Saeculo XVI. ineunte Thomae Mori Utopia novum litterarum genus institutum est, ad quod etiam Thomae Campanellae (†1639) Civitas solis spectat. Sicut nauclerus Hythlodaeus in Mori opere quidam Genuensis de civitate perfecta in transmarina et remota regione narrat, cui fictioni rei publicae Platonis elementa et vitae monasticae praecepta admixta sunt. Quomodo vitae conditiones asperrimae, quas Thomas Campanella sustinebat, et compatriotarum Calabrensium miseriae ad operis conceptionem conduxerint, nobis disputandum erit. Quaedam experimenta socialia saeculi XX. in Civitate solis praesensa et praedicta reperiuntur. Textus pretio modico in seminarii aedibus acquiri poterunt. Sodales invitantur non solum ad lecturam, sed etiam ad oratiunculam de qualicumque materia latine proferendam.











Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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