Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2010/2011



Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und er Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5) statt.

Hauptseminar

Martial und das Neulateinische Epigramm

2st., Di 17.00-18.30        Beginn: 12.X.            Prof.Wiegand / Dr.Heßen
Martial ist der Klassiker des lateinischen Epigramms. Er wurde nicht nur in der Antike eifrig gelesen und nachgeahmt, sondern auch im Mittelalter (Godefrid von Winchester) und vor allem in der lateinischen Dichtung der Frühen Neuzeit. Gegenstand unseres Seminars werden die Hauptstationen der Martial-Imitatio und Martial-Aemulatio sein. Der thematischen Variatio wird ein wesentliches Augenmerk gelten. Ein Schwerpunkt wird im XVI. und XVII. Jahrhundert mit Ausblicken ins XVIII. und XIX. Jahrhundert liegen. Behandelt werden sollen nach Möglichkeit auch die 'expurgierten' Ausgaben der Jesuiten sowie der Versuch einer vollständigen Kontrafaktur im Martialis Christianus Burmeisters aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts. Aspekte der theoretischen Auseinandersetzung mit Martial in der Epigrammtheorie der Frühen Neuzeit sollen ebenfalls – exemplarisch – zur Sprache kommen.


Seminar



Halbunziale. Literatur und Schrift im Frühmittelalter

2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 12.X.         Dr.Licht
In der ältesten lateinischen Überlieferung setzt sich seit dem V. Jahrhundert mit der Halbunziale die erste Minuskel durch. Offenbar von Afrika aus verbreitet sie sich über den ganzen lateinischen Westen und beeinflußt auch das Schriftwesen in Irland und England. Entlang ihres Verbreitungsweges liegen bekannte oder unentdeckte Zentren der lateinischen Literatur des Frühmittelalters: Cagliari auf Sardinien, San Severino bei Neapel, Gap in der Provençe, Bobbio im Norden Italiens. Ziel des Seminars ist es, aus der Schriftgeschichte heraus die Literaturgeschichte im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter zu erhellen.





Lektüre









Lektüre (zum Seminar): Texte zur Kulturgeschichte des Frühmittelalters

2st., Di 14.15-15.45    Beginn: 12.X.                Dr.Licht
Als Ergänzung und Vertiefung zum Seminar über die Halbunziale werden Texte des V.-VIII. Jahrhunderts gelesen, die ganz allgemein in diese an Überlieferung arme Epoche einführen können. Es finden sich berühmte Namen unter den Schriftstellern der Zeit (Eugippius, Cassiodor, Gregor der Große, Jonas von Bobbio, Isidor von Sevilla, Beda Venerabilis). Ihre Werke, aber auch jene ganz unbekannter oder nicht genannter Autoren sollen einen Überblick über die lateinische Literatur und Sprache des Frühmittelalters vermitteln. Der Kurs steht auch Teilnehmern offen, die nicht das Seminar belegen.







Erstlektüre für Historiker: Annales regni Francorum

2st., Mo 16.15-17.45     Beginn: 11.X.        Dr.Otero Pereira
Die Annales regni Francorum sind eine der wichtigsten Quellen für die frühkarolingische Geschichte zwischen den Jahren 741 und 829. Der König und seine politischen und kirchlichen Tätigkeiten stehen im Mittelpunkt, weshalb man vermutet, daß das Werk im Kreis der Hofkapelle Karls des Großen entstanden ist. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Annales regni Francorum, rec. F. Kurze, Hannover 1895, ND 1950 (=MGH Scriptores rerum Germanicarum 6).


Übung


Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45        Beginn: 13.X.                Dr.Licht
Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.

Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten

2st., Mi 11.15-12.45    Beginn: 13.X.                Dr.Licht
Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV.Jahrhundert. Mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse mögen sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.







Metrik und Rhythmik: Carmina Burana

2st., Di 9.15-10.45            Beginn: 12.X.            Dr.Licht
«Vagantendichtung» hat sich als Bezeichnung für moralisch-satirische Dichtungen, Liebes-, Trink- und Spielerlieder des Hochmittelalters durchgesetzt. Autoren und Träger dieser weltlichen Dichtungen wurden unter den fahrenden Scholaren und Klerikern, eben den Vaganten, gesucht und gefunden. Das Gros der Gedichte ist lateinisch, anonym und oft nur durch glücklichen Zufall in der Sammlung der Carmina Burana überliefert. Wenige Autoren treten aus der anonymen Masse heraus und weisen sich in Pseudonymen wie Hugo Primas oder Archipoeta als Exponenten der Vagantendichtung aus. Anhand ausgewählter Stücke sollen Sonder- und Neuentwicklungen in Metrik und Rhythmik der lateinischen Dichtung des Mittelalters vorgestellt und diskutiert werden. Zur Anschaffung empfohlen: Carmina Burana. Die Lieder der Benediktbeurer Handschrift, edd. C.Fischer/G.Bernt, München 41995.







Exkursion/Blockseminar


Handschriftenexkursion

Blockveranst.        Vorbespr.: Do 14.X. 11.15        Dr.Licht
Für Teilnehmer an den paläographischen Übungen und alle Interessenten mit Vorwissen wird diese mehrtägige Exkursion an einen Ort mit bedeutender Handschriftensammlung angeboten. Ziel ist es, an den Originalen die paläographischen und kodikologischen Kenntnisse anzuwenden und zu vertiefen. Termine und Exkursionsort werden in der Vorbesprechung bekanntgegeben.

 


Colloquium Neolatinum


Melanchthon, Opera selecta

2st., Mi 16.15-17.45    Beginn: 13.X.            Dr.Schouwink
Philippi Melanchthonis merita in Confessione Augustana elaboranda satis nota sunt. Sermone elegans, mitis ingenio et impiger in educatione doctrinaque puerili de vita christiana optime promeritus est. 'Praeceptoris Germaniae' documenta principalia de eruditione, ut sunt De corrigendis adolescentiae studiis (oratio inauguralis habita Wittenbergae 1518), In laudem novae scholae (habita Norimbergae 1526), aut planctus satiricus De miseriis paedagogorum (1533), crebro citantur at raro leguntur. Praeceptor expertissimus utile dulci miscens lectionibus publicis anecdota sive historiolas inserere solebat, quae etiam nos delectare queunt. Textus pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt. Sodales invitantur non solum ad lecturam, sed etiam ad oratiunculam de qualicumque materia latine proferendam. Agite nunc sodales, et ut Melanchthonis voce utar, "sapere audete, veteres Latinos colite, Graeca amplexamini" et ad Colloquium venite!








Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

zum Seitenanfang