Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 07/08


Vorlesung


Latein lernen nach der Antike

2st., Do 9.15-10.45              Beginn: 18.10.            Priv.-Doz. Hartmann

Keine Textsorte des Mittelalters ist als zu gering zu vernachlässigen: Auch Lehrbücher verdienen unsere Aufmerksamkeit, denn sie gewähren uns einen Einblick darin, wie man unter schwierigen Umständen Latein lernen konnte, und zwar so gut, dass eine anspruchsvolle Literatur in dieser Sprache möglich wurde. Es ist ein vielfältiges Spektrum, mit dem wir uns beschäftigen werden: Antike Schriften, die an neue Bedürfnisse angepasst wurden; literarische Werke, die als Lesestoff die Grundlage des Unterrichts bildeten; auch Texte, die eine Schultextsorte für eine andere literarische Öffentlichkeit abänderten und mitunter das Umfeld der Schule verließen. Für jede Epoche von der Konstituierung der germanischen Königreiche bis zur Reformation werden wir einzelne Lehrbücher und Bücher über die Lehre genauer betrachten und in ihren kulturhistorischen Hintergrund setzen. Geographisch werden wir versuchen von Italien bis nach Mexiko zu kommen, in die Schule Santa Cruz de Tlatelolco (gegründet 1533, offiziell erst 1536), in der eine indianische Elite in bester mittelalterlicher Tradition ausgebildet wurde.



Seminare


Wissen der Antike für die Welt des Mittelalters: Isidor von Sevilla, Origines

2st., Mi 9.15-10.45              Beginn: 17.10.            Priv.-Doz. Hartmann

Will man erfahren, was man im Mittelalter über ein bestimmtes Thema wusste oder unter einem bestimmten Wort verstand, wird man zuerst an die Origines (auch Etymologiae genannt) Isidors von Sevilla verwiesen. Der Text ist nicht einfach zu bewerten und zu interpretieren. Isidor hat Unterschiedliches, ja Widersprüchliches aus antiken Autoren aufgenommen und kommentarlos aneinander gereiht. Die Schwierigkeiten werden dadurch erhöht, dass die Enzyklopädie nach seinem Tod unvollendet war und von seinem Schüler Braulio von Zaragoza ediert wurde. Im Seminar werden wir uns einen Ãœberblick über das Werk und die Probleme, die es aufwirft, verschaffen. Außerdem beschäftigen wir uns mit den vielfältigen Wegen der mittelalterlichen Rezeption.




 Iordanus de Saxonia, Vita S.Dominici

2st., Mo 14.15-15.45        Beginn: 22.10.      Prof.Berschin

Die hochmittelalterliche Bewegung der Pauperes Christi führte im frühen XIII.Jahrhundert zur Gründung des Bettelordens der Franziskaner und Dominikaner. Beide sind von ihren Gründerpersönlichkeiten geprägt. Während aber das Leben des Franziskus schon wenige Jahrzehnte nach seinem Tod ganz anders erzählt wurde als zuvor, blieb die Vita des Dominicus von Calaruega (gest.  6.8.1221 in Bologna) unwandelbar dieselbe. Das ist nicht zuletzt das Werk des Jordan von Sachsen, der um 1234 eine Dominikusbiographie schrieb, die man auch als Gründungsgeschichte des Ordens lesen kann. Ihr 1935 von H.C.Scheeben in Rom kritisch edierter Text ist in den Heidelberger Bibliotheken nicht nachweisbar; eine Kopie der gesamten Vita ist für 1 EUR im Seminar erhältlich. - In der Seminarveranstaltung kann auch ein Proseminar- oder Lektüreschein erworben werden.

 




Die Colloquia familiaria des Erasmus von Rotterdam und andere Schriften

2st., Di 16.15-17.45        Beginn: 16.10.      Prof. Wiegand

Die Colloquia familiaria des Erasmus von Rotterdam gehören zu den meist gelesenen lateinischen Schriften der Frühen Neuzeit. Entstanden aus Gesprächsformeln zur lateinischen Schüler-Konversation, entwickelten sie sich als "Buch eines Lebens" zu dem Werk des Erasmus, das seine humanistisch-christliche Gedankenwelt in den späteren, sehr umfänglichen Fassungen umfänglich dokumentiert und einen vorzüglichen Einblick in das Denken des wohl einflussreichsten "nordeuropäischen" Humanisten gewährt. Die Entwicklungsstadien dieses Werkes werden ein wichtiger Gegenstand des Seminars sein. Auszugehen wird dabei von der im mittellateinischen Seminar vorhandenen kritischen Ausgabe (ASD) von Franz Bierlaire u. a. sein. Um die Gattung der Colloquia näher kennen zu lernen, wird auch auf andere Colloquia-Sammlungen von Paulus Niavis-Schneevogel (spätes 15. Jahrhundert) bis zu "Nachfahren" im 18. Jahrhundert eingegangen werden. So soll ein Gesamtüberblick über die Gattung der Colloquia erarbeitet werden. - Die Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.


 


Übungen

 

Paläographie IV: «Gotische» und «humanistische» Schriftarten
Mit mehrtägiger Paläographischer Exkursion

2st., Mi 14.15-14.45         Beginn.: 17.10.             Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV.Jahrhundert. Mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse mögen sich bitte vor Beginn in der Sprechstunde anmelden.









Kodikologie (auch für Historiker)

2st., Fr 10.15-11.45         Beginn: 19.10.            Priv.-Doz. Hartmann

Die Kodikologie hat als Ziel die Untersuchung und Beschreibung der Materialität mittelalterlicher Handschriften. In dieser Übung werden die dazu notwendigen Kenntnisse vermittelt: Schreibstoffe und -instrumente, Typologie der Schreibträger, Aufbau des Kodex, Gestaltung der Seiten, Organisation der Texte. Bei Besuchen in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek werden diese Inhalte konkret veranschaulicht.

Auch Studierende anderer Fachrichtungen sind willkommen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.








Proseminare


 
Bernhard v. Clairvaux, Briefe (auch für Historiker)

2st., Mi 11.15-12.45    Beginn.: 17.10.              Dr.Licht

"The great age of medieval letter writing" hat man das XI. und XII. Jahrhundert genannt; die Briefsammlungen eines Petrus Abaelard, Suger v. Saint-Denis oder Petrus Venerabilis gehören zu den Glanzstücken der lateinischen Literatur des Mittelalters. In seiner Qualität ebenbürtig, in Umfang, und Gewicht beispiellos ist das Briefcorpus Bernhards v. Clairvaux (gest. 1153); private und offiziöse Schreiben, Predigten und Traktate an Päpste und Herrscher, Vertraute und Widersacher zeichnen das Lebensbild einer der markantesten Persönlichkeiten der Zeit. Eine Auswahl (z.B. Epistel 195 gegen Arnold von Brescia und der Trostbrief 266 an Abt Suger v. Saint-Denis) soll im Plenum gelesen und übersetzt, literarische Traditionen, sprachliche Besonderheiten und historische Zusammenhänge diskutiert werden. Ausgabe: Sancti Bernardi opera, vol.VII/VIII, edd. J.Leclercq/H.Rochais, Rom 1974/1977 (Texte werden in Kopie ausgegeben).







Alkuin, der Dichter

2st., Di 14.15-15.45         Beginn: 17.10.            Priv.-Doz. Hartmann

Alkuin von York, eine der zentralen Figuren der karolingischen Reform, ist der Autor eines beachtlichen poetischen Corpus. Seine schlichte, elegante Dichtung eignet sich gut, um verschiedene poetische Gattungen kennenzulernen und die sprachliche, stilistische und metrische Analyse zu üben. Durch diese Lektüre machen wir uns außerdem mit dem kulturellen Umfeld der karolingischen Reform vertraut.







Lektüre

 
Lectura Vulgatae: Buch Daniel (für Interessierte aller Fächer)

2st, Mo 11.15-12.45              Beginn: 15.10.          Dr.Köhler

Das Buch des Propheten Daniel enthält eine heterogene Sammlung von Geschichten, die alle sehr bildkräftig sind, ob es sich um die Männer im Feuerofen, um Daniel in der Löwengrube, um Träume von der Abfolge der Weltreiche oder um die Geschichte der Susanna im Bade handelt. Allein schon die letztgenannte hat der Kunst ein vielfach variiertes Thema geboten. Die Veranstaltung ist jedoch nicht nur für Studierende der Kunstgeschichte, sondern darüber hinaus für Hörer aller Fächer interessant, die nicht nur den Text der Vulgata kennenlernen, sondern auch ihre Lateinkenntnisse erweitern oder auffrischen wollen. Es werden Kopien ausgegeben, auf längere Sicht wird jedoch die Anschaffung der Stuttgarter Vulgata (Biblia sacra iuxta vulgatam versionem, vierte, verbesserte Auflage Stuttgart 1994) empfohlen.


Schultexte und Schultextsorten

2st., Do 11.15-12.45         Beginn: 18.10.                 Priv.-Doz. Hartmann

Die Lektüre ist als Ergänzung zur Vorlesung gedacht. In ihr sollen die dort vorgestellten Texte probegelesen und in ihrem sprachlichen Aufbau erklärt werden. Dazu gehören die heute weniger bekannten Schulautoren, Sprachlehrwerke wie Grammatiken, Glossare oder Gesprächsbüchlein sowie einige literarische Schilderungen des Schulbetriebs.

Beide Veranstaltungen können auch separat besucht werden.





Widukind von Corvey, Res gestae Saxonicae (auch für Historiker)

2st., Di 18.15-19.45     Beginn: 19.10.                 Priv.-Doz. Hartmann

Widukind von Corvey (gest.  nach 973) beschreibt die legendären Ursprünge der Sachsen, den Aufstieg der Liudolfinger sowie die Herrschaft Ottos des Großen. Die Res gestae sind eines der wichtigsten Zeugnisse der Geschichte des 10. Jhs. und darüber hinaus ein unterhaltsames, sorgfältig geschriebenes Werk. In der Veranstaltung wollen wir uns vor allem auf den sprachlichen Ausdruck konzentrieren, so dass sie sich gut für Teilnehmer eignet, die ihr Latein auffrischen wollen.







Colloquium Neolatinum

«Vestro de grege unus fui» De Petrarca et eius Epistolis ad Familiares

2st., Mo 16.15-17.45    Beginn: 15.10.     Dr. W. Schouwink

Franciscus Petrarca - sua aetate nulli secundus - permulta de mentis suae statu, de itineribus et de controversiis cum coaevis posteritati reliquit. Ingentem numerum epistolarum ad 'familiares' viventes et ad auctores antiquitatis (defunctos!) scripsit, quas diligenter legentes facile agnoscemus Petrarcam non de grege» communi fuisse, sed suo modo «monumentum aere perennius» exegisse. Petrarcae epistolae selectae pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt. Colloquii participantes invitantur - ut iam in praecedenti factum est - non solum ad textus lecturam, sed etiam ad oratiunculam de qualicumque materia latine proferendam.





Alle Veranstaltungen finden im Raum 012 des Mittellateinischen Seminars statt.

Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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