Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2006/07


Vorlesung



Die lateinische Lyrik des deutschen Kulturraumes im XVI.Jahrhundert (Vorlesung mit Lektüre)

2st., Di 16.15-17.45 Beginn: 17.X. Prof.Wiegand

In der Vorlesung wird es darum gehen, die humanistisch-lateinische Lyrik der Frühen Neuzeit bis an die Schwelle des XVII.Jahrhunderts im Überblick zu behandeln. Es soll gezeigt werden, daß in dieser dem Umfang wie der Bedeutung nach gewichtigen lateinischen Dichtung einer der wichtigsten Teile der deutschen Literatur dieser Zeit mit einer großen Themenvielfalt und weiter formaler Varianz vorliegt. Von Konrad Celtis am Ende des XV.Jahrhunderts bis zur lateinischen Dichtung Paulus Melissus Schedes, Caspar von Barths und Friedrich Taubmanns haben hunderte deutscher Autoren im lateinischen Idiom das geeignete Mittel einer poetischen Selbstverständigung gesehen. So wird die neulateinische Lyrik der Zeit in der Spannung von imitatio und aemulatio antiker Autoren zu einem Spiegel literarischer Tendenzen der Frühen Neuzeit, aus dem wichtige Facetten sichtbar werden sollen.

Zur Einführung empfohlen: Harry C.Schnur (Hg.): Lateinische Gedichte deutscher Humanisten. Stuttgart ²1978; W.Kühlmann, E.Seidel und Hermann Wiegand (Hgg.): Humanistische Lyrik des 16.Jahrhunderts. Lateinisch-deutsch. Frankfurt 1996.

 






Seminar


Vagantenlyrik
2st., Blockseminar: Fr 15.30-19.00
Beginn: 20.X. (weitere Termine nach Absprache) Prof. Walz

Unter dem Sammelbegriff "Vagantenlyrik" vereinigen sich verschiedenartigste Formen und Themen der weltlichen mittellateinischen Lyrik des XII./XIII.Jahrhunderts wie Liebes- und Tanzlieder, Trink- und Spiellieder, Bettellieder, Parodien und Schwänke, Satiren auf die politischen kirchlichen Mißstände der Zeit, moralische Dichtungen über die Vergänglichkeit der Welt u.a. Den Kern und in der Wirklichkeit wohl nur die Minderheit der meistens anonymen Dichter bilden die "Vaganten": umherziehende "ewige" Studenten und arbeitslose Akademiker, ständig der Spannung zwischen geistiger Unabhängigkeit und finanzieller Abhängigkeit von Mäzenen unterworfen. Typische Vagantendichter sind der Dichter-Primas Hugo von Orléans, der Archipoeta, Walther von Châtillon und Petrus von Blois. - Anmeldung zur Vorbereitung und Themenvergabe bis zum 15. Oktober im Sekretariat erbeten.

 



Übung



Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45 Beginn: 18.X. Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.

 







Proseminar/Übung


Vulgärlatein: Pompejanische Wandinschriften

2st., Blockveranstaltung: Sa 9.30-13.00
Beginn: 20.X. (weitere Termine nach Absprache) Prof.Walz

Die zahlreich erhaltenen Wandinschriften aus dem 79 n. Chr. verschütteten Pompeji erzählen nicht nur vom pulsierenden Leben der reichen und blühenden Handelsstadt in seiner ganzen Buntheit und Fülle, sondern stellen auch besonders anschauliche Textzeugen für das gesprochene Latein der damaligen Zeit dar. Für Mittellateiner und Romanisten bieten sie eine gute Einführung in das Vulgärlatein. - Textblätter werden zur Verfügung gestellt; Anmeldung bis zum 15. Oktober im Sekretariat erbeten.



 

Einführung in die Lateinische Philologie des Mittelalters

2st., Blockveranstaltung Beginn: 27.X. Dr.Staub

Die Veranstaltung bietet einen Überblick über das Fach Mittellatein, seine Gegenstände und Forschungsbereiche mit ihrer vielfältigen Methodik und stellt die wichtigsten traditionellen, aber auch neuen, digitalen Hilfsmittel vor. Immer wieder werden dabei sowohl die zahlreichen Verbindungen zu den philologischen und historischen Nachbarfächern deutlich, wie auch die enorme Menge von grundlegenden Forschungsaufgaben, die in der vergleichsweise jungen Wissenschaftsdisziplin noch zu leisten sind. Als Termine sind vorgesehen: 27.X., 24.XI., 15.XII. und 26.I. (jeweils Fr. 14.00-20.00 Uhr).

 






Franziskuslegenden

2st., Mo 14.15-15.45 Beginn: 23.X. Prof.Berschin

Bald nach dem Tod des Franziskus (4.X.1226) setzten die Erzählungen seiner Lebensgeschichte ein. Thomas von Celano schrieb auf Anordnung Papst Gregors IX. eine Vita B.Francisci in drei Teilen, der er 1246/1247 auf Wunsch des Generalkapitels ein Memoriale in desiderio animae de gestis et verbis beatissimi patris nostri Francisci mit neuen Berichten und dann einen Tractatus de miraculis (1250-52) folgen ließ. Julian von Speyer gab eine kürzere Fassung der ersten Franziskusvita, Heinrich von Avranches setzte die erste Franziskusvita in Verse. Manche Züge des alten Franziskusbildes gefielen späteren Generationen nicht mehr. Außerdem vermißte man die theologische Dimension. Also schrieb der Ordensgeneral Bonaventura († 1274) eine neue Vita und ließ sie zur einzig zulässigen erklären. - Im Proseminar, das auch als Lektürekurs belegt werden kann, werden die Texte gelesen und diskutiert. Beste Ausgabe: <M.Biehl,> Analecta Franciscana t.19, Quaracchi 1926-1941.



Einhart: Vita Karoli (auch für Historiker und Interessierte aller Fächer)

2st, Mi 11.15-12.45 Beginn: 18.X. Dr.Licht

Einhart († 840) hat die Vita Karoli den Nachfolgern Karls ins Buch geschrieben. Sie ist Denkmal der individuellen Größe des ersten fränkischen Kaisers, Mahnung zur Bewahrung seines Erbes, Demonstration der literarischen Bildung ihres Autors, Momentaufnahme vom Höhepunkt der karolingischen Gelehrten-kultur, vielleicht der bekannteste Text des lateinischen Mittelalters. Bereits die Zeitgenossen hat fasziniert, wie ein homo barbarus et in romana elocutione perparum exercitatus die Vatersprache zu solcher Eleganz heben konnte. Als einführende Lektüre soll die Vita Karoli im Plenum gelesen und übersetzt, dabei Überlieferung, Sprache und biographische Tradition in Augenschein genommen werden. Ausgabe: Einhardi Vita Karoli Magni, rec. G. Waitz, Hannover-Leipzig 1911 (Sammelbestellung möglich); zur Einführung: W.Berschin, Biographie und Epochenstil im lateinischen Mittelalter III, Stuttgart 1991, p.199-220.

 



Lektüre/EPG II



Lectura Vulgatae: Ecclesiastes und Sapientia (für Interessierte aller Fächer)

2st, Mo 11.15-12.45 Beginn: 16.X. Dr.Köhler

Die Erfahrung der Vergänglichkeit des Menschen und der Ungerechtigkeit des Schicksals und die Frage danach, wie ein Leben dennoch gelingen kann, ist zentraler Gegenstand der hellenistischen Philosophie. In ihrem Kontext stehen die Bücher Ecclesiastes und Sapientia, die zu den Weisheitsbüchern des Alten Testamentes gehören. Sie versuchen das angesprochene Problem auf verschiedene Weise zu lösen; während Ecclesiastes ein verhältnismäßig einfaches Modell der Freude an der Arbeit und Lebensgenuß propagiert, fordert Sapientia in vielfältiger Weise zum Erwerb von Weisheit auf. Die beiden Konzepte sind unter sich nicht frei von Widerspruch; darüber hinaus ist vor allem Sapientia in polemischer Auseinandersetzung einerseits mit der ägyptischen Religion und Kultpraxis und andererseits mit verschiedenen philosophischen Richtungen entworfen. Bei einer Lektüre der Vulgata-Fassung beider Bücher bietet es sich an, thematisch verwandte lateinische Texte (Lucrez, Cicero, Seneca) heranzuziehen und vergleichend zu lesen. Die Anschaffung der "Stuttgarter Vulgata" (Biblia sacra iuxta vulgatam versionem, vierte, verbesserte Auflage Stuttgart 1994) wird empfohlen.

 


Colloquium Neolatinum

Hartmann Schopper: «Speculum Vitae Aulicae (1567)» id est carmen Reineke Fuchs latine versum

2st., Mo 16.15-17.45 Beginn 16.X. Dr. Schouwink

Colloquii materia erit opus poeticum cuiusdam auctoris iuvenis, qui saeculo sextodecimo Heidelbergae, Friburgi Brisgavorum et Frankfordiae versatus est. In Collegio Sapientiae Heidelbergensi litteris adprime eruditus, at ab Universitate Friburgensi relegatus tamquam homo intolerabilis, deo et hominibus molestus, imperatoris Maximiliani II catervis bellicis se iunxit. Sigismundo Feyrabend librario hortante versionem latinam carminis Reineke Fuchs inchoavit et variis adversitatibus superatis feliciter perfecit. Unumquodque fabulae capitulum stilo Ovidiano sive Virgiliano ornatum commentarius sequitur, in quo vulpeculi flagitia vitiis principum et aulicorum comparantur. Sodales invitantur non solum ad operis lecturam, sed etiam ad oratiunculam de qualicumque materia latine proferendam. Textus pretio modico in aedibus seminarii acquiri poterit.

 

 



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