Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Sommersemester 2016


Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittel­alters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Graben­gasse 3-5) statt. Ausgenommen sind der Sommerkurs Paläographie, der im Übungsraum 1, und die Erstlektüre für Historiker, die in Übungsraum 3 des Historischen Seminars abgehalten wird.


Oberseminar


Gruter

Unedierte Dichtungen des kurpfälzischen Humanismus

2st., Mo 18.30-20.00         Beginn: 18.IV.     Prof.Wiegand, PD. Dr. Licht

Aus den Handschriften der ehemaligen Bibliotheca Palatina und anderen Beständen werden bisher unbeachtete und unpublizierte Dichtungen des XV.-XVII.Jahrhunderts ediert, übersetzt und kommentiert, die eine Verbindung zur frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur der Kurpfalz haben. Neben der editorischen Arbeit bietet sich die Möglichkeit, anhand der Originalüberlieferung die Lesefertigkeit und Paläographie frühneuzeitlicher Schriften zu vertiefen. Handschriften­abbildungen, die Grundlage des Oberseminars sind, werden zur Verfügung gestellt. Interessierte aller Disziplinen, auch Anfänger, seien zur Teilnahme ermuntert.









Proseminar/ÜbungGregoriusMagnus



Einführung in die lateinische Sprache und Literatur des Mittelalters
2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 19.IV.     PD Dr. Licht

Die Entwicklungslinien der lateinischen Sprache und Literatur von der Spätantike bis zur Frühen Neuzeit sollen in dieser einführenden Veranstaltung nachgezeichnet werden. Charakteristika der Epochen (Merowingerzeit, Klassik des XII.Jahrhunderts, Scholastik), literarische Innovationen (Opus geminum, Sequenz), Sprachzeugnisse (Inschrift, Biographie, Grammatik) und Reflexionen über Sprache (Gregor der Große, Gunzo in St. Gallen, Lorenzo Valla) werden erarbeitet und illustriert, Nachschlagewerke, Hilfsmittel und einschlägige Studien zur mittellateinischen Literatur- und Sprachgeschichte vorgestellt und diskutiert. Zum Proseminar wird ein Tutorium angeboten. Zur Vorbereitung: Walter Berschin, Einleitung in die Lateinische Philologie des Mittelalters, Heidelberg 2012.

Tutorium zum Proseminar
2st., Mo 14.15-15.45        Beginn: 18.IV.     Walther M.A.



Lektüre


C1
EPG II / Lectura Vulgatae: Canticum Canticorum

2st., Mo 11.15-12.45        Beginn: 18.IV.     Dr. Köhler


Man liest das Hohelied inzwischen wieder im ursprünglichen Sinn, nämlich als Sammlung von Liedern über Freundschaft, Liebe und Schönheit. Es hat sich im Kanon des Alten Testaments gehalten, wo es zu den Weisheitsbüchern Salomos zählt, und enthält keinen religiösen oder theologischen Gedanken, ist also ein 'offener', der Interpretation zugänglicher Text. Bereits das Judentum hat es als Gespräch des Volkes Israel mit Gott gedeutet, was vom Christentum übernommen wurde, als Dialog zwischen Christus und Kirche, an deren Stelle die gläubige Seele und endlich Maria trat. Den Hauptbeitrag zur christlichen Allegorese leistete der Grieche Origenes († 252), dessen Schriften fast nur in lateinischer Sprache überliefert sind. Seine umfangreiche Kommentierung des Hohenliedes ist unvollständig tradiert, bietet aber reichlich Material zur Interpretation. Alle Texte werden in Kopie ausgeteilt. Zur Kontaktaufnahme: Artikel 'Hoheslied' in: Reallexikon für Antike und Christentum 16, Stuttgart 1994, Sp.58-87.








Erstlektüre für Historiker:
Wipo, Gesta Chuonradi imperatoris

2st., Mo 16.15-17.45        Beginn: 18.IV. Dr. Otero Pereira

Den Gesta Chuonradi imperatoris ist ein Widmungsbrief vorangestellt, in dem der Autor die Absicht bekundet, Leben und Taten Kaiser Konrads II. beschreiben zu wollen. Wipo, der unter Konrad II. und Heinrich III. als Kapellan tätig war, verfasste dieses Schreiben um Weihnachten 1046. Unter den Taten Konrads II. von der Königswahl 1024 bis zum Tod 1039 findet sich z.B. eine detaillierte Schilderung seiner Kaiser­krönung. Über historische Fakten hinaus geht die inserierte Rede zur Königswahl, die einen Einblick in Wipos stilisierte Prosa erlaubt: Einflüsse Sallusts sind erkennbar, auch die Vorliebe für moralische Sentenzen. Das Werk Wipos ist eine zentrale Quelle zur salischen Kaiserzeit und eine lohnende Lektüre. Der Kurs richtet sich auch an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Die Werke Wipos, ed.H.Bresslau, Hannover-Leipzig 31915 (=MGH. Scriptores rer. Germ. 61) S.3-60.



Übung/Hauptseminar


v1

Paläographie I: Von den spätantiken Majuskelschriften zur karolingischen Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45              Beginn: 20.IV.     PD Dr. Licht

Die Übung führt in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen spätantiker und frühmittelalterlicher lateinischer Schriften anhand von digitalen Handschriftenabbildungen und Kopien aus Tafelwerken ein.


Paläographie III: Von der karolingischen Minuskel zu den gotischen Schriftarten
2st., Mi 11.15-12.45        Beginn: 20.IV.     PD Dr. Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schriften vom X. bis XIII. Jahrhundert. Interes­senten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per E-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.


Kodikologie: Liturgische Handschriften des Mittelalters
2st., Do 11.15-12.45        Beginn: 21.IV.     Ferro M.A.

Als pulsierendes Herz der mittelalterlichen Kultur gelten Kloster und Bischofskirche. Hier wurden Handschriften produziert, Texte verfasst, 'Politisches' und 'Historisches' fixiert, in erster Linie aber Gottesdienst und Gebet in Form von Stundengebet (officium divinum) und Messe abgehalten. Dem Rhythmus der Gebetsstunden fügte sich das Leben des einzelnen Mönches und Geistlichen; für die rituelle Feier wurden Texte und Gesänge komponiert und vor allem Bücher angefertigt. Die Veranstaltung versteht sich als Einführung in die mittelalterlichen liturgischen Handschriften: Neben einigen Sitzungen, in denen die Teilnehmer mit den Strukturen der Liturgie vertraut gemacht werden, steht die Arbeit mit den handschriftlichen Trägern im Vordergrund. Diese werden anhand ausgewählter exemplarischer Objekte je nach Typus kodikologisch, paläographisch und inhaltlich untersucht. Zur Kontaktaufnahme: V.Fiala/W.Irtenkauf, Versuch einer litur­gischen Nomenklatur, in: Zur Katalogisierung mittelalter­licher und neuerer Handschriften, ed. C.Köttelwesch, Frankfurt a.M. 1963, p.105-137.



Blockveranstaltung


Sommerkurs Paläographie: Lateinische Schrift
f1
9.15-15.45              29.VIII.-9.IX.     PD Dr. Licht et al.
 
Gegenstand des Kurses ist die lateinische Schrift (vom Anfang bis ins XX. Jahrhundert) und die Vermittlung ihrer Grundlagen. Fragen zur Schriftgeschichte werden mit traditionellen und modernen Ansätzen diskutiert. Die Teilnehmer erwerben Datierungs- und Lokalisierungssicherheit und eine Lesekompetenz, die zwei Jahrtausende Schriftlichkeit umfasst. Hauptorganisationsform ist die Übung: Einzelne Schrifttafeln werden gemeinsam gelesen, Ergebnisse im Plenum gesichert und methodische Ansätze samt Forschungsliteratur besprochen. Flankiert wird die Übung durch Veranstaltungen, in denen Sonderthemen der Paläographie und neuere Forschungserträge vorgestellt werden.






Colloquium Neolatinum


De fatis et casibus Collegii Societatis Jesu Heidelbergensis saec.XVIII
2st., Mi 16.15-17.45        Beginn: 20.IV.     Dr. Schouwink

Quicumque historiam et fata Collegii S.J. Heidelbergensis explorare attemptat, in terram plane incognitam navigare videtur. Opusculo poetico Adami Heidt anno 1712 edito perpauci huic historiae operam dabant, inter quos rerum Palatinarum scriptor Ludwig Häusser, qui cladem et recessum Societatis Jesu minime doluit. In colloquio nostro varia inedita legenda sunt, e.g. litterae annuae Collegii Heidelbergensis. Textus de libris raris et Archivo Universitatis sumpti pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt. Sodales invitantur non solum ad lecturam, sed etiam ad oratiunculam de qualicumque materia latine proferendam.










Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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