Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Sommersemester 2012



Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5) statt.


Hauptseminar

John Barclay und die Entstehung des modernen Romans: Euphormio und Argenis

2st., Di 17.00-18.30        Beginn: 17.IV.            Prof.Wiegand
Kaum bekannt ist, daß die literarische Großform 'Roman' in der Moderne auf neulateinische Vorbilder zurückgeht. Am Anfang der Entwicklung stehen mit dem Euphormio (seit 1603) und der Argenis (seit 1621) des Schotten John Barclay (1582-1621) zwei Romantypen, nämlich der satirische und der 'Staatsroman', somit Texte, die in der Frühen Neuzeit eine kaum zu überschätzende Wirkung entfaltet haben. Dies lässt sich u.a. an den zahlreichen Auflagen und Übertragungen in die Volkssprachen ablesen, die beide Werke erfahren haben. Die Wirkmächtigkeit dieser Texte steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrer spärlichen Erforschung, wie überhaupt der wichtige neulateinische Roman des XVII. und XVIII.Jahrhunderts noch kaum untersucht wurde. In unserem Seminar wird es darum gehen, beide Texte auf der Folie antiker Vorbilder (u.a. menippeische Satire, hellenistischer Liebesroman und satirisches Prosimetrum) nach Inhalt, Form und Funktion zu lesen und zu besprechen und ihre Wirkung auf die europäische Romanliteratur zu untersuchen.


 



Seminar


Frühe Schriftkultur am Oberrhein:
Lorsch in karolingischer Zeit

2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 17.IV.         Dr.Licht
Die Lorscher Klosterbibliothek hatte in karolingischer Zeit einen der wichtigsten, vielfach im eigenen Skriptorium produzierten Bestände. Unter den Codices mit fremder Schriftheimat finden sich teils berühmte Stücke wie der spätantike «Vergilius Palatinus» oder das aus der Hofschule stammende «Lorscher Evangeliar». Jenseits des Erhaltenen ist die Lorscher Bibliothek durch vier überlieferte Kataloge des IX.Jahrhunderts rekonstruierbar. Lorsch, so kann man ablesen, hatte den Rang einer Zentralbibliothek mit patristischem Sammelschwerpunkt. Seit einigen Jahren erschließt das Land Hessen in Zusammenarbeit mit der UB Heidelberg diesen einzigartigen, auf weltweit mehr als 70 Bibliotheken verstreuten Bestand in einem Digitalisierungsprojekt. Ziel der Veranstaltung ist es, mit dem neuen Reservoir die Schriftgeschichte des Skriptoriums zu erhellen, die Stellung Lorschs in der Überlieferungsgeschichte zu bewerten, schließlich Verfahren und Möglichkeiten einer 'Anthropologie der Handschriften' zu erproben.
Leitfaden: B.Bischoff, Die Abtei Lorsch im Spiegel ihrer Handschriften, Lorsch 21989.



Lektüre



Lectura Vulgatae: Die Apostelgeschichte und ihre Auslegung durch Beda Venerabilis

2st., Mo 11.15-12.45         Beginn: 16.IV.         Dr.Köhler
Die Kindheit der entstehenden Kirche - nascentis ecclesiae infantia - das ist für Hieronymus Kern und Gegenstand der Apostelgeschichte. An diesem Entstehungsprozeß werden den modernen Leser eher die Vorgänge und Konflikte interessieren, die bei der Ablösung der Christen vom Judentum, bei der Herausbildung von christlichen Gemeinden innerhalb der Synagoge und bei der Auseinandersetzung mit der politischen Obrigkeit zu beobachten sind. Auf einer zweiten Ebene erhebt sich die Frage, wie das junge Christentum selbst den Anfang seiner Institutionalisierung dargestellt hat, mit welchen Ereignissen und Zeichen z.B. die apostolische Sukzession verbunden ist. Die Apostelgeschichte wurde spät erst kommentiert. Im VIII. Jahrhundert ging es dem angelsächsischen Universalgelehrten Beda darum, alles, was mit geheimnisvoller Bedeutung geschehen (mystica gesta), und alles, was allzu dunkel gesagt ist, nach Kräften zu erhellen. Der biblische Text wird nach der Vulgata (Biblia sacra iuxta vulgatam versionem, Stuttgart 41994) gelesen, deren Anschaffung sich empfiehlt. Es werden aber auch – wie für Beda – Kopien zur Verfügung gestellt.




Erstlektüre für Historiker: Flodoard von Reims, Annales

2st., Mo 16.15-17.45         Beginn: 16.IV.         Dr.Otero Pereira

Flodoard (†966) hatte als Archivar der Reimser Kathedralkirche Zugang zu den Quellen, die es ihm ermöglichten die Historia ecclesiae Remensis und die Annales der Jahre 916 bis 966 zusammenzustellen. Flodoards Annalenberichte sind hervorragende Zeugnisse des Reimser Bistumsstreit sowie der Machtkämpfe zwischen Karolingern und Kapetingern in der Mitte des X.Jahrhunderts. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Les annales de Flodoard, ed. P.LAUER, Paris 1905.



Übung


Paläographie I: Von den spätantiken Majuskelschriften zur karolingischen Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45        Beginn: 18.IV.                Dr.Licht
Die Übung führt in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen spätantiker und frühmittelalterlicher lateinischer Schriften anhand von Kopien aus Tafelwerken ein.



Paläographie III: Von der karolingischen Minuskel zu den gotischen Schriftarten

2st., Mi 11.15-12.45    Beginn: 18.IV.                Dr.Licht
Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom X. bis XIII. Jahrhundert. Interessenten ohne Vorkenntnisse mögen sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.







Exkursion/Blockseminar


Handschriftenexkursion

Blockveranst.        Vorbespr.: Do 19.IV.      11.15 Uhr        Dr.Licht

Für Teilnehmer an den paläographischen Übungen und alle Interessenten mit Vorwissen wird diese mehrtägige Exkursion an einen Ort mit bedeutender Handschriftensammlung angeboten. Ziel ist es, an den Originalen die paläographischen und kodikologischen Kenntnisse anzuwenden und zu vertiefen. Termine und Exkursionsort werden in der Vorbesprechung bekanntgegeben.

 



Colloquium Neolatinum


De epistolis obscurorum virorum et earum auctoribus


2st., Mi 16.15-17.45    Beginn: 18.IV.            Dr.Schouwink

Multifarie multisque modis, sive dissertationibus iuventutis educandae sive dialogis linguae apprehendae, saec.XVI auctores ad elegantiores litteras se contulerunt. His opusculis colloquio nostro saepe iam disputatis ad novum genus satiricum vertimus, epistolam falsam quidem et ficticiam, adversario attributam, qua eius pravitas et rusticitas patefiant. Controversia de libris hebraicis a. 1511 exorta humanistae annis sequentibus plus quam centum epistolas ediderunt, quibus sub specie fautorum theologos scholasticos ludibrio habebant et Iohannis Reuchlini auctoritati suffragabantur. Textus pretio modico in seminarii aedibus acquiri poterunt. Sodales invitantur non solum ad lecturam, sed etiam ad oratiunculam de qualicumque materia latine proferendam.














Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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