Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Sommersemester 2006


Vorlesung

Bukolische Dichtung von Vergil bis in die frühe Neuzeit

2st., Fr 10.15-11.45 Beginn: Prof.Walz

Bukolische Dichtung – Hirtendichtung – Eklogendichtung: So vielfältig wie die Bezeichnungen ist auch die Form selbst; sie vereinigt Zeitkritik und Herrscherlob, Liebesleidenschaft und poetische Reflexion. Der literarische Bogen spannt sich von Vergil, dem Meister der lateinischen Bukolik, über Calpurnius, Nemesian, Paulinus von Nola, Modoin von Autun, der Ecloga Theoduli, über Dante, Giovanni del Virgilio, Petrarca und Boccaccio bis ins XVI. Jahrhundert, in dem die Bukolik besonders reichhaltig vertreten ist.

 

Vorlesung/Übung

Einführung in das Jesuitendrama

2st., Di 16.15-17.45 Beginn: Prof. Wiegand

Aus dem humanistischen Schuldrama hervorgegangen, hat das Jesuitendrama in lateinischer Sprache seit dem späten XVI. Jahrhundert in der europäischen Theaterkultur der Frühen Neuzeit eine sehr wichtige Rolle gespielt. Im Zusammenhang mit der Ratio Studiorum (1599), dem Studienprogramm der Jesuitengymnasien in Europa und Übersee, war dem Drama, das in der Regel der pater comicus zu verfassen bzw. zu bearbeiten hatte, ein bedeutender Platz im Unterricht zugewiesen; über 7650 Aufführungen sind bis zum Ende des Ordens 1773 allein aus dem deutschen Kulturraum bekannt. Die Vorlesung wird versuchen, Entwicklungstendenzen und Wandlungen des Jesuitendramas vom XVI. bis zum XVIII. Jahrhundert im knappen Aufriß darzustellen, wichtige Autoren wie Jakob Bidermann oder Nikolaus von Avancini zu porträtieren und Theorie und Praxis des Jesuitentheaters im Wandel von drei Jahrhunderten zu beleuchten. Das Problem der Lateinsprachigkeit wird ebenso erörtert werden wie der Übergang zu den Volkssprachen. Im Lektüreteil werden bislang unedierte Stücke aus dem regionalen Umkreis der Universität Heidelberg neben "klassischen" Meisterwerken gelesen werden. Zur Lektüre empfohlen: P.C.Hartmann, Die Jesuiten, München 2001.

 

Seminar/Proseminar

Walahfrid Strabo, De cultura hortorum (Hortulus)
2st., Mo 14.15-15.45 Vorb.: 24.IV. Prof.Berschin

Der nur 444 Verse umfassende Zyklus De cultura hortorum - seit der Erstausgabe des Humanisten Vadian (Wien 1510) kurz Hortulus genannt - ist die erfolgreichste Lehrdichtung der Karolingerzeit geworden. Zwar befriedigte sie in ihrer Mischung von Naturlyrik, Botanik und Medizin nicht mehr den Wissensdurst des hohen Mittelalters; deshalb ist die handschriftliche Überlieferung schmal. Aber seit dem Humanismus wird die Dichtung immer wieder gelesen und studiert. Das Seminar/Proseminar beschäftigt sich mit Lektüre, Interpretation und Editionsproblematik. Zur Einführung empfohlen: C.Roccaro, Walahfrido Strabone: Hortulus, Palermo 1979.

Dante, De vulgari eloquentia
2st, Di 17.00-18.30 PD Dr.Wilhelm
Ort: Romanisches Seminar, Raum 323

Dantes Traktat De vulgari eloquentia (vor 1305?) bildet eine bis heute faszinierende Einführung in Grundfragen der Sprachphilosophie: Diskutiert werden hier unter anderem der Sprachursprung, die sprachliche Variabilität, die Zeichentheorie. Zugleich enthält der kurze Text jedoch auch die erste Beschreibung der dialektalen Gliederung der Romania und insbesondere Italiens, und er wirft dabei die Frage nach einer einheitlichen italienischen Literatursprache auf, die - als Questione della lingua - auch in späteren Jahrhunderten immer wieder aktuell werden wird. In dem Seminar soll zunächst ein knapper Überblick über die Handschriftentradition und die Quellen, die Besonderheiten von Dantes Latein, die Beziehungen zu anderen seiner Werke wie insbesondere dem Convivio, sowie über die Rezeptionsgeschichte und die modernen Übersetzungen gegeben werden. Sodann wird eine genaue Lektüre des Textes im Mittelpunkt stehen. Ein besonderes Gewicht wird dabei der Diskussion von Dantes Positionen im Licht der modernen Sprachwissenschaft zukommen. Textgrundlage: Dante Alighieri: De vulgari eloquentia. Introduzione, traduzione e note di Vittorio Coletti. Milano, Garzanti, 31995. Anmeldung und Themenvergabe in der vorlesungsfreien Zeit.

 

Übung/Proseminar

Tironische Noten: Einführung in das Lesen der lateinischen Stenographie anhand eines karolingischen Vergil-Kommentars
Blockseminar Beginn: 1.VI. Dr.Hellmann

Für das Studium karolingischer Klassikerkommentare sind Grundkenntnisse in der lateinischen Stenographie unerlässlich, da karolingische Gelehrte sie häufig verwendeten.Die Übung beginnt mit der aktiven Erlernung eines Grundwortschatzes der tironischen Noten. Beim Lesen von Vergil-Glossen, in denen vereinzelte Wörter stenographisch geschrieben sind, werden die Grundkenntnisse erprobt. Schließlich wird der Umgang mit einschlägigen Hilfsmitteln zum Entziffern schwierigerer Passagen eingeübt. Der Kurs erstreckt sich über 12 Doppelstunden, die in drei Blöcken abgehalten werden:

Do 1.VI. 14.00-20.00

Do 8.VI. 14.00-20.00

Sa 22.VII. 8.00-16.00

 

Übung

Paläographie I: Von den spätantiken Majuskelschriften zur karolingischen Minuskel (für Anfänger)
2st., Mi 9.15-10.45 Vorb.: Dr.Licht

Die Übung führt in das Lesen, Benennen und Datieren alter Schriften anhand von Kopien aus Tafelwerken ein.

 

Lektüre/Übung

Pseudo-Ovid, De vetula

2st., Fr 12.15-13.45 Beginn: Prof.Walz

Die ca. 2400 Hexameter umfassende Dichtung De vetula gibt vor, die Autobiographie Ovids zu sein, die dieser als letztes Werk am Ende seines Lebens verfaßt und als geistiges Vermächtnis mit ins Grab genommen haben soll. Doch erst um die Mitte des XIII. Jahrhunderts sei das Grab des römischen Dichters und damit auch De vetula wieder entdeckt worden. Das in diese Zeit zu datierende Werk über Liebe, Naturphilosophie und Theologie, dessen Autor immer noch nicht eindeutig erwiesen ist, ist ein originelles Zeugnis der aetas Ovidiana und enthält alle Züge des mittelalterlichen Ovidbildes. - Text: Pseudo-Ovidius, De vetula, hg. von P. Klopsch, Leiden-Köln 1967.

Lectura Vulgatae: Johannes-Evangelium (für Interessierte aller Fächer)

2st., Mo 16.15-17.45 Beginn: Dr. Köhler

In principio erat verbum … Mit dem Johannes-Evangelium soll die Lektüre der lateinischen Bibel, eines Grundtextes unserer Kultur, wieder aufgenommen werden. Entsprechend ist der Kurs für Studierende vieler Fächer (z.B. Theologie, Romanistik, Germanistik, Kunstgeschichte) ebenso wie für allgemein Interessierte offen. Die Anschaffung der "Stuttgarter Vulgata" (Biblia sacra iuxta vulgatam versionem, vierte, verbesserte Auflage Stuttgart 1994) wird auf längere Sicht empfohlen, es werden jedoch auch Kopien ausgegeben.

Gregor v.Tours: Historiae Francorum (auch für Historiker und Romanisten)
2st., Mi 11.15-12.45 Beginn: Dr.Licht

Die 10 Bücher Frankengeschichte Gregors gehören zu den Klassikern der frühmittelalterlichen Historiographie. Der Verfasser aus gallorömischem Adel war von 573-594 Bischof von Tours, damit einer der ranghöchsten 'Politiker' im Frankenreich und vielfach in die Ereignisse involviert, die er mit viel Sinn für Persönliches, Stimmung und Dramatik zu schildern wußte. Sein Wunsch war es, von vielen verstanden zu werden; Gregors Latinität zeigt entsprechende Nähe zur Volkssprache. Anhand der Historiae Francorum sollen im Plenum die Übersetzung geübt und Sprachcharakteristika besprochen werden. Die Übung eignet sich für Historiker und Romanisten gleichermaßen, steht darüber hinaus jedem mittellateinisch Interessierten offen. Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt. Zur Einführung: Gregor von Tours, Zehn Bücher Geschichten, bearb. von R.Buchner, Darmstadt 1977 (Freiherr vom Stein - Gedächtnisausgabe), Einleitung.

 

Colloquium Neolatinum

De historia Collegii Societatis Jesu Heidelbergensis

2st., Mi 16.15-17.45 Beginn: Dr.Schouwink

Societatis Jesu Heidelbergensis fortuna mutabilis et etiam Universitati nimis implicata haud crebro curiositatem publicam movisse videtur. Satis constat hanc Civitatem, quae anno MDCXXIV panegyrice "soror Genevae" appellata est, illius Ordinis praesentiam aegre tulisse. Nihilominus fuerunt auctores Societatis Jesu, qui fata collegii poetice et prosaice elucidaverunt, id est primordia modesta, expulsiones varias necnon operam multifariam electoribus catholicis favendis. Textus e libris raris et ex archivo Universitatis nostrae desumpti pretio modico in aedibus Seminarii acquiri poterunt. Usus quidam peculiaris anno MMV ceptus continuabitur: Sodales invitantur non solum ad materiae historicae lecturam, sed etiam ad oratiunculam latinam proferendam.

 

 

 

Alle Veranstaltungen mit Ausnahme des Seminars Dante, De vulgari eloquentia (PD Dr.Wilhelm) finden im Raum 012 des Mittellateinischen Seminars statt.

Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars für das Französischstudium kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.


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