Ausblick

Wie die vorliegende knappe Dokumentation des vielfältigen wissenschaftlichen und kulturellen Engagements der Seminarmitglieder und Studierenden zeigt, gibt es allen Grund dazu, der künftigen Entwicklung erwartungsfroh entgegenzusehen. Schon jetzt läßt sich absehen, daß die Heidelberger Anglistik in den nächsten Rankings viel besser abschneiden wird als in der Zeit, in der die Aufgaben mehrerer Lehrstühle von Vertretungen übernommen wurden und die gesamte Arbeit in Lehre und Forschung mit einem arg reduzierten Staff geleistet werden mußte. Obgleich der Lehrstuhl in der Linguistik erst im Sommersemester 2003 besetzt werden wird und die Zahl der literaturwissenschaftlichen Professoren, wenn man die Relation zu den zu betreuenden Studierenden berücksichtigt, prozentual weit unter der vergleichbarer Anglistischer Seminare liegt, wird das Heidelberger Anglistische Seminar bereits in diesem Jahr im wichtigen Bereich der Forschungs- und Publikationstätigkeit voraussichtlich sehr gut abschneiden, vielleicht sogar in der Spitzengruppe liegen.

Zusätzlich zur 'üblichen' Seminararbeit in Forschung und Lehre sind im vergangenen Semester jedoch auch wichtige Weichen für die zukünftige Entwicklung des Seminars gestellt worden. So konnte in unserer 'Strukturkommission' und in Dienstbesprechungen Einigkeit darüber erzielt werden, daß das Profil unseres Seminars stärker herausgebildet und neuesten wissenschaftlichen sowie kulturpolitischen Tendenzen Rechnung getragen werden soll. Insbesondere wurden drei richtungsweisende Entscheidungen getroffen, deren Umsetzung allerdings noch der Überwindung zahlreicher institutioneller und struktureller Hindernisse bedarf:

Erstens wurde beschlossen, einen Eignungsfeststellungstest zu konzipieren, um angehende Studierende frühzeitig über Ihre Eignung für das Studium der Anglistik zu informieren. Diesem Entschluß, der vielen von uns nicht leichtgefallen ist, liegt maßgeblich die Einsicht zugrunde, daß qualitativ hochwertige wissenschaftliche Lehre nur dann möglich ist, wenn die Teilnehmerzahlen einzelner Seminare in einigermaßen erträglichen Grenzen gehalten werden. Darüber hinaus gebietet es die Fairneß gegenüber angehenden Studierenden, ihnen frühzeitig Orientierungshilfen zu geben und sie nicht – wie so oft – erst durch einen längeren und schmerzlichen Erfahrungsprozeß lernen zu lassen, daß sie für andere Studiengebiete vielleicht besser geeignet sind als für das Studium der Anglistik. Einen hinreichend differenzierten, fairen und aufschlußreichen Test zu entwickeln und einen Beschluß über den Grad seiner Verbindlichkeit zu fassen, wird zu unseren Aufgaben im kommenden Sommersemester gehören.

Zweitens wurde entschieden, einen BA-Nebenfachstudiengang zu entwickeln und einzurichten. Wie erste Entwürfe für eine entsprechende Studienordnung bereits dokumentieren, ist auch geplant, zu diesem Zweck neue Kurse zu konzipieren, obwohl dies die ohnehin dünne Personaldecke des Seminars zusätzlich arg strapazieren wird. Erste Überlegungen über die Inhalte der Kurse, die unter der Leitidee der Intercultural Communication in dem BA-Studiengang angeboten werden sollen, sind bei den Studierendenvertretern bereits auf großes Interesse gestoßen. Eine genaue Planung des Studienganges unter Berücksichtigung sämtlicher formaler und inhaltlicher Vorgaben des Ministeriums wird ebenfalls im kommenden Sommersemester in Angriff genommen.

Drittens wurde in wesentlichen Punkten Einigkeit über die Profilbildung des Anglistischen Seminars erzielt. Dabei stellte sich heraus, daß die angestrebte kulturwissenschaftliche Öffnung nicht nur ein besonderes Anliegen der Literaturwissenschaft darstellt. Vielmehr haben sich auch die Lehrenden in der Heidelberger Sprachpraxis schon seit langem – und zwar bevor die Kulturwissenschaften in aller Munde waren – in der Vermittlung grundlegender landeskundlicher Kenntnisse große Verdienste erworben. Im Gegensatz zu vielen anderen Anglistischen Seminaren, in denen die Linguistik häufig eher strukturalistisch ausgerichtet ist, wird die kulturwissenschaftliche Profilbildung auch von den Dozenten der Heidelberger Sprachwissenschaft mit großem Engagement unterstützt. Da auch die gerade neu berufene künftige Lehrstuhlinhaberin in der Linguistik einer kulturwissenschaftlichen Öffnung gegenüber sehr aufgeschlossen ist, besteht begründeter Anlaß zu der Hoffnung, daß das Engagement für eine kulturwissenschaftliche Profilbildung sich schon in naher Zukunft positiv sowohl in Forschung und Lehre als auch im Hinblick auf die Außendarstellung und das Ansehen des Seminars niederschlagen wird.

Wenn man den Blick etwas in die Zukunft richtet, so geben auch aktuelle Entwicklungen im Bereich der Doktorandenausbildung – die am Anglistischen Seminar der Universität Heidelberg, wie das CHE-Ranking bezeugt, immer schon sehr gut war – Anlaß zu Hoffnungen auf weitere Verbesserungen. So wird von der Geschäftsführung seit Monaten intensiv an der Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten Konzepts zur Reform der Doktorandenausbildung gearbeitet, während unabhängig davon in der vergangenen vorlesungsfreien Zeit von engagierten Doktoranden und Doktorandinnen eine Initiative zur Verbesserung der Doktorandenbetreuung ins Leben gerufen wurde. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten läßt ebenso wie das intensive Engagement aller mit der Doktorandenausbildung betrauten Seminarmitglieder hoffen, daß hier die vielbeschworenen Synergieeffekte erzeugt werden. Obgleich die ersten Gespräche erst im Februar und März geführt wurden, sind bereits für das Sommersemester zwei neue, zusätzlich zum üblichen Lehrangebot eingerichtete Veranstaltungen – ein allgemeines Doktorandenkolloquium und eine 'Doktorandenringvorlesung' – eingerichtet, und weiterreichende Planungen für die Schaffung einer Infrastruktur eingeleitet worden.

Obgleich das Anglistische Seminar die Aufgaben in Forschung und Lehre mit einem im Vergleich zu unserer großen Studentenzahl sehr kleinen Staff bewältigen muß, ist somit nicht nur im Verlauf des letzten Jahres schon sehr viel erreicht worden, sondern es besteht auch aller Grund, der weiteren Entwicklung in Lehre, Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses mit erwartungsfroher Spannung und begründeter Zuversicht entgegenzusehen.

 

 

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