Medizinische Ethik 
am Beginn des 21. Jahrhunderts

Theoretische Konzepte, Klinische Probleme, Ärztliches Handeln 

Herausgeber:
Axel W. Bauer

Reihe "Medizin im Dialog"

Johann Ambrosius Barth Verlag
Heidelberg und Leipzig
1998

ISBN 3-335-00538-4
XIV, 257 Seiten

Rezension von Gisela Klinkhammer im Deutschen Ärzteblatt 95 (1998) A-1344.

Ethik in der Medizin sowie ihre Nuancen Medizinische Ethik, Medizinethik und Bioethik haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung für Forschung, Lehre und Krankenversorgung gewonnen. Eine zunehmend sensibilisierte und kritische Öffentlichkeit diskutiert bioethische Probleme in kirchlichen Akademien und Arbeitskreisen, in Fortbildungsseminaren für Ethiklehrer, in Zeitschriften, Magazinen, Hörfunk- und Fernsehsendungen sowie weltweit im Internet. Die wissenschaftliche Medizin steht dabei in der doppelten Pflicht, möglichst hochwertige Fachinformationen bereitzustellen und kontroverse Ansichten dialogisch zu reflektieren. Bioethische Fragen können nicht am grünen Tisch entschieden werden, hier bedarf es eines gesellschaftlichen Konsenses mit allen beteiligten Gruppen und mit den von einer konkreten Entscheidung persönlich Betroffenen.

Entsprechend dem Mannheimer Konzept einer Ausbildung in Medizinethik werden in diesem Buch ethische wie fachliche Aspekte miteinander verbunden und im Kontext entwickelt. Die Wahrnehmung bioethischer Probleme läßt sich mit der Ausbildung, der Weiter- und Fortbildung in den einzelnen medizinischen Disziplinen sinnvoll kombinieren. Diese inhaltliche Ausrichtung erfüllt die berechtigte Forderung nach einer qualifizierten Lehre in Medizinischer Ethik, sie nimmt aber auch die Chance zur Darstellung und kritischen Diskussion der wissenschaftlichen Aktivitäten einer forschungsorientierten Heilkunde wahr.

Die 20 Beiträge dieses interdisziplinär angelegten Bandes zeigen, daß auch medizinethische Probleme vor ihrem sozialen und historischen Kontext betrachtet werden müssen. Moralische Werte sind von Menschen für bestimmte Zwecke geschaffene und von Menschen in konkreten Situationen interpretierte institutionelle Tatsachen mit Zeichencharakter. Sie sind wie alle Zeichen veränderbar und bedürfen daher stets aufs neue der gesellschaftlichen Vereinbarung.

Das Buch wendet sich an Medizinstudenten und Hochschullehrer der theoretischen wie der klinischen Fachgebiete, an Medizinpsychologen und Medizinsoziologen, an Ärzte sämtlicher Fachrichtungen, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegeberufen und in der Seelsorge, an Gesundheitsökonomen, Gesundheitspolitiker und Juristen, an Bioethiker und Biophilosophen sowie an alle Patientinnen und Patienten.

Inhaltsverzeichnis



Geleitwort
Klaus van Ackern, Mannheim



1 Braucht die Medizin Werte? Reflexionen über methodologische Probleme in der Bioethik
Axel W. Bauer, Mannheim

1.1 Werte als Zeichen: Sind "results" und "values" vergleichbar?
1.2 Das Beispiel "Menschenwürde"
1.3 Vom Untergrund der Werte: Metaethische Reflexionen
1.4 Werte als Zeichen: Vom schwankenden Boden der Bioethik



2 Leben oder Überleben - ein Dilemma der Chirurgie
Michael Trede, Mannheim

Diskussion (14.11.1995)



3 Der Geburtshelfer zwischen biomedizinischer Technik und Humanität
Frank Melchert, Mannheim

3.1 Pränatale Diagnostik
3.2 Frühgeburtlichkeit und Intensivmedizin
3.3 Resümee

Diskussion (21.11.1995)



4 Menschliche Genomanalyse: Auf dem Weg zu einer prädiktiven Medizin?
Thomas Cremer, München

4.1 Die prädiktive Medizin und ihre Ziele
4.2 Das menschliche Genomprojekt: Genkartierung und Genklonierung als Grundlage der prädiktiven Medizin
4.3 Prädiktive Medizin bei Erkrankungen mit Mendelschen Erbgängen: Beispiel familiärer Brustkrebs
4.4 Prädiktive Medizin bei multifaktoriell bedingten Erkrankungen
4.5 Prädiktive Medizin und Versicherungsschutz
4.6 Prädiktive Medizin als Wegbereiter für die Verwirklichung eugenischer Utopien?



5 Therapiestudien beim Schlaganfall. Zur Problematik der Therapieforschung beim nichteinwilligungsfähigen Patienten
Michael G. Hennerici, Mannheim

5.1 Individuelle Pathogenesediagnostik
5.2 Bewußtseinsstörungen als Problem klinischer Studien
5.3 Synergistische und Fernsymptome zerebraler Ischämien
5.4 Variabler Zeitverlauf zerebraler Ischämien
5.5 Aktuelle Therapiekonzepte
5.6 Fragen zu Therapiestudien

Diskussion (12.12.1995)



6 Westliche Medizin in nicht-westlichen Kulturen. Beschreibung eines Prozesses professioneller und wissenschaftlicher Wahrnehmung und Realität
Hans Jochen Diesfeld, Heidelberg

6.1 Definition von Medizin und Kultur, transkulturelle Übertragung von Medizin in ihrer geschichtlichen Dimension und der Absolutheitsanspruch moderner Medizin
6.2 Ethische Probleme, die sich hieraus ergeben

Diskussion (16.1.1996)



7 Ethische Probleme bei klinischen Studien: Wissenschaftliche Grundlagen und rechtliche Aspekte
Björn Lemmer, Mannheim

7.1 Das Arzneimittelgesetz
7.2 Revidierte Deklaration von Helsinki
7.3 Grundsätze zur ordnungsgemäßen Durchführung der klinischen Prüfung von Arzneimitteln
7.4 Verfahrensgrundsätze für Ethik-Kommissionen
7.5 Ethik-Kommission der Landesärztekammer Baden-Württemberg (Auszug)
7.6 Antragsformular der Frankfurter Ethik-Kommission
7.7 Beispiel einer Informations- und Einverständniserklärung
7.8 Resümee

Diskussion (23.1.1996)



8 Klinische Fehlbeurteilung im Spiegel des Auftrags der Pathologie
Uwe Bleyl, Mannheim

Diskussion (30.1.1996)



9 Intensivmedizin zwischen Faszination und Wirklichkeit
Hans-Joachim Bender, Mannheim

Diskussion (6.2.1996)



10 Depression, Suizid und Willensfreiheit: Ist die Zwangseinweisung gegen den Willen eines Patienten ethisch zu rechtfertigen?
Fritz A. Henn, Mannheim

Diskussion (30.4.1996)



11 Sinn und Grenzen der palliativen radiologischen Behandlung von Tumorpatienten
Max Georgi, Mannheim

Diskussion (7.5.1996)



12 Ethische Fragen bei der Behandlung kinder- und jugendpsychiatrischer Störungen
Martin H. Schmidt, Mannheim

12.1 Aufklärung über Nutzen und Risiken einer Psychotherapie
12.2 Probleme bei der Anwendung von Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter
12.3 Probleme bei der Forschung an psychisch kranken Kindern und Jugendlichen
12.4 Resümee und Ausblick

Diskussion (14.5.1996)



13 Prävention von Krankheiten - wichtiger als Therapie?!
Herbert Hof, Mannheim

Diskussion (4.6.1996)



14 Zur Problematik des Hirntodes
Peter Schmiedek und Bernd Pohlmann-Eden, Mannheim

14.1 Die Sichtweise des Neurochirurgen (Peter Schmiedek)
14.2 Die Sichtweise des Neurologen (Bernd Pohlmann-Eden)

Diskussion (11.6.1996)



15 Ärztliches Selbstverständnis und ärztliches Handeln
Dieter Ludwig Heene, Mannheim

15.1 Der ärztliche Auftrag
15.2 Die Erwartungen des Patienten an den Arzt
15.3 Ärztliches Selbstverständnis und ärztliches Handeln in Gegenwart und Zukunft

Diskussion (18.6.1996)



16 Die Medizin in der Informationsgesellschaft: Chancen und Risiken
Reinhold Haux, Heidelberg

16.1 Medizin und Informationsgesellschaft
16.2 Was kann, ja sollte eine systematische Informationsverarbeitung in der Medizin und im Gesundheitswesen leisten?
16.3 Welche Chancen, welche Risiken bestehen für die Medizin im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Informationsverarbeitung?
16.4 Welche Rolle kann und sollte der Arzt in der "Informationsgesellschaft" einnehmen?



17 Das deutsche Krankenhauswesen - spezifische Probleme und Perspektiven aus der Sicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)
Wolfgang Pföhler, Mannheim

17.1 Das deutsche Gesundheitssystem: Strukturen - Leistung - Finanzierung
17.2 Verknappung der finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen
17.3 Strukturveränderungen im Krankenhaus / Umgang mit knappen Krankenhausbudgets
17.4 Perspektiven für die Stellung des Arztes im Krankenhaus
17.5 Qualitätssicherung
17.6 Die Bedeutung der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Landeskrankenhausgesellschaften



18 Über einige Lehr-Lern-Erfahrungen an der Universität Ulm zur Ethik in der Medizin
Gerlinde Sponholz und Helmut Baitsch, Ulm

18.1 Zur Einleitung ein aktueller Anlaß
18.2 Immer wieder Fragen über Fragen
18.3 Unsere Lehr-Lernkonzeption, ihre Theorie und ihre Praxis



19 Medizinethische Ausbildung - Eintagsfliege oder Dauerbrenner?
Heiko Faber, Mannheim

19.1 Einblicke in die medizinethische Ausbildung in Deutschland
19.2 Aspekte und bisherige Bedeutung medizinethischer Ausbildung
19.3 Aktuelle Konzepte zur Verbesserung der medizinischen Ausbildung
19.4 Lehrkonzepte innerhalb medizinethischer Ausbildungsprojekte
19.5 Interdisziplinäre Vortragsreihe "Medizinische Ethik: Theoretische Konzepte, Klinische Probleme, Ärztliches Handeln"
19.6 Medizinethische Ausbildung am Mannheimer Klinikum
19.7 Ausblick in die Zukunft



20 Zum Verhältnis von Medizin, Recht und Ethik
Brigitte Tag, Heidelberg

20.1 Einführung in den Problemkreis
20.2 Das Drohen einer Strafverfolgung
20.3 Zur Ethik in der Medizin



Bibliographie

Personenverzeichnis

Sachregister

Kurzbiographien der Autoren

Autorenverzeichnis

 
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