Im Vordergrund
stehen die Substanzklassen Alkaloide, Herzglykoside und Terpene. Neben der Frage
ihrer Analytik und Strukturaufklärung mittels MS und NMR interessiert uns ihre
Biosynthese, Kompartimentierung, Fern- und Nahtransport (insbesondere die Mechanismen
des Transports über Biomembranen), Turnover und ihre Regulation. Dieses Basiswissen
wollen wir nutzen, um pflanzliche Sekundärstoffe in Zell- und Organkulturen (z.B.
Wurzelkulturen, die mit Agrobacterium rhizogenes transformiert wurden) zu produzieren,
aber auch um zu verstehen, wie, weshalb und wozu solche Verbindungen von der Pflanze
synthetisiert werden. In diesem Zusammenhang untersuchen wir die biologische Wirkung
und die Wirkorte ("Molekulare Targets") der isolierten Naturstoffe in Organismen,
die mit den Pflanzen in Konkurrenz stehen oder diese als Nahrungsquelle ausbeuten
(pathogene Mikroorganismen und Pflanzenfresser). Viele der Sekundärstoffe sind
chemische Abwehr- oder Signalsubstanzen, die in der Evolution auf bestimmte Zielstrukturen
hin optimiert wurden (sog. "evolutionäres molekulares Modelling"). Über diese
Analysen kann die Wirkungsweise der Naturstoffe besser verstanden werden, die
dann möglicherweise als neue Wirkstoffe direkt oder nach partialsynthetischer
Abwandlung im Bereich Medizin/Pharmazie oder Landwirtschaft eingesetzt werden
könnten.
Analytik
von Naturstoffen
Nur ca. 15-20% aller Pflanzen wurden bislang
phytochemisch bearbeitet. Deshalb ist es nach wie vor wichtig, die Zusammensetzungen
und Strukturen pflanzlicher Naturstoffe zu untersuchen, um neue Wirkstoffe zu
finden (Bioprospektion). Hierzu setzen wir chromatische Verfahren wie GLC, HPLC
insbesondere spektroskopische Methoden wie MS und NMR ein. Ein Schwerpunkt liegt
auf der Analytik der Chinolizidin-, Pyrrolizidin-, und Tropanalkaloide, Herzglykoside,
Terpene (Mono-, Sesqui- und Diterpene, Saponine) und Phenole (Isoflavone). Neben
der Analyse von Pflanzen wird auch die chemische Zusammensetzung phytophager Insekten
sowie der Metabolismus und Abbau von Sekundärstoffen in Tieren und in der Umwelt
(Wasser, Boden) bearbeitet.
Beteiligte Mitarbeiter: F. Sporer,
B. Wetterauer, T. Kuljanabhagavad ; Alumni: Dr.
M. Distl, Dr. A. Hundsdörfer, Dr. P.
Ibieta, Dr. K. Sesterhenn, Dr.
J. Tshibangu, Dr. S. Dej-Adisai,
Dr. A. Tei, Dr. J. Emmert, Dr. R. Zayed, Prof. Dr. Assem El-Shazly (Zagazig),
Dr. Girma Woldemichael, Dr. M.-S. Wahrendorf, Dr. K. Bermudez Torres, Dr. K. Asres
(Äthiopien), C. Meißner, Dr. M. Sauerwein
Analytik
von Alkaloiden
Forschungsprojekt
Nahrungsmittelsicherheit der Landesstiftung Baden-Württemberg
Entwicklung
verlässlicher Nachweisverfahren für toxische Steroid-Glycoalkaloide
in Kartoffeln, Tomaten und daraus zubereiteten Produkten
Biochemie
des Sekundärstoffwechsels
Arbeiten
zu Biosynthese, Transport, Kompartimentierung und Abbau von pflanzlichen Sekundärstoffen
(insbesondere Alkaloide, Iridoidglykoside, Flavonoide) in Zellsuspensions- und
Wurzelkulturen. Parallel dazu werden die Prozesse in der intakten Pflanze analysiert.
Die Arbeiten erfolgen auf physiologischer, biochemischer und molekularbiologischer
Ebene. In diesem Rahmen wird auch die Funktion der nach Transformation und Agrobakterien
produzierten Opine untersucht. Die Biosynthese-, Transport- und Regulationsprozesse
bei der Produktion von Naturstoffen sind protein- bzw. enzymabhängig und damit
letztendlich genkodierte Prozesse. Ein weiteres Ziel unserer Forschung ist die
Isolierung der Gene der Sekundärstoff-Biosynthese und deren Membrantransport.
Bislang ist es uns gelungen, eine Lysindecarboxylase-Gen aus Bakterien zu isolieren
und das rekombinant zu exprimieren. Unter den Transportproteinen gelang es, aus
einer cDNA das Gen für einen Glucose-Transporter zu isolieren und in Hefe zu rekonstituieren.
Langfristig könnten die Ergebnisse dieser Forschung genutzt werden, um Biosynthesewege
in andere Pflanzen zu überführen und damit eine Resistenzsteigerung gegenüber
Herbivoren zu erreichen. Zum anderen wird es vermutlich möglich sein, solche Gene
in Mikroorganismen zu exprimieren und in diesen Alkaloide herstellen zu lassen,
so wie man jetzt bereits bei der Antibiotikaproduktion in Fermentern verfährt.
Beteiligte Mitarbeiter: H. Staudter, K. Varga, B. Wetterauer; Alumni:
Dr. K.
Sesterhenn, Dr. E. Wildi, Dr.
M. Distl, Dr. J. Tshibangu, Dr. R.
Perrey, Dr. R. Warskulat, Dr. T. Schwend, I. Redwanz, Dr. P. Lehmann, Dr. M. Hanke,
M. Schneider, M.T. Hauser, Dr. P. Mende
Kooperation: Firma Rootec (Heidelberg),
Prof.
A.-W. Alfermann (Düsseldorf), Firma
Wild, P.
Lehtonen (Finnland), Prof AP Rauter (Portugal),
Molekulare Targets pflanzlicher Sekundärstoffe
Pflanzen produzieren Alkaloide und andere Sekundärstoffe primär zur chemischen
Verteidigung. In diesem Projekt wird bei ca. 100 ausgewählten Naturstoffen getestet,
ob sie mit DNA, der Proteinbiosynthese, den Biomembranen, Neurorezeptoren, Ionenkanälen
und Signaltransduktion interagieren oder Apoptose auslösen können. Außerdem werden
ihre antibakteriellen, antifungalen, insektiziden und herbiziden Eigenschaften
bestimmt. Diese Arbeiten dienen zum besseren Verständnis der Evolution der chemischen
Verteidigung bei Pflanzen und zum Abklären, ob und wie das "evolutionäre molecular
Modelling" stattgefunden hat. Zum anderen sollen neue Wirkstoffe für Landwirtschaft
und Medizin/Pharmazie entdeckt werden.
Beteiligte
Mitarbeiter: H.
Staudter, F. Sporer, F. Herrmann, D. Kaufmann, L. Zhao, S. Mulyaningsih, E. Nibret
Semegn, S. Abbas, M. Abdi-Saidami, S. Y. M. Eid, G. Pakalapati, M. Ashour, A.
Tahrani, A.-L. Bohlender, M. Z. El-Readi,
T. Kuljanabhagvad,
K. Varga, B.Wetterauer, Alumni: Dr.
M. Möller, Dr. V. Rosenkranz, Dr. J. Schabacker, Dr.
S. K. Noureni, Dr. Y. Ma, Dr.
K. Sesterhenn, A. Starke, Dr. R. Aguiar,
Dr. V. Theile, Dr. B. Latz-Brüning, Dr. M.-S. Wahrendorf, Dr. S. Minas, Dr. T.
Schmeller, Dr. F. Holzinger,
Kooperation: Prof.
Fink & Mitarbeiter (Heidelberg), Prof. Y. Zu, Dr.J. Fu (Harbin University),
Schwabe GmbH, Wild GmbH, Dr. S. Chrubasik, Dr. T. Ruppert (ZMBH, Heidelberg),
Dr. D. Steverding (Norwich), Prof. Dr.A. Ruppel (TMH),
Klonierung
und Charakterisierung von Transporter-Proteinen
Der Transport
polarer Metaboliten über den Tonoplasten in die Vacuole spielt für Pflanzen eine
überaus wichtige Rolle. Ziel des Projektes ist die Klonierung der zugehörigen
Membrankarrier, ihre Expression und Modulation. Weitere Transporter von Interesse
sind der Glucosetransporter, Na-K-ATPase und ABC Transporter, die für den Transport
von Naturstoffen im Körper verantwortlich sein können.
Beteiligte
Mitarbeiter: Dr. H. Schäfer, Alumni: Dr.
J. Schabacker, Dr. Y. Ma, A. Starke, Dr.
A. Szenthe, Dr. T. Schwend
Kooperation: Prof.
Fricker (Heidelberg); Prof Dr. U. Lüttke (Darmstadt)