Im Verlauf der Evolution haben sich viele Schadorganismen an ihre Wirtspflanzen
und damit an deren Abwehrchemie angepaßt. In diesem Zusammenhang untersuchen wir
auf biochemisch-molekularbiologischer Ebene pflanzenfressende Insekten, deren
Anpassung bereits soweit fortgeschritten ist, daß sie die von der Pflanze produzierten
Allelochemikalien aufnehmen und in vielfältiger Weise nutzen, z.B. als Verteidigungssubstanzen,
Pheromone oder Morphogene. Insbesondere gehen wir der Frage nach, wie solche Organismen
Sekundärstoffe aus dem Darm resorbieren (Sekundärstoff-Carrier), im Integument
speichern und wie es ihnen gelingt, sich selbst vor den an sich toxischen Eigenschaften
der pflanzlichen Abwehrstoffe zu schützen ("Target-site-Modifikation"). Die Frage
lautet, wie viele evolutionäre Schritte, z.B. Mutationen sind notwendig, um eine
solche Anpassung zu ermöglichen. So haben wir z.B. beim Monarchfalter zeigen können,
dass die Na+,K+-ATPase durch eine Punktmutation in der Herzglycosidbindungsstelle
für Herzglycoside unempfindlich gemacht wurde.
Aber auch Abbau und Metabolisierung
spielen eine große Rolle, mit der sich Pflanzenfresser vor den Nahrungsgiften
schützen. In diesem Zusammenhang wurden Wiederkäuer, Nacktschnecken und Schwärmer
genauer untersucht.
Aufnahme
und Speicherung von Sekundärstoffen in Insekten
Eine Reihe von
pflanzenfressenden Insekten nimmt die Giftstoffe ihrer Wirtspflanzen auf und setzt
sie zur eigenen Verteidigung ein. Die zugrundeliegenden physiologischen Mechanismen
für Transport und Speicherung werden insbesondere bei Manduca sexta (Nicotin),
Schwärmern (Phorbolester), Arctiiden (Pyrrolizidinalkaloide), Lycaenidae (Cycasin),
Danaiden (Herzglykoside) und Aphiden (Chinolizidinalkaloide) untersucht.
Beteiligte Mitarbeiter: F. Sporer, A. Backhaus; Alumni:
Dr. A. Hundsdörfer , Dr. J. Tshibangu,
Dr. R. Aguiar, Dr. V. Theile, Dr. E. von Nickisch-Rosenegk, Dr. F. Holzinger,
Dr. C. Frick,
Kooperation: Prof. Dr. D. Schneider (MPIV, Seewiesen);
Dr. M.L. Cipolini (USA), Dr. F. Lounibos (Florida),
Sekundärstoffe im Nektar
Pflanzen
locken Insekten zur Blütenbestäubung an und belohnen sie mit Nektar. Neben Zucker
und Aminosäuren enthält Nektar bei einigen Pflanzen auch toxische Sekundärstoffe.
Die Bedeutung der Sekundärstoffe im Nektar wird nur unvollständig verstanden.
Über Nektar und Pollen können toxische Sekundärstoffe auch im Honig auftauchen.
Beteiligte
Mitarbeiter: A. Backhaus, F. Sporer; Alumni:
A. Detzel, Dr.
M. Distl,
Kooperation: Prof. I. Izhaki (Israel), Dr. Lynn Adler (USA)