Einleitung
Zehn Jahre nach Ende der Apartheid ist Südafrika im Aufbruch.
Die Isolation wurde nicht zuletzt auch aufgrund der Integrationsfigur
Nelson Mandelas innerhalb kurzer Zeit überwunden. Inzwischen haben
sich nicht nur auf wirtschaftlicher sondern auch auf wissenschaftlicher
Ebene viele Kontakte mit dem Ausland entwickelt. So gibt es bereits
seit mehreren Jahren eine enge Kooperation zwischen den Instituten
"Botany/ Plantkunde" der Rands Afrikaans University (RAU) in Johannesburg
und dem "Institut für Pharmazeutische
Biologie" der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Von Ende August
bis Mitte September diesen Jahres war es zum ersten Mal möglich, in
Südafrika eine gemeinsame botanische Exkursion für Studenten beider
Universitäten unter Leitung von Prof. Dr. Ben-Erik van Wyk (Johannesburg)
und Prof. Dr. Michael Wink (Heidelberg) durchzuführen.
Aufgrund der steigenden Anzahl südafrikanischer Heilpflanzen auf dem
deutschen Arzneimittelmarkt ein sinnvolles Vorhaben, das im Rahmen
der für die Studenten vorgeschriebenen Exkursionen und Bestimmungsübungen
erfolgte. Die Fülle an potentiellen neuen Heilpflanzen läßt sich schon
in der immensen Artenvielfalt der südafrikanischen Flora erahnen.
Man schätzt, dass hier etwa 24 000 Pflanzenarten vorkommen, das sind
etwa dreimal mehr als in ganz Europa. Bemerkenswert ist der hohe
Endemitenanteil von ca. 80%, also Pflanzen, die nur in Südafrika
vorkommen.
Doch wodurch kommt dieser Artenreichtum zustande? Entscheidend
hierfür ist sicherlich die extreme Heterogenität der geographischen
und klimatischen Gegebenheiten. Im Landesinneren befindet sich das
Highveld, eine Hochebene auf über 1500 m Höhe, die nach Westen kontinuierlich,
nach Osten und Süden dagegen in mehreren, immer wieder durch Gebirgsketten
voneinander getrennten Stufen abfällt. Die Folge davon sind regenreiche
Gebiete im Vorstau der Gebirge und sehr aride Gebiete auf deren Leeseite.
Die niedriger gelegenen Küstenregionen werden insbesondere durch die
Meeresströmungen beeinflusst. Der kalte Benguelastrom im Atlantik
führt zu wüstenähnlichen Gebieten an der Westküste, während der warme
Agulhasstrom im Indischen Ozean regelmäßig für Niederschläge an der
Südostküste sorgt. Hinzu kommt der Einfluss der Jahreszeiten. Im Norden
des Landes herrscht durch die Verlagerung der innertropischen Konvergenzzone
nach Süden Sommerregen vor, während das südliche Südafrika im Winterregengebiet
liegt.
Für einen ersten Überblick über die Flora Südafrikas lässt diese sich
grob in sechs verschiedene Vegetationstypen unterteilen:
Im sogenannten Lowveld, einer Tiefebene, die sich im Nordosten Südafrikas
bis zur Grenze nach Mozambique erstreckt, findet man buschförmige
Feuchtsavanne. Auf der Hochebene zwischen Johannesburg und Bloemfontein
ist Grasland vorherrschend, das nach Westen hin in die Karoo
übergeht, eine Halbwüste, die sich bis zum Atlantik erstreckt.
Südlich schließt sich der Fynbos an, die charakteristische
Buschvegetation der Kapregion. Nach Osten hin geht der Fynbos in die
humiden und subhumiden Wald- und Savannengebiete des küstennahen
Tieflands über. Hier findet man auch die letzten Reste des afromontanen
Regenwaldes. Unser besonderes Interesse galt der Kapflora, die
sich aus Fynbos, afromontanem Regenwald, Teilen der Buschsavannen
sowie den südlichen Ausläufern der Karoo zusammensetzt.
Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wird die Kapflora als eines der weltweit
sechs terrestrischen Florenreiche beschrieben. Mit einer Fläche der
Größe Portugals ist das Kapflorenreich nicht nur das bei weitem kleinste,
sondern gleichzeitig das artenreichste Florenreich der Welt. Europa
gehört z.B. zum borealen Florenreich, das die gesamte nichttropische
nördliche Hemisphäre umfasst.
Der
ausfürliche Bericht wurde in der Deutschen Apothekerzeitung
DAZ, 142. Jahrgang, Nr. 17 vom 25.04.2002 auf den Seiten 60
bis 66 veröffentlicht.
Autoren:
Daniela Guicking, Maren Möller, Matthias Reich, Vera Rosenkranz,
Jens Treutlein und Marit-Saskia Wahrendorf
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