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Was Wir Machen
Einige
unserer derzeitigen Forschungsbereiche beinhalten folgende Untersuchungen
grundlegender geochemischer Prozesse
- Geschwindigkeit
und Mechanismus der chemischen Verwitterung gesteinsbildender Mineralien,
einschließlich Reaktionsstudien an der Gestein/Wasser Grenzfläche
- Chemische
und isotopische Entwicklung von aus der Gesteinsverwitterung stammenden
Aerosolen und deren Veränderung mit dem holozänen Klimawandel
- Geochemische
Studien an Seesedimenten und Torfarchiven, einschließlich chemischer
Verwitterung und Frühdiagnese
- Physikalische
und chemische Prozesse an der Gestein/Wasser Grenzfläche, wie
z.B. Adsorption, Desorption und Redoxumwandlung
- Chemische
und isotopische Entwicklung von natürlichen Gewässern, inklusive
Streukammer-Studien von früh-diagnetischen Reaktionen in Sedimenten
- Umwandlung
von Elementenspezies im Boden, in Sedimenten und in natürlichen
Gewässern
- Intensität
und Geschwindigkeit der Humifizierung natürlicher organischer
Substanz
- Natürliche
Halogenisierung und Dehalogenisierung organischer Moleküle
- Entwicklung
von Geräte kombinierenden Techniken (HPLC-AAS, HPLC-ICP-AES,
GS-MS) und pryrolytischen Methoden zur Analyse verschiedener Elementspezies
Diese Grundlagenforschung ist die Basis einer Vielzahl
aktueller Fragestellungen, wie z.B.
- Anreicherung
von Spurenelementen in Aerosolen und ihr weiterer Verbleib in Böden
und Sedimenten
- Nachweis
der oben genannten Prozesse anhand von Pb-Isotopen
- Spurenelemente
und radioaktive Isotope (Sr, Pb) als Tracer des holozänen Klimawandels
- Boden- und
Gewässerversauerung vom molekularen Maßstab bis hin zum
Makro-Bereich
- Umwandlung
von anorganischen und organischen Spuren-Schadstoffen in Böden,
Sedimenten und im Wasser
- Experimentelle
und in-Situ Studien des Verbleibs und der Festlegung von Schadstoffen
- Kinetik der
Sorptions- und Desorptions-Reaktionen im gesättigten und ungesättigten
Milieu; Einfluß von pH und Redoxpotential auf Nährstoffe,
Spurenmetalle und organische Schadstoffe
- Modellierung
des Verhaltens und des Werdegangs anorganischer und organischer Verunreinigungen
im Oberflächen-, Grund- und Abwasser
Unsere Forschungsziele
können oft nur durch einen multidisziplinären Ansatz zufriedenstellend
erreicht werden.
Umwelt-Geochemie - was ist das?
Schon wenn
man atmet, Wasser trinkt oder Nahrung zu sich nimmt, hat man Erfahrung
mit dem umweltgeochemischen Kreislauf von fast jedem, in der Natur vorkommenden
chemischen Element gemacht. Die Umwelt-Geochemie ist der Zweig der Geochemie,
der danach strebt, den natürlichen Kreislauf der Elemente an der
Erdoberfläche und die Auswirkungen menschlichen Handelns auf diesen,
zu quantifizieren. Wenn Sie diese Seite auf ihrem Monitor lesen, dann
denken Sie daran, daß Ihr Computer allein schon 30 chemische Elemente
enthält, darunter Kupfer, Arsen und Blei.
Die Umwelt-Geochemie ist ein relativ junger Zweig der Geochemie. Sie
hat das Ziel, den natürlichen Kreislauf der Elemente auf der Erde
zu erklären. Das Wort "Umwelt", wie es hier benutzt wird,
verweist auf die Biosphäre, welche durch "Vernadsky"
als die Region auf der Erde definiert wird, auf der es Leben gibt. Die
Umwelt-Geochemie beinhaltet deshalb all jene Prozesse, die direkten
oder indirekten Einfluß auf Lebewesen (sowohl Pflanzen also auch
Tiere und Menschen) ausüben. Die Umwelt-Geochmie ist heutzutage
sehr verfahrensorientiert und beinhaltet nicht nur die Quelle und Ablagerung
der Elemente sondern auch die Verteilung und den Transport chemischer
Elemente und Substanzen (z.B. xenobiotische organische Chemikalien)
in der Atmosphäre, Pedosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre
(von Mikroorganismen über Pflanzen und Tiere bis hin zum Menschen).
Beim Atmen von Luft inhaliert man atembare organische und anorganische
Aerosole sowie Gase natürlichen und anthropogenen Ursprungs. Die
Aerosole anthropogenen Ursprungs (wie Autoabgase und das Verbrennen
fossiler Brennstoffe) können im Durchmesser kleiner als 1 Mikron
(0,001mm) sein und dadurch tief in das Atmungssystem eindringen. Diese
Partikel sind von solch großer Bedeutung, weil sie stark mit potentiell
toxischen Schwermetallen, wie Blei und organischen Molekülen, z.B.
polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (PAHs), angereichert sein können.
Natürliche anorganische Partikel sind im Allgemeinen größer.
Es handelt sich hier um weniger lösliches mineralisches Material,
wie etwa Lehm, der aus vom Wind aufgeblasenen Bodenstaub stammt. PAHs
können auch einen natürlichen Ursprung, wie etwa Waldbrände,
haben. Sogar halogenierte organische Substanzen werden über Redoxreaktionen
im Boden und in Sedimenten natürlich produziert. Der Versuch, zwischen
natürlichen und anthropogenen Quellen von Metallen und organischen
Verbindungen zu unterscheiden, ist eine unserer größten Herausforderungen.
Gleiches gilt für das Wasser, das Sie trinken. Es enthält
eine Vielzahl an Anionen und Kationen natürlichen Ursprungs, die
physikalische und chemische Verwitterung von Mineralien in Gesteinen,
im Boden und in Sedimenten entstehen. Bikarbonat ist das wichtigste
Anion in natürlichen Gewässern. Letztendlich aus atmosphärischem
Kohlendioxid entstanden, stellt es einen quantitativen Index der Menge
an Mineralauflösung dar, die in einem natürlichen Gewässersystem
stattgefunden hat. Heutzutage werden jedoch mehr und mehr Gewässer
mit Verunreinigungen, wie Nitrat aus landwirtschaftlichen Düngemitteln,
tierischem Dung und Schädlingsbekämpfungsmitteln, angereichert.
Mineralverwitterungsreaktionen, die auf der Erdoberfläche stattfinden,
puffern den pH von natürlichen Gewässern und dieser pH-Wert
der Gewässer kontrolliert die Löslichkeit und damit die biologische
Verfügbarkeit der seltenen Metalle. Die Verwitterung der Primärmineralien
verbraucht Wasserstoffionen und Kohlendioxid und bringt lösliche
Salze hervor. Dieser Prozeß reguliert den pH-Wert und die chemische
Zusammensetzung von natürlichen Gewässern. Das Hinzufügen
von starken Säuren (aus Saurem Regen, entstanden durch anthropogene
atmosphärische Emissionen von Schwelfel- und Stickoxiden) kann
jedoch den pH-Wert senken und damit die Konzentration einer Vielzahl
von seltenen Metallen erhöhen und sie somit zahlreichen Organismen
verfügbar machen. Aluminium ist in schlecht gepufferten Wasserräumen
von Kristallingestein von besonderer Bedeutung, weil hier ein kleines
Absinken des pH-Wertes nicht nur die Löslichkeit von Aluminium
erhöht sondern auch die Bildung von potentiell toxischen anorganischen,
monomeren Spezies fördert.
Die Pflanzen, die wir essen, enthalten ein breites Spektrum an Metallen
(z.B. Cu, Zn), die für alles lebenden Organismen essentiell sind
und von den Pflanzen über die Wurzeln aus dem Boden aufgenommen
werden. Diese Pflanzen können jedoch mit Schwermetallen verseucht
sein, entweder durch den direkten atmosphärischen Eintrag (verschmutzte
Luftmassen) oder durch die Aufnahme aus verseuchten Böden. In diesem
Zusammenhang ist Cadmium von besonderer Bedeutung, da es biologisch
keine Rolle spielt und in der Natur nur ein geringes Vorkommen hat.
In Phosphatdüngemitteln und im Klärschlamm ist Cadmium jedoch
angereichert und es wird proportional zur Konzentration in den jeweiligen
Böden von den Pflanzen aufgenommen. Auch ein breites Spektrum von
organischen Verunreinigungen ist heute in unserer Umwelt ubiquitär,
und ihre Wirkung auf lebende Organismen ist von größter Bedeutung
für die Gesundheit des Menschen und der Ökosysteme.
Die anthropogenen Veränderungen der natürlichen geochemischen
Kreisläufe vieler Elemente haben eine sehr lange Geschichte und
sie sind in einem Spektrum geologischer Archive, wie Eiskernen aus der
polaren und alpinen Region, Torfmooren sowie marinen und limnischen
Sedimenten, erhalten. Präzise Analysen dieser Archive mit hochentwickelten
analytischen Geräten zur isotopischen, elementaren und molekularen
Bestimmung, verbunden mit "state of the art" Techniken zur
Altersbestimmung, können sehr detaillierte, hochauflösende
Rekonstruktionen der natürlichen sowie der anthropogenen Umweltveränderungen
liefern.
Das Gleichgewicht der chemischen Thermodynamik kann dazu verwendet werden,
die Richtung einer chemischen Reaktion vorauszusagen. Speziell die Gibb'sche
Freie Enthalpieänderung einer Reaktion und die Gleichgewichtskonstante
Keq, die daraus resultiert, zeigen an, ob eine Reaktion spontan nach
links oder rechts verläuft, geben uns aber keine Auskunft über
die Geschwindigkeit der Reaktion. Die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen,
bspw. zwischen Mineralpartikeln und wässrigen Lösungen, wird
nicht nur durch die strukturellen Eigenschaften der Mineralienoberfläche,
wie Stufen und Defekte im Kristallgitter, geregelt sondern auch durch
Absorptions- und Desorptionsreaktionen an der Gestein/Wasser Grenzfläche.
Dabei ist die Oberflächenkonzentration von Protonen und Liganden
wichtig sowie die Größe und molekulare Struktur der Liganden.
Redoxreaktionen laufen notorisch langsam ab, z.B. mit C, N, S, Fe, Mn.
Diese Reaktionen werden jedoch häufig durch Mikroorganismen oder
Enzyme katalysiert. Folglich muß bei umweltgeochemischen Studien
mehrerer Elemente auch auf die relevanten biologischen Prozesse geachtet
werden. Um Dispersionsprozesse zu verstehen, ist zusätzlich zur
chemischen und biologischen Verarbeitung von Substanzen, auch der physikalische
Transport (Diffusion und Advektion) wichtig.
Geschichte Des Institutes
Das Institut
für Umwelt-Geochemie wurde 1993 von Herrn Prof. German Müller
aus dem vormaligen Institut für Sedimentforschung gegründet.
Seine Pionierarbeiten zur Geochemie und Mineralogie der Fluß-
und Seesedimente brachten schon früh ans Tageslicht, daß
die Anreicherung von Spurenelementen in den obersten, neueren Sedimentschichten
nicht anhand natürlicher Ursachen erklärt werden kann, sondern
vielmehr auf eine Verschmutzung zurückgeführt werden muß.
Auf dem Gebiet des Ausmaßes und der Quelle einer globalen Metall-Verschmutzung
gehörte Herr Prof. Müller bald zu den welt-führenden
Wissenschaftlern. Seine mehr als 300 Veröffentlichungen in Zeitschriften,
zusammen mit 8 Büchern und 10 Veröffentlichungen in "Science"
und "Nature", zeugen von einer überaus produktiven wissenschaftlichen
Karriere. Herr Prof. Müller erhielt zudem mehrere Ehrendoktor-Titel
und es wurde ihm eine Vielzahl von Preisen verliehen.
Nach seinen
bahnbrechenden Untersuchungen auf dem Gebiet der natürlichen Entstehung
von halogenierten organischen Molekülen, setzte sich Herr Prof.
Müller für die Einrichtung einer Professur für Organische
Geochemie ein, die von Herrn Prof. Heinz-Friedrich Schöler übernommen
wurde. Kurz danach folgte die Einrichtung einer Professur für Hydrogeochemie,
die von Frau Prof. Margot Isenbeck-Schröter eingenommen wird.
Seit 1995
ist Herr Prof. Müller Emeritus und das Institut wird seit 2000
von Herrn Prof. William Shotyk geführt. Herr Prof. Müller
ist weiter aktiv in der Forschung tätig mit anstehenden Großprojekten
in Russland und Palästina, sowie in China und Brasilien. Seine
besondere Aufmerksamkeit gilt nun der Umweltgeochmie von Silber.
Seitenbearbeiter:
Fritz
Tempelmeier |