Das alte Bunsen-Laboratorium:
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Bunsen hat von Anfang an den Neubau eines
chemischen Instituts betrieben, dieser konnte 1855 bezogen werden. Das
Bunsen'sche Institut ist noch heute in der Akademiestraße zu sehen
und beherbergte bis 1959 das Anorganisch-Chemische Institut der Universität;
BUNSENs Dienstwohnung, die zusammen mit dem Institut Ecke Plöck und
Akademiestraße erstellt wurde, war 1926 bis 1962 Unterkunft für
das Physikalisch-Chemische Institut.
Bunsen, den man heute als Anorganiker oder
Physikochemiker bezeichnen würde, duldete keine Götter neben
sich. So waren die Vertreter der organischen Chemie, ebenfalls illustre
Namen, u.a. keine geringeren als August KEKULÉ und Emil ERLENMEYER,
in Privatlaboratorien entlang der Hauptstraße beheimatet.
Im März 1856 habilitierte sich FRIEDRICH
AUGUST KEKULÉ (Benzoltheorie
1865) in Heidelberg. Kaum jemand weiß heute noch, daß Kekule
in seiner Habilitationsarbeit die Vierwertigkeit des Kohlenstoffs erkannte
und damit das Fundament der Organischen Chemie legte. Im Herbst 1858
nahm er eine Professur in Gent an.
Kekule
und Mitarbeiter (u.a. A.Mayer, Behrend, C. Glaser)
EMIL ERLENMEYER,
der bei Justus von Liebig promovierte, habilitierte sich im April 1857
für technische und analytische Chemie und folgte im Herbst 1868 dem
Ruf auf eine Professur an der Technischen Hochschule München.
1888 trat Bunsen zurück. Im Frühjahr
1889 übernahm VICTOR MEYER Bunsens
Nachfoge. Unter seiner Leitung wurde das Institut durch den Bau eines Laboratorien-
und Hörsaalgebäudes wesentlich erweitert. Eine Abteilung für
analytisch-anorganische und eine für organische Chemie wurden eingerichtet,
denen unter Curtius eine solche für physikalische Chemie folgte, die
Georg Bredig übernahm. Meyer entwarf noch die Pläne für
einen Neubau, der dem Unterricht der Medizinstudenten dienen sollte, und
der in der Zeit von 1899 - 1901 unter der Direktion von Theodor Curtius
errichtet wurde. Aus den für die organische Chemie bedeutsamen Arbeiten
Meyers sei die Entdeckung des Thiophens, der aliphatischen Nitroverbindungen
und seine Apparatur für Molekülgewichtsbestimmungen hervorgehoben.
1890 war das Geburtsjahr der Naturwissenschaftlich-Mathematischen
Fakultät, welche damals neben den vier klassischen Fakultäten
für Theologie, Philosophie, Jura und Medizin eingerichtet wurde.
Im Juli 1892 habilitierte sich EMIL KNOEVENAGEL,
bekannt durch die nach ihm benannte Kondensations-Reaktion, zum ersten
Privatdozenten der neuen Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät.
Er wurde 1896 zum Außerordentlichen Professor ernannt.
Nach dem plötzlichen Tod Victor Meyers,
Anfang August 1897, folgte THEODOR CURTIUSim
April 1898 dem Ruf nach Heidelberg, obwohl er erst im Frühjahr 1897
die Nachfolge Kekulés in Bonn angetreten hatte.
Curtius (1898-1926) ist bekannt als Entdecker
des Hydrazins und der Stickstoffwasserstoffsäure sowie durch eine
nach ihm benannte Abbaureaktion. Das stickstoffwasserstoffsaure Blei gewann
im Weltkrieg Bedeutung als Initialzünder. Eine technisch brauchbare
Synthese dieser Substanz hat Curtius’ Schüler und Abteilungsleiter
ROBERT STOLLÉ gefunden. In der anorganischen Chemie arbeitete nach
Jannasch und Knoevenagel Ernst Müller.
1898 setzte Curtius die Einrichtung einer
physikalisch-chemischen Abteilung durch. Die Chemie war somit in die drei
Hauptdisziplinen - Anorganische, Organische und Physikalische Chemie -
aufgeteilt.
Curtius Nachfolger KARL FREUDENBERG
(1926-1956) gliederte 1928 die physikalisch-chemische Abteilung aus dem
chemischen Institut als selbständiges Institut aus, indem er dieses
in der ehemaligen Dienstwohnung Bunsens unter der Leitung von Max Trautz
unterbrachte. Trautz wurde 1926 zum persönlichen Ordinarius
ernannt.
Auf dem Gebiet der Stereochemie wurde
der von Karl Freudenberg gefundene Verschiebungssatz der optischen Drehung
ausgebaut und zusammen mit WERNER KUHN(1929-1967;
Nobelpreis 1938) erklärt. KLAUS SCHÄFER, der 1945 an das
Physikalisch-Chemische Institut berufen wurde, setzte sich für den
Neubau des Institutes Im Neuenheimer Feld mit Erfolg ein. Im Juni 1951
wurde in Neuenheim mit dem Neubau der Chemischen Institute, der Karl Freudenberg
schon 1926, anläßlich seiner Berufung zugesagt war, begonnen
und im wesentlichen Anfang der 60er Jahre abgeschlossen.
Die Geschichte dieser Neubauten zeigt
einmal mehr, mit wieviel Schwierigkeiten Hochschullehrer - selbst so markante
Persönlichkeiten wie K. FREUDENBERG
- zu kämpfen hatten. Der Neubau des Chemischen Instituts war K. FREUDENBERG
bereits 1926 anläßlich seiner Berufung zugesagt worden; es hat
25 Jahre gedauert, bis den Versprechungen der erste Spatenstich folgte.
"Ich habe das Verfahren gewählt, mich in den Wartezimmern der Ministerien
in Karlsruhe einzunisten und möglichst lästig zu machen", kommentierte
K. FREUDENBERG in seinen Memoiren seine erfolgreichen Bemühungen im
Jahre 1951.
1956 übernahm GEORG WITTIG
die Nachfolge von Karl Freudenberg. Er erhielt, zusammen mit H.C. Brown,
1979 den Nobelpreis für die nach ihm benannte Reaktion.
Zu Zeiten Freudenbergs und Wittigs waren
bereits namhafte Anorganiker in Heidelberg tätig, die der Anorganischen
Chemie ein eigenes Profil verliehen. Zu diesen gehörten WALTER HIEBER
und MARGOT BECKE-GOEHRING, deren Arbeitsgebiet die Chemie des Schwefels,
des Phosphors und anderer Nichtmetalle war. Jedoch war es Georg Wittig,
anläßlich der Berufung von ULRICH HOFMANN 1960, vorbehalten,
das Anorganisch-Chemische-Institut als solches zu etablieren. Dieser Schritt
wurde durch die Neubauten für die Chemischen Institute im Neuenheimer
Feld ermöglicht. Ulrich Hofmann, der über die Chemie der Tonminerale
arbeitete, übernahm die Leitung des Anorganisch-Chemischen Instituts.
Auch der Nobelpreisträger KARL ZIEGLER,
der zusammen mit G. Natta 1963 den Nobelpreis für das nach ihm benannte
Polymerisationsverfahrenerhielt, lehrte 10 Jahre in Heidelberg (1925-1935).
1962 wurde ein neues Extraordinariat geschaffen,
das innerhalb der organischen Chemie die theoretische Richtung vertreten
sollte. Auf diese Stellel wurde HEINZ A. STAAB berufen, der 1963 ein Ordinariat
erhielt. Staab arbeitete auf dem Gebiet der heterocyclischen Chemie. Er
beschäftigte sich mit kinetischen und spektroskopischen Untersuchungen
dieser Verbindungsgruppe und mit ihrer Anwendung in der präparativen
organischen Chemie.
Nach der Emeritierung von O. TH. SCHMIDT,
der über Naturstoffe, insbesondere über Ellagengerbstoffe und
Zucker arbeitete wurde 1963 zur Fortsetzung der Naturstoffrichtung HERMANN
SCHILDKNECHT
als Extraordinarius gewonnen, der 1964 ebenfalls ordentlicher Professor
wurde. Im Laboratorium von Schildknecht wurden neue Trennungsverfahren
wie Zonenschmelzen und Kolonnenkristallisieren entwickelt; weitere Arbeiten
befaßten sich mit der Strukturaufklärung von Insektenabwehrstoffen
und entzündungserregenden Pflanzensubstanzen.
Schließlich erhielt HANS PLIENINGER1964
ein Extraordinariat für organische Chemie. Plieninger arbeitete hauptsächlich
an der Synthese komplizierter Naturstoffe. Weiterhin wurden von ihm Probleme
der Biosynthese von Mutterkorn-Alkaloiden untersucht.
Die stürmische Entwicklung in der
Chemie, verbunden mit einem sehr hohen technischen und apparativen Aufwand
sowie einem modernen Umweltbewußtsein, ließ nach über
30 Jahren die Forderung nach einer Sanierung der Gebäude bzw. einem
Neubau immer dringender werden. Intensive Bemühungen ab 1985 haben
1996 zum Erfolg geführt. Im Rahmen eines Neubau- und Modernisierungsprogramms
wird ein Gebäude (INF 276) neu errichtet. Zusätzlich wurden umfangreiche
Sanierungen begonnen.