Schildknecht, Hermann (Prof.); Studium der Chemie an der Universität Erlangen; 1953 Promotion (E. Buchta); 1959 Habilitation für das Fach Chemie; 1963 a.o. Professor für Organische Chemie; 1964 ord. Professor an der Universität Heidelberg und Direktor des Organisch-Chemischen Instituts.

Das Bild zeigt eine schematische Darstellung der Abwehrorgane der Brombardierkäfer mit den ChemikalienErst beim hörbaren Schuß wird heißes Giftgas aus Benzo- und Toluchinon von einem Überdruck an Sauerstoff ausgestoßen. Zusätzlich zu ihren Pygidialwehrblasen haben die Schwimmkäfer zur Abwehr größerer Feinde Nackendrüsen ausgebildet. Darin erzeugen die Dytisciden vor allem Steroide, z.B. Cortexon. Der 2,5 mg schwere Kurzflügler Stenus comma benutzt das im Hinterleib gespeicherte N-Ethyl-3-(2-methylbutyl)-piperidin zur schnellen Fortbewegung auf dem Wasser. Der Schlammschwimmer Ilybius fenestratus wehrt auch mit einem Alkaloid feindliche Kleinsäuger ab, so wie der Saftkugler Glomeris marginata. Der Schwimmkäfer Platambus marginata hält für diesen Zweck ein Diterpen bereit und der Taumelkäfer Gyrinus natator ein Norsesquiterpen, womit zugleich lästige Mikroorganismen bekämpft werden sollen. Untersuchungen über diese Chemische Ökologie wurden im Arbeitskreis SCHILDKNECHT durch Arbeiten über die Knotenameisen abgerundet, wo man Pflanzenwuchsstoffe, die auch als Hemmstoffe fungieren können, gefunden hat. Anorganische Verbindungen sind maßgeblich an der Stabilität der Spinnennetze beteiligt. Eine mehrstufige Kristallisation ist das "Zonenschmelzen", das zu extrem reinen Produkten führt. So konnte damit reinstes Primin
gewonnen werden, das Gift aus Primula obconica.
Durch "Elektronenbrenzen" hat man es als 2 Methoxy-n-pentyl-p-benzochinon
erkannt. Bei diesem Verfahren wird die organische Verbindung mit tritiiertem
Wasser einer spezifischen Aktivität von 5 Ci/ml inkubiert und somit von
den solvatisierten Elektronen spezifisch fragmentiert. Die entstandenen
ß-strahlenden Fragmente lassen sich nach chromatographischer Trennung
noch in geringster Menge nachweisen. Chemisch identifiziert, gestatten sie
Rücksschlüsse auf die Ausgangsverbindung, wie umfangreiche Versuche
mit Aminosäuren, Estern, Lactonen, Säureamiden, Chinonen, Terpenen,
Stickstoff- und Schwefelheterocyclen und Naturstoffen gezeigt haben. Primin
wurde in ein Chemisches Herbarium aufgenommen, in das auch bald andere Reiz-
und Abwehrstoffe höher organisierter Pflanzen gehören sollten. Es
wurden Brennhaare von Urtica dioica, Laportea moroides und
Jatropha urens analysiert und ihre biogenen Amine ermittelt. Beim
Studium der Thymelaeaceae war es möglich, die komplexe Struktur des
Mezereins, das Gift aus dem Seidelbast, als einen Ester der Phorbols zu
ermitteln. Aus den Blättern der Robinie und besonders der Heidel- und
Preiselbeere wurde das Phytoncid trans-2-Hexenal isoliert. Die
Headspace-Analyse der Blüten der Edelkastanie ergab ein ganzes Muster an
Verbindungen, angeführt vom Styrol. Umgekehrt kommt in den Wurzeln von
Galium mollugo der 6-Hydroxy-2,2-dimethyl-2H-naphto
[1,2-b]pyran-5-carbonsäuremethylester vor. Aus Fabaceae, Oxalidaceae,
Malavaceae, Portulacaceae, Vitaceae und Smilaceae hat man 7 Turgorine gewonnen.
Diese "Periodic Leaf Movement Factors" (PLMF) sind die endogen wirksamen Stoffe
des Abwehrverhaltens schlafender und sensitiver Pflanzen. Zunächst hat man
aus Mimosa pudica den PLMF 1, die
4-0-(ß-D-glucopyranosyl-6'-sulfat-)gallussäure isoliert, der auch
als Synthesesubstanz im Biotest aktiv war. Mit einer GC-MS-Analyse konnten die
Insektizide aus Crotolaria ochroleuca als
2-Methoxy-3,5-dimethylpyrazin und 2-Methoxy-3-isopropylpyrazin charakterisiert
werden. Der gelbe Gerbstoff aus Cytinus hypocystis wurde aufgrund
spektroskopischer Untersuchungen als cyclischer 4,6-Ester der
1,2,3-Tri-O-galloyl-ß-D-glucose mit
1',4',5',6'-Tetrahydro-4,5,6,6'-penta-hydroxy[1,1'-biphenyl]-2,2'dicarbonsäre
erkannt.
Im Sekret der
subcaudalen Drüsentasche des Dachses (Meles meles L.) wurden
Propion-, iso-Butter-, iso-Valerian-, 2-Methylbutter-, Valerian-, iso-Capron-,
Capryl- und 4 Methylnonansäure als Duftsignale erkannt. Im
verhaltensaktiven Analbeutelsekret des nordamerikanischen Waschbären
(Procyon lotor L.), gelang es mittels der GC-MS-Kopplung
iso-Butter-, n-Butter-, 2-Methylbutter-, iso-Valerian-, iso-Capron- und
größere Mengen an 3-Phenylpropion-säure nachzuweisen. Mit der
gleichen Methode konnten die verhaltensaktiven Signalstoffe des Harns vom
Iltisfrettchen (Mustela putorius furo) charakterisiert werden. In
diesem Zusammenhang war das Sekret des Interdigialorgans vom Reh
(Capreolus capreolus L.) interessant, worin 22 Komponenten
nachgewiesen wurden. Am stärksten vertreten ist eine verzweigte
Hexadecansäure, die Palmitin- und Palmitoleinsäure.