Das Reichskloster Schuttern im Früh- und Hochmittelalter

220px-schutterns Kloster- Und Pfarrkirche

Das in der Gemeinde Friesenheim gelegene Kloster Schuttern gilt als eine der bedeutendsten Abteien des Früh- und Hochmittelalters im Südwesten Deutschlands. Leider konnten die mittelalterlichen Buchschätze des Klosters nicht bewahrt werden, denn Schuttern wurde durch Fehden, Plünderungen und Entfremdungen in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb sind auch die Handschriften des Skriptoriums und der mittelalterlichen Bibliothek zu einem großen Teil verloren. Die barocke Pfarrkirche ist heute der einzig äußerlich sichtbare Überrest des alten Klosters. Im Untergeschoss befinden sich eine "begehbare Ausgrabung" und ein ottonisches Bodenmosaik.

​​Die Gemeinde Friesenheim, die Universitätsbibliothek Heidelberg und das Heidelberg Center for Cultural Heritage - HCCH haben es sich zur Aufgabe gemacht, in vielfältigen Projekten die Geschichte des Klosters real und virtuell für die Wissenschaft zugänglich und für die Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Dabei stehen zunächst zwei Projekte im Vordergrund:

1) Die Virtuelle Klosterbibliothek Schuttern: Die Pergamenthandschriften.

(Universitätsbibliothek Heidelberg gemeinsam mit der Abteilung Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit und dem HCCH)

Die erhaltenen Überreste der Schutterner Klosterbibliothek sind angesichts des Substanzverlustes außerordentlich wertvoll und bilden mit den Architekturrelikten der Klosteranlage das wichtigste Reservoir zur Dokumentation der Kulturgeschichte der Abtei. Den vielfältigsten Restbestand bilden die Schuttener Fragmente: Die Abtei verfügte in der Frühen Neuzeit über eine eigene Buchbinderwerkstatt, in der vor allem liturgische Handschriften als Einbandmaterial für Bücher "zweitverwendet" worden sind. Aus den Buchdeckeln der Schutterner Inkunabeln und Frühdrucke konnten in jüngster Zeit Pergamentfragmente ausgelöst werden, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit aus Handschriften der Klosterbibliothek stammen.Schuttern4

Sie werden heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt.

Die Schutterner Pergamenthandschriften und ‒fragmente sollen digitalisiert verfügbar gemacht werden. Ziel ist es, die Reste der alten Klosterbibliothek zusammenzuführen, Forschung und Fahndung nach Schutterner Überlieferungen zu fördern und der interessierten Öffentlichkeit die ältesten Handschriften des Klosters zugänglich zu machen. Weitere Informationen finden Sie hier auf den Seiten der Universitätsbibliothek.

2) Neugestaltung des "Museumszentrums Schuttern"

(Gemeinde Friesenheim gemeinsam mit Studierenden der Universität Heidelberg)

Die als "Infozentrum" bezeichnete museale Einrichtung im ehemaligen Refektorium bietet eine gute Ausgangsposition für die Präsentation der Klostergeschichte. Gegenwärtig liegt der Schwerpunkt vor allem auf der barocken Phase, außerdem fungieren die Räumlichkeiten auch als örtliches Heimatmuseum zur Präsentation von Sonderausstellungen.

Klosteranlage Schuttern

Es wäre wünschenswert, dass die gesamte facettenreiche Geschichte des Kloster im Museumszentrum präsentiert werden könnte. In einem ersten Schritt wird dazu im WiSe 2016/17 an der Universität Heidelberg eine Lehrveranstaltung zum Thema „Frühes Christentum und monastisches Leben am Oberrhein: Das Kloster Schuttern im Früh- und Hochmittelalter“ angeboten. Dazu hat sich institutsübergreifend ein Dozententeam zusammengetan, das den Studierenden unterschiedlicher Disziplinen zunächst die historischen Grundlagen der Christianisierung im Gebiet des Hoch- und Oberrheines zwischen der römischen Epoche und dem Hochmittelalter vermitteln wird. Die Studierenden werden in einem zweiten Schritte inhaltliche Vorschläge für die Neugestaltung der Präsentation des Klosters Schuttern für eine breitere Öffentlichkeit erarbeiten, insbesondere mit Blick auf die Neugestaltung des Museumszentrums. Am Ende soll ein realisierbares Konzept stehen, das dann in Kooperation mit der Gemeinde umgesetzt werden kann.

 

 

Weitere gemeinsame Projekte mit der Gemeinde Friesenheim befinden sich derzeit in der Planung.

 

E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 10.06.2016
zum Seitenanfang/up