8. Heidelberger Ökumenisches Forum

 

Ökumenische Theologie in Finnland

Prof. Dr. Risto Saarinen, Helsinki
Prof. Dr. Eeva Martikainen, Joensuu

Freitag, 21. Januar, 20 Uhr (Karlstraße 16)

VORTRAG:

Die trinitarische Grundlage der Taufe.

Eine ökumenische Chance zwischen Ost und West. (Prof. Dr. Eeva Martikainen)

Samstag, 22. Januar, ab 9 Uhr (Plankengasse 1)

SEMINARTAG:

Vortrag und Diskussion

Gott und Gabe.

Eine Ökumenische Theologie des Gebens. (Englisch)

(Prof. Dr. Risto Saarinen)

11 Uhr Kaffeepause

Fortsetzung der Diskussionen

13 Uhr Mittagessen 

Für den Seminartag wird um Anmeldung im Sekretariat des Ökumenischen Instituts gebeten, unter Tel. 06221 – 54 33 41.       

„Das finnische Luthertum ist das orthodoxeste in der Welt und die finnische orthodoxe Kirche ist die lutherischste in der Welt“ – wird allgemein behauptet. Durch die besondere Lage zwischen Ost und West hat sich in Finnland ein besonderes Profil des Luthertums und der Ökumenischen Theologie entwickelt.

85 % der Bevölkerung zählen zur ev.-luth. Kirche, die somit als Nationalkirche angesehen werden kann. Dennoch haben sich zahlreiche wegweisende ökumenische Dialoge ergeben: Mit der finnisch-orthodoxen Kirche werden seit 1989 Gespräche über ethische und dogmatische Fragen geführt. Mit der russisch-orthodoxen Kirche wurden seit Mitte der 60er Jahre verschiedene Themen erörtert, wie „Frieden“ und das „Verhältnis von Rechtfertigung und Vergöttlichung“ (Theosis). Durch eine eigene Luther-Interpretation gelangen hier Annäherungen: Rechtfertigung wird nicht einseitig forensisch verstanden, sondern als etwas real Gegenwärtiges, weil das Sein in Christus ein reales Geschehen ist - nicht im Sinne einer Substanzmetaphysik, sondern im Sinne der orthodoxen Doxologie. Auch wurde anerkannt, dass die Sukzession sich nicht nur in einer „Kette von Handauflegen“ zeigt, sondern in der Lehre selbst.

In der Erklärung von Porvoo erklärten die lutherischen Kirchen Skandinaviens (und der baltischen Länder) die volle Kirchengemeinschaft mit der anglikanischen Kirche Großbritanniens und Irlands.
Fragen von Schuld und Vergebung bilden wichtige Gesprächsimpulse aus der Erweckungsbewegung und des Pietismus, die in Finnland immer großen Einfluss hatten. Das in Deutschland so prägende Gegenüber zur römisch-katholischen Kirche fehlt nahezu vollständig, ebenso wie die reformierte Tradition.

Seit 2002 ist die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit der EKD bestätigt – und somit auch mit den reformierten und unierten Kirchen der EKD. Dies gilt als entscheidender Durchbruch, denn gerade die finnische Kirche hatte die Leuenberger Konkordie (Gemeinschaft ev. Kirchen in Europa) nicht akzeptiert.

Auch die theologische Ausbildung ist anders strukturiert als in Deutschland. Die PastorInnenausbildung kennt kein Vikariat, die praktisch-theologische Vorbereitung findet im Rahmen des Universitätsstudiums statt. Somit bleibt die spätere Praxis in Forschung und Lehre ganz selbstverständlich im Blick.

Dieser im Gegensatz zu Deutschland völlig andere Reflexionskontext schlägt sich in der Ökumenischen Theologie Finnlands nieder. Zwei international anerkannte Vertreter werden Themen aus der neuesten Forschung zur Diskussion stellen: Zum einen wird in jüngster Zeit die Taufe in ihrer trinitarischen Grundlegung neu diskutiert, zum anderen eine „Theologie der Gabe“ als ökumenisch-theologischer Ansatz vorgestellt (erscheint 2005 als Publikation).


Zu den Referenten:

Prof. Dr. Eeva Martikainen ist Professorin für Ökumenische und systematische Theologie an den Universitäten Joeensuu und Helsinki.

Zu Ihrer wichtigsten Veröffentlichunge zählen:

  • Evangelium als Mitte, Das Verhältnis von Wort und Lehre in der ökumenischen Methode Hans Joachim Iwands (1989),
  • From Recognition to Reception: The Apostolic Faith and the Unity of the Church in the World Council of Churches (2001),
  • Religion als Welterlebnis: die praktische begründung der Dogmatik bei Wilhelm Herrmann (2002),

Prof. Dr. Risto Saarinen ist Professor für Ökumenische Theologie an der Universität Helsinki. Von 1994-1999 hatte er eine Forschungsprofessur am Institut für ök. Forschung in Strasbourg inne. Er hat in mehreren internationalen ökumenischen Dialogen mitgewirkt.

Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen:

  • Gottes Wirken auf uns. Die transzendentale Deutung des Gegenwart-Christi-Motivs in der Lutherforschung (1989),
  • Weakness of the Will in Medieval Thought: From Augustine to Buridan (1994),
  • Faith and Holiness: Lutheran-Orthodox Dialogue 1959-1994 (1997), Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre : Ein Kommentar des Instituts für Ökumenische Forschung Strasbourg (mit A.Birmelé, T.Dieter, M.Root, 1997).


Zum Heidelberger Ökumenischen Forum:
Seit seiner Gründung im Jahr 2000 bietet das Heidelberger Ökumenische Forum nun schon zum achten Mal Gelegenheit, Fragen der christlichen Ökumene mit renommierten Wissenschaftlern verschiedener Konfessionen und Nationalitäten zu diskutieren. Im Zentrum steht dabei das Bemühen um einen interkonfessionellen und internationalen Dialog.

 

 

Verantwortlich: E-Mail
Letzte Änderung: 01.11.2012
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