Bereichsbild
Veranstaltungen

Di, 27.06.2017

11:15 Uhr

Some Elements of a Liberal Christology

Prof. Dr. Douglas Ottati, University of Princeton, New Jersey, USA

Di, 27.06.2017

13:00 Uhr

»Lobt Ihn – Sonne und Mond« (Ps 148,3) – Die Sonne in den Psalmen als Grundlage jüdischer und christlicher Liturgie

Song-Yi Lee, Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg, und Prof. Dr. Birgit Klein, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Di, 27.06.2017

20:00 Uhr

»Wie klingt der Frieden«

Prof. Dr. Silke Leopold

Mi, 28.06.2017

07:00 Uhr

Abendmahlsgottesdienst, anschl. Frühstück

Mi, 28.06.2017

13:00 Uhr

Ein Lied als Konfirmation

Michelle Wong und Prof. Dr. Martin Mautner, Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg

Alle Termine & Veranstaltungen

Aktuelles

Siedlungsarchäologie in Phrygien

 

Das Projekt

Archäologische Exploration von Pepouza und Tymion, den beiden wichtigsten Stätten des Montanismus in Phrygien

 

Im Rahmen des von Prof. Peter Lampe, Heidelberg, geleiteten siedlungsarchäologischen Surveys in Phrygien konnten die lange verschollen geglaubten Hauptorte des christlichen Montanismus, Pepouza und Tymion, wiederentdeckt werden. Auch andere bislang unbekannte Siedlungsplätze konnten neu entdeckt, exploriert und identifiziert werden (u.a. Simoe).

InschriftInschrift, die Tymion bezeugt

Nach Pepouza und Tymion suchte die Forschung seit dem 19. Jh. Sie waren die Zentralorte einer charismatisch-ekstatischen christlichen Bewegung des 2.-6. Jh. n. Chr., die sich als Kirche der „Montanisten“ von Phrygien aus im gesamten Römischen Reich ausbreitete, jedoch in Pepouza ihren Hauptsitz und ihr wichtigstes Wallfahrtszentrum besaß. Dort residierte der Patriarch der Montanisten. In Pepouza und Tymion erwarteten sie den Anbruch naher Endzeitereignisse, v.a. die Herabkunft des „himmlischen Jerusalem“. Frauen konnten in der montanistischen Kirche bis ins Priester- und Bischofsamt aufsteigen.

Als interdisziplinärer siedlungsarchäologischer Regionalsurvey (modernisierte Transektmethode) angelegt, erfasst das Projekt eine gesamte Kulturlandschaft im Süden von Usak (Türkei) in allen ihren kulturgeschichtlichen Zeitstufen – von der jungsteinzeitlichen bis in die osmanische Zeit hinein.

Nicht nur werden wie bei traditionelleren Surveys antike Siedlungsplätze erforscht, sondern auch deren weitere Umgebung, die antiken Verkehrs- und Bewässerungswege, die antike Landnutzung, das Verhältnis von menschlicher Siedlung und „natürlicher“ Umwelt. Nicht zuletzt werden deshalb neben z.B. archäologischer und geologischer Beschreibung auch Paläobotanik und Phytogeographie wichtig.

Der Survey versucht damit, einen Beitrag zum Verständnis der auf weite Strecken noch unerforschten Lebensbedingungen der antiken Landbevölkerung Phrygiens zu leisten, einen Beitrag, der sozial- und wirtschaftsgeschichtliche, aber auch religionsgeschichtliche Ergebnisse zeitigt.

Felsenkloster im Banaz-CanyonFelsenkloster im Ulubey Canyon unweit Pepouzas

Die Leitfragen aus letzterem Bereich lauten: Wie entwickelte sich die polytheistische Religiosität der Landbevölkerung hin zum Monotheismus, erst in judeo-christlicher, dann islamischer Prägung? Wieso verbreitete sich gerade im „Hinterland“ des Römischen Reichs der radikale Monotheismus des sog. „Montanismus“ so rasant? Während das urbane antike Christentum relativ gut erforscht ist, fehlt Vergleichbares bislang für den ländlichen Sektor. Speziell für den im Untersuchungsgebiet prominenten christlichen „Montanismus“ können mit dem Survey nunmehr archäologische Zeugnisse mit antik-literarischen Quellen fruchtbar korreliert werden.

Da vom anvisierten Teil Phrygiens südlich von Usak nicht einmal befriedigende Karten vorliegen, leistet der Survey umfangreiche Kartographiearbeiten. Ferner werden virtuelle dreidimensionale Rekonstruktionen charakteristischer Siedlungsstrukturen unternommen.

Zur Siedlungsarchäologie gehört, dass in einem vermessenen Raster die Oberflächenkleinfunde (v.a. Keramik, Glas, Metallgegenstände usw.) abgesammelt und bestimmt werden. Gerade die Keramik der Region ist weitgehend unerforscht. Daneben spielt die Epigraphik eine wichtige Rolle.

Die oberirdisch vorhandenen Siedlungsstrukturen werden archäologisch dokumentiert. Über unterirdische Strukturen geben geophysikalische Prospektionen (mittels Geomagnetik und Bodenradar) wertvollen Aufschluss. Dank der Geophysik werden ohne Eingriffe in den Boden an vielen Stellen spätere Ausgrabungen überflüssig. Nur wo die geophysikalische Prospektion nicht ausreicht, werden Grabungen geplant.

Der Banaz-CanyonBanaz-Fluss im Ulubey Canyon

In geomorphologischer Hinsicht werden Sedimente am Fuß von Hängen untersucht. Erdmaterial, das einst oben am Hang lag, wurde oft durch menschliche Landnutzung erodiert und rutschte an den Fuß des Hangs, wo es sich als Sediment, als sog. „Kolluvium“, schichtete; wir können dort unten ablesen, was einst oben am Hang geschah. In Sedimentschichten, die von Objekten menschlicher Einflussnahme durchsetzt sind, werden Pollen, Sporen, Phytholithen und die Konzentration von Holzkohleteilchen untersucht. Parallel dazu werden die einzelnen Schichten des Sediments datiert - durch die 14C-Methode und „Optisch Stimulierte Lumineszenz“ (OSL). So können sich wertvolle Momentaufnahmen datierbarer (prä-)historischer landwirtschaftlicher Nutzung ergeben. Die Hoffnung besteht, beispielsweise herauszubekommen, wann in den letzten zehntausend Jahren Ölbäume erstmals angepflanzt wurden, wann welches Getreide.

Ethnoarchäologisch untersuchen türkische Studierende in Kooperation mit der heutigen lokalen Landbevölkerung die verfügbaren Lokalnamen von Geländeformationen, die Lokaltraditionen der Region, heutige Bewirtschaftungsarten und Landverteilungsverhältnisse. Zuweilen lassen sich von hier aus Rückschlüsse auf historische Verhältnisse ziehen. Weitaus wichtiger aber ist, auf diese Weise die lokale Bevölkerung in das Projekt einzubinden, um der verbreiteten Raubgräberei vorzubeugen, damit später ein schonender Tourismus möglich bleibt.

Das Projekt sieht verschiedene Stadien vor:

1) Auf den Territorien von Pepouza, Tymion und anderen bisher entdeckten Siedlungen (Simoe u. a.) wird ein sog. flächendeckender Intensivsurvey durchgeführt.

2) In einem größeren geographischen Fenster von 70 km2 wird ein sog. nicht-flächendeckender Intensivsurvey unternommen, der wiederum alle kulturgeschichtlichen Zeitstufen mit ihren „sites“ zu erfassen sucht, letztere aber v.a. aufgrund von Satellitenbildauswertungen und aufgrund der Lokalkenntnis Ortsansässiger ansteuert, ohne dass die Fläche noch begangen wird.

3) Der geographische Radius wird verlängert auf 35 km, um nur noch alle montanistischen Siedlungen zu erfassen – also nur noch eine einzige Kulturstufe. 

 

Publikationen

  • William Tabbernee / Peter Lampe, Pepouza and Tymion: The Discovery and Archaeological Exploration of a Lost Ancient City and an Imperial Estate, Languages: Englisch, German, Turkish, Berlin/New York: deGruyter 2008,.

 

   

 

Webmaster: E-Mail
Letzte Änderung: 17.08.2016
zum Seitenanfang/up