Die Musikkultur der Abtei Lorsch im Mittelalter: Aspekte der Erschließung, Rekonstruktion und Vermittlung.

Gefördert von der Reinhold und Gisela Häcker-Stiftung, der
Weltkulturerbestätte Kloster Lorsch und dem SFB 933 "Materiale Textkulturen"

Projektleitung:
Prof. Dr. Stefan Morent

Bereits kurz nach ihrer Gründung 764 stieg die Abtei Lorsch durch die reiche Förderung Karls des Großen und seiner Nachfolger zu einem der bedeutendsten Wissenszentren ihrer Zeit auf. Vom Reichtum des Klosters in Wissenschaft, Kunst und Kultur zeugen die vielen hundert Handschriften, die die erhaltenen Bibliothekskataloge für das 9.Jahrhundert verzeichnen.
Damit steht Lorsch ebenbürtig mit den beiden großen Zentren karolingischer Kultur im Südwesten, Sankt Gallen und Reichenau, die ebenfalls wie Lorsch heute zu den UNESCO-Welterbestätten zählen. Während Sankt Gallen seinen reichen Bestand mittelalterlicher Codices beinahe unversehrt bis heute bewahren konnte und in der Stiftsbibliothek hütet, wurde die Lorscher Bibliothek, dem Schicksal des Inselklosters Reichenau verwandt, in alle Winde zerstreut und findet sich heute auf rund 50 Bibliotheken weltweit verteilt.


Im Gegensatz zu Sankt Gallen und der Reichenau ist die musikalische Überlieferung des Klosters Lorsch bisher noch wenig erschlossen. Aufgrund des bisher kursorischen Überblicks des hauptsächlich fragmentarischen Bestandes lässt sich aber erahnen, dass Lorsch über einen reiche Musikkultur verfügte.


Wie diese im Einzelnen aussah, welche Akzente das Lorscher Skriptorium setzte, welche Beziehungen sich etwa zu Sankt Gallen und Reichenau herstellen lassen, muss eine genaue Erschließung der Quellen erweisen. Weitere übergreifende Fragestellungen bilden die Genese und Typologie der Neumenschrift in Lorsch, die spezifische Ausgestaltung der Liturgie, die Interaktion von Musik, Text und Raum in der Liturgie, die Rezeption außerliturgischer /„weltlicher“ poetisch-musikalischer Gattungen und das damit verbundene Verhältnis zwischen klösterlicher und höfischer Kultur sowie die Tradierung und Assimilierung antiker Wissenstraditionen etwa im Bereich der Musiktheorie.

Für die Erschließung dieser Fragestellungen innerhalb einer Gastprofessur im Wintersemesters 2011/12 an der Universität Heidelberg durch Prof. Dr. Stefan Morent bietet das Digitalisierungsprojekt der Universitätsbibliothek Heidelberg „Virtuelle Bibliothek: Bibliotheca Laureshamensis digital“ beste Voraussetzungen für die Quellenuntersuchung.


Die Gastprofessur bietet mit Veranstaltungen einführender Natur einen Einstieg in die musikbezogene Mittelalterforschung auch für andere Disziplinen etwa im Rahmen des „Heidelberger Mittelaltermasters“ und exemplifiziert sie anhand ausgewählter Beispiele aus Lorscher Quellen. Für Studierende insbesondere der Musikwissenschaft bietet er außerdem Gelegenheit, aktiv in die Vorbereitungen eines Ausstellungsprojektes für 2014 in Lorsch mit einbezogen zu sein.


Mit dem neuen SFB „Materiale Textkulturen“ an der Universität Heidelberg ergeben sich vielfältige Verknüpfungspunkte, insbesondere mit den Teilprojekten A04: „Wissenstransfer von der Antike ins Mittelalter - Bedingungen und Wirkungen dauerhafte Verschriftlichung am Beispiel des Klosters Lorsch“ (Prof. Dr. Stefan Weinfurter) und A05: „Schrift und Schriftzeichen im und am mittelalterlichen Kunstwerk - Die Handschrift als direkter Zugang zur karolingischen Rezeption antiker, spätantiker und frühmittelalterlicher Texte“.


Das Projekt wird gefördert von der Reinhold und Gisela Häcker-Stiftung, der Weltkulturerbestätte Kloster Lorsch und dem SFB 933 "Materiale Textkulturen".

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 06.11.2012
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