Nachruf: Peter Anselm Riedl (1930 – 2016)

Peter Anselm Riedl

23.02.1930 – 31.08.2016

 

Peter Anselm Riedl (1930 – 2016)
Peter Anselm Riedl (1930 – 2016)

Das Institut für Europäische Kunstgeschichte trauert um Prof. Dr. Peter Anselm Riedl. Er übernahm 1969 den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte am damaligen Kunsthistorischen Institut und wurde 1998 emeritiert. Sein über die Emeritierung hinaus reichendes Engagement für seine Schülerinnen und Schüler sowie sein Interesse an den Geschicken des Instituts werden uns fehlen. Bis heute ist das Erscheinungsbild des Instituts für Europäische Kunstgeschichte auch seiner Voraussicht zu verdanken.

Peter Anselm Riedl studierte 1949 bis 1955 Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Deutsche Literaturgeschichte und Geschichte an der Universität Heidelberg, wo er 1955 promoviert wurde. Anschließend war er Volontär an der Hamburger Kunsthalle, von 1957 bis 1961 dann Stipendiat und Wissenschaftlicher Assistent am Kunsthistorischen Institut in Florenz, 1961 bis 1963 Leiter der Skulpturensammlung an der Hamburger Kunsthalle sowie von 1963 bis 1969 Assistent und, seit der Habilitation 1967, Dozent am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Marburg.

Riedls in einer beeindruckenden Reihe von Veröffentlichungen niedergelegte Forschungen zur bildenden Kunst und zur Architektur der italienischen und deutschen Renaissance und zum Barock fanden internationale Resonanz und Anerkennung. Sie führten zu vielfachen Auszeichnungen und ehrenvollen Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Gesellschaften. So war er unter anderem Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Korrespondierendes Mitglied der Accademia degli Intronati in Siena und Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Als einer der ersten Hochschullehrer in Deutschland bezog Riedl systematisch die Kunst der Moderne und der Gegenwart in die kunsthistorische Universitätslehre und -forschung ein. Seine Kompetenz hinsichtlich des aktuellen Kunstgeschehens machte ihn zu einem gefragten Ratgeber und Gutachter bei Kunstförderung und Kunstankäufen wie auch bei Entscheidungen über Kunst im öffentlichen Raum. Das Verständnis für die neuere und neueste Kunst in der außeruniversitären Öffentlichkeit zu fördern, war ihm ein besonderes Anliegen.

Große Verdienste hat Peter Anselm Riedl sich um den Kulturgüterschutz erworben, und zwar in maßgeblicher beratender und gutachterlicher Funktion in mehreren lokalen, regionalen und nationalen Gremien für Denkmalschutz und Stadtbildpflege, aber auch als engagierter sachverständiger Bürger. Nicht zuletzt mit seinem Namen verbunden ist das auch wissenschaftlich erarbeitete Bewusstsein für Heidelberg als Stadtdenkmal. Für sein Wirken erhielt Peter Anselm Riedl die Verdienstmedaille des Rhein-Neckar-Kreises, die Große Universitätsmedaille der Universität Heidelberg, die Richard-Benz-Medaille der Stadt Heidelberg und das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Peter Anselm Riedl war ein engagierter, stets gesprächsoffener und begeisternder akademischer Lehrer, der Generationen von Schülerinnen und Schüler prägte. An die 150 Dissertationen sind unter seiner Betreuung entstanden. Seine Absolventinnen und Absolventen wirkten und wirken nicht nur in der akademischen Kunstgeschichte, sondern prägten und prägen die regionale und nationale Museumslandschaft, das Ausstellungswesen und die Denkmalpflege.

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Letzte Änderung: 06.09.2016
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