Angela Siebold, M.A.
Lehrstuhl für Zeitgeschichte
Professur für Angewandte Geschichtswissenschaft - Public History
Position/Funktion
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte und an der Professur für Angewandte Geschichtswissenschaft - Public History; Leiterin des Career Service am Historischen Seminar
Kontakt
Büro:
Historisches Seminar, R.135
Postanschrift:
Historisches Seminar der Universität Heidelberg
Postfach 10 57 60
D-69117 Heidelberg
Tel: +49 (0) 62 21 / 54 - 2451
E-Mail: Angela.Siebold@zegk.uni-heidelberg.de
Sprechstunde im Sommersemester 2013: Mi 16-17 Uhr
Zur Person
Angela Siebold, 1981 in Freiburg geboren, studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Politische Wissenschaft und Erziehungswissenschaft in Heidelberg. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über den Wandel der offiziellen Geschichtspolitik zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen.
Sie absolvierte Praktika, Forschungs- und Auslandsaufenthalte bei der Körber-Stiftung in Hamburg, am Deutschen Historischen Institut in Paris, am Deutschen Historischen Museum in Berlin und an der Jagiellonen Universität Krakau. 2008 war sie für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten in Hamburg tätig und von 2008 bis 2011 Stipendiatin der Gerda-Henkel-Stiftung. 2008 bis 2012 organisierte sie das Doktorandenforum des Historischen Seminars.
Seit Sommer 2011 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte und seit Herbst 2012 an der Professur für Angewandte Geschichtswissenschaft - Public History. Im Oktober 2012 wurde sie mit ihrer Arbeit "ZwischenGrenzen. Der Weg vom geteilten Europa zur Etablierung eines gesamteuropäischen Schengen-Raums in der Wahrnehmung französischer, deutscher und polnischer Printmedien" promoviert. Neben ihrer Tätigkeit in Forschung und Lehre arbeitet sie an der Dauerausstellung zur Geschichte der Ordensburg Vogelsang mit und leitet den Career Service am Historischen Seminar.
Dissertationsprojekt (abgeschlossen):
ZwischenGrenzen.
Die Geschichte des Schengen-Raums aus deutschen, französischen und polnischen Perspektiven.
Gutachter: Prof. Dr. Edgar Wolfrum (Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Claudia Kraft (Universität Siegen)
Datum der Disputation: 04.10.2012; Abschluss summa cum laude
Kurzdarstellung der Dissertation
Die Jahre nach der Zäsur "1989" standen für Frankreich, Deutschland und Polen in verschiedenem Maße unter der Herausforderung, Fragen des nationalen Selbstverständnisses neu zu formulieren und gleichzeitig eine erweiterte europäische Identität zu verhandeln. In diesem Kontext spielte die Verschiebung kultureller und politischer Grenzen eine bedeutende Rolle.
Das Schengener Abkommen steht für eine Erfolgsgeschichte des gesamteuropäischen Raums ohne Grenzkontrollen. Allerdings wurde das Abkommen in den 1980er Jahren unter den Bedingungen des Kalten Krieges unterzeichnet. Die Umbrüche der Jahre 1989-1991 wandelten die grundlegenden Bedingungen und Voraussetzungen des Kontrollabbaus. Dies führte zu einer positiven Zuschreibung des "Gesamteuropas der offenen Grenzen" in Ost und West. In mindestens dem gleichen Maße stiegen jedoch vor allem in Westeuropa die Ängste vor einem Europa, an dessen Binnengrenzen keine Kontrollen mehr stattfanden und das gleichzeitig keine dichte Grenze mehr nach Osten aufwies.
Anhand der Diskussionen um den Abbau der Grenzkontrollen im Zuge des Schengener Abkommens wurde am Beispiel Polens, Deutschlands und Frankreichs untersucht, wie Grenzen, Grenzkontrollen und damit verbunden Raumwahrnehmungen in Europa nach dem Kalten Krieg wahrgenommen und verhandelt wurden. Im Fokus stehen zunächst die Diskussionen um die Unterzeichnung des ersten Schengener Abkommens in Westeuropa 1985 und deren Neuinterpretation durch die Umbrüche um die Jahre 1989/90. Des Weiteren wurden die Debatten um eine Ausweitung des Schengen-Raums nach Mittel- und Osteuropa bis zu dessen Umsetzung im Jahr 2007 analysiert. Als serielle Quellengrundlage dienten Tageszeitungen aus Deutschland, Frankreich und Polen. Darüber hinaus wurden veröffentlichte Stellungnahmen gesellschaftlicher und politischer Akteure aus allen drei Ländern, Regierungsabkommen und EU-Rechtsdokumente hinzugezogen.
Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre
- Geschichte West- und Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert
- Erinnerungskultur und Geschichtspolitik
- Nationalismusforschung
- Identitäten, Selbst- und Fremdwahrnehmungen
- Raumkategorien in der historischen Forschung
- Historische Migrationsforschung
- Geschichte der Studentenbewegung und der neuen sozialen Bewegungen
- Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft
Stipendien
07/2008 bis 06/2011: Stipendiatin der Gerda Henkel Stiftung
(„Aufbruch 1989 – Gemeinsames Stipendienprogramm der wissenschaftsfördernden Stiftungen“)
2005 und 2009: Stipendiatin des DAAD
Lehrveranstaltungen
SoSe 2013
Übung: Geschichtswissenschaft zwischen Theorie und Empirie: Methodische Zugänge und ihre Umsetzung in der Historiographie zum 20. Jahrhundert
Übung: Oral History in der zeithistorischen Forschung: Das alternative Milieu der 1960er und 1970er Jahre
WS 2012/13
Proseminar: „Zwischen Konformität und Protest. Studentisches Leben im Heidelberg der 1960er und 1970er Jahre“
SoSe 2012
Proseminar: „Im Raume lesen wir die Zeit: Deutsche Grenzfragen von der Reichsgründung 1871 bis zum Schengener Abkommen“
SoSe 2011
Übung: „Zur Geschichte und Gegenwart der historischen Forschung. Eine methodologische Einführung“ (zusammen mit DoktorandInnen verschiedener Lehrstühle des Historischen Seminars Heidelberg)
SoSe 2009
Übung: „Fremdbilder. Regionale, nationale und transnationale Stereotype seit dem 19. Jahrhundert“ (zusammen mit Marcel Berlinghoff, M.A.)
WS 2008/09
Übung: „Identität und Migration – Zur Konstruktion von Eigen- und Fremdwahrnehmungen im 19. und 20. Jahrhundert“ (zusammen mit Marcel Berlinghoff, M.A.)
Veröffentlichungen
Aufsätze
• Nach der Zweiteilung Europas. Die Diskussion um Grenzöffnung und Grenzsicherung in Deutschland, Frankreich und Polen 1995 und 2007, in: Marcus Böick/Anja Hertel/Franziska Kuschel (Hg.): Aus einem Land vor unserer Zeit. Eine Lesereise durch die DDR-Geschichte, Berlin 2012, S.255-264.
• Die Jüngste als Sorgenkind? Plädoyer für eine jüngste Zeitgeschichte als Varianz- und Kontextgeschichte von Übergängen, in: Deutschland Archiv 1/2011, S.105-113 (zusammen mit Marcus Böick).
Online-Version unter: http://www.bpb.de/themen/J9R4QK,0,Die_J%FCngste_als_Sorgenkind.html
• Zwischen Annäherung und Entfremdung. Zur geschichtspolitischen Neukonzeption des deutsch-polnischen Verhältnisses nach 1989, in: Deutschland Archiv 4/2009, S. 677-683.
Online-Beiträge
• 1989 – nach dem Jubiläum: Vier Anregungen zum zukünftigen wissenschaftlichen Umgang mit dem Jahr 1989, in: L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel-Stiftung. http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1030
Rezensionen
• F. Boll u.a. (Hg.): Versöhnung und Politik. Polnisch-deutsche Versöhnungsinitiativen der 1960er-Jahre und die Entspannungspolitik (Beihefte zum Archiv für Sozialgeschichte 27), Bonn 2009, in: Deutschland Archiv 2/2010, S.369.
• Felix Brahm: Wissenschaft und Dekolonisation. Paradigmenwechsel und institutioneller Wandel in der akademischen Beschäftigung mit Afrika in Deutschland und Frankreich, 1930-1970, Stuttgart 2010, URL: http://www.scienceblogs.de
Tagungsberichte
• Verschiedene Sektionsberichte für den Historikertag 2010, veröffentlicht unter: http://www.scienceblogs.de
Vorträge (Auswahl)
Dez. 2012: „Grenzüberschreitungen im ‚Zwischeneuropa‘: Die Wahrnehmung von Mobilitäts- und Migrationsformen zwischen Polen und dem Schengen-Raum 1993-2007“, Tagung: Muster transnationaler Mobilität im größeren Europa seit 1989, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Leipzig.
Okt. 2012: „Österreich im ‚grenzenlosen Europa‘: Die (Nicht-)Wahrnehmung des österreichischen Schengen-Beitritts in polnischen und deutschen Printmedien“, Konferenz: Grenzöffnung. Grenzen im Kopf. Grenzüberwindung. Österreich 1989: Innen- und Außenperspektiven, Dr. Wilfried-Haslauer-Biblitothek Salzburg.
Juli 2011: “Overcoming the ‘Divided Europe’? Perceptions of the German-Polish border in French, Polish and German newspapers 1995 and 2007“, Doktorandensommerschule „Grenzen und regionale Ströme“, Europa-Universität Viadrina & Université Paris 1, Collegium Polonicum, Słubice.
Sept. 2010: „Polens Randlage in einem grenzenlosen Europa? Die Diskussionen um das Schengener Abkommen und seine Umsetzung in Polen 1991-2008“, Doktoranden-Sommerschule am Deutschen Polen-Institut (DPI), Darmstadt.
Juni 2010: „Das Bild der ‚Südländer’ in der westdeutschen Populärmusik“, Mediengeschichtliches Forum der Universität Heidelberg (zusammen mit Leah Roth).
April 2010: „Die Identitätskonzepte Nation und Europa in den Diskussionen um Grenzöffnung und Einwanderung in Deutschland, Polen und Frankreich 1985-2007“, 8. Doktorandenforum am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam.
Juni 2008 „Der Wandel der offiziellen Geschichtspolitik zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen in den Jahren 1965 bis 1995“, Examensfeier Universität Heidelberg: Rede aus dem Kreis der Examinierten.
Mitgliedschaften
- Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHHD)