Prof. Dr. Cord Arendes

Studentische Beiträge zur Ausstellung
Presseresonanz

"Eine Stadt bricht auf. Heidelbergs wilde 70er"
Gemeinsames Ausstellungsprojekt von Universität, Museum und Verlag

Heidelbergs wilde 70er
Eine Kooperation des Kurpfälzischen Museums mit dem Historischen Seminar, dem Institut für Europäische Kunstgeschichte und dem Verlag Das Wunderhorn

​Kurpfälzisches Museum Heidelberg, 16. Mai bis 21. September 2014

Ankündigung der Ausstellung

Heidelberg ist bei seinen Besuchern für sein Schloss und seine historisch erhaltene, romantische Altstadt bekannt. Zeiten, die nicht in diese Vorstellungen passen, tauchen kaum in Reiseführern auf, noch sind sie ein wichtiger Bestandteil der bestehenden Darstellungen zur Stadtgeschichte. So verwundert es nicht, dass heute kaum jemand weiß, welche Dynamiken, Proteste und alternativen Gedanken sich in Heidelberg in den 1960er und 1970er Jahren entwickelt haben: Neben Berlin und Frankfurt galt Heidelberg als eines der wichtigen Zentren studentischer Proteste.
Darüber hinaus waren zwei weitere Aspekte für die Entwicklung der Heidelberger Protest- und Alternativkultur von Bedeutung: Einerseits die Präsenz der US-amerikanischen Streitkräfte in Heidelberg, andererseits die lokalpolitische Entscheidung, die Heidelberger Altstadt grundlegend zu sanieren und von einem Wohnviertel in eine Fußgängerzone und Einkaufsmeile zu verwandeln. Die Straßenbahn wurde aus der Hauptstraße verbannt, alte Häuser wurden saniert oder durch neue ersetzt, wie man es heute noch beispielsweise an der Triplex-Mensa oder am Marstallhof erkennen kann. Diese Entscheidungen hatten direkte Auswirkungen auf die Wohnsituation vieler Studierender und die Sozialstruktur der Heidelberger Altstadt.
Die 1970er Jahre waren also ein Jahrzehnt, das Heidelberg grundlegend veränderte, mit außerordentlichen Nach- und Auswirkungen bis heute.
Dabei standen nicht mehr nur die Auseinandersetzung mit der Universität im Zentrum. Die Studentenbewegung hatte sich nach dem SDS Verbot 1970 in eine undogmatische (Spontis) und dogmatische Richtung (K-Gruppen) entwickelt und erlebte ihre kreativste Phase, die von vielen Projekten der „Gegenöffentlichkeit“ (Negt/Kluge) geprägt waren. Es entstanden Projekte wie Carlos Sponti, Heidelberger Rundschau, der Dritte-Welt-Laden, Free Clinic, das Frauenhaus, das Frauenzentrum, Anwaltskollektive, Künstlergruppe 79, Bürger für Heidelberg, Frauengruppen, Männergruppen, Kultur- und Theatergruppen und vieles mehr. Es war das Jahrzehnt der sexuellen Liberalisierung, der Emanzipationsbewegungen, der Jugendzentren und selbstverwalteten Alternativprojekte.In dieser Atmosphäre zwischen politischen Protesten, städtebaulichen Veränderungen und militärischer Präsenz entstand in Heidelberg eine kulturelle Dynamik, die zahlreiche Initiativen hervorbrachte, welche zum Teil bis heute bestehen. Gleichzeitig tauchten auch in Heidelberg Beispiele für die Radikalisierung einzelner Gruppierungen auf, so etwa im Sozialistischen Patientenkollektiv oder in den Anschlägen der Roten Armee Fraktion gegen US-amerikanischen Militäreinrichtungen.

© nachweis: Foto: Manfred Metzner © 2014 VG Bild-Kunst.

 

Kuratorisches Team:

Prof. Dr. Cord Arendes, Prof. Dr. Frieder Hepp, Prof. Dr. Henry Keazor, Manfred Metzner, Ulrike Pecht M.A., Dr. Angela Siebold

 

Studentische Beiträge zur Ausstellung "Eine Stadt bricht auf. Heidelbergs wilde 70er"

Vom Zeitzeugeninterview zur Hörstation

Im vergangenen Jahr hat eine Gruppe Studierender Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu der Entstehung einer alternativen und kreativen Szene in Heidelberg interviewt. Ziel war es, die Akteure und wichtigen Themen des alternativen Milieus dieser Zeit zu finden und in Gesprächen zu erfahren, was die Motive waren, sich einzubringen, wo Konflikte auftauchten und wie man die 1970er Jahre umfassend erzählen und ihre (auch aktuelle) Bedeutung für die Heidelberger Stadtgeschichte begreifen kann. Ausschnitte aus den Interviews wurden von den Studierenden ausgewählt und für Hörstationen in der Ausstellung "Eine Stadt bricht auf. Heidelbergs wilde 70er" aufbereitet. Darüber hinaus finden sich in der Ausstellung auf Transparenten an den Wänden Zitate der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wieder.

Vom Seminar zur Ausstellungszeitung

Aus einem weiteren Projektseminar zur Ausstellung heraus entstand die Zeitung zur Ausstellung, die an Stelle eines Katalogs im Museum erworben werden kann. Darin schrieben Studierende, aufbauend auf einem Hauptseminar und den darin gehaltenen Referaten, Beiträge über verschiedene Facetten der Heidelberger Stadtgeschichte der 70er Jahre. So konnten ergänzend zu den in der Ausstellung behandelten Themen einzelne Aspekte näher beleuchtet oder ausführlicher diskutiert werden.

Mitarbeit durch Studierende des Historischen Seminars und des Instituts für Europäische Kunstgeschichte:

Studierende: Ioanna Vlachaki Antoniadou, Lino Bach, Nils Bärisch, Annina Bauer, Svenja Bauer-Blaschkowski, Ann-Katrin Bott, Felix Brandl, Lisa Braun, Theresa Büchner, Martin Bulla, Dominic Burghartswieser, Jan Dambach, Yannick Dupps, Felicitas Eichhorn, Matthias Espe, Marco Frick, Miriam Hartwich, Adrian Grimm, Michelle Gusek, Marisa Helms, Helene Henze, Juliane Hoheisel, Jana Junge-Gross, Sa-Yim Kim, David Kirchgeßner, Michael Kolb, Melanie Kraft, Mihaela Kriskovic, Philipp Kungl, Jana Tatjana Lange, Ann-Christin Langer, Manon Lorenz, Lars Maurer, Katharina Menge, Johannes Merz, Andreas Meves, Christina Mohari, Laura-Raffaela Montini, Meike Muth, Paul Morawski, Laura Näder, Mira Oest, Anna Parrisius, Nathalie Reisert, Julia Rettig, Matthias Rettig, Martin Rittinger, Felix Rittler, Asta Roh, Annabel Ruckdeschel, Matthias Rupp, Katrin Schleich, Marieluise Schwöbel, Erik Voigtsberger, Felix Wenzel, Katharina Wintermantel, Karla Zimbran.

Presseresonanz (Auswahl):

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Rhein-Neckar-Fernsehen (Video)

Rhein-Neckar-Zeitung

Heidelberger Studentenzeitung ruprecht

Stadtblatt Heidelberg (S.8)

 

 

 

Seitenbearbeiter: Cord Arendes
Letzte Änderung: 02.02.2016
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