Professur für Neuere Geschichte | Forschungsschwerpunkte



Die Forschungsinteressen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind breit gestreut, haben ihren Kern aber zumeist in der europäischen Geschichte des „langen 19. Jahrhunderts“. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei Entwicklungen wie zum Beispiel Nationalstaatsbildung, Globalisierungsprozesse oder Industrialisierung, die unsere heutige Lebenswelt entscheidend mitgeprägt haben. Häufig betrachten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Professur diese und andere Themen aus einer globalhistorischen Perspektive und untersuchen die Bedeutung von globalen Verbindungen und Austauschprozessen. Die Globalgeschichte und die mit ihr verwandten Zugänge werden dabei aber nicht als alternative, sondern als komplementäre Blickpunkte auf die Geschichte betrachtet.

 

 

Roland Wenzlhuemer forscht insbesondere zu Fragen der europäischen Kolonialgeschichte, der Globalgeschichte, der Technikgeschichte und zu Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft. Er ist Principal Investigator am Exzellenzcluster Asien & Europa im globalen Kontext und leitet dort eine Forschergruppe zum Thema Schiffe als Transkulturelle Räume. Besonders interessiert ihn in diesem Zusammenhang die ambivalente Rolle interkontinental verkehrender Dampfschiffe, die im 19. Jahrhundert einerseits Vehikel der Globalisierung waren, zugleich aber während der Überfahrt vom Rest der Welt abgeschlossene Räume darstellten. Zudem arbeitet Roland Wenzlhuemer an einem einführenden Buch zu zentralen Konzepten der Globalgeschichte.

 

Susanne Hohler befasst sich anhand der Biographie des Russlandschweizers Boris Petrovich Tödtli (geboren 1901 in Kiew – gestorben 1944 in Bern) mit Netzwerken und grenzüberschreitenden Austauschprozessen zwischen transnationalen antisemitischen und (quasi-) faschistischen Organisationen und Individuen im Europa der 1930er Jahre als Zwischenraum zwischen Nationalstaat und internationalen Organisationen. Im Zentrum steht dabei der historische Akteur als Schnittpunkt unterschiedlicher Räume und Milieus. In diesem Zusammenhang interessiert sie sich für die Geschichte der Schweiz, die sogenannte Internationale der Antisemiten, den russischen Faschismus und für neue Ansätze in der Biographik.

 

Christoph Strebs Promotionsprojekt untersucht die Entstehung der Figur des Publizisten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Arbeit versteht Publizisten als Initiatoren von Öffentlichkeit und soll damit insbesondere einen neuen, pragmatischen Blick auf subversive öffentliche Politikformen (wie etwa politische Skandale und Reformkampagnen) im Revolutionszeitalter ermöglichen. Darüber hinaus interessiert sich Christoph Streb für Fragestellungen der französischen, britischen und transatlantischen Geschichte der Aufklärungs- und der Sattelzeit (Reinhart Koselleck). Schwerpunkte liegen in der Geschichte politischer und medialer Praktiken sowie transnationaler Verbindungen.

 

Susann Liebich forscht zu Fragen der globalen und imperialen Kulturgeschichte, der Kommunikations- und Mediengeschichte im Britischen Empire, insbesondere Neuseeland und Australien. Speziell befasst sie sich mit der Geschichte der Kulturpraktiken des Lesens und Schreibens auf Schiffsreisen im 19. und 20. Jahrhundert, und beleuchtet dabei die Rolle dieser Praktiken für Reiseerfahrungen und interkulturelle Austauschprozesse. Zudem arbeitet sie mit Kollegen der James Cook University an einem Buch zu geographischen Vorstellungen und Repräsentationen des Pazifischen Raumes in australischen populären Zeitschriften der Zwischenkriegszeit.

 

Seitenbearbeiter: Marco Muser
Letzte Änderung: 02.08.2017
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