Prof. Dr. Madeleine Herren-Oesch
Lehrstuhl für Neuere Geschichte
Habilitationsprojekte
Kosmopoliten wider Willen: Zur Sozialgeschichte akademischer Emigranten aus Deutschland und ihrer Netzwerke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Isabella Löhr
Projektbeschreibung
Das Habilitationsprojekt nimmt seinen Ausgangspunkt in der Flucht und Vertreibung von Akademikern aus Deutschland nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933. Verfolgt und diskriminiert entweder wegen ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer politischen Haltung, entschlossen sich viele Wissenschaftler und Intellektuelle für die Auswanderung ins europäische Ausland oder nach Nordamerika. Obwohl viele die Hoffnung hegten, als gut ausgebildete Fachkräfte in den Gastländern schnell Fuß zu fassen und mittelfristig wieder nach Deutschland zurückkehren zu können, befürchteten andere, unter den neuen Bedingungen ihre wissenschaftlichen oder künstlerischen Karrieren nicht weiter oder nur eingeschränkt verfolgen zu können. Hilfestellung boten in dieser Situation so genannte akademische Flüchtlingshilfeorganisationen, die sich in schneller Abfolge ab 1933 vor allem in Großbritannien und den USA gründeten und die bis in die 1950er Jahre hinein mehrere tausend Wissenschaftler bei der Emigration unterstützten.
Im Zentrum des Habilitationsvorhabens stehen diese Flüchtlingshilfeorganisationen und die Frage, wie es ihnen gelang, innerhalb weniger Monate ein internationales Netz von Korrespondenten und Kooperationspartnern zur Unterstützung der wissenschaftlichen Emigranten zu mobilisieren, das trotz der massiven materiellen und personellen Einschränkungen während des Zweiten Weltkriegs bis in die 1950er Jahre hinein kontinuierlich wuchs. Zur Beantwortung dieser Frage richtet das Vorhaben seinen Blick über einen rein wissenschaftsgeschichtlichen Kontext hinaus. Es wird gezeigt, dass die akademische Flüchtlingshilfe nach 1933 nur möglich war, weil sie aus einer engen Zusammenarbeit von privaten Organisationen, Universitäten, philanthropischen Stiftungen wie beispielsweise der Rockefeller Foundation, zwischenstaatlichen Organisationen wie dem Völkerbund und den Vereinten Nationen und staatlichen Stellen resultierte. Mit dieser Fragestellung bettet das Projekt die akademische Flüchtlingshilfe in die Geschichte der Formation und Re-Formation internationaler zivilgesellschaftlicher Netzwerke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein.
Im Zentrum steht das widersprüchliche Verhältnis zwischen der Verschärfung nationaler Einwanderungsgesetze, die im Zuge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre weltweit zu beobachten war, und der gleichzeitigen Herausbildung einer lebendigen internationalen und teilweise regierungsnahen Zivilgesellschaft, die mit ihrer internationalistischen Gesinnung darauf zielte, Alternativen zur nationalstaatlichen Organisation von Gesellschaft zu schaffen. Die historische Forschung hat die akademische Emigration bisher nur wissenschaftsgeschichtlich behandelt, so dass eine Problematisierung aus der Perspektiv der Globalgeschichte fehlt. Das Projekt setzt sich daher zum Ziel, die Verknüpfungen von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einer globalgeschichtlichen Perspektive zu untersuchen und den Einfluss grenzüberschreitender zivilgesellschaftlicher Netzwerke auf nationale Wissenschafts- und Einwanderungspolitik sichtbar zu machen.
The Soybean in Global Perspective, 1900–1950
Ines Prodöhl
Projektbeschreibung
In this research project, I am analyzing the worldwide economic importance and cultural perception of soybeans in the first half of the twentieth century. In the Western world, the high commercial significance that soybeans attained was accompanied by little cultural acceptance. Exploring the reasons behind this social indifference is particularly challenging, however, because indifference often express itself in silence, and it is difficult to document what was left unsaid.
While soybeans have been used as a healthy food in Asia for several thousand years, their large-scale diffusion in Europe and America dates back only a century. The Western interest in soy was not the result of its nutritional value but rather its high oil content, because the oil could be manufactured into soap, margarine, waterproofed clothing, plastic, lubricant, paint, rubber, and even explosives. Furthermore, bean cake, a byproduct of the oil, proved to be an outstanding animal fodder. Due to its manifold uses soy gained a strong economic position in the world market during the First World War with northeast China (Manchuria), Japan, Europe, and the United States as its centers.
In the United States, soybeans became a commercial crop in a period of unusual and rapidly changing conditions. Following a period of decline in American agriculture during the 1920s, the cultivation of the plant, motivated by the political and economic concerns of the New Deal, finally led to prosperity and wealth. By the end of the Second World War, soybeans grown by American farmers served more than two thirds of the world's demand. Surpassing cotton, soy became the United States' most important cash crop. However, the plant remained invisible and unappealing to the general public; it never became an integral part of western society and identity. My project will investigate soy trade patterns and the cultural meanings bound up with the crop in the Western world.



