Ausgangssituation
Die Heidelberger Altertumswissenschaftler Prof. Dr. Tonio Hölscher (Klassische Archäologie) und Prof. Dr. Stefan Maul (Assyriologie) beteiligten sich an dem vom Baden Württembergischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (MWK) im Jahr 2000 ausgeschriebenen »Ideenwettbewerb für die Einrichtung von Kompetenzzentren, Kompetenznetzwerken und Landesforschungsverbünden« und schlugen die Einrichtung eines “Altertumswissenschaftlichen Kollegs” vor. Die Gutachterkommission empfahl die Förderung. 2004 wurde das Altertumswissenschaftliche Kolleg Heidelberg eingerichtet.
Die wesentlichen Ziele des Altertumswissenschaftlichen Kollegs Heidelberg bestehen darin:
- ausgehend von den bereits stark vernetzten Heidelberger Altertumswissenschaften den Verbund der altertumswissenschaftlichen Fächer anzuregen, sich verstärkt mit Fragen und Problemen zu befassen, die für das Verständnis der antiken und der Gegenwartsgesellschaften von zentraler Bedeutung sind
- Kooperationen der altertumswissenschaftlichen Fächer mit den eher gegenwartsbezogenen Geistes- und Sozialwissenschaften, ggf. auch mit den Natur- und Technikwissenschaften zu befördern, um so in den Forschungsvorhaben exemplarisch gleichermaßen das Erkenntnispotential der Altertumswissenschaften für gegenwartsbezogene Disziplinen fruchtbar zu machen, wie Methoden, Fragestellungen und Erkenntnisse der gegenwartsbezogenen Disziplinen verstärkt in altertumswissenschaftliche Forschungen einfließen zu lassen
- mit der einjährigen Freistellung von einem Altertumswissenschaftler und einem Vertreter einer weiteren Disziplin einen angemessenen Freiraum für genuin eigene Forschungen zu schaffen, welcher vor allem für die Vertreter der sog. Kleinen Fächer angesichts der Anforderungen der Wissenschaftspolitik, der administrativen Aufgaben und der Einbindung in verschiedene Forschungsverbünde im Alltag nicht mehr in hinreichender Weise zur Verfügung steht
- durch die Verpflichtung, im Rahmen eines Jahresprojektes regelmäßig zusammenkommende Arbeitskreise und Diskussionsgruppen aufzubauen, die sich jeweils aus Kollegen der benachbarten Disziplinen und aus Nachwuchswissenschaftlern rekrutieren, Kooperationen und neu geschaffenen Kontakten eine breite Basis zu geben, und damit Voraussetzungen zu schaffen, die die Nachhaltigkeit der im Kolleg angeregten fächerübergreifenden Zusammenarbeit im Land Baden-Württemberg befördern
- Nachwuchsförderung zu betreiben
- einen institutionellen Rahmen für den wissenschaftlichen Austausch mit Forschern des In- und Auslands zu schaffen.
Ein wesentlicher Grundgedanke des Altertumswissenschaftlichen Kollegs Heidelberg ist es, daß ein Altertumswissenschaftler und der Vertreter einer anderen (nicht–altertumswissenschaftlichen) Disziplin in ihren fachspezifischen Forschungsvorhaben jeweils das gleiche, für das Verständnis von Gesellschaften relevante Phänomen betrachten und so gemeinsam eine grundsätzliche Fragestellung verfolgen. Das Altertumswissenschaftliche Kolleg versucht, für die beteiligten Disziplinen – über die vielfach praktizierten interdisziplinären Kooperationen benachbarter Fächer hinaus – einen richtungsweisenden und nachhaltigen Mehrwert zu erzielen: Die Fachvertreter zweier nicht auf den ersten Blick thematisch und forschungspragmatisch nahe beieinander liegender Disziplinen erweitern jeweils den Horizont ihrer eigenen Forschungen erheblich, indem sie über ein Jahr hinweg intensiv mit Fragestellungen, Methoden, Erkenntnissen und Blickwinkeln einer ihnen weitgehend fremden Disziplin konfrontiert werden. Das Altertumswissenschaftliche Kolleg erwartet die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse und der Beiträge zu den Symposien.