Bewerbungsmodalitäten
Kandidatur: Selbstbewerbung
 
Prämiertes Werk:
in der Regel Dissertations- und Habilitationsschriften
 
Bewerbungsunterlagen:
3 Exemplare der Arbeit/kurze Zusammenfassung mit Darstellung des methodischen Hintergrunds und der theoretischen Zielsetzung/curriculum vitae/gegebenenfalls Schriftenverzeichnis
 
Bewerbungsanschrift:
An den
Vorsitzenden der Jury des
'Förderpreises Klassische Philologie'
Prof. Dr. Jürgen Paul Schwindt
Seminar für Klassische Philologie
Universität Heidelberg
Marstallhof 2-4
69117 Heidelberg
 
Kontaktadresse:
Dr. Joséphine Jacquier
Tel. 06221/542558 josephine.jacquier@skph.uni-heidelberg.de
 
Presse

Heidelberger Förderpreis

 Dias Pressestelle 0096 Bearbeitet

 

 

 

Aktuell:

Der „Heidelberger Förderpreis für klassisch-philologische
Theoriebildung“ des Jahres 2011 geht an die Basler Gräzistin
Rebecca Lämmle.

 

Pressemitteilung

 
 
 
Foerderpreis Ausschreibung 2011 Klein2

 

Zur Förderung der philologischen Theoriebildung hat der Universitätsverlag Winter GmbH in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Klassischen Philologen Jürgen Paul Schwindt einen jährlich zu vergebenden Preis für die beste Nachwuchsarbeit auf den Gebieten der Griechischen und Lateinischen Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft ausgesetzt. Die Auszeichnung umfaßt ein Preisgeld von 1500 Euro sowie die Übernahme der Kosten für die Drucklegung in der renommierten "Bibliothek der Klassischen Altertumswissenschaften". Der "Heidelberger Förderpreis für klassisch-philologische Theoriebildung" soll, so Verlagsleiter Dr. Andreas Barth, "junge Wissenschaftler ermutigen, neue und vielleicht auch unbequeme Wege zu gehen, um den grundlegenden Beitrag, den die Erforschung der Literaturen und Sprachen der Alten Welt in den aktuellen akademischen Debatten leisten kann, im Bewußtsein einer größeren Öffentlichkeit präsent zu halten". Ausgezeichnet werden sollen junge Philologen, die mit Methodenbewußtsein und kritischer Phantasie durch eindringliche Textbeschreibung und Interpretation Einsichten befördern, die der begrifflichen und konzeptionellen Selbstvergewisserung philologisch-hermeneutischen Arbeitens dienen können und zugleich das grundlagenwissenschaftliche Potential einer modernen Klassischen Philologie verstärkt zur Geltung bringen. Die bisherigen Preisträger sind Martin Vöhler (2005), Susanne Gödde (2006), Frank Wittchow (2007), Alexander Kirichenko (2009) und Rebecca Lämmle (2011). Als Gastjuroren fungierten 2005 Karl Heinz Bohrer und Maria Moog-Grünewald, 2006 Michael Theunissen und Rainer Warning, 2007 Walter Haug (†) und Renate Lachmann, 2009 Reinhard Brandt und Martin Koppenfels. Weitere Informationen zur Geschichte des Preises im nebenstehenden Archiv.

Der Förderpreis 2011 wird am 16. März 2012 im Rahmen eines Festakts in der Alten Aula der Universität Heidelberg vergeben, siehe oben die Pressemitteilung.

 

 

Nachberichterstattung zur Förderpreisvergabe 2009

 

aus: RNZ, Dienstag, 16. Februar 2010

Zwischen Pop- und Hochkultur

Heidelberger Förderpreis für Philologen Alexander Kirichenko

von Oliver Fink

Mit den Klassikern der antiken Literatur ist das so eine Sache. Dass die Namen der Autoren und die Titel der Werke vom Vergessen bedroht sind, kann man nicht behaupten. Viele Stoffe - etwa Odysseus oder König Ödipus - sind sogar außerordentlich präsent. Doch wer greift heute schon ins Bücherregal, um sich ganz unmittelbar antiker Lyrik, Epik oder Dramatik zu widmen, noch dazu in der Originalsprache? Das scheint dann doch eher etwas für ganz spezielle Liebhaber zu sein oder aber eine Angelegenheit für Profis, vor allem die Sprach- und Literaturwissenschaftler an den Universitäten.

Folgt man Prof. Jürgen Paul Schwindt, Direktor des Seminars für Klassische Philologie der Universität Heidelberg, legen allerdings viele Philologen inzwischen auch keinen gesteigerten Wert mehr auf gründliche Lektüre. "Sie reden zwar über Texte", so Schwindt anlässlich der Verleihung des Heidelberger Förderpreises für klassisch-philologische Theoriebildung an Dr. Alexaner Kirichenko, aber sie "befragen sie nicht mehr". Der Kern philologischer Arbeit - charakterisiert durch Begriffe wie Vertiefung, Genauigkeit, aber auch Theoriebewusstsein - bleibe dabei auf der Strecke.

Geschichte vom goldenen Esel

Kirichenko, der diese zum vierten Mal vergebene Auszeichnung in diesem Jahr entgegennehmen durfte, gehört natürlich nicht zu diesen kritisierten Philologen. Ausgezeichnet wurde der 1974 in Wladiwostok (Russland) geborene Wissenschaftler für seine an der Universität Harvard vorgelegte Dissertation "A Comedy of Storytelling: Theatricality and Narrative in Apuleius' Golden Ass". Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht eine Analyse des "Eselsromans" des Lucius Apuleius aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.

Wie Kirichenko bei der Entgegennahme des Preises erläuterte, habe die "diffuse Struktur" dieses antiken Romans in der Forschung zu einer regelrechten "Deutungspluralität" geführt. Für den jungen Literaturwissenschaftler, der derzeit an der Universität Trier arbeitet, werden in diesem Werk Pop- und Hochkultur so ineinandergeblendet, dass der fiktionale Text als eine Art Schauspiel verstehbar wird: Der Erzähler, der wegen seines Vorwitzes in einen Esel verwandelte Lucius, werde in der souveränen Regie des Apuleius zum stand-up comedian, der das ganze Register performativer Praktiken zu einer von stupender Selbstreflexion zeugenden Abfolge erzählerischer Glanzpunkte verdichtet.

"Wozu noch Universitäten?"

Die Jury, der neben Jürgen Paul Schwindt in diesem Jahr auch der Marburger Philosoph Dr. Reinhard Brandt und der Bielefelder Komparatist Prof. Dr. Martin von Koppenfels angehörten, würdigte diese Interpretation "als einen originellen Beitrag zum Verständnis der kaiserzeitlichen Ästhetik." Freuen durfte sich Alexander Kirichenko nicht nur über ein Prisgeld in Höhe von 1.500 Euro, sondern auch über die Drucklegung seiner Arbeit in der Buchreihe "Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften". Herausgegeben wird sie von Jü,rgen Paul Schwindt im Heidelberger Winter-Verlag, mit dem zusammen er diese Auszeichnung ins Leben gerufen hat.

Reinhard Brandt war es vorbehalten, zum Abschluss des Festakts die Perspektive noch einmal zu erweitern: "Wozu brauchen wir noch Universitäten? Und welche?" lautete der Titel seines Vortrags. Der Philosoph holte weit aus. Das Finale galt natürlich den aktuellen hochschulpolitischen Entwicklungen. Den Slogan "Bildung für alle" mochte er nicht als "Zwang zum Studium" gedeutet wissen.

Gegen die "Nummerierung des Wissens" wandte sich Brandt mit Blick auf den Bologna-Prozess ebenso wie gegen den überbetonten Praxis- und Anwendungsbezug. Und wie sollte die Universität seiner Meinung nach aussehen? Ein Ort, an dem "interesselose Erkenntnis ermöglicht" und "kritisches Denken eingeübt" werde - zudem offen, dialogisch, lebendig, kreativ: Kriterien, die auch bei der Ausschreibung und Vergabe des Heidelberger Förderpreises für klassisch-philologische Theoriebildung von größter Bedeutung sind.

 

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Letzte Änderung: 23.12.2011