Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Heidelberger "Assur-Forschung" im Rahmen des Leibniz-Förderprogramms

STEFAN M. MAUL, Heidelberg

Inhaltsübersicht

1. Vorbemerkungen

1.1. Das Fach Altorientalistik

1.2. Neue Perspektiven für die Altorientalistik

2. Die Forschungsvorhaben: Kurze Projektbeschreibungen

2.1. Teilprojekt: "Kulttopographie, Funktion und theologische Konzeption einer typischen mesopotamischen Tempelanlage"

2.2. Teilprojekt: "Anfänge ´wissenschaftlichen´ Denkens"

3. Aufbau von Forschungsarchiven

3.1. Die Erfassung des Forschungsmaterials

3.1.1. Erfassung des Inschriftenmaterials

3.1.1.1. Catalogue raisonné der Tontafeln aus Assur

3.1.1.2. Catalogue raisonné der beschrifteten Objekte aus Assur

3.1.2. Die Erfassung des archäologischen Materials: Catalogue raisonné der Fundinventare

3.2. Aufbau von Photoarchiven

3.2.1. Photoarchiv: Tontafeln aus Assur

3.2.2. Photoarchiv: Photodokumentation der Ausgräber (1903-1914)

3.3. Aufbau einer Projektbibliothek

3.4. Bedeutung der Forschungsarchive

4. Durchführung der Projekte

4.1. Personalstruktur

4.2. Sichtung der Forschungsmaterialien

4.2.1. Sichtung des unpublizierten Inschriftenmaterials

4.2.2. Sichtung der Photodokumentation der Ausgräber

4.3. Erschließung, Auswertung und Edition der Inschriften und Tontafeln

4.4. Durchführung des Teilprojektes 1 ("Kulttopographie")

4.4.1. Erfassung relevanter topographischer Daten und Informationen: Texte

4.4.2. Erfassung relevanter topographischer Daten und Informationen: bildliche Darstellungen

4.4.3. Erfassung relevanter topographischer Daten und Informationen: archäologische Befunde

4.4.4. Weitere geplante Vorgehensweise

4.5. Durchführung des Teilprojektes 2 ("Anfänge wissenschaftlichen Denkens")

5. Ausgrabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Assur

6. Vortragsprogramm und Kolloquium

7. Verzeichnis der Heidelberger Publikationen, die in Beziehung zu den hier vorgestellten Projekten stehen



1. Vorbemerkungen

1.1. Das Fach Altorientalistik

Die Altorientalistik (mit ihren Teildisziplinen Altorientalische Philologien[1] und Vorderasiatische Archäologie) ist die Wissenschaft von der Schrift, den Sprachen und Kulturen, der Geschichte, Religion, Literatur, Wirtschaft und Archäologie des alten Vorderasiens.

Die Altorientalistik ist ein forschungsgeschichtlich junges Fach. Akkadische[2] Keilschrifttexte sind erst seit etwa 130 Jahren lesbar. Die Erschließung sumerischer[3] Texte setzte etwas später ein. Trotz der seit über 100 Jahren ununterbrochenen Editionstätigkeit blieb eine auch heute noch kaum zu überblickende Menge von Keilschrifttexten unpubliziert. Durch anhaltende umfangreiche Ausgrabungstätigkeiten steigt dieser Textbestand stetig an.[4] Eine der wichtigsten Aufgaben der Assyriologie bleibt daher die Entzifferung und Edition von Keilschrifttexten.

Für das Akkadische liegt (anders als für das Sumerische) seit wenigen Jahren ein vollständiges Wörterbuch vor. Die Grammatik des Akkadischen kann als weitgehend erschlossen gelten. Moderne Zeichenlisten ermöglichen das Verständnis der sumerischen und akkadischen Keilschrift in großen Teilen. Eigene Belegsammlungen sind daher heute weit weniger notwendig als noch vor wenigen Jahren.

Angesichts der unerhört zahlreichen inschriftlichen Quellen und archäologischen Befunde, die seit der Mitte des 19. Jh. durch Ausgrabungen erschlossen wurden, wandte sich die Altorientalistik in der Nachkriegszeit im wesentlichen der philologischen und archäologisch-kunstgeschichtlichen Aufarbeitung dieses Materials zu. Die Vorderasiatische Archäologie erschloß durch sehr rege Grabungstätigkeit die materiellen Hinterlassenschaften der altorientalischen Kulturen und sammelte, ordnete und klassifizierte die Befunde. Vorderasiatische Archäologie und Altorientalische Philologie spalteten sich in Anbetracht der Fülle des zu bewältigenden Materials allmählich in zwei weitgehend voneinander unabhängige Disziplinen.

1.2. Neue Perspektiven für die Altorientalistik

Die Assyriologie, die vor allem für das Teilgebiet Akkadistik solide philologische Grundlagen erarbeitet hat, steht nun an der Schwelle zu einer neuen forschungsgeschichtlichen Phase. Erstmals in der Geschichte der Assyriologie sind die philologischen Grundlagen (vor allem in der Akkadistik) so beschaffen, daß es nun möglich erscheint, die kulturspezifische Eigenbegrifflichkeit altorientalischer Lexeme zu eruieren, um zu einem über streng sprachwissenschaftlich-grammatikalische sowie epigraphische Kriterien hinausgehenden, tieferen Verständnis der Texte und des dahinter stehenden Weltbildes zu gelangen. Neben die (nie zu vernachlässigende) streng philologische Ausrichtung der Assyriologie muß nun verstärkt die Suche nach dem Verständnis der altorientalischen Kulturen und deren Weltbildern treten.

In Zukunft muß es außerdem selbstverständlich werden, daß ein tieferer Einblick in die Geisteswelt einer Kultur nur dann zu erzielen ist, wenn schriftliche wie materielle und bildliche Hinterlassenschaften gemeinsam betrachtet und zu Deutungen gleichermaßen herangezogen werden. Geschieht dies nicht, wird ein tieferes Verständnis von Texten und materiellen Befunden und der einen Kultur, die beides hervorgebracht hat, unmöglich sein.

Darüber hinaus wird in Zukunft eine wichtige Aufgabe des Faches darin liegen, den Wissenschaften und dem kulturellen Bewußtsein unserer Gesellschaft zu erschließen, von welch großer historischer und kulturhistorischer Bedeutung Texte und Hinterlassenschaften des Alten Orients sind. Denn wer immer sich für Entstehen und Entwicklung von religiösen Vorstellungen, Gesellschaftsstrukturen, Staats- und Herrschaftsformen, für die Anfänge der Wissenschaften, traditionelle landwirtschaftliche Arbeitsmethoden, Wirtschaftsgeschichte und vieles andere mehr interessiert, muß auf das Material, das die Altorientalistik bearbeitet, zurückgreifen. Die Keilschrifttexte liefern in der Regel dazu jeweils das älteste, umfangreichste und detaillierteste Material des Altertums für einen Zeitraum von mehr als 3 Jahrtausenden. Die altorientalischen Quellen sind hierbei nicht etwa eine exotische Bereicherung, sondern wesentlicher Natur, da die altorientalischen Kulturen durch ihren großen Einfluß auf die griechisch-römische und christlich-jüdische Kultur in ihren Auswirkungen Weltbild, Religion und Wissenschaften der Gegenwart entscheidend geprägt haben.

Es ist leicht ersichtlich, daß sich die Altorientalistik nun verstärkt mit Fächern wie der Religions-, Rechts-, Wirtschafts-, Sozial- und Wissenschaftsgeschichte, der Medizin, Botanik, Chemie, Mathematik, Astronomie usf. wird vernetzen müssen, um zu guten Ergebnissen zu gelangen.

Die durch den Leibniz-Förderpreis zur Verfügung gestellten Mittel sollen daher gezielt dafür eingesetzt werden, eine solche Entwicklung des Faches zu befördern. Eine junge Generation von Forschern soll in den hier vorgestellten Projekten einerseits die für Editionstätigkeit notwendige strenge philologische Ausrichtung des Faches fortführen und ausbauen, aber andererseits lernen, mehr als bisher kulturgeschichtliche Fragestellungen in den Mittelpunkt der Forschung zu stellen, den Dialog mit anderen Disziplinen zu führen und nicht zuletzt die Teilgebiete des Faches, Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Archäologie, wieder zusammenzuführen.

Außerdem sollen die von der Bundesrepublik Deutschland und den Deutschen Ländern zur Verfügung gestellten Mittel in der Höhe von 3.000.000 DM im Verlauf von insgesamt 5 Jahren so investiert werden, daß eine Struktur entsteht, die weit über den Förderungszeitraum (1997-2002) hinaus Bestand hat und weiterhin der Entwicklung der Altorientalistik dienlich ist.

2. Die Forschungsvorhaben: Kurze Projektbeschreibungen

Die durch den Leibniz-Förderpreis ermöglichten Aktivitäten haben zwei Schwerpunkte. Zum einen sollen exemplarisch die Kulttopographie, die Funktionen und theologischen Konzeptionen einer typischen zentralen mesopotamischen Tempelanlage untersucht werden (siehe 2.1.). Gegenstand des anderen Forschungsschwerpunktes ist eine Untersuchung der "Anfänge 'wissenschaftlichen' Denkens in Mesopotamien" (siehe 2.2.).

2.1. Teilprojekt: "Kulttopographie, Funktion und theologische Konzeption einer typischen mesopotamischen Tempelanlage"

Mesopotamische Tempelstrukturen sind, soweit durch Grabungstätigkeit erschlossen, bislang zwar beschrieben, aber nur selten gedeutet worden. Nur aufgrund des archäologischen Befundes wird dies auch kaum möglich sein. Verschränkt man jedoch die Informationen, die aus den archäologischen Befunden zu gewinnen sind, mit den z.T. sehr detaillierten keilschriftlichen "Tempelbeschreibungen" und Informationen aus weiteren Keilschriftdokumenten wie Bauberichten, Weihinschriften, Ritualbeschreibungen und Mythen, besteht eine gute Chance, das "Wesen" eines Tempels und seine Bedeutung für das Gemeinwesen zu erfassen.

Für eine solche Untersuchung bietet sich der Assur-Tempel in Assur ganz besonders an (hierzu vgl. auch S.M. Maul, "1903-1914: Assur. Das Herz eines Weltreiches", in: G. Wilhelm [Hrsg.], Zwischen Tigris und Nil. 100 Jahre Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Vorderasien und Ägypten, Mainz 1998, S. 47-65). Denn zumindest in seinem architektonischen Aufbau ist dieser bedeutende Tempel vergleichsweise gut untersucht (vgl. A. von Haller, W. Andrae, Die Heiligtümer des Gottes Assur und der Sin-Schamasch Tempel in Assur, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 67, Berlin 1955). Die Grabungspublikation stellt in knapper Weise die (häufig nicht überprüfbaren) archäologischen Befunde dar. Darüber hinaus blieb aber die von W. Andrae in vorbildlicher Weise geführte Dokumentation der Ausgrabungen (Grabungstagebücher, Fundjournale etc.) erhalten und ist in den Archiven der Deutschen Orient-Gesellschaft zugänglich, so daß eine erneute Auswertung dieser Materialien neue wichtige Ergebnisse liefern wird.

Als Gegenstand der geplanten Untersuchung bietet sich der Assur-Tempel auch deshalb an, da er als "Herz" des assyrischen Reiches und als Wohnsitz des Gottes, der als wahrer König Assyriens galt, einen elementaren Stellenwert in der Königs- und Staatsideologie einnimmt und so Gegenstand vielfältiger inschriftlicher Materialien ist. Ferner ist von Vorteil, daß sich diese Dokumente zu einem größeren Teil im Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin befinden und somit leicht zugänglich sind.

Außerdem zeigen die Namen verschiedener Tempelteile, daß die Anlage des Assur-Tempels bereits im 2. Jt. v. Chr. nach dem Vorbild des uralten zentralen Heiligtums des sumerischen Götterkönigs Enlil (Tempel Ekur in Nippur) und später auch nach dem Vorbild des babylonischen Zentralheiligtums Esagil (in Babylon) gestaltet wurde. Der Assur-Tempel scheint somit grundlegende, für das gesamte Alte Mesopotamien repräsentative Strukturen aufzuweisen.

Eine Beschäftigung mit mesopotamischen Schöpfungsmythen einerseits und dem im Assur-Tempel, in der Stadt Assur und ihrer Umgebung gefeierten Neujahrsfest andererseits zeigte sehr rasch, daß in den Neujahrsfestritualen der "Mythos von der Schöpfung und Ordnung der Welt" 'reaktualisiert' wurde. Der mythische Raum und mythische Handlungsschauplätze finden somit ihre Entsprechungen in Räumen und Örtlichkeiten der realen Welt. In dem Assur-Tempel und dem Neujahrsfesthaus verschmolz der Îmythische RaumÌ mit dem 'Faßbar-Realen'. So wurde z. B. der uranfängliche Ort ("Urhügel"), von dem die Schöpfung ausging, im Assur-Tempel als Heiligtum verehrt. An diesem Ort war im Mythos der Schöpfergott zum Götterkönig erhoben worden, und an eben diesem Ort ließ sich der assyrische König von dem Schöpfergott und Götterkönig in seinem Amte bestätigen. Im Ritual des Neujahrsfestes betraten Gott und König gemeinsam diesen "Urhügel". Wie der Gott im Uranfang hier das Schicksal der Welt bestimmt hatte, wurde im Ritual des Festes an dem faßbar-realen Ort des "Urhügels" im Assur-Tempel das Schicksal des Landes und seines Königs für das kommende Jahr durch den Gott festgelegt. Vorzeit und Gegenwart, Götterkönig und irdischer König wurden in diesem Augenblick eins.

Ist der harmonische Dreiklang von Mythos, Ritual und Architektur bzw. Kulttopographie erst erkannt, entdeckt man, daß der Assur-Tempel in gewisser Weise ein 'steingewordenes Ebenbild' des Kosmos darstellt. Sehr ähnliche Konzeptionen bestimmen auch die zentralen Heiligtümer des Enlil (in Nippur) und des Marduk (in Babylon).

Durch kluges Verschränken der aus Mythen, Ritualen und anderen Texten gewonnenen Informationen sollen die namentlich bekannten Räumlichkeiten des Assur-Tempels mit den archäologisch nachgewiesenen Strukturen identifiziert, ihre Funktionen bestimmt und die 'Theologie des Tempels' herausgearbeitet werden. Ferner gilt es zu untersuchen, wie der Assur-Tempel in die Tempellandschaft der Stadt Assur eingebettet ist. Eine Beschäftigung mit der Kulttopographie der gesamten Stadt ist daher unumgänglich.

Das Forschungsvorhaben wird höchst bedeutende Erkenntnisse über die mesopotamische Geistes- und Religionsgeschichte (nicht zuletzt über Synkretismen und ihre Funktionen), über Zeit- und Raumvorstellungen, aber vor allem auch über das Eigenverständnis der mesopotamischen Kulturen und ihres Königtums liefern.

Die Ergebnisse sollen langfristig in einer mehrbändigen neu zu schaffenden Reihe vorgelegt werden. Als erster Band ist ein Pantheon assyriumin Form eines Nachschlagewerkes vorgesehen. In einem weiteren Band sollen, ebenfalls in der Gestalt eines Nachschlagewerkes, die Kultlokalitäten der Stadt Assur zusammengestellt werden. Es folgen dann Bände, die den Tempeln selbst, ihrer "theologischen Struktur", ihrer Archäologie und Baugeschichte, dem Tempel- und Kultpersonal sowie den Festen und Ritualen gewidmet sind.

2.2. Teilprojekt: "Anfänge 'wissenschaftlichen' Denkens"

Wollte man die Weltsicht des altorientalischen Menschen auf einen Grundgedanken zurückführen, so wäre der alles bestimmende Gedanke der Dualismus von Chaos und Ordnung. Die von den Göttern erschaffene Welt stellte sich dem mesopotamischen Menschen als ein Gefüge wohlgeordneter Kausalzusammenhänge dar, die sich in der Dynamik des Tages- und Jahresablaufs, der Bewegung der Gestirne, des Wachsens und Vergehens etc. offenbarte. Offensichtliche Störungen der Regelhaftigkeit der Natur galten als Hinweise auf Krankheit, Unglück und Katastrophen. Im Auftrage der Könige hatten daher die mesopotamischen Gelehrten diese Unregelmäßigkeiten sehr genau zu beobachten und ihre Bedeutung zu eruieren. Dieser nur scheinbar naive Vorzeichenglaube, der - den modernen Naturwissenschaften vergleichbar - davon ausgeht, daß die Welt durch das Offenlegen von Kausalitäten "berechnet" und dadurch beherrscht werden kann, hat zu höchst erstaunlicher "wissenschaftlicher" Systematik geführt, aus der im Alten Mesopotamien z. B. die rechnende Astronomie erwuchs.

In der assyrischen Hauptstadt Assur wurde bei den Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft zu Beginn dieses Jahrhunderts die Bibliothek eines Gelehrten aus dem 7. Jh. v. Chr. gefunden. Dieser Gelehrte, der "Beschwörer" (aschipu) Kizir-Assur, hatte die Aufgabe, den assyrischen König zu beraten und mit divinatorischen, magischen und medizinischen Mitteln jedes Übel von ihm fernzuhalten. Darüber hinaus lag es in seiner Verantwortung, dafür zu sorgen, daß der König durch korrektes rituelles Verhalten die Gunst der Götter erlangte und bewahrte. Auf weit mehr als 1.000 Tontafeln, die heute freilich in kleine und kleinste Fragmente zerbrochen sind, hatten Kizir-Assur und seine Mitarbeiter das hierfür notwendige Wissen ihrer Zeit zusammengetragen und schriftlich niedergelegt. Die Tontafeln aus der Bibliothek des Kizir-Assur befinden sich heute im Vorderasiatischen Museum zu Berlin, in den Archäologischen Museen zu Istanbul sowie im Iraq-Museum in Baghdad. Zu einem nicht unbeträchtlichen Teil blieben sie bislang ungelesen.

Der kulturhistorische Wert des Fundes ist unermeßlich. Nicht nur Hunderte medizinischer und botanischer Texte sowie zahlreiche Beschreibungen apotropäischer Rituale und VorzeichenÇsammlungen fanden sich unter den Bibliothekstafeln, sondern auch theologische Reflexionen und keilschriftliche historische Traktate, mit dem dahinter stehenden Versuch, Gesetzmäßigkeiten im historischen Geschehen zu ermitteln, um diese für das politische Handeln nutzbar zu machen; daneben auch Wörter-"bücher" und paläographische Keilschrift-Zeichenlisten, keilschriftliche Hand-"bücher" zur Pflanzen-, Mineral- und Steinbestimmung sowie andere Hilfsmittel des Gelehrten.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, zugehörige Tafelbruchstücke zu identifizieren, die zerbrochenen Fragmente wieder zusammenzuführen und die Texte zu entziffern und zu edieren, um so den ursprünglichen Bibliotheksbestand zu rekonstruieren. Die unpublizierten literarischen Texte aus Assur sollen im Laufe der kommenden Jahre in Lieferungen erscheinen, in denen die Texte in Autographie und, sofern möglich, in philologischer Bearbeitung vorgelegt und durch umfangreiche Indices erschlossen werden.

Die Auswertung des Bibliotheksbestandes, die Gegenstand einer gesonderten Monographie sein wird, wird tiefe Einblicke in das Wissen und die Arbeitsweise der assyrischen Gelehrten zeitigen. Die Darstellung der frühen Formen 'wissenschaftlichen' Denkens wird im Zentrum dieser Auswertung stehen.

Eine ausführliche Darstellung des Forschungsvorhabens findet sich in meinem Aufsatz "Auf den Spuren assyrischer Gelehrsamkeit", Ruperto Carola. Forschungsmagazin der Universität Heidelberg 1/97 (1997), S. 12-18.

3. Aufbau von Forschungsarchiven

Die beiden oben kurz skizzierten Forschungsvorhaben sind nur dann gewinnbringend durchzuführen, wenn den an den Projekten beteiligten Forschern nicht nur die bereits veröffentlichten archäologischen und inschriftlichen Quellen, sondern auch die bisher noch unpublizierten Materialien und Ausgrabungsdokumentationen zugänglich sind.

Erstes und wichtigstes Ziel der Bemühungen im Rahmen der Leibniz-Projekte war daher, umfangreiche Forschungsarchive anzulegen.

Dank der in dieser Form unerwartet großzügigen Unterstützung durch die Deutsche Orient-Gesellschaft und das Vorderasiatische Museum zu Berlin konnten in den vergangenen Jahren umfangreiche Sammlungen aufgebaut werden, so daß bereits jetzt eine in ihrer Art einzigartige Forschungsstelle entstanden ist.

3.1. Die Erfassung des Forschungsmaterials

3.1.1. Erfassung des Inschriftenmaterials

In der assyrischen Hauptstadt wurden bei den Ausgrabungen zwischen 1903 und 1914 etwa 14.000 Tontafelfragmente und mehr als 4.000 beschriftete Objekte geborgen. Diese befinden sich heute im Vorderasiatischen Museum zu Berlin (ca. 10.000 Tontafeln, mehr als 2.000 beschriftete Objekte), in den Staatlichen Museen zu Istanbul (ca. 2.000 Tontafeln und etwa 2.000 beschriftete Objekte) sowie im Iraq-Museum in Baghdad und verstreut in weiteren Museen und Sammlungen der Welt (darunter British Museum, London; École Pratique des Hautes Études, Paris [ehemalige Sammlung Tisserant]; Yale University etc.).

Für die Durchführung der beiden oben kurz charakterisierten Projekte ist es unabdingbar, den gesamten Inschriftenbestand aus Assur zu registrieren und zu sichten, um das relevante Material zu erfassen. Dieses Ziel ist dank der Möglichkeiten, die die elektronische Datenerfassung heute bietet, nicht mehr unerreichbar.

3.1.1.1. Catalogue raisonné der Tontafeln aus Assur

Die wichtigste Grundlage der Forschungsprojekte stellt ein im Aufbau befindlicher Catalogue raisonné der Tontafeln aus Assur dar. Den nucleus des Kataloges lieferten die ausgezeichneten Vorarbeiten von O. Pedersén (O. Pedersén, Archives and Libraries in the City of Assur. A Survey of the Material from the German Excavations, Part I, Uppsala 1985, Part II, Uppsala 1986).

In dem Katalog werden die Tontafeln klassifiziert (nach Gattungen und Inhalten) und beschrieben, sowie Angaben über Publikationen, Fundumstände, vorliegende Photos etc. zusammengestellt. Der in digitaler Form erstellte Katalog soll ermöglichen, per Suchbefehl Fund- und Archivzusammenhänge erkennen zu lassen, Texte nach Gattungen oder anderen Kriterien zu sortieren und so systematisch Textcorpora zusammenzustellen und vor allem die notwendigen "Joins" (Textzusammenschlüsse der in der Regel zerbrochenen Tontafeln) ohne großen Zeitaufwand zu erkennen.

Es ist geplant, zu einem späteren Zeitpunkt auch die in Istanbul, Baghdad und an anderen Orten aufbewahrten Tontafeln in den Katalog aufzunehmen.

Der Tontafelkatalog ist das wichtigste Hilfsmittel der Forschungsprojekte und der Schlüssel zu den aufgebauten Forschungsarchiven.

3.1.1.2. Catalogue raisonné der beschrifteten Objekte aus Assur

Vor allem für das in 2.1. ("Kulttopographie") beschriebene Projekt sind die beschrifteten Objekte (Bauinschriften auf Tonprismen, Ziegeln, Bausteinen, Tonnägeln etc.; Inschriften auf Stelen, Gefäßen etc.) von großer Wichtigkeit. Sie wurden von O. Pedersén (wohl nahezu vollständig) in einem Katalog erfaßt (O. Pedersén, Katalog der beschrifteten Objekte aus Assur. Die Schriftträger mit Ausnahme der Tontafeln und ähnlicher Archivtexte, Abhandlungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 23, Saarbrücken 1997). Da in assyrischen Bauinschriften nicht nur der Bauherr (in der Regel ein König), sondern auch oft der Name und die Funktion des jeweiligen Bauwerks oder Gebäudeteils genannt sind (bisweilen gefolgt von detaillierten Beschreibungen der Ausstattung und der in dem Bau vollzogenen Riten), ermöglicht dieser Katalog mit den dort aufgeführten Angaben über die jeweiligen Fundsituationen der Inschriften, die Baugeschichte eines jeden Gebäudes, in dem Bauinschriften in den Fundamenten deponiert wurden, ohne Zeitaufwand zu ermitteln. Mit Hilfe des Kataloges kann auch, sofern eine Inschrift in situ gefunden wurde, ohne Mühe die zugehörige architektonische Struktur datiert und oft einer sehr genauen Funktion zugewiesen werden. Mit diesem Hilfsmittel tritt die Erforschung der Kulttopographie Assurs in ein neues Zeitalter. Erstmals können die großen, zuvor kaum überschaubaren Datenmengen vollständig und in ihrem gesamten Umfang ausgewertet werden.

3.1.2. Die Erfassung des archäologischen Materials: Catalogue raisonné der Fundinventare

Insbesondere zur Funktionsbestimmung von Gebäuden und Gebäudeteilen ist auch die Erfassung der archäologischen Funde und Befunde notwendig (so sind etwa Rauminventare wichtig zur Funktionsbestimmung von Gebäuden).

Die Fundinventare, die von den Augräbern in den Jahren 1903-1914 angelegt wurden, sollen in eine Datenbank übertragen werden. Die "Maske" der Datenbank wird so angelegt, daß diese mit den digitalen Katalogen der Tontafeln (siehe 3.1.1.1.) und der beschrifteten Objekte (siehe 3.1.1.2.) verbunden werden kann. Mit ihrer Hilfe wird es möglich sein, per Suchprogramm einerseits Fundgattungen ohne Mühe zusammenzustellen. Andererseits können jederzeit die Funde eines Grabungsareals zusammengestellt und so ohne Zeitaufwand etwa die in einem bestimmten Haus/Raum gefundenen Objekte ermittelt werden. Der Datei ist zumeist auch zu entnehmen, wo diese Objekte aufbewahrt werden und auf welcher Photographie sie festgehalten wurden.

3.2. Aufbau von Photoarchiven

Die oben beschriebenen Kataloge bilden die Grundlage für die anzulegenden Photoarchive.

Die Inventarnummern der jeweils erstellten Photographien werden in den oben genannten Katalogen regelmäßig nachgetragen.

3.2.1. Photoarchiv: Tontafeln aus Assur

In einer Absprache mit der damaligen Direktorin des Vorderasiatischen Museums zu Berlin und dem Vorsitzenden der Deutschen Orient-Gesellschaft wurde am 26.11.1997 die Erlaubnis erteilt, die unveröffentlichten und bislang noch nicht photographierten Tontafeln aus Assur aus dem Besitz des Vorderasiatischen Museums zu Berlin photographieren zu lassen.

Es gelang, Frau M. Kosanke, Berlin, eine sehr erfahrene Archäologie-Photographin, für unser Projekt zu gewinnen. Seit dem 1.1.1998 arbeitet sie für uns im Vorderasiatischen Museum. Das Vorderasiatische Museum hat in sehr zuvorkommender Weise einen Arbeitsplatz für Frau Kosanke zur Verfügung gestellt.

Frau Kosanke photographiert die Berliner Tontafeln aus Assur, entwickelt die Negative und beschriftet die säurefreien Photohüllen, die Negative und die angefertigten Abzüge.

Da sich in den letzten Jahrzehnten Computersprachen, Hard- und Software so rasch entwickelten, daß bereits heute Dateien nicht mehr lesbar sind, die vor 20-25 Jahren angefertigt wurden, erscheint es alleinig sinnvoll, als primären Informationsträger der Photoarchive den Papierabzug zu wählen und keine digitale Speicherform. Auf diese Weise wird man mit den Archiven noch in 100 Jahren (ohne Hilfsmittel) arbeiten können, so wie auch wir noch heute die originale Photodokumentation der Ausgräber von Assur aus den Jahren von 1903 bis 1914 benutzen. Es ist allerdings geplant, in einem zweiten Schritt die erstellten Photos zu scannen, um sie einerseits z. B. für Publikationen digital weiterverarbeiten zu können und andererseits von ihnen Sicherheitskopien zu erstellen, die auf CDs gebrannt werden.

3.2.2. Photoarchiv: Photodokumentation der Ausgräber (1903-1914)

Der Ausgräber Assurs, Walter Andrae, ließ im Zeitraum von 1903-1914 sehr ausführlich die Ruine der Stadt und die Ausgrabungsbefunde photographieren. Auch ein großer Teil der archäologischen Funde, darunter ein beträchtlicher Teil der Tontafeln und Inschriften, wurde photographiert. Die damals erstellte Photodokumentation umfaßt etwa 9.000 Photographien. Diese Photodokumentation ist von elementarer Bedeutung für die Rekonstruktion archäologischer Befunde und damit von großer Wichtigkeit für das Teilprojekt 1 ("Kulttopographie"). Sie ist besonders wertvoll, da in die Grabungspublikationen, die unter finanziell schwierigen Bedingungen in der Zeit nach dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg veröffentlicht wurden, aus Kostengründen nur vergleichsweise wenige Photographien aufgenommen wurden.

Der Großzügigkeit der Deutschen Orient-Gesellschaft, in deren Besitz sich die Andraesche Photodokumentation befindet, ist es zu danken, daß die Erlaubnis erteilt wurde, Kopien dieser Photoserie zu erstellen.

3.3. Aufbau einer Projektbibliothek

Die Forscher, die an den durch den Leibniz-Förderpreis ermöglichten Projekten beteiligt sind, müssen über eine von der Heidelberger Institutsbibliothek getrennte, begrenzte Fachbibliothek verfügen können, in der die wichtigsten Handbücher sowie die einschlägigen Textausgaben und archäologischen Publikationen zur Verfügung stehen. Dies ist notwendig, da einerseits der reguläre Institutsbetrieb durch die neuen Forschungsvorhaben nicht behindert werden darf und andererseits vor allem die philologischen Textausgaben, aber auch die archäologischen Publikationen mit wichtigen Querverweisen, Nachträgen und Verbesserungen versehen werden müssen. Dies ist jedoch für Bücher aus den Beständen der Institutsbibliothek nicht angeraten.

Der Aufbau der Bibliothek ist weit fortgeschritten und wird weiterhin fortgesetzt. Die Bestände werden durch eine Datenbank erschlossen.

Da es wenig sinnvoll erscheint, eigens für die Projektbibliothek Zeitschriften anzuschaffen und zu halten, werden Photokopien von relevanten Aufsätzen angefertigt. Die so entstehende Sonderdrucksammlung wird ebenfalls durch eine Datenbank erschlossen.

3.4. Bedeutung der Forschungsarchive

Die Bereitstellung der Mittel aus dem Leibniz-Förderprogramm bot die wohl als einmalig zu bezeichnende Chance, die Infrastruktur für eine interdisziplinäre Forschungsstelle zu schaffen, die weit über den Förderungszeitraum hinaus von wissenschaftlicher Bedeutung sein wird. Die aufgebauten (und weiterhin zu vervollständigenden) Archive stellen nicht nur die Materialgrundlage für die unter 2.1. und 2.2. beschriebenen Forschungsvorhaben dar. Sie werden darüber hinaus für Jahrzehnte Editionstätigkeiten, archäologische Forschungen und kulturgeschichtliche Untersuchungen ermöglichen und anregen.

Namentlich die Photographien der Keilschrifttexte sind von solch hervorragender Qualität, daß Umschriften, Übersetzungen und in weiten Teilen auch die Autographien von der Photovorlage, und somit in Heidelberg, angefertigt werden können. Editionen können so vergleichsweise rasch entstehen, nicht zuletzt auch deshalb, da eine Arbeit an den Photographien nicht an die Öffnungszeiten der Museen gebunden ist. In geringerem Maße gilt oben Gesagtes auch für die Erschließung des archäologischen Materials.

Gleichwohl werden regelmäßige und längere Museumsaufenthalte eine zentrale Stelle in den Forschungsvorhaben einnehmen. Für eine Publikation ist die Autopsie der Originale in jedem Falle unumgänglich. Denn auch eine hervorragende Photographie kann nur bedingt den letztlich dreidimensionalen Charakter der Keilschrift erfassen. Dies gilt in besonderem Maße für die schlechter erhaltenen Tontafeln mit beschädigter Oberfläche. Aus naheliegenden und verständlichen Gründen wurden für die bislang erschienenen Editionen von Assur-Texten vorwiegend die gut erhaltenen Texte ausgewählt. Die Masse des verbliebenen Inschriftenmaterials ist jedoch in der Regel stark beschädigt und kann oft nur durch Kollation des Originals gänzlich entziffert werden.


4. Durchführung der Projekte

4.1. Personalstruktur

Das Forscherteam besteht sowohl aus Philologen als auch aus Archäologen, die gemeinsam an den gleichen wissenschaftlichen Vorhaben arbeiten. Eine solche Personalstruktur eröffnet die Chance, die zur Zeit weitgehend unabhängig voneinander arbeitenden Teildisziplinen der Altorientalistik, die Altorientalische Philologie und die Vorderasiatische Archäologie, wieder zusammenzuführen und miteinander zu verzahnen, um so bedeutende synergetische Effekte zu erzielen.

Es ist gelungen, für die zu besetzenden Stellen folgende junge Wissenschaftler als Mitarbeiter zu gewinnen:

Dr. J. Bär (seit 1.1.1999)

H. Cseke M.A. (ehrenamtlich seit 10.1998)

Dr. J. C. Fincke (seit 1.10.1999)

Dr. E. Frahm (seit 1.10.1998)

Dr. P. D. Gesche (1.10.1998 - 30.9.1999)

Prof. Dr. B. Groneberg (ehrenamtlich seit Herbst 2001)

Dr. N. P. Heeßel (seit 1.10.1998)

W. Meinhold (ehrenamtlich seit 9.2000)

Dr. H. Neumann (1.7.1998 - 30.9.1999)

Dr. D. Schwemer (ehrenamtlich seit 1.5.2001)

R. Strauß M.A. (seit 1.10.2000)

Frau E. Seling leitet die Geschäftsstelle der Forschungsprojekte. Frau M. Kosanke (Berlin) erstellt die Photodokumentation.

4.2. Sichtung der Forschungsmaterialien

Der erste Schritt in der Durchführung der Forschungsvorhaben besteht darin, das in den Photoarchiven bereitgestellte archäologische und inschriftliche Material zu sichten und auf Einschlägigkeit im Sinne der Forschungsvorhaben zu prüfen.

4.2.1. Sichtung des unpublizierten Inschriftenmaterials

Als Projektleiter habe ich die Aufgabe übernommen, die jeweils eingehenden Photographien von Keilschrifttexten durchzusehen, die Texte so weit wie möglich einer Gattung zuzuweisen und weitere Charakteristika der Texte zu notieren. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden regelmäßig in den Catalogue raisonné der Tontafeln aus Assur eingetragen. Auf diese Weise können die Angaben des Kataloges stetig präzisiert und gleichzeitig thematische Textcorpora erstellt werden.

Die Mitarbeiter des Teams sollen sich zwar stetig austauschen, aber auch mittelfristig eine spezifische Sachkompetenz entwickeln, die sie in die Arbeiten des Teams einfließen lassen können.

Für die Vorbereitung von Texteditionen, die die Arbeitsmaterialien für die beiden Teilprojekte darstellen, wurden daher folgenden Textcorpora gebildet und an verantwortliche "Sachbearbeiter" des Teams weitergeleitet:

- literarische, magische, religiöse Texte; Bearbeitung: S. M. Maul (Teilprojekte 1 und 2)

- akkadische "Handerhebungsgebete", "Löserituale" und Verwandtes; Bearbeitung: R. Strauß (einschlägig für Teilprojekt 2)

- Rituale gegen Schadenszauber; Bearbeitung: Dr. P. D. Gesche fortgeführt von Dr. D. Schwemer (einschlägig für Teilprojekt 2)

- terrestrische Omensammlungen und Omina der Eingeweideschau; Bearbeitung: Dr. N. P. Heeßel (einschlägig für Teilprojekt 2)

- astrologische Omensammlungen; Bearbeitung: Dr. J. C. Fincke (einschlägig für Teilprojekt 2)

- historische Texte; Bearbeitung: Dr. E. Frahm (vor allem einschlägig für Teilprojekt 1)

4.2.2. Sichtung der Photodokumentation der Ausgräber

Die Odyssee der Berliner Assur-Funde führte dazu, daß die auf der Ausgrabung vergebenen Fundnummern für einen großen Teil der nach Berlin gelangten Tontafeln verloren gingen und somit ihre Fundumstände (und damit ihre Archiv- oder Bibliothekszugehörigkeit) nicht ersichtlich sind. Nur für einen geringeren Teil der Texte können diese Fragen durch prosopographische Untersuchungen und das Studium von Kolophonen (Tafelunterschriften) gelöst werden. Daher ist die Photodokumentation der Ausgräber (siehe 3.2.2.) auch für die Edition von Tontafeln von großer Wichtigkeit. Denn die dort dokumentierten Schriftzeugnisse (und freilich auch die übrigen archäologischen Funde) sind auf den Photographien mit Fundnummern versehen, die Aufschluß über ihren jeweiligen Fundort geben. Da die Aufnahmen noch im Felde gemacht wurden, existiert jedoch keine Konkordanz zwischen Fund- und Museumsnummern.

Um die Fundorte der in den Museen befindlichen Objekte aus Assur ausfindig machen zu können, muß eine solche Konkordanz entstehen (Solange dieses zeitaufwendige Vorhaben nicht abgeschlossen sein wird, werden Editionen literarischer Texte nach topischen Gesichtspunkten angelegt werden müssen und nicht etwa, wie es eigentlich wünschenswert erschiene, nach Bibliothekszusammenhängen). Als erste Vorarbeit dazu ist begonnen worden, die Fundnummern der in der Photodokumentation festgehaltenen beschrifteten Objekte mit der zugehörigen Photonummer und einer Kurzbeschreibung des Objektes zu verzetteln. Die zugehörigen Museumsnummern sollen dann in einem zweiten Schritt ermittelt und eingetragen werden. Die vergleichsweise detaillierten Beschreibungen der Tafeln in dem Catalogue raisonné der Tontafeln aus Assur werden bei der Identifizierungen von Tontafeln aus der Photodokumentation der Ausgräber mit Tontafeln, deren Museumsnummer bekannt ist und die von uns photographiert wurden, große Dienste leisten. Langfristig werden so für viele Objekte und Texte die Fundumstände bzw. die Archiv- und Bibliothekszusammenhänge wieder ermittelt werden können.

4.3. Erschließung, Auswertung und Edition der Inschriften und Tontafeln

Sehr rasch hat es sich als sinnvoll erwiesen, bei der unter 4.2.1. beschriebenen Sichtung des Inschriftenmaterials nicht nur Notizen, sondern in vielen Fällen sogleich Transliterationen anzufertigen, um doppelte Arbeit zu vermeiden. Auf diese Weise wurden bisher mehr als 1.000 Tontafeln aller Gattungen nach den für das Projekt angefertigten Photographien umschrieben. Mit diesem neu erschlossenen Inschriftenmaterial lassen sich nicht nur bislang nicht erhaltene Passagen der großen Literaturwerke des Alten Orients wiederfinden. Es konnten auch zahlreiche literarische und historische Texte und sogar ganze Textgattungen, die bisher unbekannt waren, identifiziert werden.

Mit diesem Textcorpus sollen die Keilschrifttexte aus Assur religiösen Inhalts (vgl. E. Ebeling, Keilschrifttexte aus Assur religiösen Inhalts Bd. I, WVDOG 28, Leipzig [1915-] 1919; ders., Keilschrifttexte aus Assur religiösen Inhalts Bd. II, WVDOG 34, Leipzig [1920-] 1923.), die Literarischen Keilschrifttexte aus Assur (vgl. E. Ebeling, F. Köcher, Literarische Keilschrifttexte aus Assur, Berlin 1953) und die Keilschrifttexte aus Assur historischen Inhalts (vgl. L. Messerschmidt, Keilschrifttexte aus Assur historischen Inhalts Bd. I, WVDOG 16, Leipzig 1911; O. Schroeder, Keilschrifttexte aus Assur historischen Inhalts Bd. II, WVDOG 37, Leipzig 1922) fortgeführt werden. Im einzelnen sind hierfür folgende Bände bzw. Lieferungen mit Texteditionen derzeit in Vorbereitung:

1. J. C. Fincke, Astrologische Omina und astronomische Texte aus Assur (Arbeitstitel)

2. E. Frahm, Keilschrifttexte aus Assur historischen Inhalts

3. N. P. Heeßel, Terrestrische Omina und Texte zur Eingeweideschau aus Assur (Arbeitstitel)

4. S. M. Maul, Rituale gegen den "Bann" (nam-érim-búr-ru-da) (Arbeitstitel)

5. S. M. Maul, Sumerische und zweisprachige sumerisch-akkadische religiöse Texte aus Assur (Arbeitstitel)

6. D. Schwemer, Rituale gegen Schadenszauber (Arbeitstitel)

7. R. Strauß, Akkadische "Handerhebungsgebete", "Löserituale" und Verwandtes (Arbeitstitel)

In den geplanten Editionsbänden sollen in einem einleitenden Teil die archäologischen Fundumstände der Texte geschildert und die Bibliothekszugehörigkeit der Tafeln geklärt werden. In einem knappen Katalog folgen dann kurze Charakterisierungen der einzelnen edierten Tontafeln. Im Hauptteil werden dann die keilschriftlichen Autographien und ausgewählte Photographien vorgelegt, gefolgt von Indices, die das Textmaterial in verschiedener Weise erschließen.

Parallel zu den Texteditionen werden Umschriften, Übersetzungen und Kommentare in der Reihe Studien zu den Assur-Texten vorgelegt.

Als Nebenprodukt der Editionstätigkeit werden ferner Materialien für eine Paläographie der Keilschrifttexte aus Assur gesammelt.

4.4. Durchführung des Teilprojektes 1 ("Kulttopographie")

4.4.1. Erfassung relevanter topographischer Daten und Informationen: Texte

In einem ersten Schritt müssen die relevanten topographischen Daten und Informationen in sinnvoller und überblickbarer Weise zusammengetragen werden. Das Forscherteam hat hierfür die Maske einer Datenbank entwickelt, die Angaben über

  • den ausgewerteten Schriftträger (Museumsnummer, Fundnummer, Publikationsort, Textgattung, Datierung des Textes)
  • das Pantheon von Assur (Götternamen und ihre Graphien; Götterepitheta)
  • über architektonische Strukturen in dreifacher hierarchischer Gliederung (Gebäudekomplex, Name der untergeordneten Struktur [z. B. Kapellen innerhalb eines Tempels]; Einrichtungen oder Teile der untergeordneten Struktur [z. B. ein Altar in der Kapelle innerhalb eines Tempels]) und Zusatzbemerkungen
  • Feste und Rituale, die in dieser Gebäudestruktur stattfinden; das daran beteiligte Kultpersonal; die Termine, an denen die Feste und Rituale stattfanden
  • Sonstiges ("Bemerkungen")

enthält. Diese Angaben können nach verschiedenen Kriterien zusammengestellt und sortiert werden. Bequem können so z. B. alle registrierten Erwähnungen eines bestimmten Kultortes zu einer bestimmten Zeit, alle Heiligtümer eines bestimmten Gottes, alle erwähnten kultischen Aktivitäten an einem bestimmten Datum oder nach Daten sortiert etc. aufgerufen werden.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter haben zunächst damit begonnen, die Angaben aus den bereits publizierten Bau-, Weih- und Königsinschriften zu verzetteln, die für eine Rekonstruktion der Kulttopographie von Bedeutung sind.

4.4.2. Erfassung relevanter topographischer Daten und Informationen: bildliche Darstellungen

Bildliche Darstellungen, die Götter, Kultbilder und ihre Ausstattung sowie architektonische Strukturen Assurs zeigen, werden von dem Archäologen Herrn Dr. Jürgen Bär gesammelt und ausgewertet.

4.4.3. Erfassung relevanter topographischer Daten und Informationen: archäologische Befunde

Herr Bär überarbeitete seine an der Martin-Luther-Universität, Halle vorgelegte Dissertation Die archaischen Ischtar-Tempel in Assur. Stratigraphie, Architektur und Funde eines altorientalischen Heiligtums und bereitet sie zum Druck vor. Mit dieser Arbeit liegt erstmals eine verläßliche moderne Studie über die frühen Ischtar-Tempel von Assur vor, die die archäologische Grundlage für kulttopographische Studien liefert.

Eine äußerst wichtige, bisher noch keinem Mitarbeiter zugewiesene Aufgabe besteht darin, anhand der Fundjournale und Grabungstagebücher die archäologischen Befunde vor allem des Assur-Tempels zu klären und darzustellen (Ein sehr erleichterter Zugriff zu diesem Material entsteht durch die oben beschriebenen Archive und Datenbanken). Anders als in der sehr knappen, vorwiegend an der Architektur orientierten Grabungspublikation von 1955 sollen die Rauminventare rekonstruiert werden, mit dem Ziel, unter Berücksichtigung des philologischen Quellenmaterials Funktionsbestimmungen der Räumlichkeiten vorzunehmen. Ferner sollen die architektonischen Abhängigkeiten des Assur-Tempels von den Vorbildern der zentralen Heiligtümer in Nippur (Enlil-Tempel Ekur) und Babylon (Marduk-Tempel Esagil) untersucht und dargestellt werden.

4.4.4. Weitere geplante Vorgehensweise

In den nächsten Jahren wird weiterhin die Sichtung des für das Teilprojekt 1 relevanten Materials und die Vervollständigung der Datenbank "Pantheon, Topographica und Kultkalender" im Vordergrund der Aktivitäten stehen. Erst dann kann die Auswertung des gesammelten Materials in vollem Umfange beginnen.

4.5. Durchführung des Teilprojektes 2 ("Anfänge wissenschaftlichen Denkens")

Aus den Berliner Tontafelbeständen wurden bereits zahlreiche neue, bisher unbekannte Tontafeln mit religiösen, magischen, divinatorischen, medizinischen, botanischen etc. Texten identifiziert, die mit Sicherheit aus der Bibliothek des sog. "Hauses des BeschwörungsÇpriesters" stammen. Ihre Bearbeitung ist in Vorbereitung (siehe oben unter 4.3.). Ferner konnten zahlreiche Textzusammenschlüsse ("joins") festgestellt werden. Frau W. Meinhold hat nach vorliegenden Umschriften Keilschriftautographien hergestellt.

Während die im weiteren Sinne literarischen Texte der Bibliothek Auskunft geben über die "berufliche" Tätigkeit des Gelehrten Kizir-Assur als Heiler und Zeichendeuter, wissen wir über Alltagsleben und -aufgaben eines solchen Beschwörers (aschipu) fast nichts. Ein kleines, nie untersuchtes Verwaltungsarchiv, das gemeinsam mit der Fachbibliothek des Beschwörers gefunden wurde, ist hier höchst aufschlußreich. Die zugehörigen Urkunden, die nie im Kontext mit der Gelehrtenbibliothek betrachtet wurden, zeigen, daß der Beschwörer neben seinen Aufgaben als Heiler auch wichtige Funktionen im Bereich der Tempelverwaltung und -wirtschaft innehatte. In einer Dissertation, die am Heidelberger Institut entsteht (Frau Henrietta Cseke; gefördert durch den DAAD), sollen diese "weltlichen" Aufgaben des Gelehrten anhand der bislang unpublizierten Keilschrifturkunden dargestellt werden.

Hand in Hand mit der Editionstätigkeit geht weiterhin die Arbeit an der unter 4.2.2. beschriebenen Konkordanz, die die Voraussetzung dafür darstellt, daß der Bestand der Bibliothek vollständig erfaßt werden kann. Erst wenn diese Arbeit beendet sein wird, kann die Auswertung des gesamten Textbestandes (siehe die Projektbeschreibung, oben unter 2.2.) beginnen.

5. Ausgrabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Assur

Die Beteiligung von Heidelberger Assyriologen und Vorderasiatischen Archäologen an der von der Deutschen Orient-Gesellschaft wiederaufgenommenen Ausgrabung von Assur (vgl. dazu die Beiträge und Berichte in MDOG 132 [2000]) runden das Profil der in Heidelberg betriebenen "Assur-Forschung" ab.

6. Vortragsprogramm und Kolloquium

Mehrere renommierte Wissenschaftler aus den Bereichen Altorientalische Philologien und Vorderasiatische Archäologie wurden zu Gastvorträgen eingeladen, die thematisch in Beziehung zu den beiden hier beschriebenen Teilprojekten standen. Die (öffentliche) Vortragsreihe ist nicht zuletzt als Weiterbildungsprogramm für das Forscherteam gedacht.

Langfristig ist ein Kolloquium zu dem Thema "Gotteshaus als mythischer Raum" geplant. Es sollen etwa 10 Vertreter verschiedener Disziplinen (Altes Testament; Ägyptologie; Altorientalistik; Indologie; Sinologie; Klassische Philologie/Archäologie; Europäische Kunstgeschichte) zu Vorträgen eingeladen und auch über erste Ergebnisse des Teilprojektes 1 ("Kulttopographie") berichtet werden.

7. Verzeichnis der Heidelberger Publikationen, die in Beziehung zu den hier vorgestellten Projekten stehen

7.1. Allgemeines

Stefan M. Maul

"Wiedererstehende Welten. Aufgaben und Möglichkeiten moderner Altorientalistik", MDOG 130 (1998), 266-274
ders.,"Die Schriftfunde aus Assur von den Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft im Frühjahr 2000", MDOG 132 (2000), 65-100
ders.,Stefan M. Maul, "Altertum in Mesopotamien. Beiträge zu den Sektionsthemen und Diskussionen", in: D. Kuhn, H. Stahl (Hrsg.), Die Gegenwart des Altertums. Formen und Funktionen des Altertumsbezugs in den Hochkulturen der Alten Welt, Heidelberg 2001, 117-124
Eckart Frahm

[In Zusammenarbeit mit Eva Braun-Holzinger], "Liebling des Marduk - König der Blasphemie. Große babylonische Herrscher in der Sicht der Babylonier und in der Sicht anderer Völker", in: J. Renger (Hrsg.), Babylon: Focus mesopotamischer Geschichte, Wiege früher Gelehrsamkeit, Mythos in der Moderne, CDOG, Bd. 2, Saarbrücken 1999, 131-156
ders.,Artikel "Entzifferung" (Alter Orient und Ägypten), in: Der Neue Pauly, Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, Bd. 13, Stuttgart, Weimar 1999, 956-962
ders.,"Die Wiege der Zivilisation in den Stürmen der Zeit", in: Antike Welt 3/2001, 265-270
ders.,"Wie 'christlich' war die assyrische Religion?", in: Die Welt des Orients 31, Tübingen 2000/01, 31-45

7.2. Zu dem Teilprojekt 2.1. ("Kulttopographie")

Stefan M. Maul

"Die altorientalische Hauptstadt - Abbild und Nabel der Welt", in: G. Wilhelm (Hrsg.), Die Orientalische Stadt: Kontinuität, Wandel, Bruch. 1. Internationales Colloquium der Deutschen Orient-Gesellschaft, 9.-10. Mai 1996 in Halle/Saale, CDOG 1, 1997, S. 109-124
ders."tikip santakki mala baschmu ... Anstelle eines Vorwortes", in: Stefan M. Maul (Hrsg.), Festschrift für Rykle Borger zu seinem 65. Geburtstag am 24. Mai 1994. tikip santakki mala baschmu ..., Cuneiform Monographs 10, Groningen 1998, S. vii-xvii
ders."Der assyrische König - Hüter der Weltordnung", in: J. Assmann, B. Janowski, M. Welker (Hrsg.) Gerechtigkeit. Richten und Retten in der abendländischen Tradition und ihren altorientalischen Ursprüngen, 1998, S. 65-772
ders."Marduk, Nabû und der assyrische Enlil. Die Geschichte eines sumerischen Schuílas", in: Stefan M. Maul (Hrsg.), Festschrift für Rykle Borger zu seinem 65. Geburtstag am 24. Mai 1994. tikip santakki mala baschmu ..., Cuneiform Monographs 10, Groningen 1998, S. 159-197
ders."1903-1914: Assur. Das Herz eines Weltreiches", in: G. Wilhelm (Hrsg.), Zwischen Tigris und Nil. 100 Jahre Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Vorderasien und Ägypten, Mainz 1998, S. 47-65
ders."Altorientalische Tatenberichte mit (auto)biographischen Zügen", in: F. Paschoud, W. W. Ehlers u.a. (Hrsg.), La biographie antique. Entretiens sur l'antiquité classique. Tome XLIV, Vandoeuvres/Genève 1998, S. 1-32
ders."Im Fadenkreuz von Raum und Zeit. Zum Verhältnis von Weltbild und Herrschaftskonzeption im Alten Orient (Festvortrag anläßlich des 70. Geburtstages von Prof. Dr. Karlheinz Deller am 21.2.1997), in: Heidelberger Jahrbücher 42 (1998), S. 27-41
ders."Assur", in: H. D. Betz, D. Browning, B. Janowski, E. Jüngel (Hrsg.), Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998, 854
ders."Gottesdienst im Sonnenheiligtum zu Sippar", in: B. Böck, E. Cancik-Kirschbaum, Th. Richter (Hrsg.), Munuscula Mesopotamica. Festschrift für Johannes Renger, AOAT 267, Münster 1999, S. 285-316
ders."«Il ritorno alle origini»: il rinnovamento rituale della regalità nella festa babilonese-assira del nuovo anno", in: Il giubileo prima del giubilea. Tempo e spazio nelle civiltà mesopotamiche e dell'antico Egitto, Atti del Convegno Internazionale, Milano, 12 febbraio 2000, Milano 2000, 23-34
ders."Der Sieg über die Mächte des Bösen. Götterkampf, Triumphrituale und Torarchitektur in Assyrien", in: T. Hölscher (Hrsg.), Gegenwelten zu den Kulturen Griechenlands und Roms in der Antike, Leipzig 2000, 19-46
ders."Die Frühjahrsfeierlichkeiten in Assur", in: A. R. George, I. L. Finkel (Hrsg.), Wisdom, Gods and Literature: Studies in Honour of W. G. Lambert, Winona Lake 2000, S. 389-420
Eckart Frahm

Einleitung in die Sanherib-Inschriften, Archiv für Orientforschung, Beiheft 26, Wien 1997
ders.Rezension zu H. Tadmor, The Inscriptions of Tiglath-Pileser III, King of Assyria (Jerusalem 1994), in: Archiv für Orientforschung XLIV und XLV, Wien 1997/1998, 399-404
ders."Sanherib und die Tempel von Kuyunjik", in: Stefan M. Maul (Hrsg.), Festschrift für Rykle Borger zu seinem 65. Geburtstag am 24. Mai 1994. tikip santakki mala baschmu ..., Cuneiform Monographs 10, Groningen 1998, S. 107-121
ders.Rezension zu A. K. Grayson, Assyrian Rulers of the Early First Millenium BC. II (858-745), The Royal Inscriptions of Mesopotamia, Assyrian Periods 3, Toronto, Buffalo, London 1996, in: Orientalistische Literaturzeitung 93, Berlin 1998, 304-318
ders."Kabale und Liebe: Die königliche Familie am Hof zu Ninive", in: W. Seipel, A. Wieczorek (Hrsg.), Von Babylon bis Jerusalem: Die Welt der altorientalischen Königsstädte, Bd. 2 (Ausstellungskatalog Mannheim), Mailand 1999, 312-323
ders."Perlen von den Rändern der Welt", in: K. Van Lerberghe, G. Voet (Hrsg.), Languages and Cultures in Contact: At the Crossroads of Civilizations in the Syro-Mesopotamian Realm (Proceedings of the 42th RAI), Orientalia Lovaniensia Analecta 96, Leuven 1999, 79-99
ders.[In Zusammenarbeit mit Rocío Da Riva] "Schamasch-schumu-ukin, die 'Herrin von Ninive' und das babylonische Königssiegel", in: Archiv für Orientforschung XLVI/XLVII, Wien 1999/2000, S. 156-182
ders."Die Akitu-Häuser von Ninive", in: Nouvelles Assyriologiques Brèves et Utilitaires, Paris 2000, No. 66

7.3. Zu dem Teilprojekt 2.2. ("Anfänge wissenschaftlichen Denkens")

Stefan M. Maul

"Auf den Spuren assyrischer Gelehrsamkeit", Ruperto Carola. Forschungsmagazin der Universität Heidelberg 1/97 (1997), S. 12-18
ders."Küchensumerisch oder hohe Kunst der Exegese? Überlegungen zur Bewertung akkadischer Interlinearübersetzungen von Emesal-Texten", in: B. Pongratz-Leisten, H. Kühne, P. Xella (Hrsg.), Ana schadî Labnani lu allik. Beiträge zu altorientalischen und mittelmeerischen Kulturen, Festschrift für Wolfgang Röllig, Kevelaer/Neukirchen-Vluyn 1997, S. 253-267
ders."Namburbi (Löseritual)", in: D. O. Edzard (Hrsg.), Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie, Band 9, 1./2. Lieferung Nab - Nansche, Berlin/New York 1998, S. 92-94
ders."How the Babylonians Protected Themselves against Calamities Announced by Omens", in: T. Abusch, K. van der Toorn (Hrsgs.), Mesopotamian Magic. Textual, Historical, and Interpretative Perspectives. Ancient Magic and Divination I, Groningen 1999, S. 123-129
ders."Das Wort im Worte. Orthographie und Etymologie als hermeneutische Verfahren babylonischer Gelehrter", in: G. W. Most (Hrsg.), Commentaries/Kommentare, Aporemata. Kritische Studien zur Philologiegeschichte, Band 4, Göttingen 1999, 1-18
ders."Wer baute die babylonische Arche? - Ein neues Fragment der mesopotamischen Sintfluterzählung aus Assur", MDOG 131 (1999), 155-162
ders."Sonnenfinsternisse in Assyrien. Eine Bedrohung der Weltordnung", in: H. Köhler, H. Görgemanns, M. Baumbach (Hrsg.), «Stürmend auf finsterem Pfad ...». Ein Symposion zur Sonnenfinsternis in der Antike, Heidelberg 2000, 1-12
ders."Die Heilkunst des Alten Orients", Medizinhistorisches Journal 2001, 3-22
ders."Reste einer frühneuassyrischen Fassung des Gilgamesch-Epos aus Assur", MDOG 133 (2001), 11-32
ders. "Neue Textvertreter der elften Tafel des Gilgamesch-Epos aus Assur", MDOG 133 (2001), 33-50
Jeanette C. Fincke

Augenleiden nach keilschriftlichen Quellen. Untersuchungen zur altorientalischen Medizin, Würzburger medizinhistorische Forschungen Band 70, Würzburg 2000
dies.SpTU I 88 : Ein "report" mit Auszügen aus der Omenserie schumma izbu, in: Nouvelles Assyriologiques Brèves et Utilitaires, Paris 2000, No. 27
dies.Der Assur-Katalog der Serie enuma anu enlil (EAE), OrNS 70 (2001) 19-39.
Eckart Frahm

"Die Beine der Mißgeburt", in: Nouvelles Assyriologiques Brèves et Utilitaires, Paris 1998, No. 10
ders."Anmerkungen zu den alu-Kommentaren aus Uruk", in: Nouvelles Assyriologiques Brèves et Utilitaires, Paris 1998, No. 11
ders.Artikel "Geschichtsschreibung (Alter Orient und Israel)", in: Der Neue Pauly, Bd. 4, Stuttgart, Weimar 1998, 990-991
ders."Humor in assyrischen Königsinschriften", in: J. Prosecky (Hrsg.), Intellectual Life of the Ancient Near East (Papers Presented at the 43rd Rencontre Assyriologique Internationale, Prague, July 1-5, 1996), Prag 1998, 147-162
ders."Nabû-zuqup-kenu, das Gilgamesch-Epos und der Tod Sargons II.", in: Journal of Cuneiform Studies 51, Atlanta 1999, S. 73-90
ders.Transliteration des Leberschautextes HOS/G 27, in: U. Koch-Westenholz, Babylonian Liver Omens: The Chapters Manzazu, Padanu and Pan takalti of the Babylonian Extispicy Series mainly from Assurbanipal's Library, Copenhagen 2000, 126-130
Petra D. Gesche

Schulunterricht in Babylonien im ersten Jahrtausend v. Chr., Alter Orient und Altes Testament 275, Münster 2000
Nils P. Heeßel

Babylonisch-assyrische Diagnostik, Alter Orient und Altes Testament, Bd. 43, Münster 2000

 

[1] Ein wenig irreführend wird diese Disziplin aus forschungsgeschichtlichen Gründen Assyriologie genannt. Neben dem Akkadischen (Assyrisch-Babylonisch) sind das Sumerische und das indo-europäische Hethitische die wichtigsten altorientalischen Sprachen. Daneben gehören auch die semitischen Sprachen Eblaitisch, Ugaritisch, Aramäisch, Hebräisch, Phönizisch, die anatolischen Sprachen (Hattisch, Luwisch, Lykisch) sowie Hurritisch, Urartäisch, Elamisch und das keilschriftliche Altpersisch zum Arbeitsgebiet der Altorientalischen Philologien.
[2] Als Akkadisch wird die älteste bekannte semitische Sprache bezeichnet, die in keilschriftlichen Dokumenten aus der Zeit von ca. 2800 v. Chr. bis ins 1. Jh. unserer Zeitrechnung überliefert ist. Das Akkadische spaltet sich auf in zwei Dialekte: das Babylonische und das Assyrische.

 
[3] Das Sumerische ist eine agglutinierende Sprache, die bislang keiner bekannten Sprachfamilie zugeordnet werden kann. Sumerisch ist in keilschriftlichen Dokumenten vom ausgehenden 4. Jt. v. Chr. bis ins 1. Jh. unserer Zeitrechnung bezeugt.
[4] Der Bestand an geborgenen Keilschriftdokumenten besteht aus mehreren 100.000 Tontafeln und Tontafelfragmenten. Der größere Teil davon ist unpubliziert und bislang ungelesen. Außerhalb des Faches ist kaum bewußt, daß der harte luftgetrocknete oder gebrannte Ton, aus dem Keilschrifttafeln geformt sind, neben Gold und Stein das einzige Material ist, das auf Dauer der Erosion - auch Feuchtigkeit und Feuer - trotzt. Während die Bibliothek von Alexandria verbrannte und mit ihr ein großer Teil des Wissens der klassischen Antike verloren ging, blieben Keilschrifttexte im Kulturschutt altorientalischer Siedlungen erhalten und werden bei Ausgrabungen nahezu regelmäßig wiederentdeckt. Diese Texte aus mehr als 3 Jahrtausenden (ca. 3300 v. Chr. bis zum 1. oder 2. Jh. n. Chr.) beschäftigen sich mit allen Bereichen des Lebens. Neben einer unüberschaubaren Menge von Keilschrifttexten, die das Alltagsleben dokumentieren (namentlich Wirtschafts- und Verwaltungsurkunden sowie Briefe, Gerichtsprotokolle und juristische Texte), gibt es Mythen, Hymnen, Gebete und theologische Texte, lexikalische Texte, Wörterbücher und Grammatiken, historische, medizinische, botanische, chemische, mathematische, geometrische, astronomische, astrologische, divinatorische und magische Texte und sogar Architekturzeichnungen und Stadtpläne und vieles andere mehr.

 


Verantwortlich: E-Mail
Letzte Änderung: 08.12.2008
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